Dachziegelarten: Diese Formen gibt es

Dachziegelarten: Diese Formen gibt es

Wer ein Haus bauen will, muss sich früher oder später auch mit der Frage beschäftigen: Welche Ziegel sollen auf das Dach? Es gibt eine schwer zu überschauende Vielfalt an Dachziegeln auf dem Markt, jede Art hat Vor- und Nachteile. Vor allem der Faktor Regeldachneigung spielt dabei eine wichtige Rolle. Dahinter versteckt sich die Neigung, bis zu der Tondachziegel einen ausreichenden Schutz geben. Welche Ziegelart ist für welche Neigung geeignet?

Dachziegelarten damals und heute

Die Dächer mit Ziegel einzudecken, kann auf eine lange Tradition zurückschauen. Schon 450 Jahre vor Christus haben die Menschen erste Tondächer erstellt, der griechische Schriftsteller Pindar schreibt die Erfindung den Korinthern zu. Die Römer brachten eine Mischung aus Lehm und Ton in diese Tradition ein.

Im Mittelalter zierten sie oft nur kirchliche Gebäude. Erst im 12. Jahrhundert verbreiteten sich die Ziegel auch bei Burgen und Adelssitzen, im 13. Jahrhundert wurden sie vermehrt für Dächer in den Städten verwendet. Ab dem 15. Jahrhundert war ihre Verbreitung massenhaft. Doch bis ins 20. Jahrhundert gab es Probleme mit der Frostsicherheit (PDF).

Heutige Dachziegelproduktionen verfügen über Mittel, diesen Problemen entgegenzuwirken. Die Farbe der Ziegel resultiert aus den Brenntechniken. Engoben und Glasuren bieten Varianz in den Farben und machen die Dachziegel auch UV-beständig. Dennoch ist längst keine Farbvielfalt erreicht, wie es bei Dachsteinen der Fall ist.

Auch Dachsteine aus Beton werden umgangssprachlich als Dachziegel bezeichnet. Doch in der eigentlichen Definition gehören Dachsteine nicht zu den Ziegeln, die traditionell aus Ton hergestellt werden. Zu den Betonsteinen gehören zum Beispiel die Finkenberger Pfanne oder die S-Pfanne.

Dachziegel werden je nach Herstellungsverfahren unterschieden. Heutzutage gibt es zwei wichtige Gruppen: Strangdachziegel und Pressdachziegel!

Strangdachziegel

Das Herstellungsverfahren von Strangdachziegel geht auf die Ziegelei Heerbrugg im Jahr 1880 zurück. Sie werden in einem endlosen Tonstrang hergestellt – was die Namensgebung erklärt. Die erforderliche Länge wird mit einem Drahtabschneider realisiert. Strangdachziegel haben meist keinen Falz. Sie eigen sich besonders für Dächer mit einer Neigung über 30 Grad. Zu ihnen gehören:

  • Hohlpfannenziegel
  • Biberschwanzdachziegel
  • Strangfalzziegel

Der Falz sorgt bei Dachziegel dafür, dass sie an den Rändern ineinandergreifen. Ohne diese muss das Dach in zwei Lagen übereinander gedeckt werden (Kronendeckung oder Doppeldeckung), damit dies dicht ist.

Hohlpfannenziegel

Dieser Ziegel hat keinen Falz, jedoch einen langen Eckanschnitt, sodass er in sogenannter Vorschnittdeckung verlegt werden kann. Der Hohlpfannenziegel ergibt ein dichtes und vor allem ebenmäßiges Dachbild. Er findet sich vor allem auf denkmalgeschützten Gebäuden oder dort, wo Fledermäuse mit Vorliebe leben. Die Regeldachneigung für den Hohlpfannenziegel kann 30 bis 35 Grad betragen, bei Ziegeldächern mit einer Unterkonstruktion auch nur 20 bis 25 Grad.

Biberschwanzdachziegel

Dieser Ziegel findet sich oft bei Sanierungsprojekten wertvoller Gebäude oder dort, wo ein individuelles Dach auffallen soll. Er wird in sogenannter Kronendeckung oder Doppeldeckung verlegt, um die Dichtheit des Daches zu gewährleisten. Den Namen verdankt er seiner Geometrie: an der Unterseite ist er halbrund geformt und erinnert daher an einen Biberschwanz. Der Dachziegel ist optisch an der Oberfläche vollständig flach und wird mithilfe eines Vorsprungs eingehängt. Seine Verwendung ist vor allem in Süd- und Ostdeutschland beliebt. Die Regeldachneigung sollte 30 Grad und mehr betragen. Bei einem regensicheren Unterdach kann sie auch zwischen 20 und 30 Grad liegen.

Strangfalzziegel

Eine Weiterentwicklung der Biberdeckung ist der Strangfalzziegel. Die Verfalzung ersetzt die Schindelunterlage und er war oft auf landwirtschaftlichen Gebäuden zu finden. Seine größte Beliebtheit war um die Jahrhundertwende des letzten Jahrhunderts. Diese alte Form von Dachziegeln findet jedoch auch heute noch Verwendung – gerade dann, wenn die Dachfläche optisch wirken soll. Den Strangfalzziegel gibt es mit glatter Oberfläche ebenso wie mit gewölbter Form. Er ist für Dächer zwischen 20 und 90 Grad Regelneigung geeignet.

Pressdachziegel

Im Unterschied zum Strangdachziegel werden Pressdachziegel einzeln gepresst. Im Stempelpressverfahren entstehen sie ohne und mit Falz. Dieses Herstellungsverfahren hat die Formenvielfalt um einiges vergrößert – Ziegel in unterschiedlichsten Designs entstanden. Auch größere Ziegel sind möglich. Zudem werden spezielle Formziegel gefertigt, die an Dachrändern und Durchgängen schützen. Typische Pressdachziegel sind:

  • Mönch- und Nonnenziegel
  • Krempziegel
  • Flachdachziegel
  • Hohlfalzziegel
  • Doppelmuldenfalzziegel
  • Reformziegel

Mönch- und Nonnenziegel

Dieser Ziegel wurde in der Vergangenheit vor allem für Klöster im mediterranen Raum verwendet. Er ist ein zweiteiliger Ziegel – zwei halbierte Hohlzylinder, die kegelförmig an der Seite zueinander verkeilt sind. Die unteren, schweren Ziegel werden Nonnen bezeichnet, der obere leichtere Teil ist der Mönch, der über die Stoßfuge der zwei Nonnen angebracht wird. In vielen Fällen wurde hier Mörtel verwendet. Heute ist diese Form der Dachdeckung oft nur bei alten Gebäuden zu finden. Aber auch Häuser im mediterranen Stil werden heute noch gern mit diesen Ziegeln gedeckt. Sie sind für Dächer mit einer Regeldachneigung zwischen 19 und 24 Grad geeignet.

Krempziegel

Auch der Krempziegel verfügt über eine Jahrhunderte alte Tradition und ist ebenso bei vielen historischen Gebäuden zu finden. An der Seite verläuft eine Krempe kegelförmig, die die einzelnen Ziegel überdachen lässt. Der Ziegel ist besonders beständig, Häuser aus dem 11. Jahrhundert tragen ihn heute immer noch. Er braucht eine Regeldachneigung über 35 Grad.

Flachdachziegel

Entgegen seinem Namen ist der Flachdachziegel nicht für das Flachdach, sondern jedoch für flach geneigte Dächer geeignet und somit vielseitig einsetzbar. Diese sollte mindestens 10 Grad betragen. Der Doppelfalz macht es möglich: Der Flachdachziegel verfügt über einen speziellen Falz – das Wasser wird in eine Mulde geleitet, die unter dem benachbarten Ziegel versteckt ist. Diese Wölbung bietet auch optisch ein wunderbares Spiel zwischen Licht und Schatten auf dem Dach. Zudem zeichnen sich Flachdachziegel durch einen geringen Bedarf an Material aus: Nur acht bis neun Pfannen werden pro Quadratmeter benötigt.

Hohlfalzziegel

Auch diese Ziegelart eignet sich für flach geneigte Dächer und kann bereits bei einer Regelneigung von zehn Grad eingesetzt werden. Die Falztechnik macht es auch hier möglich, dass der Dachziegel sicher und stabil liegt. Die Form ist tief und harmonisch geschwungen, was ihn vor allem bei älteren Bauwerken aber auch in der modernen Bauart sehr beliebt macht – der Hohlfalzziegel ist zeitlos. Jedoch liefern nur noch wenige Hersteller das Original des Tondachziegels.

Doppelmuldenfalzziegel

Charakteristisch für diesen Dachziegel sind die zwei Mulden, die früher oft bei landwirtschaftlichen Gebäuden, heute vermehrt bei Altbausanierungen eingesetzt wurden. Der Doppelmuldenfalzziegel ist ein Klassiker und einer der frühesten verwendeten Pressziegel. Gerade ältere Häuser haben ihn auf dem Dach. Die Regeldachneigung sollte mehr als 30 Grad betragen – der Doppelmuldenfalzziegel eignet sich eher für steile Dächer. Rund 14 Stück werden pro Quadratmeter benötigt. Verwandt ist er mit dem Dreimuldenfalzziegel, der jedoch deutlich sparsamen in seinem Verbrauch ist.

Reformziegel

Sein Charakteristikum ist die flache Mulde, die ein Dach mit Reformziegeln optisch ruhig und harmonisch wirken lässt. Falz und Abdeckung des Nachbarziegels sind hier harmonisch aufeinander abgestimmt. Das macht ist für viele Baustile einsetzbar – er verbindet Tradition und Moderne. Der Reformziegel wird auch oft Verschiebe- oder Juraziegel genannt, in Nordwestdeutschland heißt er Rheinlandziegel. Die Regeldachneigung sollte beim Reformziegel über 30 Grad betragen.

Zusammenfassung

Dachziegel haben eine lange Tradition und werden schon seit dem Mittelalter verwendet. Sie werden aus Ton oder einem Ton-Lehm-Gemisch hergestellt. Nicht zu verwechseln sind sie mit Dachsteinen, die aus Beton bestehen. Die Dachziegel werden aufgrund der Herstellung in zwei Hauptgruppen unterschieden: Strangdachziegel und Pressdachziegel! Je nach Art eignen sie sich für flache oder steile Dächer.

Artikelbild: © volrab vaclav / Bigstock.com

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