Estrich begehbar

Estrich begehbar

Ab wann Estrich einsatzbereit ist, also begehbar, hängt in erster Linie mit der Trocknungszeit zusammen. Gerade in Verbindung mit Fußbodenheizungen kommt spezieller Fließestrich zum Einsatz. Hieraus ergeben sich teils deutlich verschiedene Trocknungszeiten, je nach Estrichtyp. In jedem Fall ist es notwendig, sich an die Angaben des Herstellers zu halten. Denn eine zu frühzeitige Belastung wirkt sich negativ auf die Stabilität, Wärmeleitfähigkeit und Robust des Fußbodens insgesamt aus.

Die folgenden Absätze geben einen Überblick über Trocknungszeiten, wichtige Begleitumstände und Hinweise für die Praxis.

Welches Material kommt zum Einsatz?

Estrich gibt es in mehreren Arten, verschiedene Materialien liegen hier in wechselnden Verhältnissen vor. Allein deshalb können keine allgemeingültigen Angaben zur Trocknungszeit von Estrich gemacht werden. Es ist aber klar, dass eine zu frühe Belastung mit deutlichen Risiken verbunden ist. Der Fußbodenbelag wird dabei beschädigt, verliert an Robustheit und Stabilität – in der Folge funktionieren beispielsweise Fußbodenheizungen nicht korrekt oder Feuchtigkeit tritt in den Estrich.

Aus versicherungstechnischen Gründen ratsam ist ein normgerechtes Trocknen nicht nur deshalb, weil unsachgemäße Arbeiten sich insgesamt negativ auf das Bauwerk auswirken. Gerade bei Fußbodenheizungen ergeben sich mitunter Gefahren, die mit einem Risiko für Leib und Leben verbunden sind. Vorgaben bezüglich der Trocknung von Estrichkonstruktionen finden sich in der DIN EN 1264-4 Norm. Hieraus ergibt sich grundsätzlich, dass es mehrstufige Auf- sowie Abheizvorgänge zu beachten gilt. Außerdem werden Vorgaben bezüglich der konstanten Vorlauftemperaturen gemacht.

Die Klassiker: Zementestrich

Ob ein Estrich begehbar ist oder nicht, lässt sich nicht „oberflächlich“ oder mit einem gezielten Blick erkennen. Selbstverständlich gibt es Richtwerte, die in Onlineforen oder auch in den Hinweisen des Herstellers gefunden werden. Tatsächlich handelt es sich hierbei aber um einen mineralischen Werkstoff, der Schwankungen unterliegt und dessen Trocknungszeit auch mit der fachgerechten Verlegung zu tun hat. Je nach Restfeuchte kann dann abhängig vom Estrichtyp entschieden werden, ob Estrich nun begehbar ist oder nicht.

In Wohnbereichen, die prinzipiell schwieriger zu handhaben sind, wird häufig auf Fließestriche zurückgegriffen. Vor allem im Badezimmer, aber auch bei der Installation von Fußbodenheizungen stehen Zement- oder Anhydritestrich deshalb ganz oben auf der Liste. Sie erfordern jedoch vergleichsweise lange Trocknungszeiten. So muss zunächst für drei Tage einer Austrocknung vorgebeugt werden, anschließend für weitere sieben Tage ein Schutz gegenüber Nässe, Hitze und Luftzug gegeben sein.

36 Stunden gelten als Richtwert, erst dann sollte die Estrichfläche betreten werden. Ein paar mehr Stunden sollten obendrauf kommen, falls Unebenheiten mit dem Schleifgerät korrigiert werden müssen.

Die Alternative: Anhydritestrich

Wesentliche Vorteile in dieser Hinsicht, wie auch bezüglich der Wärmeleitfähigkeit bei Fußbodenheizungen, vereint Anhydritestrich. Es handelt sich dabei um einen Calciumsulfat-Fließestrich, der bereits nach zwei Tagen begehbar ist und nach fünf Tagen eine geringfügige Belastbarkeit aufweist. Allerdings sind die Einsatzbereiche stark abgegrenzt, denn unter allen Umständen muss eine konsequente Feuchtigkeitsbelastung vermieden werden. Trockenbereiche eignen sich daher. Nicht zuletzt steht auch die Festigkeit unterhalb der Normwerte für Zementestrich, sodass große Installationen darauf zu vermeiden sind.

Eine Weiterentwicklung, der genannte Anhydritfließestrich (AFE-Estrich), weist geringere Spannungsverhältnisse auf und kann aus bis zu 1.000 Quadratmeter Fläche verlegt werden, ohne Dehnungsfugen einzubringen. Diese werden sehr wohl notwendig, wenn in Kombination als Heizestrich eine Seitenlänge von mehr als sechs Metern umgesetzt werden soll.

Ein leichtes Aufheizen, etwa sieben Tage nach Einbau, wirkt sich positiv auf die Trocknungszeiten aus.

Die CM-Messung zur Bestimmung der Restfeuchte

Wie anhand der Erläuterungen zu wesentlichen Estrichtypen verdeutlicht, überzeugt Fließestrich durch eine prinzipiell schnellere Austrocknung. Richtwerte gibt es auch hier, doch sie können nie eine abschließende Empfehlung oder Entscheidungsgrundlage darstellen. Es besteht also immer das Risiko, dennoch eine zu hohe Restfeuchte in Kauf zu nehmen. Genau bei dieser Problematik kommt die CM-Messung zum Einsatz. Die Abkürzung steht dabei für Calciumcarbid-Messung, sie eignet sich grundsätzlich zur Messung des Feuchtegehalts aller mineralischer Baustoffe. Notwendig ist die Entnahme einer Probe im Umfang zwischen zehn und 50 Gramm. Wichtig ist vor allem, dass dabei so wenig Feuchtigkeit als möglich entweichen kann.

Abschließende Hinweise

Auch wenn die Aspekte der Belüftung von Estrich bekannt sind, gibt es Unterscheide gegenüber den klassischen Zementestrichen. Fließestriche haben den Vorteil, dass sie äußerst spannungsarm erhärten und damit schnell austrocknen. Zugluft kann also nur bedingt Schäden verursachen. Allerdings ist es erforderlich, zunächst 24 Stunden ohne Belüftung vorzugehen – dabei kann der Estrich abgebunden werden. Erst nach diesem Schritt wäre er begehbar. Die Kosten zur Ausbesserung eines möglichen Schadens wären ansonsten relativ hoch. Erst nach zwei Tagen ist das Gröbste überstanden, sodass Zugluft für ein effektives Austrocknen essentiell wird. Ein Nebeneffekt dessen ist, dass sich kein Kondenswasser im Raum ansammeln kann.

Zusammenfassung

Estrich muss vollständig ausgetrocknet sein, um eingesetzt und belastet zu werden. Je nach Art des Estrichs ergeben sich Richtwerte, wobei allein die CM-Messung eine fundierte Prüfung sicherstellt. Äußere Umstände, die etwa Kondenswasser ansammeln lassen, sind unbedingt zu vermeiden.

Artikelbild: © kadmy / Bigstock.com

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