Das Haus aus dem Winterschlaf holen

Das Haus aus dem Winterschlaf holen

Der Klimawandel sorgt für immer neue Extrema, lange Winter und kurze Sommer sind keine Seltenheit mehr. Auch werden die Übergänge zwischen den Jahreszeiten immer kürzer und vor allem fließender, die früher als „Naturgesetze“ gehandelten Pi-mal-Daumen-Vorhersagen treffen immer seltener zu. Hausbesitzer sind hierbei besonders gefragt, denn lange Winter wirken sich auch zwangsläufig auf die Bausubstanz der Immobilie aus. Frost, übermäßiger Niederschlag und Sturm sind nur die wesentlichen Eigenschaften solcher Beeinträchtigungen.

Mit diesem Beitrag möchten wir Ihnen einige Anhaltspunkte geben, welche Risiken es gibt und welche Bereiche besonders betroffen sind. Auch erhalten Sie praktische Tipps für kleinere Ausbesserungsmaßnahmen und Reparaturen.

Kleiner Schaden, große Wirkung

Vielfach wurden Schäden an der Immobilie ganz offensichtlich grob missachtet, denn nach Auskunft von Fachverbänden scheuen immer noch über 50 Prozent der Immobilienbesitzer den Umstand, regelmäßige Wartungen und Instandsetzungsmaßnahmen durchführen zu lassen. Sie sehen in den, im Vergleich zu Folgekosten möglicher Schäden nur marginalen Kosten, eine übermäßige Belastung und unternehmen vielfach nur das Nötigste. Dass diese Art von „Flickerei“ keinen bleibenden Wert schafft, sieht man überall im Land an maroden öffentlichen Gebäuden, an denen scheinbar allenthalben irgendwelche Reparaturen oder Instandsetzungen vorgenommen werden. Die Ursache des Problems, eine oftmals nur mangelhafte Bausubstanz, wird man verständlicherweise nicht angegangen.

Dabei sind oftmals schon kleine Schäden, etwa ein gesprungener Dachziegel oder ein Riss in der Fassade, die Ursache für eine anlaufende Kettenreaktion. Insbesondere die Fassade „bröckelt“ im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie ist das einzige Verbindungsstück zur Wärmedämmung des Hauses. Im Extremfall kann sich diese mit latenter Feuchtigkeit vollsaugen, was aufwendige Maßnahmen nach sich zieht. Die Brisanz bei diesem Thema liegt darin begründet, dass viele Elemente ineinander übergehen und dadurch Problemfelder entstehen können, die man auf Anhieb gar nicht erkennen kann. Auch das sind klassische Folgen von falsch verstandener Sparsamkeit.

Der Frühjahrs-Check

Um derartige Risiken möglichst klein zu halten, aber auch um den finanziellen Aufwand in Grenzen zu halten, sind regelmäßige Check-ups notwendig. So können auch Sie als Laie erkennen, ob professioneller Rat notwendig ist oder es sich um Schäden handelt, die in Eigenregie behoben werden können.

  • Zunächst gehen Sie her und überprüfen die Fassade auf Risse oder aufgeplatzte Flächen, die durch Frost entstehen. Handelt es sich um eine Putzfassade, können Risse mit Meißel, ¾ Acryldichtmasse und ¼ Universalspachtel behandelt werden. Es ist notwendig, die Fuge mithilfe eines Glasfasergewebes in der Spachtelmasse zur armieren.
  • Beim Dach sind fehlende Dachziegel oder Dachsteine ein Zeichen dafür, dass es sich um Sturmschäden handelt. Mitunter ein klassischer Fall für die Hausversicherung. Beschädigte Dachziegel können in Eigenregie ersetzt werden, wobei es hier wichtig ist, das Gefüge exakt zu treffen. Anderenfalls sorgt der nächste Sturm dafür, dass diese neuralgische Stelle demnächst wieder zu korrigieren ist.
  • Handelt es sich um ein Flachdach, ist vor allem auf die Entwässerung und den Abfluss zu achten. Fixieren Sie gegebenenfalls einzelne Bitumenbahnen an Ecken neu oder reparieren rissige Nähte.

Die Leitungen überprüfen

Jedes Jahr aufs Neue warnen Bauverbände, dass Frost und Niederschlag die Leitungen im Haus beschädigen können. Besonders stark betroffen sind vor allem Wasserleitungen, aber auch Dachrinnen und wie oben bereits angesprochen, das Gemäuer inklusive der Fassade. Risse in Mauern bedingen grundsätzlich auch Schäden, die unmittelbar darunter in Leitungen auftreten können. Wasserleitungen sollten auf Frostschäden überprüft werden, bevor das erste Mal wieder das Gartenwasser angestellt wird.

Ein weiterer Punkt, der wie erläutert mit einer defekten Hausdämmung im Zusammenhang steht, bezieht sich auf Feuchtigkeit im Gemäuer. In Kellerräumen geben Feuchtigkeitsflecken an den Wänden einen Eindruck vom Ausmaß des Schadens, Reparaturen sollten zur wärmeren Jahreszeit vorgenommen werden. Aus versicherungstechnischen Gründen ist es ratsam, die Reparatur durch einen Fachbetrieb durchführen zu lassen. Hier ist es nämlich unabdingbar, dass die beschädigte Fläche von außen freigelegt wird. Allein schon aus Zeitgründen empfiehlt sich dieser Schritt, denn auch auf diesem Wege kann sich neue Feuchtigkeit im Mauerwerk ansammeln.

  • Überprüfen Sie Gehwegplatten und korrigieren Sie mögliche Differenzen, die als Stolperfalle dienen könnten. Experten verweisen in diesem Zuge auch häufig auf die sogenannte Verkehrssicherungspflicht, die man als Hausbesitzer habe.
  • Vor allem das Dach ist gesondert zu betrachten, denn Regen und Tauwasser kann durch undichte, rissige oder lose Ziegel eintreten. Wie oben bereits erwähnt, kann dadurch nicht nur die Wärmedämmung quasi umgekehrt werden, auch wird der Nährboden für Schimmelbildung gelegt. Bleiben Ausbesserungen aus oder werden diese nur punktuell vorgenommen, steigt auch das Risiko erhöhter finanzieller Kosten und gesundheitlicher Beeinträchtigungen.
  • Defekte Stellen im Außenbereich von Wasserleitungen sind nicht selten, gerade bei neu in Betrieb genommenen Leitungen. Im Extremfall drohen sie bei Frost und Kälte zu platzen. Zur Überprüfung öffnet man den Absperrhahn und sieht nach, ob sich parallel die Wasseruhr weiterdreht oder nicht.

Tipps aus der Praxis

  • Haben Sie neu gebaut, dann endet die Verjährungsfrist für Baumängel nach fünf Jahren. Es empfiehlt sich daher, rechtzeitig vor Ablauf dieser Frist einen Bausachverständigen zu beauftragen. In Kombination mit einem Frühjahrs-Check können alle wesentlichen Elemente überprüft werden.
  • Auch aus versicherungstechnischen Gründen empfiehlt es sich, insbesondere das Dach regelmäßig kontrollieren zu lassen. Fehlt der Nachweis, kann eine Haftung für Sturmschäden eintreten. Analog dazu gilt es im Zuge der Schadensbegrenzung auch, Sturmschäden äußerst schnell zu beheben.
  • Schindeln an Gauben oder Giebeln können gelockert worden sein, sie sind in jedem Fall neu zu befestigen.
  • Vor allem alte Heizungen können nach einem längeren Winter eine verminderte Effizienz aufweisen, wenn sie ständig auf Dauerbetrieb standen. Vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt für eine Modernisierung gekommen. Der Staat fördert diesen Bereich mit umfangreichen Programmen der staatseigenen KfW-Bankengruppe.

Artikelbild: © Artazum and Iriana Shiyan / Shutterstock

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