Passivhaus, Nullenergiehaus oder doch „ganz normales Haus“?

Passivhaus, Nullenergiehaus oder doch „ganz normales Haus“?

Wer plant, ein Eigenheim zu bauen, der muss sich heute zwangsläufig auch damit beschäftigen, wie viel Energie sein Haus später einmal verbrauchen wird. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) gibt einen gewissen Standard der Energieeffizienz vor, und diesen Standard muss jeder Bauherr zwangsläufig einhalten. Dies bedeutet vor allem, dass gewisse Standards bei der Dämmung der Wände oder bei der Wahl der Fenster-Verglasung beachtet werden müssen. Doch wenn man sowieso schon vieles beachten muss, warum dann nicht gleich noch einen Schritt weiter gehen?

Die von der EnEV geforderte Energieeffizienz reicht schon recht weit. Jedoch gibt es noch eine Menge Verbesserungen, die Ihnen langfristig niedrige Energiekosten garantieren. Hier gibt es diverse Standards und Begrifflichkeiten. Der bekannteste Standard ist sicherlich das sogenannte Passivhaus. Dieses weist eine noch höhere Energieeffizienz auf, als es die EnEV heute vorgibt. Es geht jedoch noch besser: Auch sogenannte Nullenergiehäuser, ja sogar Plusenergiehäuser, sind heute möglich.

Wie der Name es schon erahnen lässt, benötigen Nullenergiehäuser keine zusätzliche Energie und können sich vollständig selbst versorgen. In den meisten Fällen nutzen sie zwar Energie aus dem öffentlichen Netz, jedoch geben sie auch mindestens genau so viel Energie in die Netze ab.

Und es geht sogar noch weiter: Plusenergiehäuser erzeugen sogar mehr Energie, als sie selbst benötigen. Dass bedeutet, sie sind in der Lage, sich selbst zu versorgen und auch noch überschüssige Energie ans Netz abzugeben. Im folgenden finden Sie detaillierte Informationen zu jedem dieser drei Standards. Vielleicht entscheiden sie sich ja, Ihr Haus gleich zukunftssicher auszustatten, denn günstiger werden die Energiepreise sicherlich nicht.

Passivhaus

Die allgemein gültigen Standards eines Passivhauses werden vom Passivhausinstitut in Darmstadt vorgegeben. Danach darf ein Passivhaus einen maximalen Heizwärmebedarf von 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter in einem Jahr nicht überschreiten. Dieses entspricht einem Heizöl-Energiegehalt von ungefähr 1,50 Liter. Zudem beträgt die maximal zulässige Heizlast 10W/m2. Diese muss auch in der kalten Jahreszeit über die Zuluft einbringbar sein. Über diese Werte hinaus gibt es noch einige andere Faktoren, die berücksichtigt werden müssen.

Der Begriff Passivhaus kommt daher, dass ein Großteil des Wärmebedarfs aus passiven Quellen gedeckt werden muss. Passive Wärmequellen sind die Sonneneinstrahlung, aber auch die Abwärme, welche von den Bewohnern selbst erzeugt wird. Auch Computer und andere elektronische Geräte des täglichen Gebrauchs helfen, das Haus zu erwärmen.

Passivhaus-Standard kann durchaus auch in alten Gebäuden durch Sanierungsmaßnahmen erreicht werden. Eine gewisse Architektur ist aber sehr zuträglich, will man diesen Standard erreichen. Die Kompaktheit des Baukörpers spielt eine Rolle, genauso wie die Planung der Verglasung. Die Gebäudehülle muss luft- und winddicht sein, wärmebrückenfrei ausgeführt werden und eine extrem gut wärmegedämmte Gebäudehülle vorweisen.

Im Vergleich zu konventionellen Gebäuden verbrauchen Passivhäuser bis zu 80% weniger Heizenergie. Man kann also langfristig enorm viel Geld sparen. Natürlich kostet aber ein Passivhaus auch etwas mehr.

Nullenergiehaus

Es ist recht leicht zu verstehen, wieviel Energie ein Nullenergiehaus maximal verbrauchen darf. Man kann es von seinem Namen her ableiten: Null. Ein Haus, welches den Kriterien dieses Standards entspricht, muss genau so viel Energie produzieren, wie es selbst benötigt. Dies wird durch Photovoltaik, Erdwärme, Kraft-Wärme-Kopplung und sehr gute Dämm-Materialien erreicht.

Nullenergiehäuser werden langsam etwas mehr, jedoch sind die meisten Gebäude, die heute energieeffizient geplant werden, eher Passivhäuser. Dabei ist es nicht so schwer, noch einen Schritt weiter zu gehen. Es müssen allerings viele Dinge bei der Planung beachtet werden. Ein älteres Bestandsgebäude kann nur schwerlich in ein Nullenergiehaus umgewandelt werden, da hierzu viele architektonische Vorplanungen von Nöten sind. Das Haus muss ideal zur Sonne ausgerichtet sein, ausreichend Platz für effiziente Solar-Panel bieten und auch noch andere bauliche Dinge erfüllen, die bereits beim Bau eingeplant werden sollten.

Ein Nullenergiehaus muss somit über zahlreiche technische Finessen verfügen, um ausreichend Energie zu produzieren und möglichst wenig davon zu verbrauchen. Ausgehende Luft erwärmt die eingehende Luft, Fenster sind grosszügig im Süden und sparsam im Norden und auch das warme Wasser wird meist durch Solarkraft oder andere Möglichkeiten erwärmt.

Plusenergiehaus

Um das vorgegebene Niveau eines Plusenergiegebäudes zu erreichen, ist der Passivhaus-Standard eine vorteilhafte Basis, aber lange nicht genug. Es sind noch viele, weitergehende Maßnahmen erforderlich. Ein Plusenergiegebäude erzeugt mehr Energie, als es tatsächlich verbraucht. Es stellt somit den höchsten Energiestandard dar, den ein Haus heute erreichen kann. Möglich werden Plusenergiehäus durch den Einsatz erneuerbarer Energien (wie z.B. Sonnenenergie oder Nutzung nachwachsender Rohstoffe, meist in Kombination mit Kraft-Wärme-Kopplung). Ein Plusenergiehaus muss so ziemlich über jede technische Finesse und modernste Dämmung verfügen, die es heute gibt.

Plusenergiehäuser sind bisher kein offizieller Standard. Es gibt noch recht wenige Gebäude, die die bisherigen Vorgaben erfüllen. Vor allem handelt es sich um Test-Projekte, Hochschulprojekte u.ä. Wohngebäude im Plusenergie-Standard gibt es noch fast gar nicht. Wer heute ein sparsames Wohnhaus plant, für den ist das Erreichen von Passivhaus- oder Nullenergiehaus-Standard sicherlich das bessere Ziel. Wer aber etwas wagen will und den richtigen Partner für die Planung und Ausführung findet, der kann mutig voran gehen und ein Beispiel setzen.

Artikelbild: © nikkytok / Shutterstock

1 Kommentar

  1. Thomas 11.03.2019 15:19 Uhr

    Mein Onkel hat vor, sich ein Passivhaus bauen zu lassen. Solche Häuser haben sehr viele Vorteile, wie konstant frische Luft.
    Zudem sind die Oberflächen zum Angreifen warm, es gibt keine großen Temperaturunterschiede usw.

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