Kaufen oder mieten – Was führt günstiger ins Haus?

Kaufen oder mieten – Was führt günstiger ins Haus?

Die Wohnung ist klein, eng und dunkel. Gerade im Frühling locken die ersten Sonnenstrahlen wieder ins Freie und so mancher wünscht sich an dieser Stelle, in einem großen Haus mit Terrasse und Garten zu wohnen. Die Suchanzeigen häufigen sich auf den Immobilienportalen, der Wille ist gestärkt. Doch sollte das Haus gekauft oder gemietet werden? Verschiedene Aspekte sprechen für die jeweiligen Möglichkeiten.

Die grundsätzlichen Fragen zuerst klären

Wer in ein Haus ziehen will, muss zunächst die grundsätzlichen Fragen klären. Dazu gehören:

  • Lage
  • Hausform
  • Größe
  • Bauart
  • Energiebedingungen

„Lage, Lage, Lage“ ist das Credo zahlreicher Immobilienmakler. Für die meisten muss es ruhig und abgelegen sein. Ein Häuschen im Grünen ist der Traum. Doch Vorsicht: Oft müssen dafür auch lange Arbeitswege in Kauf genommen werden. Wo ist der nächste Kindergarten? Wie weit ist der Supermarkt entfernt? Aufwand und Nutzen sollten hier im Verhältnis stehen. Soll es ein Reihenhaus sein? Stören Nachbarn oder ist sogar eine Doppelhaushälfte denkbar? Es gibt verschiedene Hausformen, die alle unterschiedlichen Ansprüchen der künftigen Bewohner mehr oder weniger entsprechen. Einfamilienhäuser sind zumeist auch größer als Reihenhäuser. Auch dieser Faktor ist ausschlaggebend. Ziehen die Kinder mit oder sind sie in einem Alter, indem bald der Auszug erfolgt?

Zudem gibt es Fertighäuser, frisch gebaute Varianten oder den Altbau. Holz ist ein aktueller Trend, der auch im Hausbau eingezogen ist. Nicht zuletzt ist die Energiefrage eine Größe, die auch im Haus zu beachten ist. Vor dem Umzug sollte sich mit den verschiedenen Konzepten vertraut gemacht werden. Solaranlage, Niedrigenergiehaus oder Passivhaus sollten keine Fremdwörter sein. Nicht zuletzt bei der Frage, ob die Immobilie den Preis auch wert ist, spielen diesen Faktoren eine Rolle. Wer auf diesem Gebiet unsicher ist, sollte einen Bausachverständigen zurate ziehen.

Auch die Gesundheit ist ein wichtiger Faktor bei der Hauswahl. Ein großer angrenzender Garten will gepflegt sein und zwei Etagen sind oft mit Treppen verbunden. Kann das auch noch in zehn Jahren geleistet werden?

Kaufen in den Großstädten günstiger

Sind die Grundbedürfnisse festgelegt, kann die Suche beginnen. Doch spätestens hier stellt sich die nun die Frage, welche Wohnart es sein soll: Kaufen oder Mieten? Auch der Neubau ist eine Option, zu der es sich lohnt, weitere Informationen einzuholen.

Welche Option die beste ist, scheint auf dem aktuellen Mark von der Lage abzuhängen. In den Großstädten steigen die Mieten derzeit fast durch die Decke. Der „Wohnatlas 2016“ einer Investitionsbank hat ergeben, dass in 25 Prozent der deutschen Großstädte der Kaufpreis günstiger ist als die Miete. Forscher der Universität Hamburg hatte dazu herausgefunden, dass Kaufpreise deutlich langsamer steigen als Mietpreise. Zu den betroffenen Städten gehören unter anderem:

  • Rostock
  • Hannover
  • Bremen
  • Braunschweig
  • Mainz
  • Münster
  • Frankfurt am Main
  • Essen
  • Erfurt

In diesen Städten ist Wohneigentum besonders günstig und Umzugswillige sollten den Kauf eher in Erwägung ziehen. Teilweise liegt der Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen zehn Prozent niedriger als die zu erwartenden Mieten. Wer kauft, schafft eine Geldanlage für das Alter, Freiraum für die Familie und die zukünftigen Kosten sind besser berechenbar. Aber auch Flexibilität wird mit dem Kauf ein Stück aufgegeben. Der Eigenheimbesitzer hat die gesamte Verantwortung für Instandhaltung und Co. Das sollte gut überlegt sein.

Zum Hauskauf bedarf es eines soliden Finanzierungsplanes. Hier hinein gehören auch Kosten für Reparaturen und Modernisierungen. Rund 900 bis 1.800 Euro im Jahr sollten dafür beiseitegelegt werden – erste Summe für einen Neubau, die letztere Zahl ist im Altbau notwendig.

Die Finanzierung per Kredit so günstig wie nie

Für den Kauf spricht auch die aktuelle Herabsetzung des Leitzinses der Europäischen Zentralbank. Das macht die meisten Kredite so günstig wie nie. Das gesparte Geld auf dem Konto vermehrt sich zudem nicht und sollte besser investiert werden. Aber eine gegenteilige Entwicklung hat den Immobilienmarkt erreicht. Denn die günstigen Bedingungen haben zu einer enormen Nachfrage geführt – diese lässt bereits seit Jahren die Preise für Immobilien steigen. Und so ist der Kaufpreis in manchen Fällen dennoch in unerreichbaren Höhen. Auch kommen hier weitere Kosten hinzu: Grunderwerbssteuer, Finanzierungskosten oder das Honorar für Notar und Co. Das darf beim Kauf nicht unterschätzt werden.

In diesem Fall sollten sich die Vorteile für das Mieten wieder vor Auge geführt werden. Wer sich dafür entscheidet, braucht sich keine Gedanken um die Instandhaltung machen. Ist das Dach kaputt oder die Heizung defekt muss dies der Vermieter regeln. Auch behält sich der Mieter mehr Flexibilität. Ist der Arbeitsplatz unsicher, der Ort änderbar – dann können Mieter schneller kündigen als ein Besitzer das Haus verkaufen. Der Kauf lohnt sich nur, wenn mindestens die nächsten zehn Jahre am gleichen Ort verbracht werden können und sollen.

In Chemnitz, Dortmund, München, Gelsenkirchen, Duisburg, Bielefeld und Potsdam sind die Mieten die günstigere Variante. Wer Werte wie Geldanlage und Wertsteigerung außer Acht lässt, sollte hier die zu mietenden Variante wählen.

Mietkauf als echte Alternative?

Bei diesem Modell gibt es zwei Varianten: der klassische Mietkauf, der nach einem gewissen Mietzeitraum den Kauf vorsieht. Hier wird zwar zunächst auch eine „Miete“ gezahlt, aber der Kauf ist zugesagt. Anders sieht das beim Optionskauf aus, der von Genossenschaften zahlreiche angeboten wird. Hier gibt es lediglich die Möglichkeit, die Immobilie zu kaufen. Hier kann der Kauf später auch noch abgelehnt werden. Der Vorteil: Die Entscheidung wird vertagt und dies kann eine Alternative für aktuelle Unsicherheitssituationen sein. Der Nachteil: Diese Unsicherheit kostet Geld, denn der Mietpreis wird mit Tilgungskosten aufgestockt. Gegenüber einem Ratenkredit ist die Variante deutlich teurer.

Zusammenfassung

Ob mieten oder kaufen hängt also von den verschiedenen Regionen ab. Der Umzugswillige sollte sich daher über den aktuellen Markt orientieren. Ein Eigenheim bedeutet immer auch eine Geld- und Wertanlage sowie Altersvorsorge. Doch die eigenen und aktuellen Lebensumstände sind ebenso wichtig, um einen Kauf finanzieren zu können – ist der Job nicht sicher, sollte trotz niedrigem Leitzins keine Finanzierung ins Auge gefasst werden. In manchen Städten ist die Miete von vornherein die günstigere Variante.

Artikelbild: © goodluz / Shutterstock

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