Fliesen entfernen: Tipps für wenig Aufwand und Bauschutt

Fliesen entfernen: Tipps für wenig Aufwand und Bauschutt

Fliesen erfreuen sich im Wohnbereich immer größerer Beliebtheit. Wie das B+L Marktforschungsinstitut in seiner Sanierungsstudie 2015 ermittelt hat, haben sich 11,5 Prozent der Bauherren für diesen Bodenbelag entschieden, 4,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Fliesen werden auch im Schlafzimmer beliebter: Fünf Prozent beträgt der Anteil der Verbreitung hier, doppelt so viel wie ein Jahr zuvor (2,6 Prozent).

Auch wenn es sich bei Fliesen, wenn sie hochwertig sind und korrekt gepflegt werden, um ein äußerst langlebiges Material handelt, müssen sie früher oder später ersetzt werden. Fliesen kann man neu streichen oder man kann sie überkleben. Beide Varianten sind beliebte Alternativen zum kompletten Austausch dieses Materials. Doch alte Fliesen im Badezimmer oder in der Küche, die ihre Glanzzeit längst hinter sich haben und so stark beschädigt sind, dass nur noch ein Austausch sinnvoll ist, müssen restlos entfernt werden. Wie man die Fliesen entfernt, erklären wir in diesem Ratgeber.

Fliesen für eine Badsanierung entfernen

Viele Verbraucher kennen die Situation: Sie erwerben eine gebrauchte Immobilie und blicken ernüchtert ins Badezimmer: Die Fliesen stammen aus den 1970er Jahren, eine Zeit, als man einen völlig anderen Geschmack hatte als heute. An dieser Stelle gibt es mehrere Möglichkeiten:

  1. man saniert das Badezimmer, indem man die Fliesen überklebt
  2. man verleiht den Fliesen eine neue Farbe
  3. man schlägt sie ab und verlegt neue Fliesen

Diese Situation ist nicht nur im Badezimmer anzutreffen, sondern auch anderen Teilen der Wohnung. Bodenfliesen in der Küche und im Flur entsprechen häufig nicht den Vorstellungen der neuen Eigentümer, sodass ein Austausch unumgehbar ist.

Vorüberlegungen zur Entfernung der Fliesen

Verbraucher sollten bereits vor dem Kauf der Immobilie überlegen, ob die darin vorzufindenden Fliesen ihrem Geschmack entsprechen oder ob sie diese mit großer Wahrscheinlichkeit ersetzen möchten. Für Letzteres ist es ratsam, Informationen vom Verkäufer einzuholen, wie die Fliesen verlegt wurden. Der Grund ist simpel: Alte Fliesenbeläge wurden nicht nur mit Fliesenkleber verlegt, häufig erfolgte die Verlegung im Mörtelbett. Letzteres würde den Arbeitsaufwand um ein Vielfaches erhöhen. Am Ende der Fliesenentfernung müssten Hausbesitzer einen ebenen Untergrund für die neuen Fliesen schaffen.

Wenn das Design der Fliesen nicht der Hauptgrund für den Austausch ist, sollten Verbraucher überlegen, ob es nicht sinnvoller ist, einzelne kaputte oder nicht ansehnliche Fliesen zu ersetzen.

Der Informationsaustausch mit dem vorigen Besitzer kann aber auch in einer weiteren Situation vor schwerwiegenden Problemen bewahren: Nicht selten befindet sich unter Fliesen eine Fußbodenheizung – insbesondere in Wohnzimmern, Küchen und Fluren. Die Entfernung der Fliesen muss in diesem Fall besonders behutsam erfolgen, um die Heizungsrohre nicht zu beschädigen.

Werkzeug und Material zur Entfernung der Fliesen

Bis vor wenigen Jahren mussten Heimwerker viel Muskelkraft investieren, um ihre Fliesen zu entfernen. Inzwischen ist die Arbeit nicht mehr so schweißtreibend. Der Grund: In den letzten 20 Jahren haben sich mehr und mehr Werkzeugverleiher etabliert. Bei ihnen gibt es selbst schwere Geräte zu fairen Konditionen. Heimwerker sind beraten solche Geräte auszuleihen, anstatt sie zu kaufen. Einerseits sparen sie Geld, da sie nicht ein Werkzeug kaufen, welches sie womöglich nie mehr benötigen werden. Andererseits arbeiten sie auf diese Weise mit hochwertigen Geräten, die sicher sind und ihre Arbeit erleichtern.

Bis auf einige wenige Werkzeuge, die Heimwerker ausleihen müssen, sollte der Rest zu Hause zu finden sein. Zunächst aber benötigen Heimwerker einige Materialien zum Entfernen von Fliesen:

Materialliste

Die Abdeckfolie hat den Zweck, den Bauschutt später leichter zusammenzutragen. Das Klebeband wird benötigt, um andere Fliesen nicht versehentlich zu beschädigen. Den Verwendungszweck des Wassers erklären wir später.

Werkzeugliste

Des Weiteren sollten Heimwerker nie ohne ihre übliche Arbeitskleidung arbeiten. Diese besteht für diese Aufgabe aus einem Blaumann, Arbeitshandschuhen und -schuhen, einer Atemschutzmaske sowie Schutzbrille. Letztere ist für das Entfernen von Fliesen besonders wichtig.

Fingerspitzengefühl beim Entfernen zeigen

Hammer und Meißel gehören zur Grundausstattung, um Fliesenbelag zu entfernen. Sie gibt es in jedem Baumarkt, sollten aber ohnehin zum Standardrepertoire eines Heimwerkers gehören. Die beiden Werkzeuge alleine reichen nicht aus, denn beim Fliesenentfernen ist Fingerspitzengefühl angesagt.

Um Meißel und Bohrhammer überhaupt ansetzen zu können, muss zunächst eine einzelne Fliese entfernt werden. Dazu beginnen Heimwerker bei der Verfugung und setzen an einer Fliesenecke an (siehe Video). So können sie die gesamte Fliese oder einen Teil entfernen. Da die erste Fliese den Grundstein für die nachfolgende Arbeit legt, sollten Heimwerker sie mit Bedacht auswählen. Dabei gibt es einen simplen Trick: Man klopft die gesamte Fliesenwand ab und sucht einen Hohlraum – hier entfernt man die Fliese per Hand mit Meißel und Fäustel.

Beim Entfernen dürfen Heimwerker nicht vergessen, dass lediglich die Fliesen zu entfernen sind. Der restliche Unterbau soll in der Regel bestehen bleiben. Aus diesem Grund ist bei dieser Arbeit Fingerspitzengefühl gefragt.

Der richtige Winkel entfernt Fliesen spielend einfach

Nachdem man die erste Fliese entfernt hat, folgt der restliche Untergrund. Heimwerker müssen hier auf den Winkel achten, mit dem sie ihren Flachmeißel zur Fliese ansetzen. Er sollte möglichst genau 45 Grad aufweisen. Ein Winkel kleiner als 45 Grad sorgt dafür, dass die Kachel zersplittert. Heimwerker machen sich dadurch mehr Arbeit als nötig und erhöhen den Zeitaufwand. Ein zu stumpfer Winkel wiederum bedeutet, dass man Löcher in die Wand schlägt, welche man später verputzen muss – ergo ebenfalls mehr Arbeit.

Fliesenklebereste entfernen

Nachdem alle Fliesen entfernt wurden, werden mit Sicherheit Kleber- oder Mörtelreste übrig geblieben sein (siehe Video im vorigen Abschnitt). Je nachdem, ob es sich um Bodenfliesen oder Wandfliesen handelt und welcher Arbeitsschritt später folgt, müssen die Klebereste unter Umständen entfernt werden. Wer neu verfliesen möchte, muss die Klebereste zwingend abtragen. Auch hierzu benötigt man lediglich Hammer und Meißel und ein wenig Geduld.

Bei Wandfliesen, die früher häufig mit Mörtel verklebt wurden, ist die Arbeit etwas aufwendiger: Da Handarbeit zu viel Zeit kostet, sollten sich Heimwerker eine Betonschleifmaschine ausleihen und mit deren Hilfe den Mörtel abtragen. Ansonsten gilt beim Abschlagen der Klebereste dieselbe Regel wie bei den Fliesen: Ein Winkel von 45 Grad ist stets einzuhalten. Wer zu steil ansetzt, beschädigt den Untergrund. Bei Wänden kann dies problematisch sein, weil sich hier Stromleitungen und Wasserrohre befinden können. Unter den ehemaligen Bodenfliesen können sich ebenfalls die Wasserrohre einer Fußbodenheizung befinden.

Am Anfang des Artikels haben wir Wasser in die Materialliste aufgenommen. Das hat einen simplen Grund: Bei dieser Arbeit entsteht viel Fliesen- und Kleberstaub. Zwar sollte man sich mit einer Atemschutzmaske schützen, da der Staub die Sicht behindert, ist es sinnvoll, das Wasser während der Arbeit zu versprühen – und zwar auch in die Raumluft.

Untergrund glätten

Unabhängig davon ob man Wandfliesen oder Bodenfliesen entfernt hat, kann es notwendig sein, den Untergrund glätten zu müssen. Für diese Arbeit gibt es elektrische Tellerschleifer. Ist hingegen ein altes Mörtelbett vorzufinden, müssen Heimwerker mit einer Ausgleichsmasse arbeiten oder einen Wandspachtelputz anwenden. Nur so können sie den Untergrund eben machen und dafür sorgen, dass die neuen Fliesen viele Jahre lang an der Wand oder am Boden haften werden.

Bauschutt sorgfältig entsorgen

Die Entfernung von Bodenfliesen und Wandfliesen wird Bauschutt hinterlassen, den Heimwerker entsorgen müssen. Materialtechnisch gesehen sind Fliesen nichts weiter als Keramik. Bei der Entsorgung handelt es sich aber um Bauschutt – und dieser gehört nicht in den Hausmüll.

Kleine Mengen an Fliesen können Heimwerker in einigen Fällen kostenpflichtig in ihrer für Bauschutt zuständigen Gemeinde abgeben. Bei größeren Mengen hingegen muss ein Container beantragt werden.

Wer lediglich einige Fliesen abgeschlagen und diese ersetzt hat, kann diese über den Hausmüll entsorgen, wenn er diese zunächst säubert. Soll heißen: Fliesenkleber und Putz müssen restlos entfernt werden.

Zusammenfassung

Die Entfernung von Fliesen kann viele Gründe haben, meist verfolgen Interessierte eine Sanierung des Badezimmers. Zur Entfernung können sich Heimwerker spezielles Werkzeug ausleihen und sich so die Arbeit erleichtern. Der größte Trick beim Entfernen von Bodenfliesen und Wandfliesen ist jedoch der 45-Grad-Winkel, mit dem der Meißel angesetzt werden muss. Nach der Entfernung der Fliesen haben Heimwerker die Pflicht, sie als Bauschutt korrekt zu entsorgen.

Artikelbild: © Lisa S. / Shutterstock

3 Kommentare

  1. Oliver Schmitt 26.10.2017 18:26 Uhr

    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Wir hatten uns auch überlegt nach dem Tod der Großtante das Haus selbst zu renovieren und hatten uns in eurem Artikel schon informiert. Aus Zeitmangel und wegen des Umfangs der Arbeiten haben wir die Abbrucharbeiten in Hannover dann in professionelle Hände gegeben.

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  2. andreas stecker 06.02.2018 21:29 Uhr

    Das Video war sehr hilfreich. Ich lerne Sachen am besten, wenn ich eine Demonstration sehen kann. VG

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  3. Nadine 22.02.2018 09:12 Uhr

    Toller Beitrag.

    Ich wohne schon seit langer Zeit im Altbau. Jetzt ist aber die Zeit gekommen, um diesen zu sanieren. Es muss wirklich viel gemacht werden.

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