Haselnussbaum (Corylus colurna) – anpflanzen, pflegen und ernten

Haselnussbaum (Corylus colurna) – anpflanzen, pflegen und ernten

Wer liebt sie nicht? Die kleinen süßen Früchte, die sich in harter Schale verbergen, die es zu knacken gilt? Die Rede ist von der Haselnuss (auch Türkische Hasel oder Baum-Hasel genannt), die am gleichnamigen Baum wächst. Doch dieser hat nichts mit der Gemeinen Hasel oder dem Haselnussstrauch zu tun. Seine Früchte sind kleiner und der Haselnussbaum ist in Gärten hierzulande noch meist unbekannt. Er findet sich eher in Parkanlagen und an Alleen. Aber auch an Bachufern und Steilhängen ist dieser über 8000 Jahre alte Baum zu Hause.

Herkunft

Der Haselnussbaum wird auch Türkische Hasel oder Baum-Hasel genannt. Sein lateinischer Name ist Corylus colurna. Der Baum gehört zu der Familie der Birkengewächse. Sein ursprüngliches Zuhause ist weit gestreckt: Südosteuropa, Kleinasien, Kaukasus und Himalaja. Aber auch in Nordamerika und Nordafrika ist er daheim – überall da wo es sommerwarm ist und der Boden gut durchlüftet wird. Der Haselnussbaum ist ein Riese unter seinen Zeitgenossen. Er kann bis zu 20 Meter hoch und 100 Jahre alt werden. Ebenso gilt er als Pionierpflanze – er kann den Boden für andere Pflanzen vorbereiten.

Erscheinungsbild, Blütenstand und Blüte

Die Baum-Hasel ist ein sommergrüner Baum mit einem einzigen Stand. Die Baumkrone wächst pyramidenförmig. Ihre Zweige sind wechselständig und zweizeilig angeordnet. Daran wachsen die Laubblätter. Anfangs wächst der Haselnussbaum sehr schnell – bis zu 60 Zentimeter im Jahr. Danach verlangsamt sich sein Wachstum. Der Corylus colurna erblüht von Februar bis März vor seinem Austrieb. Die Farbe der Blüte ist Gelb. Der Stamm dieses Baums ist weich und zäh. Er glänzt und erstrahlt in den Farben Graubraun bis Rot.

Im Inneren ist das Holz gelblich oder weiß. Der Stammdurchmesser kann bis zu 18 Zentimeter betragen. Seine Rinde ist längsrissig. Die Blätter des Haselnussbaums werden fünf bis zehn Zentimeter lang, herzförmig und leicht behaart. Ihre Oberfläche ist grün, die Unterseite jedoch heller, an der auch deutliche Blattnerven zu erkennen sind. Die Ränder der Blätter sind doppelt gezackt. Im Herbst bringt der Baum Haselnüsse hervor. Diese sind mit ihren 20 Millimetern deutlich kleiner und auch härter als die der Gemeinen Hasel. Sie wachsen in Fruchtständen mit fünf bis acht anderen Früchten zusammen, von krausen Hüllblättern und Stacheln umgeben. Erntezeit für die Nüsse ist Oktober. Im Herbst erstrahlt der Haselnussbaum in goldenem Gelb, bevor er die Blätter verliert. Einige Untersorten können jedoch andere Farben bieten.

Sorten

Der Corylus colurna hat einige untergeordnete Sorten. Oft werden sie jedoch mit verwandten Arten wie beispielsweise der Gemeinen Haselnuss (Corylus avellana) verwechselt, die deutlich mehr Vielfalt bietet. Aber die Corylus corluna ist ein Baum, der einstämmig wächst.In deutschen Gefilden verbreitete Sorten sind unter anderen:

  • Corylus colurna „Te-Terra Red“
  • Corylus colurna „Granat“
  • Corylus colurna L. „grandulifera“
  • Corylus colurna „sp“

Die Sorte „Te-Terra Red“ ist eine Art, die dunkelrote Blätter hervorbringt. Die Herbstfärbung wird Gelb, Rot und Braun. Ebenso hat auch die Sorte „Granat“ dunkle, rotbraune Blätter.

Verwendung

Auch wenn der Haselnussbaum hierzulande noch wenig bekannt ist, seine Verwendung ist es umso mehr. So werden die Früchte gern gegessen – vor Weihnachten sind die Regale der Supermärkte mit Haselnüssen prall gefüllt. Sie eignen sich zum Naschen ebenso wie zum Backen eines Haselnusskuchens. Aber auch Haselnussöl wird gern verwendet, um Speisen zu verfeinern – allen voran Salate. Mit Haselnuss-Massageöl sollten sogar Falten weg zu massieren sein. Der Baum bietet jedoch noch mehr. So können die weichen Kätzchen des Baumes als Medizin genutzt werden.

Ein Aufguss von ihnen soll Fieber senken und schweißtreibend sein. Ein Umschlag aus den Kätzchen kann Krampfadern und Venenentzündungen lindern. Die Kompresse aus ihnen soll geschwollene Augen lindern. Den Stoffwechsel regen die abgekochten Blätter und Kätzchen an. Das Holz der Baum-Hasel wird für die Möbelherstellung genutzt. Auch Schnitzereien lassen sich aus dem weichen Holz gut herstellen. Seine Robustheit lässt den Baum vor allem zu Anpflanzung an Straßen optimal sein – daher findet sich die Türkische Hasel oft an Alleen. Im Garten kann sie ebenso nützlich sein: Seine Blätter eignen sich gut zum Kompostieren, da sie schnell verwittern.

Standort

Wer einen Haselnussbaum anpflanzen möchte, muss nicht viel in Sachen Standort beachten. Denn der Corylus colurna ist nicht sehr anspruchsvoll. Zunächst benötigt dieses Gewächs genügend Platz: Bis zu sechs Meter breit können diese Bäume werden. Sonne mag der Baum nicht so sehr, Halbschatten ist für ihn optimal. Dennoch braucht die Baum-Hasel auch Licht, um gut wachsen zu können. An den Boden gibt es ebenfalls einige Anforderungen:

  • tiefgründiger Boden
  • humusreich Boden
  • feuchte Erde
  • kann kalkhaltig sein
  • kann sandig sein
  • pH-Wert unabhängig

Der Haselnussbaum passt sich an alle Werte des Bodens an.

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Pflanzen

Die beste Pflanzzeit für den Haselnussbaum ist der Herbst, dennoch kann bis zu März angepflanzt werden. Im Handel gibt es zahlreiche Containerwaren, die im Oktober auch wurzelnackt angeboten werden. Vor dem Einsetzen in die Erde bietet es sich an, die Wurzeln des jungen Exemplars in Flüssigdünger einzutauchen. Das hilft dem Baum, in seinem neuen Zuhause besser anzuwurzeln. Beim Umsetzen sollte darauf geachtet werden, das das Pflanzloch doppelt so groß ist, wie der Ballen. Die Auffüllerde sollte mit Kompost gemischt werden. Während der Pflanzung und in den Wochen danach ist Wässerung besonders wichtig. Regelmäßige Lockerung des Bodens hilft dem Jungbaum ebenfalls.

Wer Haselnüsse ernten will, sollte zwei Exemplare pflanzen. Denn der Haselnussbaum ist kein Selbstbestäuber und benötigt einen zweiten Baum, um befruchtet zu werden.

Gießen und düngen

Die Pflege des Corylus colurna ist unkompliziert. Der Baum benötigt lediglich genügend Wasser. Vor allem in der Wachstumsphase ist das Gießen besonders wichtig – gerade an heißen Sommertagen. Dann sollte zwei bis dreimal in der Woche Wasser gegeben werden. Achtung: Staunässe mag dieses Gewächs gar nicht. Ist der Baum ausgewachsen, ist meist eine zusätzliche Wässerung nicht mehr nötig. Im Winter muss überhaupt nicht gegossen werden. Auch Dünger muss der Haselnussbaum nicht unbedingt haben. Es reicht vollkommen aus, wenn im Frühling und im Herbst der Boden gemulcht wird. Nur wenn der Boden extrem karg ist, sollte nachgedüngt werden.

Richtig schneiden und pflegen

Entgegen vielen anderen Gewächsen wird der Haselnussbaum nicht im Frühjahr beschnitten. Denn er ist ein Frühblüher und steht schon im März in voller Blüte. Daher sollte die Baum-Hasel nur im Spätsommer oder im Herbst zurückgeschnitten werden. Hier geht es darum, die Wildtriebe zu beseitigen. Mehr Schnitt ist bei diesem pflegeleichten Laubbaum meist nicht notwendig. Wer dennoch im Frühjahr zur Schere greift, muss mit einer schlechteren Nussernte rechnen.

Vermehren

Um die Baum-Hasel zu vermehren, stehen dem Gärtner drei verschiedene Wege zur Verfügung:

Eine Nuss in die Erde zu pflanzen ist die wohl einfachste Methode. Dies kann sowohl im Garten, aber auch in einem Gefäß mit Erde geschehen und sollte direkt nach der Ernte passieren. Die Nuss muss nur mit einer Erdschicht von ein bis zwei Zentimetern bedeckt werden. Im Garten sollte die Stelle vor Tieren gesichert werden, Pflanzgefäße müssen im Freien bleiben. Bis zum Frühjahr gilt es nun, den Boden feucht zu halten. Zeigt sich im Frühling dann der Keimling, ist die Pflanzung gelungen.

Wer Stecklinge zur Vermehrung nutzen möchte, sollte etwa 30 Zentimeter lange Triebe schneiden und an den unteren zwei Dritteln Blätter und Knospen entfernen. Dieser Teil des Stecklings wird in die Erde gesteckt. Auch hier ist es wichtig, den Boden ausreichen zu gießen. Wenn der Steckling austreibt, ist die Vermehrung erfolgreich. Bei der vegetativen Vermehrung werden Ruten um den Stamm herum Richtung Boden gebogen, dort befestigt und mit Erde bedeckt. Rund zehn bis 15 Zentimeter bleiben oberhalb. Diese Absenker sollten ebenfalls ausreichend gewässert werden. Im Frühjahr bilden sich bei Erfolg Wurzeln. Dann können die Ableger vom Baum getrennt und an anderer Stelle angepflanzt werden.

Überwintern

Auch in der kalten Jahreszeit ist der Haselnussbaum robust und benötigt keinen unbedingten Winterschutz. Lediglich junge Pflanzen sollten bei Temperaturen unter 15 Grad Celsius abgedeckt werden: die Wurzeln mit Mulch, Stamm und Triebe mit Wintervlies. Folie sollte der Gärtner meiden, denn der Baum muss atmen können. Anderweitig droht Fäulnis.

Krankheiten und Schädlinge

Der Corylus colurna lockt einige Insekten an, die von seinen Bestandteilen leben. Allen voran der Haselnusskäfer, der auch Haselnussbohrer genannt wird. Seine Anwesenheit erkennt der Gärtner an den Löchern in den Nüssen. So gelangt das Tier ins Innere und frisst die Frucht auf. Danach hinterlässt er auch seine Larven in der hohlen Schale. Dieses Insekt zu entfernen kann nur durch rigorose Entsorgung aller Nüsse erfolgen – auch die, die bereits zu Boden gefallen sind! Blattläuse mögen die Baum-Hasel ebenfalls. Vor allem junge Exemplare munden ihr. Diese nehmen jedoch großen Schaden, wenn sie von der Blattlaus befallen werden. Daher sollte der Gärtner Gegenmaßnahmen ergreifen.

Ältere Bäume werden weniger von der Blattlaus bevölkert. Sie dienen vielmehr dem Eichhörnchen als Nahrungsquelle und Lebensraum. Eine Pilzerkrankung kann der Baum-Hasel ebenfalls gefährlich werden, auch wenn diese selten auftritt: die „Vericillium-Welke“. Der Pilz befällt die Wurzel und dringt von dort in die gesamte Pflanze ein. Der Baum wird vergiftet, verkümmert und kann meist nur gefällt werden.

Mythen und Legenden

Der Haselnussbaum dient als Vorlage vieler Mythen in der Vergangenheit. Manche halten sich bis heute. Im alten Rom galt ein Zweig dieser Gattung beispielsweise als Friedenssymbol. Aber auch ein Sinnbild für Wollust und Fruchtbarkeit wird ihm bis heute nachgesagt. So soll er auch eine aphrodisierende Wirkung haben. Mit einem Haselzweig wurden in Geschichten Schlangen erschlagen, er gilt als Blitzableiter und Wünschelrute. Ebenso gilt der Corylus colurna als Baum der Weisheit: Wer unter ihm schläft, soll in seinen Träumen die Zukunft sehen.

FAQ – Die häufigsten Fragen

Woran erkennt man einen Haselnussbaum?
Der Haselnussbaum ist gut an seinen Blättern erkennbar. Sie werden bis zu zehn Zentimeter lang und sind oben mittelgrün, während die Unterseite viel heller ist. Die Blätter haben eine leichte Behaarung und eine runde bis herzförmige Form. Im Herbst lässt sich der Haselnussbaum an seinen markanten Früchten erkennen, denn dann bilden sich die eigentlichen Haselnüsse.

Woher kommt der Haselnussbaum und wo wächst er?
Hierzulande gilt der Haselnussbaum als einheimisch. Er wächst überall in Europa, nur im Norden von Skandinavien und Russland findet man ihn nicht. Darüber hinaus ist er auch in Nordamerika, Nordafrika und Westasien verbreitet.

Wie schnell wächst ein Haselnussbaum?
Der Haselnussbaum wächst sehr schnell. Deshalb wird er in Strauchform auch gerne als Hecke angepflanzt.

Wie hoch kann ein Haselnussbaum werden?
Der Baum erreicht eine maximale Höhe von sechs Metern.

Wann und wie schneidet man den Haselnussbaum?
Sofern es nicht unbedingt erforderlich ist, sollte der Haselnussbaum gar nicht geschnitten werden. Mit starken Rückschnitten kommt er schlecht zurecht. Nach der Ernte kann es aber notwendig sein, den Baum zu verschneiden, um den Ertrag im Folgejahr zu erhöhen. Die Triebe sollten dabei direkt am Stamm gekürzt werden.

Wann und wie wird der Haselnussbaum gepflanzt?
Der beste Zeitpunkt zum Pflanzen ist im Herbst. Wichtig ist, dass das Pflanzloch ausreichend groß ist. Außerdem können die Wurzeln kurz in Flüssigdünger getaucht werden, um eine schnelle Wurzelbildung zu unterstützen.

Wie vermehrt man den Haselnussbaum?
Haselnussbäume neigen dazu, sich selbst zu vermehren. Außerdem kann man die Früchte gezielt in die Erde pflanzen, um einen neuen Haselnussbaum zu ziehen. Darüber hinaus ist es möglich, im Herbst Stecklinge zu schneiden und diese zu verwenden, um den Baum zu vermehren.

Wie alt wird ein Haselnussbaum?
Ein Haselnussbaum kann bis zu 100 Jahre alt werden.

Was koset ein Haselnussbaum?
Im Durchschnitt zahlt man für junge Haselnussbäume etwa 10 bis 20 Euro.

Welche Unterschiede bestehen zwischen dem Haselnussbaum und dem Haselnussstrauch?
Der Haselnussbaum unterscheidet sich vom Haselnussstrauch nur durch seine Wuchsform: Während der Baum in die Höhe wächst, vergrößert sich der Strauch eher in der Breite.

Wann trägt der Haselnussbaum seine Früchte?
Haselnüsse reifen im Zeitraum von September bis Oktober heran.

Wann sind die Früchte des Haselnussbaums reif?
Die Nüsse sind zuerst grün und färben sich mit der Zeit von Gelb zu Braun. Erst die braunen Haselnüsse sind reif und essbar.

Wann kann man einen Haselnussbaum umpflanzen?
Der Haselnussbaum sollte an den frostfreien Tagen zwischen Oktober und Januar umgepflanzt werden, wenn ein Standortwechsel notwendig ist.

Wann blüht der Haselnussbaum?
Meist beginnt die Blütezeit des Haselnussbaums Anfang Februar. In warmen Wintern kann der Baum sogar noch früher blühen.

Wie wird der Haselnussbaum gepflegt?
Spezielle Pflegemaßnahmen oder Düngergaben benötigt ein Haselnussbaum nicht.

Kann man auf den Haselnussbaum allergisch reagieren?
Beim Haselnussbaum erfolgt die Bestäubung durch den Wind. Deshalb gilt dieser Baum auch als extreme „Pollenschleuder“. Darüber hinaus sorgt eine spezielle Zusammensetzung des Blütenstaubs dafür, dass der Haselnussbaum ein starker Allergieauslöser ist.

Systematik

Eurosiden I
Ordnung: Buchenartige (Fagales)
Familie: Birkengewächse (Betulaceae)
Unterfamilie: Haselnussgewächse (Coryloideae)
Gattung: Hasel (Corylus)
Art: Baum-Hasel

Wissenschaftlicher Name

Corylus colurna

Zusammenfassung

Der Haselnussbaum ist hierzulande eher an Straßenrändern als in Gärten zu finden. Dennoch bietet sich der stattliche Baum als Pflanze für den Zier- und Nutzgarten an. Er ist pflegeleicht, nicht sehr anspruchsvoll und bietet – je nach Sorte – ein tolles Farbspiel der Blätter im Herbst. Ebenso bietet er dem Eichhörnchen ein Zuhause und mit etwas Glaube, kann man mit ihm in die Zukunft sehen. Bei richtiger Pflanzung kann man im Herbst die beliebten Haselnüsse ernten.

Artikelbild: © Max Sudakov / Shutterstock

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