Fliesen kinderleicht verlegen

Fliesen kinderleicht verlegen

Fliesen bieten die Gelegenheit, im Bereich der Wandverkleidung oder Bodenbeläge anzusetzen und Räumen eine hochwertige optische Komponente zu geben. Spricht man von Fliesen, meint man im Regelfall Keramikfliesen, die auch als Wand- oder Bodenkacheln bezeichnet werden können. Diese keramischen Platten können aufgrund ihrer Eigenschaften sowohl im Innen- wie auch Außenbereich zum Einsatz kommen. Dabei gibt es jedoch diverse Unterschiede hinsichtlich der Eigenschaften und der späteren Legefähigkeit von Fliesen.

Wir informieren über die grundsätzliche Herstellung und die Eigenschaften von Fliesen, um im Anschluss daran Tipps und Hinweise zum richtigen Verlegen von Fliesen zu geben.

Ton als Basisstoff

Mag sich hinsichtlich der Methoden zur Herstellung von Keramik über die Zeit etwas verändert haben, so gilt Ton weiterhin als wichtigster Basisstoff bei deren Herstellung. In Kombination mit Kaolin, Feldspat und Quarz werden unterschiedliche Zuschlagstoffe beigemischt, um als Grundlage für Stabilität und Form zu dienen. In Abhängigkeit zum eigentlichen Einsatz wählt man dann Kalzit, Dolomite oder Schamotte als beizumischende Stoffe. Um die Qualität von Fliesen in der großen Masse zu gewährleisten, setzt man heutzutage auf das Strangpressverfahren in Kombination mit der Trockenpressung. Hierbei wird zunächst die Keramikmasse extrudiert und in lange Einzel- oder Doppelfliesen gepresst und zerteilt, danach wird durch die Trockenpressung ein spezielles Keramikpulver aufgetragen und mit Hochdruck eingebrannt.

Nun wird zur besseren Verarbeitung mit Mörtel noch ein Muster auf der Unterseite eingebracht, wobei es sich dabei standardmäßig um sogenannte Längsrillen handelt. Für die Farbgebung verantwortlich sind unterschiedliche Oxide, die zum Teil aus natürlichen Rohstoffen wie Eisenoxid oder Manganoxid bestehen. Eine Besonderheit besteht bei glasierten Keramikfliesen, denn hier weisen die Scherben eine besondere Glasur auf, die mittels des Monoporosa- oder Biporosa-Verfahrens eingebrannt wird und die Farbgebung bestimmt.

Besondere Eigenschaften und Kriterien

Anhand des Wasseraufnahmevermögens kann eine Keramikfliese gemäß der DIN EN 14411 Norm in fünf Gruppen eingeteilt werden. Mit der Bezeichnung Ia, Ib, IIa, IIb und III wird das Wasseraufnahmevermögen bis höchstens 0,5 beziehungsweise drei Prozent, im Bereich von drei bis sechs, sechs bis zehn sowie über zehn Prozent bezeichnet. Ausschließlich Fliesen der ersten beiden Gruppen weisen eine hohe Frostbeständigkeit auf und sind deshalb für den Einsatz in Außenbereichen nutzbar. Hier ist lediglich von der Frostbeständigkeit der Oberfläche die Rede, nicht von der Lösungsfähigkeit vom Untergrund insgesamt.

Hierbei spielt die Abriebfestigkeit noch keine Rolle, denn sie bezieht sich auf den Verschleiß beziehungsweise den Abrief der Glasur. Der sogenannte Tiefenverschleiß nach DIN EN ISO 10545-6 gibt an, wie hoch die Verschleißresistenz ist. Dabei gilt: Je geringer der Wert ausfällt, desto resistenter ist die Keramikfliese letztlich. Die letzte Eigenschaft bezieht sich auf die Rutschsicherheit, ausschließlich bezogen auf den Belag. Der sogenannte R-Wert gilt in dem Sinne: Je höher der R-Wert ausfällt, desto höher ist die Rutschhemmung. Zeitgleich verschlechtert sich damit die Reinigungsfähigkeit des Belags.

Kapillare Keramik, wie beispielsweise Steingut oder Terracotta, weist eine hohe Fleckempfindlichkeit auf. Glasierte Keramik wird aufgrund einer sehr hohen Fleckunempfindlichkeit auch in Bädern und Küchen eingesetzt, wohingegen Terracotta einen Einsatz in Wohnzimmern findet.

Darauf ist beim Verlegen zu achten

  • Zunächst muss der Untergrund vorbereitet werden, er muss in erster Linie ebenflächig, fest, trocken und frei von sämtlichen haftungsmindernden Stoffen sein. Etwaige Risse sind zu korrigieren, die Tragfähigkeit kann gesondert überprüft werden. Sorgen Sie dafür, dass hohlliegende Spachtelschichten vermieden werden. Auch Trennschichten sollten bezüglich der Robustheit vermieden werden. Mitunter ist es nötig, Anhydritestriche gesondert zu schleifen, abzusaugen und zu grundieren – Zementestriche müssen hingegen mindestens einen Monat ausgetrocknet sein.
  • Feuchten Sie eine Hand an und gehen über den Untergrund, um das Absanden zu beurteilen. Mit der sogenannten Gitternetzprüfung kann zudem die Oberflächenfestigkeit getestet werden. Hier ist darauf zu achten, dass Ritzflanken an den kreuzenden Stellen nicht ausbrechen dürfen. Anschließend gehen Sie mit der Wasserwaage her und überprüfen den Untergrund auf seine Ebenflächigkeit. Mögliche Risse können mit wirkungsvollem Rissharz verschlossen werden.
  • Besondere Unebenheiten müssen mit passendem Fließspachtel korrigiert werden, wobei im Regelfall eine Wartezeit von drei Stunden vor dem Verlegen der Fliesen eingehalten werden sollte. Mithilfe einer Grundierung können saugende oder zu stark absandende Untergründe vorbehandelt werden. Glatte Untergründe können ebenso mit passendem Haftgrund, hier auf die Materialkompatibilität achten, vorbehandelt werden.

Speziell in der Nasszelle

In Nasszellen ist es unabdingbar, zunächst eine Abdichtungsschicht aufzutragen. In der Oberfläche mögen Keramikfliesen zwar wasserdicht sein, dennoch kann speziell durch die Verfugung eine Menge an Feuchtigkeit in den Untergrund eindringen. Derartige Schäden entwickeln sich langsam und gefährden die gesamte Konstruktion. Aus diesem Grunde sollte auf eine passende Flüssigbeschichtung gesetzt werden, denn diese ist im Fachhandel oftmals gebrauchsfertig erhältlich. Diese Abdichtung ist hochelastisch und überbrückt Rissen, kann deshalb auch durch Spachteln oder Rollen aufgetragen werden.

Dabei geht man so vor, dass der Dünnbrettmörtel untermittelbar mit dem Fliesenbelag auf der Abdichtungsschicht verlegt wird. Wichtig ist dabei, zunächst alle Ecken mit entsprechenden Dichtecken oder Wandanschlussfugen abzudichten. Passende Dichtmanschetten dienen als Sicherung der Rohrstutzen, man stülpt diese über und bettet diese in die Geweberänder. Danach kann in Abständen von etwa zwei Stunden die Flüssigbeschichtung aufgetragen werden.

Artikelbild: © Nagy-Bagoly Arpad / Shutterstock

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