Öl oder Gas: Womit heizt es sich besser?

Öl oder Gas: Womit heizt es sich besser?

Bei der Frage „Gas- oder Ölheizung?“ gibt es zumindest bei Neubauten eine eindeutige Antwort. Die Hälfte aller neuen Wohngebäude wird mit einer Gasheizung ausgestattet, während weniger als zwei Prozent eine Ölheizung bekommen. Somit spielt die Gasheizung im 21. Jahrhundert eine wichtige Rolle. Etwas anders sieht die Sachlage aber aus, wenn die Heizung nur modernisiert werden soll. In diesem Fall lohnt es sich, die Öl- und die Gasheizung genau miteinander zu vergleichen, um die Heizlösung zu wählen, die am besten zu Ihnen passt. Der folgende Artikel hilft Ihnen bei der Entscheidung.

Gas oder Öl – Was ist günstiger?

Zumindest auf den ersten Blick scheint alles für die Gasheizung zu sprechen. Erdgas ist zwar in der Regel im Vergleich zu Heizöl der etwas teurere Brennstoff, allerdings sind die Installationskosten niedriger und Erdgas ist bei der Verbrennung umweltfreundlicher. Noch bis etwa 2014 war Erdgas 20 bis 30 Prozent preiswerter als Heizöl. Seitdem hat sich das Blatt jedoch gewendet, sodass Heizöl mittlerweile etwas günstiger ist. Der steigende Dollarkurs gibt Anlass zu der Vermutung, dass das Heizöl schon bald wieder teurer sein könnte als Erdgas.

Je größer der Brennstoffverbrauch eines Gebäudes ist, desto mehr sind die Differenzen der Brennstoffpreise auch tatsächlich spürbar.

In puncto Wirkungsgrad sammelt die Gasheizung ebenfalls Vorteile. Der Wirkungsgrad eines modernen Gas-Brennwertkessels liegt bei über 109 Prozent, während er bei einem Öl-Brennwertkessel nur über 105 Prozent beträgt. Dementsprechend kann eine Gasheizung einen leicht größeren Nutzen aus dem Brennwerteffekt ziehen.

Allerdings sind die Kosten für den Brennstoff nicht die einzigen entstehenden Kosten. Auch die Installationsgebühren sollten in Ihre Entscheidung einfließen. So liegen die Kosten für den reinen Kesselaustausch in einem Einfamilienhaus laut www.heizungsfinder.de bei 5.000 bis 6.000 Euro. Besonders im Neubau können die Kosten aber auch gut und gerne auf 15.000 Euro nach oben klettern, gerade wenn die Anschlüsse erst noch neu verlegt und Heizkörper installiert werden müssen. Eine vergleichbare Ölheizung kostet gut 1.000 bis 1.5000 Euro mehr als die Gasheizung.

Gas- und Ölheizung im Vergleich

Ist die Entscheidung also einfach und alles spricht für die Gasheizung? Grundsätzlich sollten Sie nicht nur die Heizkosten bei der Entscheidung berücksichtigen, sondern auch weitere Aspekte. Die folgende Tabelle stellt die Ölheizung und die Gasheizung daher in vielen wichtigen Punkten gegenüber:

Gasheizung Ölheizung
Voraussetzungen * Gasanschluss und Gasleitungen * Überall einsetzbar
* Einschränkungen gibt es nur in Wasserschutzgebieten
Verwendete Technologie * Raumluftabhängiger oder -unabhängiger Niedertemperatur- oder Brennwertkessel mit modulierendem Brenner
* Einfach mit Solarthermie kombinierbar
* Niedertemperatur- oder Brennwertkessel mit modulierendem Brenner
* Wahlweise raumluftabhängig oder -unabhängig
* Problemlos mit Solarthermie kombinierbar
Effizienz * Wirkungsgrad von 109 Prozent durch Brennwert-Nutzung * Wirkungsgrad von 105 Prozent durch Brennwert Nutzung
Kosten * Gerätekosten etwa 4.000 bis 5.000 Euro * Gerätekosten etwa 5.000 bis 6.500 Euro
Ausführung * Wandhängend oder bodenstehend * In der Regel wandhängend
Warmwasserbereitung * Integrierter oder separater Warmwasserspeicher
* Alternativ im Durchflussprinzip
* Mit integriertem oder separatem Warmwasserspeicher
Platzbedarf * Geringer Platzbedarf
* Brennstoff-Lagerung nicht erforderlich
* Meist ein an der Wand hängendes Gerät im Flur, in der Küche oder im Bad
* Platzbedarf ist erhöht
* Lagerraum für die Öltanks erforderlich
* Tanks umfassen meist mehrere Tausend Liter
* Oft wird ein separater Heizraum benötigt
Brennstofflieferung * Lieferung erfolgt leitungsgebunden frei Haus * Befüllen der Öltanks muss meist einmal im Jahr erfolgen
* In Niedrigpreiszeiten ist eine Bevorratung möglich
Umweltfreundlichkeit * Dank niedrigen CO2-Emissionen und hohem Brennwert vergleichsweise umweltfreundlich * Höherer CO2-Ausstoß als bei Gasheizung
Verfügbarkeit * Verfügbarkeit für mindestens die nächsten 70 Jahre garantiert
* Importabhängig
* Preise steigen mit hoher Wahrscheinlichkeit
* Verfügbarkeit für mindestens die nächsten 70 Jahre gewährleistet
* Konkurrenz zu mobilem Einsatz
* Preise schwanken und steigen wahrscheinlich auf lange Sicht
Kesseltausch * Bei Beibehalten des Energieträgers und der Gerätebauart ist Modernisierung preiswert
* Bei Umrüstung auf Brennwert muss Schornsteinsanierung erfolgen
* Sonst gibt es keine Einschränkungen
* Wie bei der Gasheizung

Bei Öl- und auch bei Gasheizungen gibt es diverse Förderungsprogramme von der KfW, sodass es sich lohnt, sich in dieser Hinsicht genauer zu informieren.

Bei einer Modernisierung sind viele Punkte wichtig

Wenn Sie bereits einen alten Ölkessel haben und diesen gegen einen neuen Brennwertkessel austauschen möchten, kann es sich in finanzieller Hinsicht mehr lohnen, dem Brennstoff Öl treu zu bleiben. Eine Umstellung auf eine Gasheizung würde in diesem Fall bedeuten, dass geprüft werden müsste, ob ein Anschluss an das Gasnetz überhaupt denkbar wäre.

Die Kosten für den Anschluss an das Gasnetz hängen von der Länge der Anschlussleitung ab. Mit 1.500 bis 2.000 Euro sollten Sie rechnen.

Dazu kommen noch die Kosten, die für die fachgerechte Entsorgung des alten Heizöl-Tanks entstehen. Die Kostenvorteile, von denen Sie durch die Umstellung auf Erdgas normalerweise profitieren, können durch die hohen Anschaffungs- und Installationskosten demnach zunichte gemacht werden. Außerdem sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass Sie bei Erdgas unter Umständen regelmäßig den Anbieter wechseln müssen, um sich immer einen günstigen Erdgaspreis zu sichern.

Beim Heizen mit Öl hingegen spielt es eher eine Rolle, die Ölpreise zu beobachten und den richtigen Zeitpunkt für die Bestellung abzupassen, damit Sie bei einem niedrigen Preis zuschlagen können. Alles in allem lässt sich feststellen, dass es sich nicht in jedem Fall lohnt, bei einer alten Ölheizung auf den Brennstoff Gas zu wechseln. Die hohen Anschlusskosten für das Erdgas können dazu führen, dass es in finanzieller Hinsicht keinen Sinn macht, auf eine Gasheizung umzustellen. Bei einem Neubau allerdings stellt die Gasheizung sicher nach wie vor die beste Lösung dar.

Zusammenfassung

Die Gasheizung ist in der Anschaffung preiswerter und zudem umweltfreundlicher als die Ölheizung. Trotzdem kann sich bei einer Heizungsmodernisierung unter bestimmten Voraussetzungen eine Ölheizung lohnen, weshalb die Entscheidung „Gas- oder Ölheizung“ gut überlegt sein sollte.

Artikelbild: Cronislaw / Bigstock.com

2 Kommentare

  1. Laura Heimisch 12.11.2018 08:04 Uhr

    In dem ganzen Haus haben wir aktuell Probleme mit der Heizung. Wir haben einen Experten angerufen und er hat gesagt wir brauchen eine Ölkesselsanierung. Meine Nachbarn haben dem Techniker gesagt, dass wir Zeit brauchen, um da Thema miteinander zu besprechen. Ich wusste gar nicht, dass ein Kesselaustausch in einem Einfamilienhaus bei 5.000 bis 6.000 Euro kostet!

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  2. Emmi 14.11.2018 11:14 Uhr

    Wir mussten Heizöl kaufen, nachdem sich herausstellte, dass die alte Heizung doch noch etwas Zeit überdauern will. Erst wollten wir auf eine Holzheizung umsteigen. Die Idee verwarfen wir dann aber recht schnell, weil nur ein Teil ausgetauscht werden musste.

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