Die Brennnessel – unterschätzte Heil- und Küchenpflanze

Die Brennnessel – unterschätzte Heil- und Küchenpflanze

Die Brennnessel (lat. Urtica) ist wohl eines der bekanntesten Kräuter. Für viele ist sie einfach nur ein lästiges Unkraut, deren Brennhaare äußerst unangenehm werden können. Vermutlich ist jeder schon einmal mit einer Brennnessel auf Tuchfühlung gegangen und kennt den Schmerz genau. Was einige vielleicht noch nicht wissen, die Brennnessel ist eine Heil- und Küchenpflanze mit vielfältigen Wirkungen. 

Anbau, Aussaat und Pflanzung von Brennnesseln

Brennnesseln können im Garten von hohem Nutzen sein. Zudem können die Pflanzen in der Küche oder als Heilpflanze verwendet werden. Für die Raupen einiger Schmetterlinge, wie die des Tagpfauenauges oder des Kleine Fuchs, bilden sie die Nahrungsgrundlage. Alles gute Gründe, die einen Anbau von Brennnesseln im eigenen Garten lohnenswert machen.

Brennnesseln können aus Samen vorgezogen und die Jungpflanzen später ins Freiland gepflanzt werden. In kleinen Töpfen werden die Brennnesselsamen ab März angesät. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Pflanzensamen am besten in stets feuchter Erde gedeihen. Im April können die jungen Brennnesseln dann ins Freiland gepflanzt werden. 

Die Brennnesseln gehören zu den Frostkeimern, die Minustemperaturen zum Keimen vorziehen. Um das zu erreichen, können Sie die Samentöpfchen nachts nach draußen stellen und tagsüber wieder ins Warme holen. 

Merkmale, Aussehen und Wuchs

Das Aussehen der Brennnessel kommt auf ihre Art an. Die Große Brennnessel kann eine Höhe bis zu 150 Zentimetern erreichen. Die Kleine Brennnessel wird maximal 50 Zentimeter hoch. Während die Große Brennnessel (Urtica dioica) entweder weibliche oder männliche Blütenstände ausbildet, finden sich bei der Kleinen Brennnessel (Urtica urens) weibliche und männliche Blüten. Diese erscheinen zwischen Juni und Oktober. 

Die Blätter der Brennnessel können bis zu 20 Zentimeter lang werden, haben einen gezackten, gesägten Rand und laufen am Ende des Blattes spitz zu. Die Brennnesselblätter wachsen gegenständig. Bei mehreren Brennnesseln nebeneinander bilden die Blätter ein kuppelartiges Dach aus. Die Wurzel der Brennnessel kann bis zu 20 Zentimeter lang werden. Wachsen viele Pflanzen auf einem Fleck, bilden die Wurzeln ein kompliziertes Geflecht, das schwer voneinander zu trennen ist. 

Steckbrief Brennnsessel
Blütenfarbe gelb-bräunlich
Blütezeit (Monat) Juni bis Oktober
Blütenform Rispen
Blattfarbe grün
Blattform länglich, gesägt, spitz zulaufend
Zier- oder Nutzwert Heilpflanze und Küchenkraut
Verwendung Alle Pflanzenteile
Winterhärte winterhart
Wuchseigenschaften aufrechter Wuchs
Licht sonnig bis halbschattig
Bodenart sandig, kiesig, steinig
Bodenfeuchte keine Staunässe
ph-Wert neutral bis schwach sauer
Kalkverträglichkeit kalktolerant
Nährstoffbedarf nährstoffreich
Humus humusreich
Gartenstil Apothekergarten, Bauerngarten, Gemüsegarten, Kräutergarten, Topfgarten

Die Brennhaare – ein äußerst wirksamer Verteidigungsmechanismus

Die Besonderheit der Brennnessel sind ihre feinen Brennhaare, die die Blätter und Stängel überziehen. Werden die Brenn- oder Kapillarhärchen berührt, brechen diese und die Brennnessel sondert Histamine und Proteine ab, die den charakteristisch brennenden und juckenden Ausschlag verursachen. Die abgegebene Ameisensäure hat eine langanhaltende Wirkung und die Berührung einer Brennnessel kann über einen längeren Zeitraum schmerzhaft bleiben. 

Pflanzenfamilie und Sorten

Die Brennnessel gehört zu den Brennnesselgewächsen. Bei uns zählen die Große Brennnessel (Urtica dioica) und die Kleine Brennnessel  (Urtica urens) zu den am häufigsten vorkommenden Arten. Die Brennnesselgewächse gehören zur Gattung der Rosengewächse.

Herkunft und Vorkommen der Brennnessel

Die Brennnessel ist fast weltweit verbreitet. Durch ihr hohes Vorkommen wird sie oft als lästiges Unkraut angesehen und entfernt. Die Brennnessel wächst besonders gut auf nährstoffreichen Böden und siedelt sich gerne an Wegesrändern an. Sie ist zudem ein  guter Indikator für stickstoffreichen Boden.  

Ernte und Lagerung

Zwischen August und November können die Brennnesselsamen gesammelt werden. Zu Beginn der Erntezeit sind die Samen noch grün und werden zum Ende hin immer brauner. Die Verfärbungen beeinträchtig die Wirkung in keinster Weise. Der Nährstoffgehalt ist bei den braunen Samen lediglich höher, was zu einem etwas anderen Geschmack im Vergleich zu den grünen führt.

Die Brennnesselsamen werden nur von weiblichen Pflanzen gesammelt. Diese unterscheiden sich an den Blütenständen. Männliche Samen stehen horizontal vom Stängel ab, währende weibliche an der Brennnessel hängen. Die Samen werden zuhause entweder in einem speziellen Dörrautomaten oder im herkömmlichen Backofen getrocknet. Anschließend werden sie luftdicht verschlossen in Gläsern aufbewahrt.  Wer nicht gerne selbst Brennnesseln und Brennnesselsamen sammeln möchte, der kann diese auch im Reformhaus oder bequem im Internet kaufen. 

Die Blätter der Pflanze  werden zwischen Mai und September geerntet. Die Ernte der Brennnesseln erfolgt am besten bei Trockenheit. Die Konzentration der Inhaltsstoffe ist hier am höchsten. Zur Verwendung in der Küche eignen sich am besten die jungen Triebe. 

Um die lästigen Brennhaare unschädlich zu machen, streichen Sie mit Handschuhen von unten nach oben über die Pflanzentriebe. Die Brennhaare brechen so ab und richten keinen Schaden mehr an. 

Pflege, Krankheiten und Schädlinge der Brennnessel

Brennnesseln sind bei vielen Schmetterlingsarten beliebt. Die Schmetterlinge legen ihre Eier an der Blattunterseite ab. Schlüpfen die Raupen, ernähren sie sich vorwiegend von den Blättern der Brennnessel. Da Brennnesselpflanzen meist gehäuft vorkommen, können sie den Raupenfraß gut vertragen. Die Brennnessel können auch von verschiedenen Pilzarten heimgesucht werden, die Ernteausfälle verursachen. Eine befallene Pflanze sollte sofort aus dem Bestand entfernt werden. 

Sollten die ersten Anzeichen eines Pilzbefalls erkennbar sein, darf die Pflanze nicht mehr verzehrt werden, da die Pilze gesundheitsschädigend sein können. 

Anwendungsgebiete und -beispiele, Nutzung und Heilwirkung

Die Brennnessel ist sowohl als Heilpflanze als auch als Küchenkraut vielseitig einsetzbar. Durch die vielen Vitamine und Mineralstoffe in den Blättern liefert sie Energie und ist eine schmackhafte Beigabe zu vielen Speisen. Zur innerlichen und äußerlichen Anwendung können alle Teile der Brennnessel genutzt und verarbeitet werden. Die Wurzel und Samen verfügen ebenfalls über heilende Wirkstoffe. Ob als Tee oder Saft, im Salat oder Müsli, die Brennnessel ist ein echter Allrounder. 

Brennnesselsamen – winzige Energielieferanten 

Brennnesselsamen sind wahre Energie- und Vitaminbomben. Sie können frisch oder getrocknet im Müsli oder Tee verwendet werden. Die Samen verleihen jedem Salat das gewisse Etwas. Viele Sportler nutzen die sie als Eiweißlieferant zum Muskelaufbau.

Brennnesseltee – Balsam für den Körper

Für einen leckeren Tee werden die getrockneten Brennnesselblätter mit heißem, nicht kochendem Wasser übergossen. Nach ein paar Minuten Ziehzeit ist der Tee fertig zum Genießen. Brennnesseltee genießt einen guten Ruf. Besonders bei Harnwegsinfektionen wie z.B bei einer Blasenentzündung unterstützt seine entzündungshemmende und harntreibende Wirkung die Heilung. Der hohe Vitamin- und Mineralstoffgehalt der Blätter versorgt den Körper mit wichtigen Nährstoffen und stärkt so das Immunsystem.  Brennnesseltee kann äußerlich angewendet auch bei Hautunreinheiten helfen. 

Die Brennnesselwurzel – altbekanntes Mittel bei Prostatabeschwerden und Harnwegsentzündungen

Die Wurzel der Brennnessel wird bei einer Prostatavergrößerung eingesetzt, die oft Männer in späteren Alter betreffen kann. Auch bei Harnwegsinfektionen ist ein Griff zu Präparaten aus Brennnesselwurzel ratsam. Die Einnahme des Wurzelextrakts wirkt harntreibend. Durch die  vermehrten Toilettengänge werden schadhaften Bakterien aus der Harnröhre gespült und die Infektion kann schneller abklingen. Die Brennnesselwurzel ist im Handel meist in Form von Kapseln und Dragees erhältlich. 

Die Brennnessel in der Küche – Ein Energiebooster für jedes Essen

Die Brennnesselblätter sind neben der Teezubereitung auch in der Küche verwendbar. Sie können wie Spinat zubereitet als Beilage verwendet werden oder bilden die Grundlage von leckeren Smoothies, Suppen und Salaten. Zum Essen werden die jungen Blätter und Triebe verwendet, da an ihnen noch keine Brennhaare gewachsen sind. 

Nur Mut! Die Brennnessel ist auch in der Küche ein echter Alleskönner. Mit Brennnessel als Zutat wird das Essen zum wahren Energiebooster und stärkt zudem die Abwehrkräfte.

Brennnesseljauche – der perfekte Dünger für den Garten

Brennnesseljauche eignet sich hervorragend als biologischer Dünger, der leicht selbst herzustellen ist. Zur Herstellung werden lediglich ein paar wenige Dinge benötigt. 

  • Brennnesseln
  • Wasser
  • Plastikbehälter
  • Schere und Handschuhe

Die benötigten Pflanzen werden nah am Boden abgeschnitten. Anschließend werden die kleingeschnittenen Brennnesseln in den Plastikeimer gelegt. 

Das beste Ergebnis wird mit der Verwendung eines Plastikeimers erzielt. Alle anderen Gefäße erweisen sich durch Wechselwirkungen mit den Inhaltstoffen der Brennnessel als untauglich.

Die  Brennnesseln werden anschließend mit Wasser bedeckt. Der leicht abgedeckte Plastikeimer wird nun an einen möglichst warmen Ort gebracht, damit sich die Bakterien gut vermehren können. Die Brennnesseljauche sollte mindestens einmal am Tag umgerührt werden, da zur Gärung Sauerstoff nötig ist.  Diese ist an der Bläschenbildung an der Oberfläche erkennbar. Wenn die Bläschen allmählich verschwinden, kommt der Gärungsprozess zum Ende und die Brennnesseljauche ist einsatzbereit und kann den Pflanzen als Dünger zugesetzt werden. 

Brennnessel im Kurzcheck

Durch ihre gesunden Inhaltstoffe lindern die Große und Kleine Brennessel  (Urtica dioica, urtica urens) eine Vielzahl an Beschwerden. Die Brennesseln kennzeichnen sich durch ihre 

  • antibakterielle
  • entzündungshemmende
  • harntreibende
  • energieliefernde

Wirkweise und werden vor allem bei

  • Harnwegsinfektionen
  • Rheumatischen Beschwerden
  • Entzündungen an Gelenken
  • Prostatabeschwerden
  • Hautirritationen

gerne eingesetzt.

Inhaltstoffe der Brennnessel

Alle Pflanzenbestandteile der Brennessel werden genutzt und verfügen über eine charakteristische Zusammensetzung der Inhaltsstoffe. 

  • Blätter: In den Blättern reichern sich eine Vielzahl von Mineralstoffen an. Eisen, Kalium, Kupfer, Mangan und Magnesium machen den Großteil der Inhaltstoffe in den Blättern aus. Neben den Mineralstoffen finden sich eine Reihe Vitamine (B1, C und K) in den Brennesselblättern.
  • Wurzel: In der Wurzelsind Gerbstoffe, Polysaccharide und Lignane gespeichert.
  • Samen: Die Brennnesselsamenenthalten neben Vitaminen noch Öle und Linolsäure.

Infos zur Giftigkeit der Brennnessel 

Die Brennnessel ist ungiftig. Es kann jedoch wie bei allen Arznei- und Heilpflanzen zu Unverträglichkeiten kommen. Die Brennhaare können in seltenen Fällen zu einer allergischen Reaktion führen. 

Wissenswertes zu Brennnesseln

Wussten Sie, dass die Brennessel zur Stoffgewinnung eingesetzt werden kann? Die Fasernessel ist eine Unterart der Großen Brennessel. Aus ihren langen Stängeln können Fasern gewonnen werden, die zu Nesseltüchern verarbeitet werden. Die Nesselfasern weisen eine hohe Reißfestigkeit auf. Der kommerzielle Anbau und die Verarbeitung von Fasernesseln ist jedoch nicht weit verbreitet und fast gänzlich in Vergessenheit geraten. 

Fazit

Die Brennessel wird schon seit dem Altertum als Heilpflanze geschätzt und ihre gesundheitsfördernde Wirkung ist mittlerweile durch einige Studien belegt. Trotz ihrer Brennhaare ist die Pflanze ein echter Alleskönner und leidet manchmal zu Unrecht unter ihrem schlechte Ruf als Unkraut. 

Artikelbild: Madeleine Steinbach / Bigstock.com

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