Die Rolle der Gasheizung im 21. Jahrhundert

Die Rolle der Gasheizung im 21. Jahrhundert

Die Deutschen heizen überwiegend mit zwei Rohstoffen: Öl und Gas. Laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft werden 19,3 Millionen Wohnungen mit Erdgas und 10,8 Millionen Wohnungen mit Öl geheizt[1]. Durch die geplante Energiewende nimmt die Gasheizung eine besondere Rolle ein.

Die Gaspreisentwicklung folgt dem Kurs des Ölpreises. Dieser begann im Sommer 2014 seinen großen Sinkflug: Zum damaligen Zeitpunk kostete ein Barrel Öl[2] etwa 110 Dollar. Mitte Februar lag der Preis bei 25 Dollar.

Gasanbieter wechseln und einen günstigen Tarif wählen

Diese Preisentwicklung sollte Gaskunden in Deutschland freuen. Der Preis für Gas hängt direkt mit der Ölpreisentwicklung ab – zumindest in Theorie. In der Praxis verzögert sich die Auswirkung auf den Gaspreis um bis zu sechs Monate. Der Vorteil: Wer die Entwicklung des Ölpreises beobachtet, kann seinen Gastarif entsprechend wählen.

Gaskunden sollten den Ölpreis im Auge behalten. Sobald sein Preis stark ansteigt, ist Handeln angesagt. Auf dieser Webseite finden Gaskunden Tarife, die eine Preisgarantie von mindestens zwölf Monaten besitzen. Auf diese Weise können Gaskunden, bevor die Gaspreise steigen, einen niedrigen Tarif sichern.

Warum der regelmäßige Gasanbieterwechsel sinnvoll ist

Mit einem Wechsel zu einem neuen Tarif oder Anbieter können Gaskunden zukünftige Preiserhöhungen umgehen. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum sich der Wechsel lohnt, wie die Rechnung eines unabhängigen Verbraucherportals demonstriert. Demnach gibt der klassische Einpersonenhaushalt rund 5,1 Prozent seines Nettoeinkommens für Energie aus. Im Osten liegt der Anteil bei 6,2 Prozent.

Der Vergleich zwischen Ost und West ist aus dem Grund wichtig, weil die Kaufkraft im Osten geringer ist. Ein Bewohner in Thüringen gibt wie ein Verbraucher aus Hamburg im Schnitt 99 Euro für Strom und Gas aus. Der Unterschied: Der durchschnittliche Hamburger verdient 2.002 Euro, der Thüringer 453 Euro weniger[3].

Die größte Falle ist die Grundversorgung, die viele Haushalte nutzen. Der Wechsel zu einem anderen Tarif bringt fast jedem Haushalt eine Ersparnis von mehreren hundert Euro.

Die Gasheizung als Überbrückungstechnologie

Ein niedriger Ölpreis resultiert in derzeit niedrigen Kosten für Gas. Für erneuerbare Energien ist diese Entwicklung nicht zwingend vorteilhaft. Viele Bauherren entscheiden sich aufgrund des niedrigen Preises für Gas als Rohstoff zum Heizen.

Eine Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) zeigt, welche Auswirkungen die zunehmende Erdöl- und Erdgasproduktion auf der nördlichen Halbkugel hat: Die Konzentration von Methan in der Atmosphäre stieg seit 2007 an. 40 Prozent davon sind der Produktion von Erdgas und Erdöl zuzuschreiben.

Dennoch ist das Heizen mit Erdgas nicht zwingend als negativ zu bewerten. Die Bundesregierung plant – irgendwann – den Umstieg auf erneuerbare Energien. Bisher gibt es noch viele Kohlekraftwerke in Deutschland. Erdgas stellt eine klimafreundlichere Alternative dar. Bei der Verbrennung von Gas entsteht rund 50 Prozent weniger Kohlendioxid.

Aus diesem Grund diskutiert die Regierung, das sogenannte Fracking als Brückentechnologie zu verwenden. Die Befürworter sehen in Gaskraftwerken folgende Vorteile:

  • geringe CO2-Emissionen im Vergleich zu anderen fossilen Energieträgern
  • hohe Flexibilität, wenn Lastschwankungen ausgeglichen werden müssen
  • geringer Ausstoß von Schwermetallen und Feinstaub
  • hohe (elektrische) Wirkungsgrade

Der Bund NRW hat in einem Dokument[4] aber auch einige Nachteile verfasst: Demnach gibt es ein weltweites Überangebot an Erdgas und der Rohstoff kann in großen Teilen Deutschlands weggespart werden.

In Norwegen hat im März 2016 das erste Unternehmen Europas Fräcking-Gas aus den USA importiert. Der amerikanische Rohstoff sei günstiger als in Norwegen gefördertes Gas.

Heizungsalter bedenklicher als verwendeter Rohstoff

Beim Streit um den verwendeten Rohstoff zum Heizen wird selten darüber gesprochen, wie ineffizient viele Heizungen in Deutschland sind. Einige davon werkeln mit einer Technik, die vor 30 Jahren aktuell war. Einer Studie des BDEW zufolge ist die durchschnittliche deutsche Heizung 17,6 Jahre alt. Jede Dritte ist älter als 20 Jahre. Angesichts der Tatsache, dass der Energieverbrauch in einem Haushalt zu 40 Prozent aus Wärmeerzeugung besteht, gibt es großen Handlungsbedarf.

Das Problem möchte die Bundesregierung mit der Energieeinsparverordnung lösen. Seit dem 1. Januar 2015 stehen alle Gasheizkessel, die vor 1985 in Betrieb gingen, komplett still. Besitzer einer alten Gasheizung können ihre Energieeffizienz mit dem Rechner des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie berechnen. Auf diese Weise sehen sie selbst, wie (in)effizient ihre Heizung ist.

Der Austausch der alten Gasheizung amortisiert sich in kurzer Zeit

In diesem Artikel berichteten wir über die notwendige Investition, um eine neue Gasheizung in Betrieb zu nehmen. Mit einer Rechnung zeigten wir, wie schnell sich der finanzielle Aufwand lohnt. Unser Urteil: Je früher desto besser. Die Amortisationsdauer beträgt je nach Gebäudegröße sechs bis zehn Jahre. Ab dem zehnten Jahr beginnt eine Familie, Geld zu sparen.

In diese Rechnung fließt die Reduzierung der Emissionen nicht einmal ein. Moderne Heizungen arbeiten effizienter und stoßen folglich weniger klimaschädliche Gase ab.

Beim Einbau einer neuen Gasheizung kommen drei Szenarien in Betracht, die Verbraucher bedenken müssen:

  1. reiner Austausch der Gasheizung mit einem modernen System
  2. neue Gasheizung mit Solaranlage für Warmwasserbereitung
  3. neue Gasheizung mit Solaranlage für Warmwasserbereitung und Heizung

Der finanzielle Aufwand wächst mit jedem dazukommenden Element. Bei der dritten Variante wird das Haus mit der Solaranlage beheizt, bis die erneuerbare Energie die Heizenergie nicht mehr selbstständig garantieren kann. Praktisch ist zumindest die zweite Variante, da die Familie die Warmwasserbereitung umweltfreundlich realisiert.

Ob sich die Kombination der Gasheizung mit einer Solaranlage rentiert, hängt von dem Haushalt ab. Gerade in den südlichen Bundesländern lohnt sich die Investition. Verbraucher müssen aber auch ihren Verbrauch, ihr Budget und ihren Bedarf berücksichtigen. Bei der Realisierung der zweiten und dritten Variante profitieren sie von staatlichen Förderungen. Genaue Informationen kann ein Energieberater geben.

Verbraucher sollten beim Kauf auch auf den Gasbrennwertkessel achten. Inzwischen sind viele verschiedene Geräte am Markt erhältlich, die aber nicht alle effektiv sind. Eine Liste mit geprüften Geräten, die energieeffizient sind, gibt es in diesem PDF des Klimaschutzfonds proKlima.

Zusammenfassung

Nach Ansicht der Bundesregierung ist und bleibt Gas weiterhin ein wichtiger Rohstoff zur Gewinnung von Heizwärme. Verbraucher, die die Umwelt entlasten und Geld sparen möchten, steigen auf moderne Gasheizungen um. Die Investition rentiert sich in wenigen Jahren.


  1. „Wie heizt Deutschland?“ – BDEW-Studie zum Heizungsmarkt
  2. 159 Liter
  3. Quelle: Gesellschaft für Konsumforschung (GfK)
  4. Umweltrisiko Fracking: Unkonventionelle Erdgasvorkommen in Nordrhein-Westfalen, Seite 39

Artikelbild: © Ansis Klucis / Shutterstock

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