Kastanie (Castanea) – Sorten, Pflege & Krankheiten

Kastanie (Castanea) – Sorten, Pflege & Krankheiten

In Europa gibt es zwei Arten von Kastanien, die voneinander abgegrenzt werden sollten. Am häufigsten findet sich bei uns die Rosskastanie (Aesculus), deren Früchte die Kinder im Herbst sammeln, damit später die bekannten Kastanientiere daraus gebastelt werden können. Im Gegensatz dazu steht die Edelkastanie (Castanea sativa), deren essbare Früchte als Maronen bezeichnet werden. Maronen sind eine teure Spezialität, die sehr gut schmecken und in vielen Regionen als Delikatesse gelten.

Abgrenzung von Rosskastanie und Edelkastanie

Die Unterscheidung von Rosskastanie und Edelkastanie ist meist leicht, denn schon beim ersten genaueren Hinsehen sind viele Abweichungen erkennbar. Zwar finden sich Ähnlichkeiten bei den Blütenbeständen und dem Aussehen der Früchte. Sowohl die Kastanien als auch die Maronen befinden sich in Hüllen mit Stacheln. Allerdings sind Maronen größer und besitzen eine längliche Form. Zudem befinden sich bei der Edelkastanie in einer Hülle bis zu drei Maronen, während die stacheligen Umhüllungen der Rosskastanie nur eine Frucht schützen. Die Blätter der beiden Baumarten eignen sich hervorragend als Unterscheidungsmerkmal. Während die Rosskastanie die ganz typischen Kastanienblätter besitzt, deren Aussehen an eine Hand mit mehreren Fingern erinnert, sind die Blätter der Edelkastanie länglicher, an den Rändern gezackt und besitzen keine Einkerbungen.

Sorten der Kastanienbäume

Beide Kastanienbaumarten besitzen mehrere Sorten. Bei der Edelkastanie sind sogar schon bis zu 1000 verschiedene Sorten bekannt, die häufig an das lokale Klima angepasst sind. Eine Edelkastanie kann ein stolzes Alter von bis zu 500 Jahren erreichen. Die Rosskastanie besitzt ebenfalls zahlreiche verschiedene Sorten: Die gewöhnliche Rosskastanie, die gelbe oder die fleischrote Rosskastanie sowie die Indische Rosskastanie. Ebenfalls bekannt sind die Strauch-Rosskastanie und die Ohio-Rosskastanie.

Die richtige Pflege

Wer mit dem Gedanken spielt, einen Kastanienbaum im eigenen Garten zu pflanzen, sollte sich zunächst noch einmal bewusst machen, dass beide Kastanienarten dazu neigen sehr groß zu werden. Sowohl die Ross- als auch die Edelkastanien erreichen im Normalfall eine Höhe von bis zu 25 Metern. Manchmal werden es sogar 35 Meter. Daher eignen sich Kastanienbäume nur als imposante Schattenspender und Blickfänge auf weitläufigen Grundstücken. Wenn genügend Platz vorhanden ist, stellt der Kastanienbaum durchaus eine clevere Wahl dar, denn er benötigt verhältnismäßig wenig Pflege. Er muss nur sehr selten gedüngt und gegossen werden. Es sollte lediglich darauf geachtet werden, dass von Anfang an eine schöne Form erzielt wird, dann ist auch ein Beschneiden des Kastanienbaumes nur selten notwendig. Allerdings gibt es durchaus Schädlinge und einige Krankheiten, die den Kastanienbaum befallen können. In diesem Fall muss der Baum entsprechend behandelt und gepflegt werden, damit er gesund weiter wachsen kann.

Der perfekte Standort

Kastanienbäume sind am liebsten für sich und stehen nicht gern in der Nähe von anderen Bäumen. Kletterpflanzen wie zum Beispiel Efeu sollten sich nicht in der Nähe befinden, da sie dazu neigen, bis in die Krone hineinzuwachsen und die Kastanie dadurch einzuschränken. Ein Kastanienbaum sollte immer einen Standort besitzen, der sich weit entfernt von allen anderen Bäumen und Pflanzen befindet. Zudem ist es wichtig, dass der gewünschte Standort in ausreichender Entfernung zum Nachbargrundstück liegt, weil sich Kastanienbäume ausbreiten und es daher schnell Ärger mit den Nachbarn gibt. Da beide Kastanienbaumarten sehr viel Licht benötigen, sollte der Standort nicht zu schattig sein.

Die Edelkastanie steht in der Natur häufig an den Rändern der Wälder. Allerdings ist sie nur dort zu finden, wo sie keine direkte Konkurrenz von anderen Bäumen hat. Sie ist nur für warme Standorte geeignet, bei denen mindestens die Hälfte des Jahres Temperaturen von mehr als 10 Grad Celsius erreicht werden. Aus diesem Grund ist die Edelkastanie auch nicht in Gebirgslagen zu finden.

Auch die Rosskastanie hat es am liebsten sonnig und warm, was bei der Standortwahl berücksichtigt werden sollte. Bei zu wenig Sonne wird die Rosskastanie nicht so schnell wachsen und nur wenige Blüten und Früchte tragen.

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Geeignetes Pflanzsubstrat

Sowohl die Edel- als auch die Rosskastanie benötigen ein leicht durchlässiges Substrat. Es ist jedoch darauf zu achten, dass der Boden nicht zu dünn ist. Die großen Bäume brauchen viele Nährstoffe, welche bei dünnen Böden leicht ausgespült werden. Staunässe mögen beide Kastanienarten nicht.

Bei der Edelkastanie ist speziell auf einen durchlässigen Boden zu achten, der in der Lage ist, eine gewisse Menge von Wasser zu speichern. Idealerweise sollte der Boden frisch und locker sein und einen hohen Gehalt an Phosphor und Kalium aufweisen. Es muss darauf geachtet werden, dass das Substrat frei von Kalk ist. Mit einer leichten Säure kommt der Baum jedoch gut zurecht. Die Edelkastanie mag keine Extreme, sodass sich große Trockenheit im Sommer ebenso negativ auf das Wachstum des Baumes auswirkt wie Staunässe.

Bei der Rosskastanie ist ein Substrat auszuwählen, das gut durchlässig ist. Ob die Erde kalkhaltig ist oder nicht, kümmert die Rosskastanie nicht. Allerdings sollte der Boden nicht sauer sein. Am besten eignet sich ein gut gemischtes Substrat mit viel Sand und Lehm. Besonders wichtig ist, dass das Substrat tiefgründig und nährstoffreich ist.

Hinweise zum Pflanzen der Kastanie

Wenn für das passende Substrat gesorgt ist, gestaltet sich das Pflanzen der Bäume in der Regel sehr einfach. Es muss nichts weiter getan werden, als eine Kastanienfrucht im Herbst auf der Erde liegen zu lassen. Im Frühjahr hat sie dann meist ausgetrieben und breitet ihre Wurzeln in das Erdreich aus. Alternativ kann die Kastanie auch im Blumentopf vorgezogen und dann im Frühjahr in die Erde eingepflanzt werden. Auch das Pflanzen von veredelten oder größeren Kastanienbäumen ist kein Problem. Hier ist darauf zu achten, dass das gegrabene Loch ausreichend groß ist. Beide Kastanienarten sollten jedoch nicht unterpflanzt werden.

Düngen und Gießen

Sobald ein Kastanienbaum ein bestimmtes Alter erreicht hat, besitzt er ein ausgeprägtes Wurzelsystem und versorgt sich vollständig selbst mit der Flüssigkeit, die er benötigt. Ein Gießen ist daher nicht notwendig. Anders verhält es sich jedoch mit jungen Bäumen, die erst frisch gepflanzt wurden. Bis sie angewachsen sind, sollten sie regelmäßig mit Wasser versorgt werden.

Darüber hinaus sollte die Edelkastanie, auch wenn es sich um ein älteres Exemplar handelt, bei großer Trockenheit im Sommer zwischendurch einmal gegossen werden. Dünger ist nicht notwendig, schadet jedoch auch nicht.

Bei der Rosskastanie empfiehlt es sich, regelmäßig zu düngen. Sie benötigt Stickstoff für ihr Wachstum und die Gesundheit der Blätter, Kalium zum Schutz vor Schädlingen und Krankheiten sowie Phosphor für eine gesunde Blütenbildung.

Schnitt der Kastanienbäume

Es ist nicht notwendig, den Kastanienbaum zu beschneiden. Im Gegenteil, viele Gartenexperten warnen sogar davor, dass die Schnittwunden schlecht heilen und einen guten Ansatzpunkt für Krankheiten und Schädlinge darstellen. Auf jeden Fall muss während des Wachstums darauf geachtet werden, dass der Hauptstamm stabil und gesund wächst. Wird der Baum von Beginn an in die gewünschte Richtung gezogen, müssen nur hin und wieder kleine Äste ausgelichtet werden. Dabei sollten nur Äste entfernt werden, deren Durchmesser kleiner als fünf Zentimeter ist.

Die sichere Überwinterung

Die Edelkastanie ist nicht ganz so winterhart wie die Rosskastanie. Für Gebirgslagen ist sie daher nicht zu empfehlen. Junge Edelkastanienbäume sollten vor dem Winter mit etwas Vlies eingepackt werden, um sie vor besonders eisigen Temperaturen zu schützen.

Die Rosskastanie hingegen hat keine Probleme mit kalten Wintern. Sie gilt als sehr winterhart und benötigt in der Regel keinen zusätzlichen Kälteschutz.

Krankheiten und Schädlinge

Sowohl die Edelkastanie als auch die Rosskastanie werden zum Beispiel durch den Kastanienrindenkrebs und die Tintenkrankheit bedroht. Der Kastanienrindenkrebs kommt bei der Edelkastanie besonders häufig vor. Ist ein Baum befallen, sind viele Risse in der Rinde zu erkennen. Darüber hinaus können Pflanzenteile, die über der befallenen Stelle liegen, leicht welken. Die Tintenkrankheit befällt häufig Kastanienbäume an feuchten Standorten. Blattwelke, ausfallende Fruchtbildung und Absterben der Krone können hier die Folge sein. Der häufigste Schädling, der bei Kastanien vorkommt, ist die Rosskastanienminiermotte. Ein befallener Baum ist an braunen Blättern zu erkennen, die schon im Sommer abfallen.

FAQ – Die häufigsten Fragen

Wie alt wird eine Kastanie?

Laubbäume wie die Kastanie erreichen nicht nur beachtliche Höhen, sie haben auch eine lange Lebensdauer. Eine Rosskastanie kann zwischen 200 und 500 Jahre alt werden, je nachdem, wo sich ihr Standort befindet. Im Süden lebt sie länger als im Norden. Edelkastanien leben noch länger, gewöhnlich mehr als 1.000 Jahre. In Italien steht die Castagno dei cento Cavalli, dessen Alter auf 2.000 bis 4.000 Jahre geschätzt wird.

Wie viele Kalorien hat eine Kastanie?

Laut Fddb enthalten 100 geröstete oder frische Kastanien etwa 175 bis 180 kcal. Im Vergleich zu anderen Nüssen wie Macadamia oder Walnüssen haben Kastanien sehr wenige Kalorien. Sie eignen sich dadurch als Snack für zwischendurch oder zur Zubereitung schmackhafter Rezepte.

Was kann man mit Kastanien basteln?

Kastanien eignen sich nicht nur als Nahrungsquelle. Im frühen Kindesalter lernt der Nachwuchs, aus Kastanien verschiedene Dinge zu basteln: Besonders beliebt sind Figuren oder Männchen. Dabei werden Maronen aufeinander gesteckt und mit einer Schnur verbunden.

Kann man eine Kastanie einpflanzen?

Das ist durchaus möglich, jedoch keimt die Kastanie nur unter bestimmten Bedingungen. Im Vergleich zu anderen Pflanzen benötigt sie nicht Wärme, sondern genau das Gegenteil: Frost. Die Kastanie pflanzt man in einen Blumentopf in lockere Erde, hält sie feucht und stellt sie auf den Balkon. Im Frühjahr sprießen die ersten Triebe.

Welche Kastanien kann man essen?

Im Herbst fallen bekanntlich die Blätter von den Bäumen. Doch nicht nur sie werden abgeworfen, auch Kastanien fallen zu Boden. Ein Fest für Kinder und Erwachsene gleichermaßen, denn Kastanien sind essbar – zumindest eine bestimmte Sorte. In Europa gibt es zwei Arten von Kastanienbäumen: Die Rosskastanie und die Esskastanie. Der Name lässt vermuten, welche Kastanien essbar sind. Von der ursprünglichen Esskastanie wurden sogenannte Maronen gezüchtet, die ebenfalls essbar sind. Sie sind süßer und werden meist auf Weihnachtsmärkten angeboten.

Ab wann kann man Kastanien sammeln?

Wie bereits erwähnt, fallen die Kastanien wie auch die Blätter der Laubbäume im Herbst zu Boden. Je nachdem, wie sich das Wetter im laufenden Jahr entwickelt, fallen die ersten Kastanien ab Mitte September von den Bäumen. Bis spätestens November ist die Erntezeit vorbei.

Wie kann man Kastanien schälen?

Um Kastanien oder Maronen zu schälen, muss man sie zunächst waschen. Anschließend nimmt man ein scharfes Messer in die Hand und schneidet sie kreuzweise auf der gewölbten Seite ein. Zum Schluss muss man die Kastanien kochen oder backen (siehe unten). Nachdem sie gekocht/gebacken wurden, die Kastanien kalt abspülen und sofort schälen.

Wie lange muss man Kastanien kochen?

Esskastanien werden in einem Topf mit kochendem Wasser etwa 15 bis 20 Minuten zubereitet. Sobald ihre Schale an der Schnittstelle leicht aufplatzt, sind sie fertig.

Wie lange sollte man Kastanien im Backofen zubereiten?

Esskastanien können auch im Backofen zubereitet werden. Bei einer Temperatur von rund 200 Grad Celsius (°C) benötigen sie bis zu 20 Minuten, bis die Schnittstelle aufplatzt und sie genießbar sind.

Systematik

Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Buchenartige (Fagales)
Familie: Buchengewächse (Fagaceae)
Unterfamilie: Quercoideae
Gattung: Kastanien

Wissenschaftlicher Name

Castanea

Fazit

Für große und weitläufige Gärten sind Edel- und Rosskastanie hervorragend als imposanter Blickfang geeignet. Es empfiehlt bei beiden Baumarten, die Bäume zu beobachten und regelmäßig auf Krankheiten und Schädlingsbefall zu untersuchen, damit man lange Freude an den prächtigen Gehölzen hat.

Artikelbild: © Intrepix / Shutterstock

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