Dachziegel-Farben: Mehr als nur eine schöne Optik

Dachziegel-Farben: Mehr als nur eine schöne Optik

Form und Farbe von Dächern sind von Region zu Region verschieden. Geprägt werden sie von den verfügbaren Materialien und den örtlichen Rahmenbedingungen. Der Norden beispielsweise ist für seine steilen Dächer bekannt; Neigungen von mehr als 30 Grad sind üblich. Der Grund: Das Wasser soll schnell abgeleitet werden. Im Süden hingegen gibt es flache Dachneigungen. Welche Farben sind aber charakteristisch und was ist bei der Farbwahl zu beachten? Auf diese Fragen gehen wir im Anschluss ein.

Das Verständnis für Architektur hat sich in den vergangenen Jahren gemeinsam mit dem Bedarf für neue Energiemöglichkeiten gewandelt. Dächer sehen nicht nur verspielt aus, sie werden immer häufiger von Solarkollektoren und Windrädern geziert. Dachflächen haben folglich einen neuen Nutzen: Sie erzeugen Energie. Außerdem entstand in dem früher unbewohnten Dachraum, durch den einst der Wind wehte, ein gemütlicher Wohnraum. Diese Entwicklung ist modernen Baustoffen zu verdanken.

Auch bei den Dachziegeln gab es in den letzten Jahrzehnten viele Veränderungen. Neue Möglichkeiten stehen zur Verfügung, das Dach farblich von dem des Nachbarn abzuheben – doch das ist nicht immer erlaubt.

Glänzende Dachziegel

Es ist schwierig, über Farben zu sprechen. Jeder Mensch hat eine eigene Farbwahrnehmung. Bei der Farbe gab es in den vergangenen Jahren ähnliche Entwicklungen. Grundsätzlich dienen farbige Dachziegel zur Identifikation einer Region. Durch neue Materialien hat sich aber ein Trend zur Verwendung glänzender Oberflächen entwickelt.

Der Trend begann um 2008: Wie die Speckschwarten begannen Dachflächen in Deutschland, zu glänzen. Im selben Jahr begannen die ersten Gegner, ihre Unzufriedenheit kundzugeben. Einige behaupteten, die glänzenden Dachziegel würden Autofahrer blenden und forderten ein Verbot.

Über die Lebensdauer dieser Dachziegel gibt es bislang keine klaren Daten – dafür ist das Produkt noch zu jung. Ein Problem ist aber bekannt: Die Ziegel werden mit Glaspulver überzogen und somit praktisch isoliert. Das Problem: Bei normalen Ziegeln findet ein Feuchteausgleich statt; bei den glänzenden Varianten müssen im Herstellungsprozess Poren eingelassen werden, damit es keine Probleme gibt.

Monochromie & Farbwirkung

Bei grobkeramischen Produkten wie Dachziegeln kann keine Monochromie (Farbgleichheit) erreicht werden. Soll heißen: Jeder Dachziegel ist ein Unikat – und das kann beim Anblick des Daches aus nächster Nähe durchaus auffallen. Aus der Ferne hingegen sind die kleinen Unterschiede nicht bemerkbar. Aber: Wenn Sie einen Dachdecker beauftragen, sollte er auf dieses Problem hinweisen.

Bei der Farbwahl und beim Kauf von Dachziegeln müssen Heimwerker weitere Faktoren beachten, die die Farbwirkung beeinflussen:

  1. Objektabhängige Faktoren
    • Grundfarbe der Dachziegel,
    • deren Oberflächenbeschaffenheit und
    • ihr Profil.
  2. Andere Faktoren
    • Dachneigung,
    • Einfluss von Licht & Schatten,
    • Ablagerungen und
    • die Feuchte.

Natürlich sind menschliche Faktoren nicht außer Acht zu lassen. Jeder Mensch hat persönliche Vorzüge bei der Farbwahl und nimmt die Töne verschieden wahr.

Vorschriften bei der Farbwahl

Abseits der Farbwirkung und den verschiedenen Materialien steht es Häuslebauern nicht unbedingt frei, die Farbe ihren Vorstellungen entsprechend zu verwenden. Wie bereits erwähnt: Man kann ganze Regionen an den Dachformen und -farben erkennen – und das soll sich in Zukunft nicht ändern.

Für grelle Farben, die die Harmonie einer Dachlandschaft stören würden, herrscht in den meisten Regionen der Bundesrepublik ein Verbot. Natürlich muss man sich fragen, warum ein pinkfarbenes Dach störender als ein Dach mit glänzenden Ziegelsteinen wäre – aber so lauten die Regeln.

Deshalb gilt: Bevor man sich für eine Farbe entscheidet, sollte man sich die Bebauungspläne und Bauordnungen der Kommune verinnerlichen. Darin sind in der Regel strenge Regeln bezüglich der Form, Farbe und Materialwahl von Ziegelsteinen festgelegt.

RAL-Vorschriften in Neubaugebieten

Zu den genannten Vorschriften bei der Farbwahl zählen immer wieder die sogenannten RAL-Farben. Aber: In der Ziegelindustrie gelten diese Farbangaben eigentlich nicht.

In einigen Fällen wird versucht, mit den RAL-Angaben Farbtöne auszuschließen, die nicht auf den Dächern einer Kommune gewünscht sind. Gefordert wird zum Beispiel Rot, damit es keine schwarzen Dächer gibt; akzeptieren würde man theoretisch auch einen dunkelroten Farbton – schon ist der Häuslebauer verwirrt.

Im Zweifelsfall ist immer bei der zuständigen Stelle nachzufragen, was erlaubt ist und was nicht. Wer nämlich die Dachziegel kauft und die Vorschriften missachtet, muss im schlimmsten Fall sein Dach neu eindecken.

Es gibt aber Ausnahmen: Betreiber einer Photovoltaikanlage können im Regelfall dieselbe Farbe für ihre Dachziegel wählen, die auch ihre Photovoltaikanlage hat – das gilt selbst dann, wenn sie die vorgeschriebene Farbe missachten würden. Hierzu müssen sich Bauherren zuvor eine Bauvorschrift einholen.

Dachziegel nicht nach Onlinefotos kaufen

Wenn alle Vorbereitungen getroffen sind, kann der Einkauf der Dachziegel beginnen. Zur Orientierung ist es sinnvoll, sich einige Produkte im Internet anzuschauen. Aber: Die Dachziegel sollte man nicht anhand der Produktfotos kaufen. Meist folgt die böse Überraschung, dass die Farbe in Realität anders ausschaut als auf dem Foto.

Bedenken Sie: Bei der Erstellung des Fotos wirken Faktoren wie künstliches Licht, die Umgebung für das Fotoshooting sowie die Kalibrierung Ihres Monitors. Lassen Sie sich Muster aushändigen und betrachten Sie diese unter verschiedenen Bedingungen im Freien (sonnig, bewölkt, etc.).

Zusammenfassung

Dachziegel gibt es in den verschiedensten Farben und Materialien. Selten können Häuslebauer die Farbe frei wählen. Im Regelfall müssen sie sich an die örtlichen Regeln halten.

Artikelbild: © kotist / Bigstock.com

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