Ökostrom: Vorsicht vor Mogelpackungen

Ökostrom: Vorsicht vor Mogelpackungen

Die meisten Kunden, die sich für einen Ökostromanbieter entscheiden, tun dies ganz bewusst. Sie möchten etwas für die Umwelt zu tun und sicher sein, dass sie keine Kernenergie beziehen und somit die Atomkraft nicht unterstützen. Gerade nach dem Super-GAU im japanischen Kernkraftwerk Fukushima entschieden sich immer mehr Verbraucher für den Bezug von Ökostrom. Doch Vorsicht! Leider ist das Label „Ökostrom“ teilweise eine Mogelpackung und enthält einen Teil Kernenergie. Und das ist ganz legal. Wie kann das sein?

Ökostrom mit Atomstrom?

Es ist tatsächlich so: Auch mit dem Bezug von Ökostrom kann der Kunde je nach Anbieter eventuell Kohle- oder Atomstrom unterstützen. Möglich macht es das so genannte RECS-Zertifikat. Was bedeutet das? Ein RECS-Zertifikat ermöglicht einen Tausch von Strom aus fossilen oder nuklearen Quellen gegen die gleiche Menge Strom aus einer erneuerbaren Quelle. Das bedeutet, dass das Unternehmen seinem Ökostrom-Kunden grünen Strom verkauft und mithilfe des Zertifikats den Kohle- und Atomstromanteil bei einem anderen Kunden einfach erhöht, also die Anteile austauscht. Der Strommix des Lieferanten bleibt gleich, was bedeutet, dass das, was als Ökostrom verkauft wird, einfach eine Umetikettierung des konventionellen Strommix darstellt. Die unterschiedlichen Stromquellen im Mix des Anbieters bleiben aber in ihrer Menge komplett gleich. Ein Umstieg auf erneuerbare Energien oder eine Erhöhung von deren Anteil findet beim Anbieter nicht statt. Er verkauft lediglich dem Kunden seinen Strom mit grünem Etikett.

Kein Rechtsanspruch auf echten Ökostrom

Einen rechtlich festgelegten Schutz des Begriffs Ökostrom gibt es nicht. Deshalb sollten sich Kunden, die Wert auf reinen Ökostrom legen, ihren Anbieter genau ansehen. Die Umweltbank spricht derzeit nur für vier Unternehmen eine Empfehlung aus. Dies sind Naturstrom, LichtBlick, Greenpeace Energy und die Elektrizitätswerke Schönau. Diese Unternehmen haben ihren Ursprung in Bürgerinitiativen gegen die Kernkraft oder in Umweltverbänden. Sie nehmen an einem Handel oder Tausch mit Strommengen aus verschiedenen Quellen, wie er im oberen Abschnitt dargestellt wurde, nicht teil. Aber auch regionale Anbieter sind zum Teil empfehlenswert. Der Kunde sollte hier darauf achten, dass der von ihnen angebotene Strom wirklich zu 100 % aus erneuerbaren Energien besteht und dass der Anbieter mit seinem Stromangebot auch tatsächlich am Ausbau regenerativer Energien teilnimmt. In Stromvergleichsportalen kann man sich die regionalen Anbieter heraussuchen. Bei ihnen spart man in der Regel im Vergleich zum Standardversorger vor Ort.

Verteilung von Ökostrom in Deutschland

Mittlerweile beziehen mehr als zwei Millionen Haushalte in Deutschland Ökostrom. Diese Zahl beziffert aber die Kunden bei allen Anbietern, sodass sie nichts über die Verbreitung von erneuerbaren Energien an sich aussagt. Bei den von der Weltbank empfohlenen Anbietern sind derzeit ungefähr 800 000 Haushalte in Deutschland Kunde. Ein großer Teil der deutschen Haushalte ist jedoch weiterhin bei den Grundversorgern Kunde, die den traditionellen Strommix mit Kohle- und Atomstrom anbieten und darüber hinaus teurer sind als die Ökostromanbieter.

Wer keine Mogelpackung beziehen möchte, muss zum Ökostromanbieter

Kunden, die Wert darauf legen, die Atomkraft oder die Kohlekraft nicht zu unterstützen, sollten sich entweder bei einem der vier großen, von der Weltbank empfohlenen Ökostromanbieter anmelden oder vor Ort nach einem regionalen Anbieter suchen, der 100 % erneuerbare Energien anbietet und eine Erhöhung von Ökostrom im Gesamtmix garantiert. Mit beiden Alternativen ist der Kunde besser dran als mit den Grundversorgern – er bezieht garantiert Ökostrom und spart Geld. Im Gegensatz zum einen oder anderen Vorurteil ist der Wechsel auch ganz einfach: Anmeldeformular ausfüllen, Zählernummer und -stand mitteilen – alles Weitere, inklusive der Kündigung beim alten Anbieter, übernimmt der neue Stromversorger. Und die Belieferung läuft wie gewohnt weiter, denn beim Beziehen von Strom geht es immer um die Anteile der jeweiligen Stromart (erneuerbare Energien, Kohle, Atomstrom) im Gesamtmix und nicht darum, dass der neue Strom in die eigene Steckdose kommen muss.

Artikelbild: © WDG Photo / Shutterstock

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.