Estrichleger

Estrichleger

Kennen Sie das? Sie kommen nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause und wollen nur noch ihre Ruhe. Doch weit gefehlt – ausgerechnet heute steigt in der Wohnung über Ihnen eine laute Geburtstagsparty. Oder Sie haben einen Tag Urlaub und freuen sich auf’s Ausschlafen, und was passiert? Just an diesem Tag meint Ihr Nachbar, mit Hammer und Bohrmaschine in seinem Zuhause herumwerkeln zu müssen.

Für solche Situationen gibt es eine ganz tolle Erfindung: Und zwar ist das der Estrich-Fußboden, ein Fußbodenbelag, der den Trittschallschutz sowie den Luftschallschutz deutlich verbessern kann.
Bei Neubauten wird heutzutage verstärkt auf Lärmschutz geachtet, aber auch bei Altbauten gibt es die Möglichkeit, Estrichböden im Nachhinein einzubauen. Sowohl Neubauten als auch zu sanierende Altbauten sind Arbeitsplatz eines Estrichlegers. Dies ist ein interessanter und abwechslungsreicher Beruf, den ich an dieser Stelle einmal etwas näher vorstellen möchte.

Estrichleger ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf in Industrie und Handwerk.

Estrichleger stellen Fußböden aus Estrich her, die entweder als unmittelbare Nutzböden dienen oder aber als Unterböden mit Belägen versehen werden können. Sie bauen Dämm- Kälte- und Wärmeschutzstoffe ein und verlegen auch Fußbodenbeläge. Wer handwerklich geschickt und gern unterwegs ist – denn der Einsatz erfolgt auf wechselnden Baustellen – für den ist dies ein sehr interessanter und erfüllender Beruf.

Für eine Ausbildung zum Estrichleger gibt es keine rechtliche Vorschrift hinsichtlich eines Schulabschlusses. Erfahrungsgemäß bevorzugen die Arbeitgeber jedoch Bewerber mit mindestens einem Hauptschulabschluss. Die Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre.
Wenn Sie sich für den Beruf eines Estrichlegers interessieren, sollten Sie diese Voraussetzungen mitbringen:

  • Gute körperliche Verfassung
  • Technisches und handwerkliches Verständnis
  • Spaß an Teamarbeit
  • Flexibilität, da Sie auf wechselnden Baustellen eingesetzt werden.

Was lernen Sie während der Ausbildung?

Die dreijährige Ausbildung zum Estrichleger enthält im Wesentlichen folgende Schwerpunkte:

  • Herstellung von Straßendecken, Sickerungen, Abflussrinnen sowie Rohrleitungen
  • Verlegen von Rohren
  • Biegen und Flechten von Betonstählen
  • Einbau von Filter-, Aufsatz- und Absperrrohren
  • Abdichtung von Brunnen gegen das Eindringen von ungeeignetem Wasser

Was verdienen Sie in der Ausbildung?

Alle Auszubildenden, die eine duale Ausbildung durchlaufen, erhalten eine Ausbildungsvergütung. Diese richtet sich nach den entsprechenden tarifvertraglichen Vereinbarungen und ist abhängig vom Ausbildungsbereich – je nachdem, ob Sie diese im Handwerk, in der Industrie oder im Handel absolvieren. Wenn der Ausbildungsbetrieb nicht tarifgebunden ist, sind auch frei vereinbarte Ausbildungsvergütungen möglich.

Die folgenden Angaben sollen der Orientierung dienen. Ansprüche können aus ihnen nicht abgeleitet werden.
Die Auszubildenden können in den einzelnen Ausbildungsjahren monatlich folgende Ausbildungsvergütungen erhalten:

  • 1. Ausbildungsjahr: € 548 bis € 632
  • 2. Ausbildungsjahr: € 752 bis € 971
  • 3. Ausbildungsjahr: € 950 bis € 1.227

(Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Tarifauswertung – Tarifvertragliche Ausbildungsvergütungen – Stand: Januar 2012)

Wo finden Sie nach der Ausbildung Beschäftigung?

Für einen Estrichleger gibt es zahlreiche Möglichkeiten einer interessanten Beschäftigung. Arbeitgeber sind spezialisierte Estrich- oder Fußbodenlegebetriebe. Aber auch in Industrie- und Wohnungsbaufirmen sowie in Unternehmen des Hoch- und Ausbaus finden Estrichleger abwechslungsreiche Tätigkeiten. Es besteht die Möglichkeit, andere interessante Berufe wie Fliesen- oder Mosaikleger oder Stukkateur kennenzulernen.

Welche Möglichkeiten und Perspektiven der Weiterentwicklung haben Sie?

Nach einer erfolgreichen Ausbildung und einigen Jahren Berufserfahrung haben Sie folgende Möglichkeiten sich weiterzuentwickeln:

  • Weiterbildung zum Estrichlegermeister
  • Weiterbildung zum Handwerks-Betriebswirt
  • Fortbildung zum Fliesenleger oder Stukkateur
  • Selbständigkeit als Estrichlegermeister mit eigener Werkstatt

Ohne Estrichleger läuft im modernen Baugewerbe gar nichts mehr. Nahezu jeder Fußboden muss besondere Anforderungen erfüllen. Damit Kälte, Feuchtigkeit oder Lärm keine Chance mehr haben, ist der Estrichleger gefragt, der viele Zwischenschichten bei einem Bau einlegt. Je nach Verwendungszweck erstellt er mit unterschiedlichen Materialien eine optimale Fußbodenkonstruktion.

In Industriehallen und Sportstätten werden oft begehbare Verbundstriche mit einer hohen Festigkeit benötigt.

Selbst in Kaufhäusern oder Museen werden spezielle Estriche benötigt. Hier ist dann sogar eine künstlerische Ader gefragt!
Außerdem umfasst die Tätigkeit eines Estrichlegers sämtliche Arten von Beschichtung, Versiegelung und Imprägnierung sowie das Verlegen spezieller Bodenbeläge aus Laminat, Gummi, Kork oder Kunststoffen. Außerdem stellen Estrichleger fugenlose Terrazzoböden her oder sanieren ältere Bodenflächen.
Ein Estrichleger ist auch ein Spezialist für die unterschiedlichen Werkstoffe und deren Verarbeitung, und er kennt sich bestens in den Werten der Wärme- und Schallschutzverordnung aus.

Zusammenfassung

Estrichleger sind aus dem modernen Bauwesen nicht mehr wegzudenken, sorgen sie doch für optimalen Kälte-, Wärme- und Lärmschutz. Wer eine dreijährige Ausbildung absolviert hat, darf sich Estrichleger nennen.
Handwerk hat noch immer goldenen Boden. Wenn Sie technisch und handwerklich geschickt sind, könnte dies ein schöner und abwechslungsreicher Beruf für Sie sein. Vielleicht können Sie sogar irgendwann mit einer eigenen Firma oder Werkstatt Ihr eigener Herr sein.

Artikelbild: © kadmy / Bigstock.com

1 Kommentar

  1. Viktoria Maisner 31.01.2017 07:39 Uhr

    Hallo zusammen,
    vielen lieben Dank für den spannenden und informativen Artikel. Ich finde es super, dass ihr in eurem Artikel einen handwerklichen Beruf vorstellt. Handwerkliche Berufe liegen aktuell leider nicht im Trend, was ich sehr schade finde. Neben dem Estrichleger habe ich auch erfahren, dass man eine Ausbildung zum Stuckateur machen kann, was ich auch sehr interessant finde, allerdings bis vor kurzem auch noch nichts davon gehört hatte.

    direkt antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.