Das Flachdach

Das Flachdach

Muss ein Dach immer Steilflächen haben? Nein, auch wenn unsere Normalvorstellung von Dach meist einem Satteldach mit dreieckig wirkendem Ansehen ähnelt, gibt es inzwischen doch viele Varianten zum herkömmlichen Modell aus schräg gestellten Dachflächen. Das Flachdach ist heute eine Option für alle, die sich an Steildächern satt gesehen haben – es ist erfrischend anders, luftig und modern und verpasst den neuen Häusern ein urban-elegantes Finish.

Denn unter einem Flachdach versteht man in der Architektur ein Dach, das keine Neigung hat und insofern wie ein Deckel auf dem Haus aufliegt und das Gebäude selbst so optimal zur Geltung bringt, ohne durch eigene Gestaltungsmerkmale vom Stil des Hauses abzulenken. Ein großer Vorteil für Individualisten ist, dass man ein Dach ohne Neigung sehr gut begrünen kann – oder, wer gern Energie gewinnen will, kann die Fläche zum Himmel hin mit Sonnenkollektoren besetzen.

Sowohl der grüne Garten auf dem Dach, als auch die modernste Photovoltaik-Anlage ist bei einem Flachdach problemlos möglich. Die zahlreichen Gestaltungschancen, die ein solches Dach bietet, haben es zu einem modernen Klassiker werden lassen, der viele Geschmäcker erfreut, vom Gartenliebhaber mit dem „grünen Daumen“, der gern hoch hinaus will, bis zum Freund von Passiv-Häusern mit hoher Energie-Effizienz.

Was gibt es zu beachten, wenn man sich für ein Flachdach entscheiden will? Im Folgenden sehen Sie einen kurzen Ratgeber mit einer Übersicht über die Herkunft und Geschichte des Flachdachs, seine Verbreitung, die Kosten und die Pflege und was es alles an Vorteilen, aber auch an Besonderheiten zu beachten gibt.

Was zeichnet das Flachdach aus?

Das Flachdach ist technisch gesehen ein Dach mit null bis 25 Grad Dachneigung, das flach auf dem Haus aufliegt, wobei der Grundriss des Hauses beliebig sein kann, quadratisch, rechteckig oder sogar in anderen, geschwungenen Formen. Bei allen Flachdächern fehlt der eigentliche Dachstuhl, da es, im Gegensatz zu anderen Dachformen wie Satteldach oder Krüppelwalmdach, kaum bis keine Neigung der Dachflächen gibt.

Insofern zählen auch sehr flache Pultdächer mit geringem Neigungswinkel architektonisch gesehen schon oder noch zu den Flachdächern. Im Grund ist das typische Flachdach jedoch eine Dachform ohne jede Neigung, das heißt, es gibt keine gegeneinander gestellten Dachflächen und insofern auch keinen Dachstuhl, keinen First und keine Oberkanten.

Die Dachfläche ohne Neigung wird oft und gern von sogenannten Passiv-Häusern genutzt, um Solarenergie über eine Solartherme oder Photovoltaik einzufangen, was beim Anbringen von Sonnenkollektoren auf dem Flachdach gut gelingt.

Geschichte des Flachdachs – Bezug zur Modernität

Nichts Neues unter der Sonne! Flachdächer gab es bereits vor rund 5.000 Jahren in der warmen bis gemäßigten Klimazone rund ums Mittelmeer und in Nordafrika. Dortige Siedlungen wiesen meist einfache Häuser mit Flachdach als krönendem Abschluss auf, wobei die Wärmedämmung oder, relativ zum milden bis heißen Klima, die gute Isolation vor Hitze im Haus-Innenraum ein großer Vorteil war.

Klassische Archäologen wissen: das Flachdach gehört zu den ältesten architektonischen Formen beim Gebäudebau und wurde von der Bedachung für einfache Hütten bis zum schmückenden „Hut“ für aufwändige Bauten und repräsentative Gebäude verwendet, von denen jedoch heute nur noch Ruinen – und Beschreibungen von Historikern – übrig geblieben sind. Flachdächer als Bedachung von Privathäusern sind in Mitteleuropa jedoch lange Zeit fast unbekannt gewesen, da man traditionell auf Steildächer nicht verzichten wollte.

Erst in den 1960er- und 1970er-Jahren, als die Baukunst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder verspielter und experimentierfreudiger wurde, kam das Flachdach groß in Mode, und zwar meist bei den seinerzeit ebenfalls sehr angesagten Bungalows und den modernen Stadtvillen. Langsam trat diese historisch gesehen sehr alte und doch überraschend neue Dachform ihren Siegeszug rund um die Welt an, der gegenwärtig noch lange nicht zu Ende ist.

Überall gern gesehen: Wo das Flachdach auftritt

Flachdächer sind modern, energieeffizient, sehr praktisch und auch – wenn sie korrekt aufgestellt sind – recht wenig pflegeintensiv, so dass zahlreiche Vorzüge für sie sprechen. Einst gern bei Industrie- und Gewerbegebäuden eingesetzt und nur vereinzelt bei Bungalows, wurde das Flachdach mit seinem speziellen Reiz in den vergangenen vierzig Jahren für mehr und mehr private Häuslebauer zum Traum.

Heute ist das Flachdach aus modernen Siedlungen und attraktiven Neubau-Gebieten nicht wegzudenken und stellt für viele Bauherren, neben dem ebenfalls sehr beliebten Pultdach, das Nonplusultra für zeitgemäßes Bauen dar. Auch für viele große Neubau-Projekte im urbanen Bereich wie Hochhäuser, weiträumige Mehrparteienhäuser und Mietshäuser im eleganten Loft-Stil hat man heute das Dach ohne Steilkanten als ihren Favoriten gewählt.

Insgesamt ist das Flachdach eher ein Dach für städtische oder großstädtische Gegenden: sein markantes Aussehen passt wunderbar harmonisch in elegante und futuristische Häuser-Reihen von heute, aber weniger in traditionelle Gegenden im kleinstädtischen oder ländlichen Bereich, wo die Architektur keine so klare und oktogonale Formensprache hat, sondern eher geschwungen und nostalgisch in der Linienführung verharrt.

Insgesamt gesehen, ist das Flachdach ein echter „Städter“ unter den Dachformen – und als solcher ziert er mittlerweile die Metropol-Regionen in Deutschland und überall auf der Welt, wo zum Himmel hinaus elegant und schick gebaut werden soll.

Unterformen / Varianten des Flachdachs

Das Flachdach hat geschichtlich gesehen viele Varianten gehabt, in Bezug auf seine Verwendung im Profan- und Sakralbau. Doch aktuell betrachtet unterscheiden sich Flachdächer eher hinsichtlich ihrer Ausstattung, als in Bezug auf das Gebäude, dem sie als schmückender Abschluss aufgesetzt werden. Wir unterscheiden nämlich Dächer ohne Neigungswinkel ganz pragmatisch je nach der Art und Weise der Dämmung und Dichtung, die hier verbaut ist.

  1. Das Kaltdach mit Bitumen-Voranstrich und Schweißbahn.
  2. Das Warmdach mit Bitumen-Anstrich, Dampfbremse, zwei Lagen Schweißbahn und Hartschaumabdichtung.

Flachdächer für den privaten Wohnungsbau sind meist Warmdächer und verfügen über die genannte, aufwändige Isolierung durch Hartschaum und Dampfbremse sowie einen vollwertigen Bitumen-Anstrich. Oft werden Flachdächer für repräsentative Häuser oder Villen auch zusätzlich zur perfekten Isolierung mit sogenannten Lichtkuppeln versehen, durch die Tageslicht von Oben einfallen kann.

Geht es hingegen nur darum, eine Garage zu überdachen, kann auch ein Kaltdach gebaut werden, das mit einem einfachen Bitumen-Voranstrich und ohne Hartschaum bereits dicht genug ist, um trocken zu bleiben, jedoch keine Wärme und Energie speichern kann.

Ratgeber zum Kostenfaktor beim Flachdach

Was kostet ein Flachdach? Die Kosten sind stark abhängig von der Dämmung, der Dichtung, der Bedachung oder Dacheindeckung mit Bitumen oder anderen Materialien und der eventuellen Begrünung. Insofern gibt es viele variable Faktoren, die individuell berechnet werden müssen, um die aktuellen Preise für Ihr Flachdach zu kalkulieren.

Bei einem sogenannten Warmdach, wie es Flachdächer auf Wohnhäusern meist sind, muss mit einem vollwertigen Bitumen-Anstrich, mehreren starken Schweißbahnen zur Isolierung, einer Dampfbremse und Hartschaum zur Dämmung gerechnet werden. Ein solches Warmdach kostet in der Herstellung durchschnittlich etwa 50 €/m² plus Dämmschicht, ein Kaltdach mit rund 25 €/m² nur die Hälfte – doch wir berechnen nun die aktuellen Preise für Warmdächer, da Kaltdächer mangels Isolation nicht gut zum Wohnen geeignet sind.

Kostenübersicht Preis
Flachdachabdichtung 25 – 30 €/m²
Flachdach Dämmung 20 – 30 €/m²
Flachdach Entwässerung 80 – 200 € pro Abfluss oder Rohr

Um Flachdächer herzustellen, benötigt man einen professionellen Aufbau in mehreren Schichten, um die hauseigene Energie optimal zu halten und für die beste Wärmedämmung zu sorgen. Auch die sachgerechte Entwässerung, sprich der Abfluss, muss eingerichtet werden, denn im Gegensatz zu Steildächern fließt der Regen bei einem Flachdach nicht einfach ab, sondern muss über ein komplexes Ableitungssystem oder eine Drainage entsorgt werden.

Mit zwischen 100-250 €/m² liegt der Bau von Flachdächern bei der doppelten bis vierfachen Höhe des Preises von Satteldächern, sprich ein Satteldach, das schon ab 50 €/m² zu haben ist, kostet nur einen Bruchteil. Diese hohe Preisdifferenz mag zuerst erstaunen, berechnet sich jedoch einfach aus der Schwierigkeit der Dämmung in verschiedenen Schichten und dem schrittweisen Vorgehen beim Bau, denn Flachdach bedeutet nicht rasche Arbeit, sondern erfordert ebenfalls viele Handwerkerstunden.

Auch Lichtkuppeln, die man ins Dach integrieren will, sind kostenintensiv und schlagen mit zwischen 800 und 1.200 Euro zu Buche. Ein weiterer Kostenfaktor bei Flachdächern ist die Kontrolle, die regelmäßig zur Sicherheit ausgeführt werden muss – auch hier fallen, regional unterschiedlich in Deutschland, zusätzliche Kosten an, die zu den Gesamtkosten bei der Bewirtschaftung und Wartung hinzugerechnet werden müssen.

Vor- und Nachteile des Flachdachs

Die Vorteile des Flachdachs sind, neben der gewinnenden Optik, vor allem die der flexiblen Anpassung an die persönlichen Design-Wünsche der Hausherren. Viele, die auf der Suche nach einem absolut zeitgemäßen Dach sind, entscheiden sich heute gern für ein Flachdach oder Pultdach, das auch individuell begrünt werden kann, sodass eine grüne Dachterrasse oder ein reizvoller Dachgarten entsteht – ein wertvoller Beitrag zum ökologischen Bauen.

Auch eine Beleuchtung durch Glasbausteine oder Glas-Elemente kann direkt ins Dach eingepasst werden, so dass das Dach zur lichtdurchfluteten Kuppel wird, was besonders reizvoll erscheinen mag. Doch Vorsicht, so viel Idylle im Hausbau kommt leider nicht ohne einen Fehler, denn die Dämmung und Isolation bei Flachdächern muss erstklassig sein, damit sowohl die Entwässerung zum Wasserabfluss, als auch die Dichtung zum Haus selbst hin stabil halten kann.

Hiermit sind wir bei den Nachteilen dieser beliebten Dachform, die auch die ansonsten eher niedrigen Kosten steigern können, da ihr Ein- oder Ausbau kostenintensiv ist: eine fachgerechte Sanierung der Dämmung bei Dächern dieser Kategorie kommt nicht unter 120-250 €/m² zustande. Manch einer sagt, Dächer dieser Art seien ein teures Vergnügen – manche anderen sagen, sie seien ein teures Vergnügen. Es kommt also darauf an, ob man „teuer“ oder „Vergnügen“ betonen will.

Ein Nachteil ist, dass nicht jedes Flachdach den Anforderungen entsprechen kann, die seitens der Statik an die Gebäudesicherheit gestellt werden. Das heißt, in manchen Konstruktionen ergibt sich nicht die nötige Stabilität für eine Traglast von viel Schnee oder sonstigen Belastungen, welche Dächer beschweren können. Insofern muss ein erfahrener Architekt bei der Planung und Durchführung eines Flachdachs zu Rate gezogen werden, da diese so einfach aussehende Dachform mehr als andere eine sehr diffizile Statik hat.

Vorteile eines Flachdachs

  • Optimal für Dachterrassen
  • Beleuchtung ins Dach integrierbar
  • Durch geringes Eigengewicht sehr leicht

Nachteile eines Flachdachs

  • Hohe Wartungsintensität
  • Häufig Alterungs- und Feuchtigkeitsschäden
  • In Schneefallgegenden könnte Maximallast zu hoch sein

So wird’s gemacht: Die Bauweise beim Flachdach

Wie unterscheidet ein Flachdach architektonisch von anderen Dachformen? Der einfachste und klar ersichtlichste Unterschied ist der, dass es keine Dachneigung gibt und insofern keine schrägen Dachflächen, die in einem bestimmten Winkel oder Neigungsgrad zueinander gestellt sind.

Das Flachdach wird sukzessive schichtweise in mehreren Lagen mit Bitumen, Schweißbahnen und Hartschaum-Vlies ausgeführt, damit die Dämmung und Isolierung optimal sein kann und gegebenenfalls auch die Möglichkeit zur Beleuchtung oder Begrünung der Dachfläche besteht. Die Entwässerung wird über Rohre und Abfluss-Systeme gewährleistet, und die Traglast der Dächer muss ausreichend sein, um Schneefall und sonstige Belastungen zu tolerieren, was in manchen Gegenden und bei manchen Projekten ein wahres Architekten-Kunststück sein kann.

Gut zu wissen!

Der schicke Städter unter den Dachformen ist nicht nur vielseitig, sondern auch in der Pflege und Instandhaltung grundsätzlich recht arbeitsersparend, es sei denn, man hat die Dämmung oder Isolation nicht korrekt ausgeführt. Sofern es Dämmprobleme gibt, kann es jedoch leicht zu Feuchtigkeitsschäden, sprich Schimmel, kommen, und die Sanierung kann kostenintensiv sein.

Grundsätzlich rechnet man bei Komplettsanierungen von Dächern ohne Neigung mit zwischen 100-250 €/m², bei Teilsanierungen entsprechend weniger, doch auch hier ist der Zeitaufwand, neben den Kosten, hoch. Auch die aufwändige Begrünung des Dachs – als sogenanntes Gründach – kann vom Aufwand und von den Kosten her deutlich zu Buche schlagen, weswegen man diesen Part schon vor dem Bauen eines Flachdachs gründlich durchdenken sollte.

Es lohnt sich daher immer, vor dem Bauvorhaben Videos zu konsumieren, die Schritt-für-Schritt-Anleitungen zeigen, wie man seine Dachform installiert, pflegt und wartet. Ein Vorteil des Internets ist es, dass es heute so manche Website gibt, die zum Thema Dächer beraten und entsprechende faq / häufig gestellte Fragen zum Flachdach im Gegensatz zum Steildach im Ratgeber-Stil darreichen.

Hier sollte man sich am besten vorab schlau machen, denn eine solche Vorbereitung ersetzt natürlich nicht den Architekten als Fachmann, hilft ihnen jedoch, Ihr Projekt realistisch einzuschätzen – und die richtigen Fragen zu stellen.

Fazit

Flachdächer sind eine moderne und elegante Alternative zum herkömmlichen Dach mit Steilflächen – sie sehen schick und edel aus, sind auf jeden Grundriss vom Haus anpassbar und können zudem mit Solarthermen oder Dachbegrünung aufgewertet werden. Der Preis liegt bei durchschnittlich zwischen 100-250 €/m², sodass man nicht von einem kostengünstigen Dach sprechen kann, jedoch von einer Investition in die Zukunft.

Nachteile von Flachdächern sind die Isolierungs- und Dämmungs-Arbeiten, die schon bei der Erstellung viel Aufwand verursachen können, und die selbst bei sachgerechter Ausführung in den Folgejahren immer wieder zu Nachbesserungen führen, damit das Dach optimal trocken bleibt. Insgesamt ist das Flachdach denen zu empfehlen, die eine zeitgemäße Dachform suchen, die sich individuell an Gestaltungswünsche anpassen lässt, und die auch einen höheren Wartungsaufwand in Kauf nehmen.

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