Mythos Strompreise und der Stromanbieter-Wechsel

Mythos Strompreise und der Stromanbieter-Wechsel

Steigende Preise und genervte Verbraucher – mit diesen Worten lassen sich die deutschen Strompreise in wenigen Worten beschreiben. Immer wieder erhalten die deutschen Stromkunden Post von ihrem Stromanbieter, der ihnen bedauerlicherweise mitteilen muss, dass die Preise in naher Zukunft steigen werden. Als Gründe für diese Preiserhöhung geben die Stromanbieter immer wieder gerne die Ökostrom-Umlage (EEG). Während es völlig legal ist, diese Kosten an den Kunden weiterzugeben, gibt es nur äußerst wenige Energieanbieter, die ihre Beiträge dann reduzieren, wenn sie an der Leipziger Strombörse günstiger einkaufen. Grund genug für den Verbraucher, den Anbieter zu wechseln.

Warum die Strompreise wirklich steigen

In den vergangenen Jahren stieg der Strompreis in Deutschland ständig an. Der Preis pro Kilowattstunde erhöhte sich im Zeitraum 2000 bis 2011 von 13,64 Cent auf 24,95 Cent. In den kommenden Monaten und Jahren wird dieser Trend aller Wahrscheinlichkeit nach nicht abbrechen.

Die EEG-Umlage für das Jahr 2013 beläuft sich auf 5,277 Cent je Kilowattstunde, 1,687 Cent mehr als im Jahr zuvor. Für den typischen Privathaushalt mit einem Verbrauch von 4.000 kWh bedeutet die Erhöhung Mehrkosten von rund 73 Euro im Jahr.

Immer wieder wird behauptet, dass der Strompreis aufgrund der Energiewende steigt. Dabei steigt der Strompreis seit nunmehr 15 Jahren um etwa vier Prozent jährlich, lange bevor die Energiewende begann. Auch die EEG-Umlage ist immer wieder der Übeltäter für steigende Strompreise. Während der Strompreis zwischen 2000 und 2011 um 11,31 Cent anstieg, wurde die EEG-Umlage im selben Zeitraum um nur 3,46 Cent erhöht. Dementsprechend lassen sich zwei Drittel der Preiserhöhungen nicht mit der EEG-Umlage erklären.

Als Tatsächliche Gründe für den Strompreisanstieg der vergangenen Jahre gibt es folgende Gründe:

  • Umlagebefreiung: In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Industriezweige von der EEG-Umlage zum Teil oder komplett befreit. Diese Befreiung fand in großem Maße statt, weit mehr, als wettbewerbsfähig ist. Obwohl sich die Zementindustrie nicht in einem internationalen Wettbewerb behaupten muss, gehört sie zu den befreiten Industriezweigen.
  • Marktprämie: Die Marktprämie wurde eingeführt, um die Selbstvermarktung von erneuerbaren Energien zu verbessern. Bis heute konnte kein nachweisbarer Nutzen für einen Zuwachs an regenerativen Strom gemessen werden. Stattdessen sorgt sie für Mehrkosten für die deutschen Verbraucher.
  • Fossile Energien: Die Importkosten für fossile Energien stiegen in den letzten Jahren rasant an: Im Zeitraum 2000 bis 2011 erhöhte sich der Erdölpreis von 28 Dollar auf 95 Dollar pro Barrel, der Gaspreis von 3.000 Euro auf 7.1000 Euro pro Jahr und der Steinkohlepreis von 42 Euro auf 106 Euro pro Tonne.

Warum der Strom beim Stromanbieter-Wechsel nicht ausfällt

Wenn es um den Stromanbieter-Wechsel geht, gib es genauso viele Gerüchte und Mythen wie bei der Strompreiserhöhung. Einige davon möchten wir im Anschluss widerlegen.

  • Faulheit: Der wohl häufigste Grund, warum die Deutschen nicht wechseln, ist ihre Faulheit und Unwissen. Sie befassen sich nicht mit dem Thema und sind noch immer der Ansicht, dass der Wechsel mit viel Arbeit verbunden ist. Andere sind schlichtweg zu bequem und zahlen lieber mehr, als den Anbieter zu wechseln. Strom lässt sich ganz einfach vergleichen – über das Internet. Und der neue Anbieter übernimmt auch gleich alle Formalitäten.
  • Stromausfall: Häufig ist in Foren und Kommentaren von Artikeln zu lesen, dass Stromkunden nicht wechseln möchten, weil sie Angst haben, während der Übergangsperiode ohne Strom leben zu müssen. Wir möchten diesen Leuten Hoffnung machen, denn die Stromversorgung ist gesetzlich garantiert – ohne Wenn und Aber. Selbst wenn es beim Wechsel Probleme geben sollte, wird weiterhin Strom (vom Grundversorger) geliefert.
  • Vorkasse: TelDaFax und Flexstrom sind zwei Anbieter, die viele Wochen lang Negativschlagzeilen verbreiteten. Mit ihrem Vorkasse-Modell haben sie Kunden mit günstigen Stromtarifen geworben. Leider ging das Modell nicht auf und beide Unternehmen mussten Insolvenz anmelden. Diese Anbieter sind allerdings Ausnahmefälle. Niemand ist gezwungen, zu einem solchen Anbieter mit Vorkasse-Modell zu wechseln. Es gibt zahlreiche Stromanbieter, die normale Zahlweisen anbieten.

Es gib viele weitere Mythen und Gerüchte, die allerdings alle kein Grund sein sollten, den Stromanbieter nicht zu wechseln. Die Kosteneinsparungen, die mit einem Stromanbieter-Wechsel verbunden sind, sollten Grund genug für den Wechsel sein.

Artikelbild: © Lisa S. / Shutterstock

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