Das Krüppelwalmdach

Das Krüppelwalmdach

„Kombinieren macht Freude!“ Was schon bei der Mode gilt, gilt auch in der Architektur – ist das Haus doch gleichsam das „Kleid“ unseres materiellen Lebens und das Dach der schmückende „Hut“. Bei einem Haus mit Krüppelwalmdach sind zwei Dachformen kombiniert und bieten dem Kenner feiner Architektur das Beste aus zwei Modellen, sodass man auch hier feststellen kann, wie sinnvoll Kombinationen sind.

Denn das Krüppelwalmdach besteht generell aus geneigten Dachflächen, die an der Traufe und am Giebel abgeschrägt sind und den sogenannten Walm bilden – jedoch bleiben auch Teile der Giebel erhalten, wie beim Satteldach. Wer sich also nicht entscheiden kann zwischen einem einfachen Satteldach, welches der Klassiker unter den Dachformen ist, und einem vollwertigen Walmdach, welches mit seinen allseits geneigten Dachflächen geschwungene Behaglichkeit ausstrahlt, ist mit einem Krüppelwalmdach am besten beraten.

Denn dieser Dachtypus vereint die Vorzüge von Satteldach und Walmdach in Design und Funktionalität und ist noch dazu ganz unerhört praktisch. Diese Vielseitigkeit des Krüppelwalmdachs und seine verschiedenen ausdrucksstarken Varianten in der Ausführung – Schopfwalm, Fußwalm und andere – haben dazu beigetragen, dass der Wunsch bei Bauherren nach einem solchen Dach immer häufiger zu hören ist und schon heute ein Großteil von Neubauten über ein Krüppelwalmdach verfügt.

Welche Vorteile und Besonderheiten, aber auch welche möglichen Nachteile die überaus beliebte Dachform mit dem verkleinerten Walm hat, erfahren Sie gleich im Folgenden.

Was zeichnet das Krüppelwalmdach aus?

Das Krüppelwalmdach zeigt seine Besonderheit schon im Namen: es handelt sich strukturell um ein Walmdach, welches aber nicht ganz konsequent in allen Bauteilen durchgeführt wird. Ein Walmdach ist in der Architektur eine spezielle Dachform, bei der die Dachflächen an der Traufe und an den Giebeln mit einem bestimmten Grad geneigt sind und somit rundum einen geschwungenen Dachstuhl bilden. Das Walmdach ist also im Grundsatz eine Art Satteldach mit geneigten Dachseiten an den Giebeln, was für eine formschöne Optik sorgt.

Ein Krüppelwalmdach, der Begriff sagt es bereits, ist in der Ausführung ähnlich wie ein vollwertiges Walmdach, doch der Walm, also das geschwungene Dach, ist nicht ganz durchgezogen. Meist ist an der Giebelseite der obere Teil vom Dach nicht geschwungen und erinnert an ein klassisches Satteldach. Somit werden beim Krüppelwalmdach architektonisch die Eigenschaften von Satteldach und Walmdach kombiniert.

Der Fertigungsvorteil eines Krüppelwalmdachs liegt darin, dass durch die teilweise sichtbaren Giebel auch normale Fenster eingebaut werden können und unter dem Dach mehr Wohnraum mit weniger abgeschrägten Wänden entsteht.

Geschichte des Krüppelwalmdachs

Das Krüppelwalmdach ist, ähnlich wie sein „großes“ Vorbild, das Walmdach, international sehr weit verbreitet und prägt mit seinem charakteristischen Aussehen ganze Landstriche sehr stimmungsvoll und rustikal, aber auch modern und elegant. Grundsätzlich ist dieses sehr stabile Dach gerade in Gegenden mit starkem Wind-, Schnee- oder sonstigem Witterungseinfluss sehr beliebt, da es äußerst witterungsbeständig ist.

Es gibt keinen Star-Architekten, der sich um die Entdeckung des Krüppelwalmdachs verdient gemacht hätte, da die Ursprünge dieser Dachform eher im traditionellen Bauen liegen. Baugeschichtlich werden Dächer mit Krüppelwalm bereits seit Jahrhunderten erstellt und haben schon in der späten Renaissance und der frühen Neuzeit das Aussehen gutsituierter Bürgerhäuser und auch die Fassade wohlhabender Bauernhöfe geprägt.

Verbreitung

Das Krüppelwalmdach ist aufgrund seine Variantenvielfalt und seiner langen Baugeschichte kein Spezifikum einer bestimmten Zeit oder Region, sondern passt sich flexibel in verschiedene Gegenden und ihr spezielles Kolorit an, was ebenfalls zu seinen großen Vorzügen gehört. Allerdings gibt es regionale Unterschiede und Spezialitäten von Dachformen wie zum Beispiel Schopfwalm oder Fußwalm mit ihren jeweiligen Ausgestaltungen.

Besonders in der Alpenregion wie in den Schweizer Bergen und der Gegend um Bern stehen noch heute viele herrschaftliche Häuser mit Walmdach oder Krüppelwalmdach, doch auch in Dänemark sind Häuser mit einer solchen Dachform anzutreffen, die Praktikabilität und Eleganz vereint. Das Gemeinsame bei all diesen verschiedenen Regionen mit Krüppelwalmen ist, dass hier wie dort Temperatur- und Wetterunterschiede ausgeglichen werden mussten durch die entsprechende Architektur, und dass zudem ein gesondertes Formempfinden mit einer Vorliebe für das geschwungene Element beim Bauen entwickelt war.

Auch die Verwendung der Sprache zeigt, wie vielseitig und ubiquitär das Krüppelwalmdach in Europa ist: in Norddeutschland heißt diese Dachform Kröpelwalmdach, von dem norddeutschen Begriff Kröpel für verkrüppelt oder verkleinert. Doch egal, ob Kröpelwalm oder Krüppelwalm – in Sachen Komfort sind sich Nord und Süd einig, denn überall wird das schöne und praktische Dach gern gebaut.

Varianten & Unterformen des Krüppelwalmdachs

Wer an Krüppelwalmdächer denkt, hat sicher gleich ein bestimmtes Modell im Kopf – vielleicht ein romantisches Motiv aus dem letzten Urlaub, oder auch seinen eigenen Wunschtraum aus dem Haus-Katalog. Allerdings ist dieses Modell, an das man spontan denkt, wahrscheinlich nur eine Unterform von Vielen, denn gerade das Walmdach mit der verringerten Dachneigung an den Giebeln ist unerhört variantenreich und kommt in vielen Unterformen vor.

Die begrifflichen Unterschiede zwischen den einzelnen Unterformen liegen architektonisch darin, dass der geneigte („abgewalmte“) Teil des Dachs in verschiedener Höhe beginnt – je nachdem, wo der Walm beginnt, bekommt das Krüppelwalmdach einen anderen Namen. Wir sehen uns einmal die verbreiteten Unterformen an:

  1. Das Schopfwalmdach bedeutet, dass der obere Teil des Giebels, der Schopf, abgewalmt ist.
  2. Das Fußwalmdach bedeutet, dass der obere Teil des Giebels wie beim Satteldach gestaltet ist und nur der untere Teil abgewalmt ist.
  3. Der Niedersachsengiebel hat einen Walm, der weder am First beginnt, noch an der Traufe endet: es ist eine Spezialform des Krüppelwalmdachs.

Das Schopfwalmdach ist wahrscheinlich die häufigste Variante der Krüppelwalm, denn hier ist der Giebel unten wie beim Satteldach erhalten und nur der obere Teil hat eine Neigung – ideal, um normale Fenster im Giebelbereich einzusetzen und dadurch Tageslichteinfall zu haben. Dass bei dem Schopfwalmdach nicht auf die exklusive Optik des Walmdachs verzichtet werden muss durch die abgeschrägten Dachflächen, ist ein weiterer Vorteil dieser kombinierten Dachform.

Der Fußwalm hingegen hat den geneigten Teil des Dachs im unteren Bereich der Giebel, so dass die Giebel an der Spitze aussehen wie bei einem Satteldach. Diese Dachform erzeugt ein eigentümlich behagliches Wohngefühl, primär durch den entstehenden Wohnraum unter dem Dach und eine ungewöhnliche Optik, die für viele ein besonderes Plus darstellt. Sowohl Schopfwalm als auch Fußwalm sind als Dachformen sehr verbreitet und kommen in vielen Gegenden von Skandinavien bis Korea vor, wo sie durch ihren Variantenreichtum in die jeweiligen Gegenden passen.

Sie sind aber auch heute wieder bei Neubauten als Modell sehr gefragt, da sie so viele ästhetische und praktische Vorzüge vereinen, dass man ihnen gern den Vorzug beim Bauen gibt. Zuletzt gibt es in der Formsprache der Architektur auch den sogenannten Niedersachsengiebel, bei dem der geneigte Teil der Dachfläche weder am First beginnt, noch an der Traufe endet: diese Varietät kommt, wie der Name schon sagt, vor allem bei Traditionshäusern in Niedersachsen vor.

Kleine Kostenrechnung zum Krüppelwalmdach

Was kostet ein Krüppelwalmdach? Man muss einsehen, dass diese aufwändige Dachkonstruktion etwas teurer ist als die einfachen Satteldächer und mitunter auch teurer als manche Walmdächer, je nach der Schwierigkeit der Ausführung und den besonderen Design-Wünschen. Allerdings sind die hohe Stabilität und lange Lebensdauer einer solchen Dachform für viele Investoren das Geld wett.

Das vorausgesetzt, sehen wir uns als Berechnungsgrundlage die praktischen Kosten eines Walmdachs an bei einer angenommenen Dachfläche von 200 Quadratmetern, die natürlich, je nach dem konkreten Bedarf, auf- oder abgerechnet werden kann.

    Kostenübersicht Preis
    Dachstuhl 18.000 EUR
    Eindeckung 14.000 EUR
    Wärmedämmung 12.000 EUR
    Gesamt 44.000 EUR

Das Krüppelwalmdach ist von den Kosten her ähnlich wie das Walmdach, weshalb hier das Walmdach als Berechnungsgrundlage dient: zwischen 80-100 €/m² kommen auf den Bauherrn zu. Dieser Preis ist höher als beim Satteldach, wo man rund 60 €/m² ausgibt, aber niedriger als beim noch aufwändigeren Mansarddach.

Generell ist der höhere Kostenpunkt beim Krüppelalmdach aber durch die hochwertige, stabile Ausführung gerechtfertigt – und durch die Möglichkeit, normale Fenster im Giebelbereich einzubauen statt teurer Dachfenster, spart man zusätzlich. Es kann lediglich sein, dass durch den verkleinerten Walm eigene Konstruktionen in den Winkeln nötig sind, die mehr Zeit- und Materialaufwand erfordern.

Sparen kann man beim Krüppelwalmdach an der Dacheindeckung: eine Dacheindeckung aus altdeutschem Schiefer ist natürlich immer kostspieliger als mit Wellblech oder anderen Kunstmaterialien. Jedoch können Naturfreunde auch eine Dacheindeckung aus Stroh oder Ried besorgen, die teuer, aber dafür sehr exklusiv ist – und in manchen Gegenden das gewisse Etwas beim Bauen darstellt.

Man sieht also, die realen Kosten eines Krüppelwalmdachs sind ähnlich wie die eines Walmdachs, aber durch zusätzliche Faktoren nach oben oder unten zu korrigieren, sodass am Ende eine sehr individuelle Preiskalkulation durch den Fachmann vonnöten ist.

Vorteile und Nachteile des Krüppelwalmdachs

Die Vorteile des Krüppelwalmdachs sind die Vorzüge von Satteldach und Walmdach kombiniert: Stabilität, Wetterbeständigkeit, ein vielseitiges Design je nach Wunsch und ein Wohnraum-Plus. Letzteres ist ein großer Vorteil für alle, die bauen oder kaufen wollen, denn die Aktie „Wohnraum“ ist heute und in Zukunft Gold wert.

Wenn die Giebel nur oben mit Neigungswinkel versehen sind, wirkt das ganze Dachgeschoss anders: es ist eine luftige, lichtreiche obere Etage, in der ein interessanter zusätzlicher Wohnraum entsteht. Anders als beim klassischen Walmdach, wo alle Dachflächen geneigt sind und dadurch unter dem Dach viel Wohnraum wegfällt durch schräge Wände, hat das Krüppelwalmdach direkt unter dem Dach noch Platz für viele Zimmer, in denen man problemlos wohnen kann, ohne die fehlende Höhe zu monieren – oder sich den Kopf anzustoßen.

Optisch sehr gefällig ist es außerdem, dass dieser großzügigere Wohnraum unter dem Dach an den Giebelseiten zudem mit ganz normalen Fenstern versehen werden kann, die viel Tageslicht hereinlassen. Das schafft im Handumdrehen eine helle, freundliche Atmosphäre – und spart zudem Geld, denn reine Dachfenster, wie sie beim Satteldach erforderlich wären, sind viel kostenintensiver.

Ein Nachteil des aufwändigen Dachs mit dem Walm, der oberhalb der Dachtraufe beginnt, ist sicher die Kostenfrage. Ein Krüppelwalmdach hat eine nicht ganz einfache Konstruktion mit vielen Winkeln und unterschiedlichen Neigungen und ist daher von der Material- und Kostenseite her nicht für diejenigen gedacht, die beim Hausbau oder Kauf unbedingt sparen wollen. Allerdings sind die zahlreichen Vorteile dieser Dachform auch für viele eine sichere Investition.

Vorteile eines Krüppelwalmdachs

  • Stabile Konstruktion
  • Weniger Windlast als Satteldach
  • Hervorragende Wetterbeständigkeit
  • Möglichkeit von Fenstern im Giebelbereich

Nachteile eines Krüppelwalmdachs

  • Höhere Fertigungskosten
  • Lichteinfall unter dem Dach nur durch Fenster
  • Wohnraumverlust im Vergleich zum Satteldach

Bauweise

Wie unterscheidet ein Krüppelwalmdach eigentlich architektonisch von der Grundform des Walmdachs und wie können wir uns das Bauen einer solchen Dachform vorstellen?

So wie das Walmdach im Prinzip ein Satteldach mit geneigten oder abgewalmten Dachflächen ist, ist das Krüppelwalmdach eine Variante des Walmdachs, wobei der Walm nicht das ganze Dach umfasst, sondern nur einen Teil – unten, bei einer Schopfwalm, oder oben, bei einer Fußwalm.

Der Dachstuhl von einem Krüppelwalmdach ist stabil und massiv aus Holz ausgeführt und besteht meist aus Dachpfetten, wobei die Pfetten das Gewicht der Sparren abstützen und so einen rundum kompakten, stabilen Bau in der Konstruktion ergeben. Je nach Neigungswinkel und nach der Höhe, auf welcher der eigentliche Walm beginnt, wird der Dachstuhl in seiner endgültigen Form bestimmt und Dämmung sowie Dacheindeckung aufgetragen.

Die Dacheindeckung kann aus natürlichen Materialien bestehen oder aus High-Tech-Elementen, was der Vielfalt der Formen zusätzlich ein breites Spektrum an Ausgestaltungen hinzufügt.

Gut zu wissen

Das Krüppelwalmdach ist aufgrund seiner aufwändigeren Architektur teurer in der Herstellung und Instandhaltung als das Satteldach und sollte richtig als Investition angesehen werden – auch als Investition in die Zukunft aufgrund des Ausbau-Potentials. Die Pflege von einem solchen Dach kann aufwändiger sein, da die abgeschrägten Flächen schwerer zu erreichen sind.

Ob sich spezielle Dämmungen rentieren oder nicht, weil Energie gespart werden kann, ist aber in jedem Fall eine Frage, die ganz individuell durch den Fachmann als Ratgeber beantwortet werden muss. Ähnlich wie bei einem klassischen Walmdach ist auch beim Krüppelwalmdach eine Aufstockung mit Sonnenkollektoren zur Fotovoltaik in der Regel gut möglich.

Fazit

Das Krüppelwalmdach ist heutzutage die sicher vielseitigste Form, ein Dach zu gestalten, denn hier werden die Vorteile von Satteldach und Walmdach kombiniert. Bauherren und Hausbesitzer, die Wert auf gediegene Eleganz und ein Haus zum „Mitwachsen“ legen, das sich auch zukünftigen Bedürfnissen anpassen kann, entscheiden sich oft für eine Immobilie mit Krüppelwalmdach, denn hier entsteht ein interessanter Wohnraum unter dem Dach, der auch gut mit Fenstern versehen werden kann.

Die Kosten für so ein Dach mit verkleinertem Walm liegen bei zwischen 80-100 €/m², wobei sich die tatsächlichen Ausgaben bei Sonderwünschen wie exklusiver Dacheindeckung oder Gauben steigern können bis hin zu Kosten, die deutlich über 100 €/m² liegen können. Dieser Kostenpunkt ist für viele Hausbesitzer jedoch durch die hohe Haltbarkeit der Dachform gerechtfertigt.

Artikelbild: © Andrew Roland / Bigstock.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.