Paloma-Viertel: Projekt auf der Kippe

Viele Menschen haben davon geträumt, im Paloma-Viertel mit einer Baugemeinschaft in eines der neuen Esso-Häuser zu ziehen und sich somit den Wunsch nach einer Wohnung direkt auf dem Kiez zu erfüllen. Etliche von ihnen fanden sich kürzlich im „Kölibri“ ein – und waren am Ende sauer und enttäuscht. Denn: Das Projekt droht zu scheitern, weil die Preise viel zu hoch sind. Die Betroffenen fordern deshalb nun die Stadt auf, das Grundstück zurückzukaufen.

Bringen die explodierten Baupreise das Projekt zum Scheitern?

Zunächst hörte sich alles gut an: 30 Wohnungen des neuen Paloma-Viertels sollten an eine Baugemeinschaft vergeben werden. Die anderen Wohnungen werden von der Bayerischen Hausbau GmbH & Co. KG selbst entwickelt. Es gibt aber ein Problem: Unterdessen sind die Baupreise explodiert, sodass sich kaum noch jemand eine Wohnung in diesem Gebiet leisten kann – trotz Förderung. Experten wie Tobias Behrens von der StattBau befürchten, dass für eine Wohnung mit 50 Quadratmetern Gelder in Höhe von 70.000 bis 100.000 Euro in die Genossenschaft fließen müssten.

Das sprenge laut Behrens den derzeitigen Rahmen der Baugemeinschaften deutlich. Deshalb riet er kleinen Baugruppen bisher auch davon ab, hier mitzumachen. Nach dem „Kölibri“-Termin gab er an, dass die Bayerische Hausbau GmbH & Co. KG noch einmal neu kalkulieren möchte. Allerdings befürchte er nichts Gutes.

Niemand hat Interesse, die Wohnungen zu bauen

Schlechte Nachrichten gab es auch von einer Baugruppe, die berichtete, sie habe bereits 30 große Genossenschaften kontaktiert. Keine von ihnen hatte jedoch Interesse, die Wohnungen mit ihnen zu bauen. Doch nicht nur das Wohnprojekt steht auf der Kippe, sondern auch der Bau der sogenannten Nord-Süd-Passage. Sie soll über mehrere

  • Stadtteileinrichtungen,
  • Musikangebote und
  • Kultureinrichtungen

verfügen. Aber auch hier fehlt eine Baugenossenschaft als Geldgeber.

Die Zeit drängt

Das Problem ist, dass die Zeit drängt: Wenn sich niemand bis zum Ende der Ausschreibefrist im Februar beworben hat, übernimmt die Bayerische Hausbau GmbH & Co. KG die Wohnfläche. Dann entstehen hier ebenfalls Wohnungen, die zu 70 Prozent auf den sozialen Wohnungsbau und zu 30 Prozent auf frei finanzierte Wohneinheiten entfallen. Verschiedene Initiativen äußerten daraufhin im „Kölibri“ die Sorge, dass dies zu drastischen Schwierigkeiten zwischen den neuen, noch nicht so Kiez-affinen Bewohnern und den Menschen führen könne, die die Angebote der Nord-Süd-Passage nutzen.

Somit stünde das ganze Projekt auf der Kippe. Deshalb wurden aus dem Publikum immer wieder Forderungen laut, die Stadt solle das Grundstück von der Bayerischen Hausbau GmbH & Co. KG zurückkaufen und per Erbbaurecht an eine Baugruppe vergeben. Nur so ließe sich das Projekt retten. Allerdings schwiegen die Vertreter der Baubehörde und des Bezirks Mitte zu diesen Forderungen. Insgesamt endete der Abend in kämpferischer Stimmung.

Zusammenfassung

Das Projekt im neuen Paloma-Viertel steht auf der Kippe, denn die Baupreise sind explodiert. Um das Projekt zu retten, müsste die Stadt das Grundstück zurückkaufen. Derzeit äußert sie sich zu derartigen Forderungen aber nicht.

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