Das Johanniskraut – Wissenswertes über eine der ältesten Arzneipflanzen

Das Johanniskraut – Wissenswertes über eine der ältesten Arzneipflanzen

Das Johanniskraut (Hypericum perforatum) wird seit Jahrhunderten als vielseitige Heilpflanze geschätzt. Vor allem bei leichten bis mittelschweren Depressionen und allgemein psychischen Belastungen in Folge von Stress entfaltet das Johanniskraut als Arzneipflanze seine Wirkung.

Anbau, Aussaat und Pflanzung von Johanniskraut

Der Anbau von Johanniskraut gelingt relativ einfach. Es kann entweder direkt ins Freiland gesät werden oder in Schalen mit durchlässigem, leicht kalkhaltigen Boden vorgezogen werden. Die beste Zeit zur Ansaat ist zwischen März und Mai. Das Johanniskraut gehört zur Gattung der sogenannten Lichtkeimer. Bei der Ansaat ist darauf zu achten, dass die Samen nur von einer geringen Erdschicht bedeckt werden, die höchstens zu stark sein darf wie die Samen selbst. 

Lichtkeimer werden sorgsam gegossen. Ein zu starker Wasserstrahl schwemmt die Samen weg. 

Die Keimdauer der Johanniskraut-Samen beträgt zwischen 14 und 21 Tagen. Wenn die jungen Pflanzen etwa zwischen 5 und 10 cm hoch sind, können sie ins Freiland gepflanzt werden. Johanniskraut kann zwei Mal (Herbst und Frühling) ausgesät werden. Das Johanniskraut braucht zum idealen Wachstum einen Platz von circa 30 cm ringsum. Das bedeutet einen Abstand von 30 cm und mehr sowohl zwischen den Reihen als auch zwischen den einzelnen Pflanzen. Am besten gedeiht das Johanniskraut an einem sonnigen bis halbschattigen Standort. Saure Böden sind für den Anbau von Johanniskraut nicht geeignet, da das in sauren Böden vorkommenden Schwermetall Cadmium von der Pflanze aufgenommen wird. 

Merkmale, Aussehen und Wuchs

Das Johanniskraut wird zwischen 30 und 90 cm hoch. Die Blätter des Johanniskrauts sind länglich-oval. Die Wurzeln sind verästelt und können über etwas über einen halben Meter Tiefe erreichen. Die sich gegenüberliegenden Blätter werden etwa 2 bis 4 cm groß. An der Blattoberfläche befinden  sich die Öldrüsen des Johanniskrautes. Das Öl wird in Ölbehältern gespeichert, die als dunkle Punkte auf den Blättern erkennbar sind.

Die Blüten des Johanneskrautes erscheinen in der zweiten Junihälfte in strahlendem Goldgelb. Die fünfblättrigen Blüten fallen neben ihrer Farbe auch durch die langen Staubfäden, die weit aus der Blüte herausragen, auf. In der Blüte sind ebenfalls Öldrüsen zu finden, diese sind jedoch eher rötlich gefärbt. Verreibt man die Blüten in der Hand, färben die sich durch das Hypercin rötlich. 

Steckbrief Johanniskraut
Blütenfarbe gelb
Blütezeit (Monat) Juni bis August
Blütenform radiär-symmetrisch
Blattfarbe grün
Blattform oval-länglich
Zier- oder Nutzwert Arzneikraut
Verwendung Alle Pflanzenteile, außer Wurzel
Winterhärte winterhart
Wuchseigenschaften schneller, dichter Wuchs
Licht sonnig bis halbschattig
Bodenart sandig, kiesig, steinig
Bodenfeuchte trocken
ph-Wert neutral
Kalkverträglichkeit kalkliebend
Nährstoffbedarf nährstoffarm
Humus humos
Gartenstil Apothekergarten, Bauerngarten, Gemüsegarten, Kräutergarten, Topfgarten

Pflanzenfamilie und Sorten

Das in unseren Breitengraden vorkommende „Echte Johanniskraut“ gehört zu den Johanniskrautgewächsen, der Hypericaceae. Unter fast 500 Arten ist das „Echte Johanniskraut“ das bekannteste. Weitere Sorten der Johanniskrautgewächse sind das Geflügelte Johanniskraut (Hypericum tetrapterum) und das Schöne Johanniskraut (Hypericum pulchrum). 

Herkunft und Vorkommen des Johanniskrauts

Das Johanniskraut oder Hypericum perforatum wird seit der Antike als Heilkraut und Arzneipflanze verwendet. Seinen Namen verdankt er seiner Blütezeit um den Johannistag Ende Juni. Durch seine Anspruchslosigkeit ist das Johanniskraut weit verbreitet und wächst auch in unwirtlichen Regionen der Erde. In unseren Breitengraden kommt das Johanniskraut in ganz Europa vor. Seine Verbreitung reicht über Asien bis nach Nordarfrika. Das relativ anspruchslose Johanniskraut wächst am Wegesrand, Brachflächen oder Magerwiesen. 

Ernte und Lagerung

Je nach Ansaatzeitpunkt kann das Johanniskraut ab Mai bis in den Oktober hinein geerntet werden. Nach der Blüte  im Spätsommer bilden sich die samenhaltigen Früchte aus.  Während der Blüte  ist der Wirkstoff der Pflanze am konzentriertesten. Hauptsächlich werden Johanniskraut-Blüten verwendet. Aber auch Blätter und Stängel finden ihre Anwendung, die Konzentration in diesen Pflanzenbestandteilen ist allerdings nicht so hoch wie in der Blüte. Die Wurzeln eignen sich nicht zur Weiterverarbeitung.  

Wann genau geerntet wird, hängt vom Saat- bzw. Pflanzzeitpunkt ab. Wurde das Johanniskraut direkt ins Freiland gesät, erfolgt die erste Ernte in der Regel etwas später im September oder sogar Oktober. Im Folgejahr kann bereits im Juli geerntet werden. Johanniskraut wird entweder frisch oder getrocknet verwendet. Die Ernte wird an einem dunklen, kühlen und trockenen Ort gelagert. 

Pflege, Krankheiten und Schädlinge des Johanniskrauts

Das Johanniskraut mag keine feuchten Füße, daher empfiehlt es sich, die Pflanze nur wenig, aber regelmäßig zu gießen. Johanniskraut gilt als äußerst robuste und genügsame Pflanze. Regelmäßige Düngerbeigaben sind daher nicht nötig. 

Vor dem Winter – Ende Oktober bis Anfang November – wird das Johanniskraut bis nah an den Boden zurückgeschnitten. Dieser Schnitt kann auch erst im Frühjahr erfolgen. Die Samenbildung bindet Energien der Pflanze, um das zu verhindern, kann die Pflanze auch nach bereits nach der Blüte stark zurückgeschnitten werden. Das Johanniskraut gehört zu den mehrjährigen Pflanzen und ist winterhart. 

Bei starkem Frost und hohen Minusgraden empfiehlt es sich, das Johanniskraut mit Reisig abzudecken.

 

Schwerwiegende Folgen für das Johanniskraut kann der Befall mit der Johanniskrautrotwelke oder allgemein Rotwelke nach sich ziehen. Bei der Johanniskrautrotwelke handelt es sich um einen Pilz, der sich zunächst durch schlaffe Triebe und einer fortschreitenden Rotfärbung an den einzelnen Pflanzentrieben bemerkbar macht. Die, so geschwächten, Triebe knicken nach einer Zeit ein und das Johanniskraut stirbt in Folge des Befalls vollständig ab. Das tückische an der Rotwelke ist seine Fähigkeit in abgestorbenen Pflanzenteile oder den Samen sogar den Winter zu überdauern. So passiert es leicht, dass  die neu austreibende Pflanze dem Pilz im Frühjahr gleich wieder zum Opfer fällt.

Eine andere Pilzerkrankung, die das Johanniskraut befallen kann, ist der Rost. Dieser Pilzbefall ist relativ leicht an den roten Flecken an den Blättern zu erkennen. In den seltensten Fällen führt ein Rostbefall zum Absterben der Pflanze. Das Johanniskraut wirft in der Regel die befallenen Blätter ab und neue wachsen nach. 

Abgestorbene Pflanzenteile am besten immer sofort entfernen. Gießen nur in Bodennähe.

Vermehrung von Johanniskraut

Johanniskraut lässt sich am besten durch eine Teilung vermehren. Der ideale Zeitpunkt dafür ist das Frühjahr, so können die Pflanzenteile in der Wachstumszeit gut gedeihen. Bei der Teilung wird wie folgt vorgegangen 

  • Ein Spross mit Schösslingen wird nahe an der Mutterpflanze mit einem scharfen Messer oder Schere abgeschnitten.
  • Die Schösslinge werden in bis zu 5 Zentimeter lange Einheiten geschnitten.
  • Am besten schlagen die Schösslinge ihre Wurzeln in kleinen Töpfchen.

Eine Eigenschaft des Johanniskrautes sind seine starken und verästelten Wurzeln. In manchen Fällen kann es vorkommen, dass das Wurzelwerk ausufert und andere Pflanzen stört. Eine Wurzelsperre kann hier Abhilfe schaffen. 

Anwendungsgebiete und -beispiele, Nutzung und Heilwirkung

Das Johanniskraut ist als Heil- und Arzneipflanze bekannt und zählt somit zu den Phytopharmaka. Solche pflanzlichen Arzneien müssen genau wie Medikamente erst zugelassen werden, bevor sie auf den Markt kommen. Bis auf die Wurzel werden alle Pflanzenteile verwendet. Durch seine beruhigende Wirkung wird es vor allem zu Linderung von Stress- und Belastungssymptomen wie auch von Depressionen eingesetzt. Aber auch bei einer äußerlichen Anwendung entfaltet das Johanniskraut seine vielfältige Wirkungsweise. Dem Johanniskraut wird eine 

  • stimmungsaufhellende
  • angstlösende
  • entzündungshemmende

Wirkung zugeschrieben. 

Johanniskraut zur Bekämpfung von Stress und seinen Begleiterscheinungen 

Johanniskraut gilt als ganzheitliche Arzneipflanze. Seine beruhigende Wirkung wird in der Behandlung von innerer Unruhe und Stress geschätzt. Hierbei bietet der Einsatz von Johanniskraut einen ganz entscheidenden Vorteil. Das Kraut wirkt langfristig und lindert nicht nur die vordergründige Symptomatik. Mit der Einnahme von Johanniskraut und der einsetzenden Beruhigung regenerieren sich auch die Ressourcen, die jeder Mensch braucht, um mit dem Stress und den Anforderungen des Alltags umgehen zu können. 

Zur Bekämpfung von innerer Unruhe und Stresssymptomen wird Johanniskraut am besten in Dragee- oder Kapselform eingenommen. Bei leichteren Symptomen kann auch das regelmäßige Trinken eines Tees aus Johanniskraut helfen.

Typischen Begleiterscheinungen von Stress und Unruhe sind Schlafstörungen. Der Geist kommt einfach nicht zur Ruhe und die Gedanken rasen vor allem nachts.  Johanniskraut kann hier den Griff zum Medikament ersetzen. Die Pflanze setzt an der Produktion des Hormons Melatonin an. Melatonin wird vor allem in der Nacht produziert und sorgt für Müdigkeit. Bei länger anhaltenden Schlafstörungen sollte jedoch ein Arzt aufgesucht werden.

Johanniskraut gegen Depression

Johanniskraut kann auch in vielen Fällen von leichten bis mittelschweren Depressionen helfen. Hierzu gibt es Studien, die die Wirksamkeit des Krautes im Vergleich mit Placebo-Präparaten nachweisen können. Johanniskraut wird aufgrund seiner stimmungsaufhellenden Wirkung zu Behandlung von leichten und mittelschweren Depressionen eingesetzt und ist als Arzneimittel zugelassen. Die Ergebnisse der Studien können jedoch nicht eins zu eins auf die im Handel erhältlichen Johanneskraut-Präparate übertragen werden, da die vielen Produkte sich in ihrer Zusammensetzung und Dosierung zum Teil erheblich voneinander unterscheiden.

Der genaue Wirkmechanismus des Johanniskrauts im Einsatz gegen eine Depression konnte bisher mittels Studien nicht vollständig geklärt werden. Eine mögliche Theorie ist, dass die Wirkstoffe direkt an den Neurotransmittern im Gehirn ansetzen. Trotzdem können Johanniskraut-Präparate in einigen Fällen eine Alternative für klassische Medikamente gegen leichte und mittelschwere Symptome einer Depression bieten. 

Bei Symptomen, die auf eine Depression hinweisen, sollte immer der Rat eines Arztes hinzugezogen werden. Diesen können Sie auch gezielt nach Johanniskrautpräparaten statt Medikamente ansprechen. 

Johanniskrautöl zur Anwendung für Haut und Haare

Das Johanniskrautöl, auch Rotöl genannt, ist sowohl zur äußerlichen als auch innerlichen Anwendung geeignet. Die Rotfärbung entsteht durch den im Johanniskraut gebildeten Wirkstoff Hypercin. Äußerlich kann das Öl bei Verbrennungen und oberflächlichen Wunden eingesetzt werden. Durch seine entzündungshemmenden und desinfizierenden Eigenschaften hilft es Infektionen vorzubeugen und unterstützt die Wundheilung.

Das Johanniskraut-Öl entfaltet seine Wirkung auch bei innerlicher Anwendung. Bauchschmerzen und sonstige Magen-Darm-Beschwerden wie Verdauungsprobleme oder Reizdarm können von der antibakteriellen Wirkung des Johanniskrauts profitieren. Diese antibakteriellen Eigenschaften von Johanniskraut kommen auch der Haut zugute. Gereizte, gerötete oder gar entzündete Haut werden mit Johanniskraut-Öl behandelt. 

Für manche Johanneskraut-Präparate, vor allem zur Anwendung bei Depressionen mittelschweren Grades,  ist ein Rezept nötig. Ein Arzt oder Apotheker hilft bei Fragen gerne weiter. 

Johanniskrautöl findet seine Anwendung jedoch nicht nur im medizinischen Bereich. Als Haarpflegeprodukt stärkt es die Haare und beruhigt gleichzeitig gereizte Kopfhaut. 

Inhaltsstoffe des Johanniskrauts

Der Hauptwirkstoff des Johanniskrautes ist das Hypercin. Das Hypercin hat wirkt antiviral und entzündungshemmend, genau wie die im Kraut enthaltenen Flavonoide, die vor allem im Johanniskrautöl enthalten sind. Weitere Inhaltsstoffe sind das Hyperforin, Biflavonoide und Gerbstoffe sowie ätherische Öle. 

Wechsel- und Nebenwirkungen zu anderen Medikamenten 

Die zeitgleiche Einnahme eines oder mehrerer Medikamente und einer pflanzlichen Arznei kann Wechselwirkungen auslösen. Unter einer Wechselwirkung versteht man, dass sich zwei Arzneimittel entweder gegenseitig schwächen oder stärken. Ein anderer Aspekt von Wechselwirkungen ist die Veränderung des Abbaus und der Ausscheidung von Medikamenten. Johanniskraut ist dafür bekannt, die Ausscheidung von einigen medizinischen Wirkstoffen zu beschleunigen.

Orale Verhütungsmittel, wie die Antibaby-Pille, sind nur ein Beispiel. Johanniskraut kann in einigen Fällen Nebenwirkungen hervorrufen. Dazu gehören unter anderem Schwindel, Hautirritationen, Müdigkeit und Beschwerden im Magen-Darm-Trakt. Phototoxische Reaktionen wie eine erhöhte Lichtempfindlichkeit können ebenfalls als Nebenwirkungen auftreten. Schwerwiegende Nebenwirkungen, die bei der Einnahme von Johanniskraut auftreten sind bisher nicht bekannt. 

Eine gleichzeitige Einnahme von Johanniskraut-Präparaten und anderen Medikamenten sollte wegen möglichen Wechselwirkungen nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker erfolgen. 

Infos zur Giftigkeit des Johanniskrauts

Die Pflanzenbestandteile des Johanniskrautes sind leicht giftig und können eine Lichtempfindlichkeit auslösen.

Wissenswertes zu Johanniskraut

Das Johanniskraut wurde schon in der Antike als Heilpflanze eingesetzt. Bereits im 16. Jahrhundert wurde seine stimmungsaufhellende Wirkung erstmalig beschrieben und fanden ihre Erwähnung in mittelalterlichen Kräuterbüchern. Mit dem Aufschwung der Pharmaindustrie traten pflanzliche Arzneimittel in den Hintergrund. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte das Johanniskraut eine Renaissance. In den vergangenen Jahren beschäftigen sich immer mehr Studien mit der heilenden Kraft des Krautes in jeglicher Form. 

Fazit

Johanniskraut ist eine äußerst vielfältige Arzneipflanze, die in Form von Dragees, Tabletten, Tees oder Öl im Handel erhältlich ist. Besonders zur Linderung der Symptomatik einer leichten bis mittelschweren Depression ist seine Wirkung vielversprechend. 

Artikelbild: Madeleine Steinbach / Bigstock.com

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