Bauzinsen: Wie man von den Niedrigzinsen langfristig profitiert

Bauzinsen: Wie man von den Niedrigzinsen langfristig profitiert

Niedrige Bauzinsen – das ist alles, was Häuslebauer und Immobilienkäufer hören möchten. Seit 2012 sinken die Bauzinsen und sorgen bei den Verbrauchern für Furore. Bauzinsen unterliegen jedoch keiner Regel. Heute sind sie niedrig, morgen steigen sie wieder. Das birgt gewisse Probleme für Häuslebauer und Immobilienkäufer, die ihre gesamte Zukunft auf die Zinsen legen.

Warum niedrige Zinsen nicht automatisch alles einfacher machen

Niedrige Zinsen werden von Verbrauchern als Rettung angesehen, sich endlich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen. In Realität bergen sie aber einige Tücken:

  • niedrige Zinsen bleiben nicht immer auf diesem Niveau
  • kritisch wird es bei der kommenden Anschlussfinanzierung

Für Verbraucher bedeutet das konkret: Niedrige Zinsen erfordern eine äußerst genaue Finanzplanung. Das gilt insbesondere für Interessierte, die sich früher kein Eigenheim leisten konnten, weil die Zinsen zu hoch waren.

Niedrige Zinsen bringen ein zweites Problem mit sich: Weil die Zinsen so niedrig sind und sich viele Verbraucher auf sie stürzen, steigen im selben Zeitraum häufig die Immobilienpreise. Den niedrigen Zinsen stehen also höhere Preise für Wohneigentum gegenüber.

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln liegen die Preise für Immobilien derzeit unter den Mietpreisen. Das Bauen und kaufen ist also aktuell günstiger als das Mieten – genau genommen bereits seit Ende 2011 ist das der Fall. Trotz schwankender Zinsen und Immobilienpreisen haben sich die Mietpreise in den letzten Jahren konstant nach oben entwickelt.

Der Hausbau oder -kauf ist also für viele Verbraucher eine rentable Möglichkeit, sich für die Zukunft abzusichern. Auf www.bauzinsenvergleich.net haben sie die Möglichkeit, die aktuell gültigen Bauzinsen verschiedener Anbieter zu vergleichen. Wichtig ist, sich die Konditionen genau anzusehen und die Angebote zu vergleichen. Wie bereits erwähnt, ist der Jahreszins alleine kein Argument, einen Anbieter auszuwählen. Die monatliche Rate und Restschuld ist genauso wichtig.

Wenn die Zinsfrist abläuft

Niedrige Zinsen sind für Verbraucher eine wahre Herausforderung, wenn es darum geht, für die nächsten 20 oder 35 Jahre zu planen. Viele Menschen wissen nicht, was sie morgen essen werden. Wie soll man seine Finanzen für die nächsten Jahrzehnte planen?

Die größte Herausforderung bei der Finanzplanung ist die Zinsfrist, die in wenigen Jahren ablaufen wird. Zu diesem kritischen Punkt müssen Häuslebauer und Immobilienkäufer ihren Kredit neu verhandeln. Hier kann es zwei Szenarien geben:

  1. Die Zinsen befinden sich auf einem ähnlichen niedrigen Niveau
  2. Die Zinsen sind weitaus höher als früher

Das erste Szenario ist der Idealfall und für die Kreditnehmer kommen keine großen Veränderungen auf. Beim zweiten Fall hingegen entstehen Probleme: Höhere Zinsen bedeuten auch größere monatliche Zahlungen – und diese hat man unter Umständen vorher nicht eingeplant.

Um diese Probleme von Anfang an zu vermeiden, kommen drei Lösungen infrage:

  1. Tilgungsrate: Experten empfehlen, von den niedrigen Zinsen zu profitieren, indem man sie in eine hohe Tilgung investiert. Das dadurch gesparte Geld können Verbraucher in einen rapiden Schuldenabbau stecken. Kommt der Tag der Anschlussfinanzierung, ist die Restschuld geringer. Eventuell angestiegene Zinsen sind dann auch ein kleineres Problem.
  2. Zinsbindung: Niedrige Zinsen sind ein Geschenk, welches man nicht alle Tage erhält. Es ist sinnvoll, sich diese für eine möglichst lange Zeit zu sichern. Anstelle der üblichen Zinsbindungsfrist (zehn Jahre) können Kreditnehmer die Kondition für 15 bis 20 Jahre festschreiben. Solche Laufzeiten bedeuten häufig einen Aufschlag.
  3. Volltilgerdarlehen: Die dritte Variante ist das Volltilgerdarlehen. Der Kunde legt fest, wann er sein schuldreifreies Leben beginnen möchte. Die Tilgung wird entsprechend den Wünschen festgelegt. Verbraucher entgehen so der Gefahr der Anschlussfinanzierung, müssen aber auch entsprechend höhere monatliche Raten zahlen und einen größeren Zinssatz in Kauf nehmen.

Die nachfolgende Tabelle soll verdeutlichen, wie unterschiedliche die monatliche Rate und Restschuld bei den drei verschiedenen Lösungen ausfallen. Für die Berechnungen gehen wir von einer Hypothek in Höhe von 100.000 Euro mit mindestens 20 Prozent Eigenkapital aus.

Effektivzins in % monatliche Rate in € Restschuld in €
10 Jahre Zinsbindung; 2 % Tilgung 1,49 290,00 78.458
10 Jahre Zinsbindung; 3 % Tilgung 1,49 373,33 67.688
20 Jahre Zinsbindung; 2 % Tilgung 2,10 340,00 50.448
20 Jahre Zinsbindung; 3 % Tilgung 2,10 423,33 25.673
Volltilger 30 Jahre 2,59 398,25 0
Quelle: focus.de

Welche der drei Lösungen infrage kommt, hängt stark von der persönlichen Situation des Interessierten ab:

  • Wie hoch ist das monatliche Haushaltseinkommen?
  • Wie hoch ist die Anzahlung?
  • Wie sicher ist der Arbeitsplatz?
  • Wie hoch sind die finanziellen Reserven?
  • Wie alt sind die Finanzierer?

Ein junges Paar kann sich auf eine längere Laufzeit verschulden als Partner, die bereits älter als 30 oder 40 Jahre sind. Letztere haben unter Umständen ein höheres Einkommen, sodass sie einen Volltilger nutzen können.

Das Forward-Darlehen als Anschlussfinanzierung

Nicht alle Verbraucher können von niedrigen Bauzinsen profitieren. Viele haben sich den Traum vom Eigenheim bereits erfüllt, jedoch zu höheren Zinsen als aktuell erhältlich.

Verbraucher, bei denen eine Anschlussfinanzierung ansteht, sollten ebenfalls von niedrigen Bauzinsen profitieren. Laut Martin Weber, Professor an der Universität Mannheim, sind die Zinsen seit 1984 mit Schwankungen gesunken. Dass sie aber auf diesem Niveau bleiben, ist ungewiss. Verbraucher sind deshalb beraten, eine Anschlussfinanzierung im jetzigen Zinsumfeld mit einer möglichst langen Zinsbindung zu realisieren. Auch wenn der Zinssatz höher ausfällt, kann man sich diese weiterhin niedrigen Zinsen langfristig sichern – unter Umständen sogar so lange, bis man das Darlehen komplett abbezahlt hat.

Verbraucher haben die Möglichkeit, sich niedrige Zinsen im Voraus zu sichern. Sie schließen mit ihrer Bank einen neuen Vertrag ab. Er tritt aber erst in Kraft, sobald das bisherige Finanzierungsmodell ausläuft. Laut Hartmut Schwarz von der Verbraucherzentrale Bremen kostet der Service 0,02 bis 0,1 Prozent je Monat Vorlaufzeit. Weiterhin empfiehlt er Verbrauchern, ein Forward-Darlehen maximal 18 Monate im Voraus abzuschließen. Wer früher abschließt, kann den Zinsverlauf nicht richtig einschätzen.

Der Abschluss eines Bausparvertrags kann Verbrauchern ebenfalls günstige Zinsen bescheren. Diesen können sie parallel zum aktuellen Darlehen ansparen. Ziel ist es, den Bausparvertrag so zu planen, dass er das Restdarlehen der Bank ablöst. Häufig reicht es aus, 30 bis 40 Prozent der Bausparsumme im Bausparvertrag anzusparen.

Zusammenfassung

Bauzinsen sind ein wichtiger Faktor beim Bau des zukünftigen Eigenheims. Ihre Höhe entscheidet darüber, wie hoch die monatlichen Raten ausfallen. Niedrige Bauzinsen sind aber nicht automatisch die beste Wahl. In Zeiten von Niedrigzinsen sollten Bauherren etwas höhere Bauzinsen in Kauf nehmen und so das Darlehen schneller beziehungsweise mit weniger Restschuld tilgen.

Artikelbild: © OPOLJA / Shutterstock

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