Haustiere: Eine Jahrtausend alte Geschichte

Haustiere: Eine Jahrtausend alte Geschichte

Haustiere wie Hunde, Katzen, Vögel und Kaninchen sind Tiere, die zum Vergnügen oder aufgrund ihres Nutzens vom Menschen gezüchtet und domestiziert werden. Der Hund gilt als das erste Haustier des Menschen, wobei bis heute nicht klar ist, ob er sich dem Menschen angeschlossen oder domestiziert wurde. Während das erste Haustier Schätzungen zufolge bereits vor etwa 125.000 Jahren existierte, entnahmen wir erst viel später Wildtiere aus der Natur, um sie zu züchten, so wie es heute bei Pferden, Rindern, Ziegen und Schafen der Fall ist.

Ob als Partnerersatz, Versuchsobjekt oder Transportmittel: Tiere haben für uns im Laufe der Jahre völlig unterschiedliche Funktionen eingenommen. In der westlichen Welt galten die Lebewesen zum Großteil als Arbeitsgeräte, Transportmittel oder Nahrungsmittellieferanten. In der Stadt wurden sie schließlich durch die Industrialisierung als Nutztier abgelöst. Stattdessen erhielten die Lebewesen als Haustiere die Aufgabe des Partners oder Prestigeobjektes. Das Halten von Tieren, zunächst Vögel, galt in allen sozialen Schichten als modern. Mit zunehmender Bedeutung der Haustiere bildete sich Anfang des 19. Jahrhunderts die ersten Tierschutzgedanken. So edel diese auch waren, sie wurden zunächst ausschließlich für demagogische Zwecke genutzt. Ein Jahrhundert später wurden sie in westlichen Gesellschaften erstmals als Partner betrachtet, gleichzeitig aber auch in Versuchslabore und Mastställe verwendet.

Ein Blick in andere Kulturen der Welt zeigt, dass die Haltung gegenüber Tieren weitaus eindeutiger ist: Im Islam zum Beispiel genießen diese Lebewesen nicht die höchste Stellung, sie sind eher ein „Mittel zum Zweck“. Für Buddhisten sind Haustiere und alle weiteren Lebewesen sehr wichtig und sie gehen mit ihnen weitaus rücksichtsvoller als wir um. Buddhistische Mönche haben sich dazu verpflichtet, keine anderen Lebewesen zu töten, und sie nehmen diese Aufgabe sehr ernst. Mit einem Palmwedel fegen sie vor sich hin, um keine Insekten zu zertrete. Wasser wird gefiltert, um kein Leben darin zu zerstören.

Heute gibt es in vielen Ländern der Erde zahlreiche Organisationen, die sich für die artgerechte Tierhaltung einsetzen. Diese zusammen mit Informationen im Internet sowie Publikationen sind zwingend notwendig, da sich die Tier-Mensch-Verhältnisse im Laufe der Jahre stark verändert haben. Organisationen versuchen in erster Linie Interessierte zu informieren, die zum ersten Mal Haustiere kaufen möchten. Häufig fällt die Wahl „aus dem Bauch“ heraus. Es folgt eine nicht artgerechte Tierhaltung, worunter die Haustiere sehr leiden, auch wenn viele Familien es nicht mit Absicht tun und grundsätzlich alle anderen Lebewesen sehr mögen.

Haustier vs Heimtier

Heimtiere sind im Grunde nichts weiter als eine spezielle Gruppe der Haustiere. Es handelt sich um Lebewesen, die sich aus diversen Motiven in der Wohnung aufhalten und einen engen Kontakt zu den dort lebenden Bewohnern pflegen. Laut dem Europäischen Übereinkommen zum Schutz von Heimtieren (Straßburg/Strasbourg, 13.XI.1987) lautet die offizielle Definition von Heimtieren folgendermaßen:

„Der Ausdruck Heimtier bezeichnet ein Tier, das der Mensch insbesondere in seinem Haushalt zu seiner eigenen Freude und als Gefährten hält oder das für diesen Zweck bestimmt ist.“

Es gibt viele Motive, warum sich jemand für Heimtiere entscheiden kann:

  • Freude am Tier
  • Interesse an Verhaltensweisen
  • Züchtung
  • Zierde
  • Spielgeführte für Kinder
  • Ersatz für Sozialpartner

Heimtiere sind in allen möglichen Größen und Verhaltensweisen zu finden. Neben den klassischen Haustieren kommen für einige Menschen auch gefährlichere Tiere wie Giftspinnen, Giftschlangen und Skorpione infrage.

Den Angaben des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands zufolge leben 31 Millionen Heimtiere in Deutschland. Die beliebtesten Tierarten sind Katzen, von denen 12,3 Millionen in deutschen Haushalten wohnen, gefolgt von den Hunden (7,4 Mio.).

Domestizierung

Die Domestikation ist ein Veränderungsprozess von Wildtieren, bei dem Menschen diese über Generationen hinweg von ihren wild lebenden Artgenossen isolieren und so Haustiere züchten. Dadurch wird das Zusammenleben von Mensch und Tier aber auch die Nutzung des Tiers als Haustier oder Heimtier möglich. Ziel der Domestizierung ist in der Regel eine geringere Aggressivität gegenüber Menschen sowie Artgenossen, um die Nutzung als Haus-, Heim- oder Nutztier zu ermöglichen. Die Domestikation sollte nicht mit der Zähmung einzelner Wildtiere verwechselt werden. Die Honigbiene beispielsweise wurde vor mehr als 7.000 Jahren domestiziert, die Zähmung einzelner Bienen ist jedoch nicht möglich, weil sie sich von Natur aus dagegen strebt.

Die Domestizierung beeinflusst das typische Verhalten von Wildtieren, wie zahlreiche Studien gezeigt haben. Einige Merkmale des Domestikationseffektes:

  • Reduzierung der Gehirnmasse um 20 bis 30 Prozent
  • Verstärkung von für Menschen nützliche Eigenschaften
  • Ausprägung oder Änderung von Verhaltensweisen
  • Reduzierung von Hörnern und Gebiss
  • Änderung von Farben und Farbvarianten
  • Reduzierung des Fells
  • Rassenbildung mit teils großen Erscheinungsunterschieden
  • unterentwickeltes Flucht- und Verteidigungsverhalten

Vermutete Chronologie von Domestikationsergebnissen

Tier Wildtier Zeitpunkt (in Jahren) Ort
Hund Wolf 135.000 – 30.000 Europa, Afrika, Asien
Katze Falbkatze 9.000 Zypern, Levante
Schaf Mufflon 13.000 – 11.000 Westasien
Schwein Wildschwein 11.000 China, Vorderasien
Rind Auerochse 10.000 Nordafrika, Indien, Vorderasien
Ziege Wildziege 10.000 Iran, Westasien
Huhn Bankivahuhn 8.000 Indien, Südostasien
Meerschweinchen Echte Meerschweinchen 7.000 Peru
Esel Afrikanischer Esel 7.000 Nordostafrika
Ente Stockente 6.000 China
Pferd Wildpferd 6.000 – 5.000 Kasachische Steppe
Koi Karpfen 2.400 Ostasien
Kaninchen Wildkaninchen 1.500 Frankreich
Goldfisch Karausche/Giebel 1.000 China

Beliebte Haustiere

Hunde

Der Hund ist bekanntermaßen der beste Freund des Menschen und einer der weltweit beliebtesten Haustiere. Dennoch schafft es dieses Haustier in der Top-Liste der Deutschen nur auf Platz zwei. Allein in der Bundesrepublik leben 7,4 Millionen Hunde, die ebenso wie Menschen, Ressourcen verbrauchen. Nicht alle Hunde sind steuerlich angemeldet, deshalb muss man sich bei diesen Zahlen auf Schätzungen verlassen. Zwei Drittel der in Deutschland lebenden Hunde sind Rassetiere, der Rest der Haustiere sind Mischlinge. Bis vor einigen Jahrzehnten waren die Tiere überwiegend Gebrauchshunde zum Jagen, Suchen von Lawinenopfern oder als Blindenhilfe. Heute hat der Hund teilweise verantwortungsvollere Aufgaben: Er ist ein Spielgefährte der Kinder, ein Ersatz für den Sozialpartner und bewacht das Haus der Familie.

Die Einstellung zu diesem Wesen hat sich im Laufe der Jahre stark geändert. Viele Familien wählen ihr Haustier anhand von äußerlichen Merkmalen, ohne sich über die Eigenschaften der Rasse zu informieren. Diese Unwissenheit endet in den meisten Fällen für beide Seiten unschön.

Katzen

Im Vergleich zum Hund ist die Katze ein relativ neues Haustier, das sich in kurzer Zeit zum beliebtesten Haustier der Deutschen entwickeln konnte. Vor rund 2.000 Jahren ersetzten sie in Europa das Frettchen als Mäusevertilger. Ähnlich wie Hunde sind diese für viele Menschen ein Ersatz für den Lebenspartner oder einfach nur ein weiteres Familienmitglied.

Sonstige Warmblüter

Während Hunde und Katzen nicht so stark unter dem Unwissen ihrer Halter leiden, ist es bei anderen Haustieren schlimmer. Häufig werden Tiere als Spielzeug für Kinder angeschafft, ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob sie artgerecht gehalten werden können. Zu den armen Vertretern dieser Kategorie gehören: Meerschweinchen, Kaninchen aber auch Wellensittiche. Besonders große Probleme gibt es bei der Wildentnahme, von der Papageien sowie Kakadus betroffen sind. Einige Arten stehen unter Artenschutz, andere sind aus der Natur komplett verschwunden. Trotz Artenschutz werden diese Tiere eingeschmuggelt, da die Preise für diese Vögel sehr hoch sind. Der illegale Transport kostet häufig ihr Leben.

Fische, Reptilien, etc.

Die Haltung und Pflege tropischer Tiere, zu denen Fische, Reptilien und Insekten gehören, ist sehr aufwendig. Diese Lebewesen benötigen eine hohe Temperatur zum Leben. Wie auch bei den Vögeln gibt es auch hier illegale Entnahmen aus der Natur sowie das fehlende Wissen zur artgerechten Tierhaltung. Besonders problematisch wird es, wenn die Halter das Interesse an den Tieren verlieren. Nicht selten werden sie ausgesetzt, sie vermehren sich und bedrohen so einheimische Tierarten.

Artikelbild: © vvvita / Shutterstock

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