Bauernregeln für den Garten: Worauf man sich verlassen kann

Bauernregeln für den Garten: Worauf man sich verlassen kann

Es gibt eine Vielzahl von Bauernregeln, die angeblich das Wetter vorhersagen sollen. Allerdings wissen Sie sicher bereits, dass die meisten dieser gereimten Regeln eher witzig als wirklich verlässlich sind. Trotzdem: In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass es durchaus ein paar Bauernregeln gibt, die häufig zutreffen. Wir verraten Ihnen, auf welche Regeln Sie sich wirklich noch verlassen können.

Geschichte und Ursprung der Bauernregeln

Bauernregeln entstanden im Laufe der Zeit durch die Beobachtung des Wetters in Abhängigkeit bestimmter Umstände. Die Menschen stellten fest, dass manche Umstände wiederholt denselben Einfluss auf das Wetter hatten und formulierten daraus Regeln, die von Generation zu Generation weitergetragen wurden. Typisch für Bauernregeln ist, dass sich die einzelnen Zeilen reimen. Dadurch lassen sie sich leichter merken. Generell versucht eine Bauernregel, aus einer bestimmten Wetterlage eine möglichst verlässliche Vorhersage für ein kommendes Ereignis zu treffen. Bei fast allen Bauernregeln geht es um die mittelfristige Vorhersage des Wetters. Oftmals wird abhängig von den Ereignissen an einem bestimmten Tag eine Aussage über das Wetter des kompletten Monats getroffen.

Darüber hinaus gibt es Bauernregeln, die sich auf die Ernte oder das Gärtnern im Allgemeinen beziehen, wie die folgenden zwei Beispiele zeigen:

  1. „Mai-Regen bringt Segen“ – Viel Regen im Monat Mai ist wichtig, damit für ein gutes Wachstum und eine ausreichende Ernte gesorgt ist.
  2. „Märzen-Schnee tut den Zarten weh“ – Kommt es im März noch einmal zu einem verspäteten Wintereinbruch, dann erfrieren frisch ausgesäte Sämlinge häufig.

Da mit solchen Bauernregeln keine Aussagen über das kommende Wetter getroffen werden, sind sie verlässlich und sollten beim Gärtnern berücksichtigt werden.

Verlässliche Bauernregeln sind an Lostage geknüpft

Die bekanntesten und verlässlichsten Bauernregen richten sich nach den Ereignissen an sogenannten Lostagen oder an Gedenktagen von Heiligen. Ein bekanntes Beispiel für einen der Lostage ist der Siebenschläfer-Tag am 27. Juni. So wie das Wetter an diesem Tag ist, soll es laut der Bauernregel sieben Wochen lang bleiben. In der Vergangenheit zeigte sich, dass sich die Wetterlagen in der ersten Juliwoche tatsächlich allmählich stabilisieren, sodass das Wetter viele Wochen lang annähernd gleich bleibt. Meteorologen gehen davon aus, dass der Wettercharakter des Hochsommers mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent in der Zeit vom 27. Juni bis zur ersten Juliwoche entschieden wird.

Zu den populärsten Gedenktagen hingegen gehören die Eisheiligen, die vom 11. bis zum 15. Mai andauern. Es gibt verschiedene Sprichworte, die sich mit diesen Tagen beschäftigen. Sie sagen sinngemäß aus, dass es bis Mitte Mai noch einmal zu Nachtfrösten kommen kann.

Tatsächlich sollten Pflanzen, die nicht winterhart sind, erst nach den Eisheiligen ins Freibeet umgesetzt werden, da sie ansonsten durch späte Nachtfröste eingehen könnten.

Gerade in Höhenlagen und Tälern sammelt sich im Mai häufig Kaltluft, die noch einmal zu Minusgraden führen kann. Auch andere bekannte Bauernregeln wie das Weihnachtstauwetter und die Schafskälte treffen aufgrund der typischen Großwetterlagen der jeweiligen Jahreszeiten häufig zu.

Kurzfristige Wettervorhersagen treffen oft zu

Bauernregeln, die auf kurzfristigen Naturbeobachtungen beruhen und daraus Ableitungen treffen, sind ebenfalls oft verlässlich. Beispiele dafür sind die folgenden Regeln:

Bauernregel Bedeutung
„Abendrot, schön Wetterbot“ Ist der Himmel am Abend rot gefärbt, so wird der nächste Tag schönes Wetter mitbringen.
„Morgenrot, schlecht Wetter droht“ Wenn der Himmel morgens rot gefärbt ist, wird das Wetter höchstwahrscheinlich schlecht.
Entfernen sich die Bienen nicht weit von der Beute, erwarten Schlechtwetter Land und Leute“ Das Wetter wird schlecht, wenn Bienen in der Nähe des Stocks bleiben.
„Verlässt der Frosch seinen Teich, wird das Wetter regenreich.“ Der Frosch verlässt nur bei hoher Luftfeuchtigkeit seine gewohnte Umgebung, weshalb Regen wahrscheinlich ist.

Insbesondere Tiere haben oft einen siebten Sinn für das Wetter, weshalb Wettervorhersagen, die sich an ihrem Verhalten orientieren, oftmals am verlässlichsten sind.

Viele Bauernregeln sind längst überholt

Die meisten Bauernregeln sind aus Sicht der Wetterexperten aber unterdessen überholt. Die Bauern hatten früher keine anderen Möglichkeiten, um das Wetter vorherzusagen. Daher war die geringe Trefferquote besser, als komplett im Dunkeln zu tappen. Seit dem 20. Jahrhundert hat sich die Qualität der Wettervorhersagen dank moderner Technologien aber erheblich verbessert. Doch nicht nur deshalb haben Bauernregeln ihre Glaubwürdigkeit verloren: Durch die Einführung des gregorianischen Kalenders verschoben sich die wichtigen Gedenktage, an die viele Bauernregeln ursprünglich geknüpft waren.

Auch der Klimawandel hat dafür gesorgt, dass Bauernregeln heute nicht mehr so verlässlich sind wie früher. Im Durchschnitt ist die Jahrestemperatur um 1,4 Grad Celsius angestiegen. Dadurch haben sich bestimmte Großwetterlagen, die mit den Bauernregeln vorausgesagt werden sollen, erheblich verändert.

Ein typisches Beispiel sind Frühlingsboten. Sie zeigen sich heute schon ungefähr drei Wochen eher als noch im 20. Jahrhundert. Dadurch verschiebt sich die Ernte ebenfalls nach vorn. Aus diesen Gründen können viele Bauernregeln, die früher durchaus ihre Daseinsberechtigung hatten, heute nicht mehr angewendet werden.

Regionale Gegebenheiten spielen bei Bauernregeln eine Rolle

Viele Bauernregeln haben regionale Wurzeln. Die Wettervorhersagen beziehen sich deshalb oft nur auf bestimmte Orte und können nicht auf beliebige Gebiete angewandt werden.

Entstand eine Bauernregel im Alpenraum, so ist sie kaum auf Gebiete am Meer übertragbar.

Ein gutes Beispiel dafür sind die Eisheiligen. Im Norden ist Mamertus der erste Tag der Eisheiligen, während in südlichen Regionen erst mit Pankratius begonnen wird. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Kaltluft, die aus dem Norden kommt, braucht einen Tag länger, bis sie auch in Süddeutschland eintrifft.

Zusammenfassung

Bauernregeln sind gereimte Verse, die meistens Aussagen über das kommende Wetter treffen und über viele Generationen weitergegeben wurden. Während einige Bauernregeln auch heute noch verlässlich sind, gelten andere als längst überholt. Sie sind nicht mehr auf die heutige Zeit anwendbar, weil sich das Klima erheblich verändert hat und viele Regeln zudem von regionalen Besonderheiten abhängen.

Artikelbild: © Sofiaworld / Shutterstock

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.