Petunien oder Garten-Petunie (Petunia) – erblühen lassen und pflegen

Petunien oder Garten-Petunie (Petunia) – erblühen lassen und pflegen

Sie sind neben den Geranien wohl der bekannteste Klassiker für Garten und Balkon: Petunien. Vor allem auf der Kleinoase an der Wohnung machen sie in der Sonne eine farbenfrohe Figur. Ihre lateinische Bezeichnung „Petunia“ leitet sich von der Verwandtschaft zur Tabakpflanze ab, jedoch ist dieser Kultivar aus Südamerika für ganz andere Eigenschaften bekannt.

Herkunft

Die Petunie gehört zu Familie der Nachtschattengewächse („Solanaceae“), die aus Südamerika stammt und deren verschiedene Arten unter anderen in Brasilien, Uruguay, Paraguay, Bolivien und Argentinien wachsen. Die dort weit verbreitete Sorte ist die „Petunia axillaris“ – die weißblütige Petunie. Hierzulande werden vor allen Hybriden angeboten, die auf den Balkonen, Terrassen und in Gärten erblühen. Die häufigste Zierpflanze ist dabei die Garten-Petunie („Petunia x hybrida“), die aus mehreren Gattungen der Ursprungspflanze gezogen wurde.

Sorten

Innerhalb der Gattung „Petunia“ existieren derzeit 14 Arten, die anerkannt sind. Diese heißen:

  • „Petunia altiplana“
  • „Weißblütige Petunie“ („Petunia axillaris“)
    • „Petunia axillaris subsp. Axillaris“
    • „Petunia axillaris subsp. Parodii“
    • „Petunia axillaris subsp. Subandina“
  • „Petunia bajeensis“
  • „Petunia bonjardinensis“
  • „Petunia exserta“
  • „Petunia inflata“
  • „Violette Petunie“ („Petunia integrifolia“)
    • „Petunia integrifolia subsp. Integrifolia“
    • „Petunia integrifolia subsp. Depauperata“
  • „Petunia interior“
  • „Petunia mantiqueirensis“
  • „Petunia occidentalis
  • „Petunia reitzii“
  • „Petunia saxicola“
  • „Petunia scheideana“
  • „Petunia secreta“

Grundsätzlich wird zwischen zwei Sorten-Arten unterschieden: Die „Multiflora“ wächst aufrecht als kleiner Busch und die „Grandflora“ besticht durch besonders große Blüten. Eine „Nana compacta“ wächst polsterartig, die „Pendula“ ist hängend. Hierzulande erhältliche Hybrid-Sorten sind unter anderem (eine Auswahl):

  • „Red Pirouette“
  • „Purple Pirouette“
  • „Solana Royal Sarah“
  • „Solana Royal Bea“
  • „Doubloons“
  • „Yellow Apple Bee“
  • „Purple Balls“
  • „Reflection“
  • „Sweet Sunshine“
  • „Happy Gal“
  • „Sylvana Sofia“
  • „Whisper“
  • „Petini“
  • „Johnny Flame“
  • „Black Ray TM“

Die „Red Pirouette“ und die „Purple Pirouette“ zeichnen sich durch ihre besonders großen Blütenbälle aus, die gefüllt sind. Beide Sorten sind eine Hänge-Petunie, die absolut wetterfest ist. Die Hänge-Petunie „Solana Royal Sarah“ ist Brombeerfarben, die Sorte „Solana Royal Bea“ zeichnet sich vor allem durch ihre Schnellwüchsigkeit aus und erstrahlt in Himbeerrot. „Doubloons“ kann sogar in Blau, Pink und Lila erblühen. Ein kräftiges Gelb bietet „Yellow Apple Bee“ und die Sorte „Purple Balls“ kann violette Blüten vorweisen, beide gelten als sehr wetterfest. Gefüllte Blüten sind bei Sorten der „Reflection“- Serie sowie der „Sweet Sunshine“-Serie zu finden. „Happy Gal“ erstrahlt zweifarbig in Violett und Weiß, „Sylvana Sofia“ in Purpur und Weiß. Kleine Blüten haben die Sorten der „Whisper“- und „Petini“-Serie. Die „Johnny Flame“ hat außergewöhnliche gesternte Blüten, die „Black RayTM“ hat fast schwarze Blüten.

Verwendung

Die häufigste Verwendung finden Petunien auf dem Balkon als beliebte Zierpflanze. Bereits 1823 wurde dazu der erste Hybrid gezüchtet. Die Petunie macht hier in Balkonkästen und Hängeampeln eine gute Figur. Eine weitere Verwendung über den Ziercharakter hinaus ist nicht bekannt.

Erscheinungsbild, Blütenstand und Blüte

Die Petunie wird bis zu maximal 80 Zentimeter hoch, aber die meisten Sorten fallen deutlich kleiner aus. Zwergpetunien sind noch kleiner, ihre Blütenzahl stehen den großen Verwandten jedoch in nichts nach. Charakteristisch sind die zahlreichen trichterförmigen Blüten dieser Pflanze, wie auch eine Behaarung mit klebrigen Trichomen. Die Blätter sind von den farbenfrohen Blüten fast ausschließlich überdeckt. Das Nachtschattengewächs kann in allen möglichen Farbtönen erstrahlen: Weiß, Gelb, Rosa, Pink, Purpur, Violett und Blau. Aber auch zweifarbige Blüten sind möglich. Die Petunie blüht ab Juli meist bis September oder Oktober, spätest bis zum ersten Frost der kalten Jahreszeit.

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Standort

Das Nachtschattengewächs liebt die Sonne. Wie auch in ihrer Heimat Südamerika brauchen die Hybriden hierzulande einen vollsonnigen Standort. Erst die Strahlen der gelben Himmelsmacht bringen die Blüten zum Blühen. Aber auch ein halbschattiger Standort ist möglich. Jedoch muss der Gärtner dann mit weniger Blüten rechnen. Ebenso sollte die Pflanze vor Wind und Regen geschützt werden. Die Blumenerde sollte locker und durchlässig sein. Viele Petunien-Sorten leiden oft an Eisenmangel, so bietet der Fachhandel spezielle Petunien-Erde, die vor allem in kalkreichen Wassergegenden eine Hilfe ist.

Auf dem Balkon eignet sich vor allem eine Blumenampel nah an der Hauswand besser als der Blumenkasten am Geländer. Die Mauer hält unschöne Wetterbedingungen von der Petunie fern, die so geschützt erblühen kann. Nicht alle Sorten sind besonders wetterfest.

Pflanzen, aussäen und vermehren

In vielen Fällen bietet der Handel Jungpflanzen, die nur noch in die Erde gebracht werden müssen. Da die Petunie jedoch eine Sommerpflanze ist, sollte dies nicht vor Mitte Mai erfolgen, damit jegliche Gefahr von Frost vermieden wird. Wer jedoch nicht mit Jungpflanzen arbeiten will, kann Petunien auch selbst aussäen. Entweder werden von den Pflanzen des Vorjahres Samen gesammelt oder diese im Fachhandel erstanden. Die können einfach an der Pflanze abgeknipst werden. Sie reifen über den Winter an trockenen und warmen Orten nach.

Die Samen können ab Februar im Inneren vorgezogen werden: in einem Gefäß mit Anzuchterde und mit Folie abgedeckt. Die Jungpflanzen gedeihen bei einer Temperatur ab 20 Grad. Sobald sie groß genug sind und das zweite Blätterpaar zu sehen ist, können sie ins Frühbeet, in den Topf oder in die Blumenampel gebracht werden. Zwischen den einzelnen Pflanzen sollte ein Abstand von 20 Zentimetern eingehalten werden.

Eine hohe Luftfeuchtigkeit hilft beim Keimen, aber eine regelmäßige Lüftung der Abdeckung ist somit notwendig, um Schimmelbildung zu vermeiden. Die Erde selbst sollte jedoch immer feucht gehalten werden.

Gießen und düngen

Die Pflege von Petunien ist einfach und nicht besonders aufwendig. Ein wichtiger Punkt ist Wasser, denn der Sonnenanbeter braucht viel davon. Staunässe ist jedoch der Feind der Petunie. Daher bietet sich eine Kiesschicht unter der Erde im Balkonkasten an, die den Wasserhaushalt reguliert. Insgesamt wird viel Wasser benötigt, für einen Balkonkasten der Größe 80 werden vier bis sechs Liter Wasser an Sonnentage empfohlen. Das Gießwasser selbst sollte weich und kalkarm sein. Auch ein wenig Dünger kann nicht schaden: Bis zu zweimal pro Woche solle einer phosphorbetonter Dünger gegeben werden. Dieser schützt ebenso vor Krankheiten und Schädlingen. Auch ein Eisendünger kann Nährstoffmangel vermeiden.

Beim Gießen sollten die Blätter der Petunien nicht nass werden. Der Wasserstrahl muss gezielt zu den Wurzeln führen, um Anfälligkeiten für Krankheiten zu vermeiden.

Richtig schneiden und pflegen

Neben Gießen und Düngen gehört auch regelmäßige Kontrolle zur Pflege der Petunien. Die Pflanze sollte auf Schädlinge und Krankheiten geprüft werden. Wer eine lange Blüte anstrebt, sollte ebenso regelmäßig verblühte Blütenstände abschneiden. Ein weiterer Rückschnitt ist jedoch meist nicht notwendig.

Giftigkeit und Inhaltsstoffe

Auch wenn die Blütenpracht farbenfroh und die Beliebtheit der Petunie groß ist, darf nicht vergessen werden, dass sie ein Mitglied der Nachtschattengewächse ist. Damit sind die grünen Teile der Pflanze giftig und sollten nicht verzehrt werden. Sie können Übelkeit und Kratzen im Mund hervorrufen. Vorsicht ist mit dieser Pflanze auf dem Balkon daher vor allem bei kleinen Kindern und Haustieren im Heim geboten.

Überwintern

Die Petunie ist nicht winterhart, denn Frost mag die Pflanze gar nicht. So ist es oft der Fall, dass die Sorten nur einjährig erstrahlen. Beim ersten Frost gehen die Pflanzen ein und werden oft auf dem Kompost entsorgt. Jedoch können sie aber auch in einem hellen Raum mit einer Temperatur zwischen fünf und zehn Grad Celsius überwintern. Die Petunie sollte vorher auf eine Trieblänge von 20 Zentimeter zurück geschnitten werden. Während der Überwinterung ist regelmäßiges Gießen notwendig.

Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge

Die Petunie ist nicht vor Schädlingen und Krankheiten gefeit. Zu Letzteren zählt unter anderem der Echte Mehltau. Dieser ist durch einen mehlartigen weißen Belag auf den Pflanzenteilen zu erkennen, die nach und nach absterben. Aber auch Chlorose ist bei Petunien eine häufige Erkrankung – dieser kann mit weichem Leitungswasser oder Regenwasser vorgebeugt werden. Gerade in Weiß blühende Petunien sind besonders anfällig für Chlorosen. Ebenso wird dieses Nachtschattengewächs oft von Blattläusen heim gesucht. Die Weiße Fliege und Thrispe sind ebenfalls Schädlinge der Petunie. Die Fliege verursacht gelbe Stellen, die Blattlaus hinterlässt Honigtau, der zu weiterem Pilzbefall führen kann.

Statt zur chemischen Bekämpfung zu greifen, können hier Duftkräuter eine Lösung sein. Rosmarin, Salbei, Lavendel und Thymian beispielsweise vertreiben Schädlinge wie die Blattlaus, wenn diese in der Nähe angepflanzt werden.

Interessantes

Die Blüten der Petunie sind nicht nur trichterförmig, sondern auch radiär. So würden sie spiegelbildliche Hälften ergeben, wenn die Schnittebenen der Blüten geteilt würden. Während in der Ursprungsheimat diese Blüten dem heimischen Kolibri angepasst waren, haben sich für hiesige Landen die Farben, Duft und Formen so abgewandelt, dass sie von der heimischen Biene besucht und bestäubt werden.

FAQ – Die häufigsten Fragen

Was ist eine Petunie?

Sie ist eine der beliebtesten Pflanzen für den Balkon und mehrfach als Balkonpflanze des Jahres ausgezeichnet. Die Petunie gehört den Nachschattengewächsen an und zeichnet sich vor allem durch ihre zahlreichen trichterförmigen Blüten aus. Die aus Südamerika stammende Pflanze wird bis zu 80 Zentimeter hoch.

Was passt zur Petunie?

Zu der Blütenpracht können Wandelröschen, Vanilleblume, Aztekengold oder Perlagonien gepflanzt werden. Aber auch Zauberschnee ist eine gute Kombination.

Was kosten Petunien?

Samen zum Aussäen sind bereits unter einem Euro pro Päckchen erhältlich. Aber auch Jungpflanzen können schon ab etwa 2 Euro im Handel gekauft werden.

Wann werden Petunien gepflanzt?

Die Petunie ist eine Sommerpflanze. Im Inneren kann sie ab Februar vorgezogen werden. Ins Freie sollte sie erst ab Mitte Mai gesetzt werden, damit sie mit Sicherheit keinem Frost ausgesetzt wird.

Wie viel Platz braucht die Petunie?

Im Balkonkasten sollte zwischen den einzelnen Pflanzen ein Abstand von 20 Zentimetern eingehalten werden. So kommen sie sich nicht in die Quere.

Wie viel Pflanzen passen in eine Ampel?

Eine Ampel sollte nicht zu vollgestopft sein. Für eine kleine kann schon eine einzige Petunie ausreichen. Die Petunie ist schnellwüchsig und füllt sie schnell aus.

Welche Temperaturen halten Petunien aus?

Die Petunie braucht eine Temperatur ab 20 Grad Celsius. Ebenso hilft eine hohe Luftfeuchtigkeit vor allem beim Keimen.

Wann blüht die Petunie?

Die Blühzeit der Petunie erstreckt sich von Mai bis zum ersten Frost.

Wodurch wird die Blütenfarbe der Petunie beeinflusst?

Normal sind die Blütenfarben Blau und Rot. Die Färbung wird jedoch durch verschiedene Züchtung immer weiter verändert und variiert. Aber auch Sonneneinstrahlung und Temperaturen beeinflussen die Farbgebung.

Wie werden Petunien gepflegt?

Die Pflanzen brauchen als Sonnenanbeter viel Wasser, vertragen jedoch keine Staunässe. Ebenso muss gedüngt werden. Ein phosphorhaltiger Dünger kann zweimal pro Woche gegeben werden.

Wie wird die Petunie geschnitten?

Ein direkter Rückschnitt ist nicht notwendig. Jedoch sollten verblühte Pflanzenteile abgetrennt werden, um eine lange Blüte zu gewährleisten.

Was ist pflegeleichter: Geranie oder Petunie?

Die Petunie ist bereits sehr pflegeleicht, die Geranie jedoch noch etwas pflegeleichter. Denn hier müssen keine Blüten gezupft werden. Manche Sorten sind „selbstputzend“, die verblühten Geranienteile fallen einfach ab.

Warum blühen meine Petunien nicht?

Das kann am Standort liegen, der zu kühl und feucht ist sowie zu wenig Sonne und Licht bietet. Aber auch der falsche Dünger kann die Ursache sein. Stickstoffhaltige Dünger fördern das Wachstum, Kalium jedoch die Blüte.

Wie überwintern Petunien?

In den meisten Fällen werden Petunien nicht überwintert. Sie vertragen keinen Frost und sind im Frühjahr zu günstigen Preisen zu erstehen. Unmöglich ist es dennoch nicht. Der Balkonkasten muss vor dem ersten Frost ins Warme und Helle, die Triebe werden eingekürzt, damit die Pflanze nicht den Winter durchblüht. Sie muss lediglich gegossen werden.

Warum bekommen Petunien gelbe Blätter?

Die Petunie ist anfällig für die Chlorose (auch Gelbsucht genannt). Häufige Ursache ist ein zu nasser Boden. Dieser sollte aufgelockert werden, damit keine Staunässe entsteht. Aber auch Magnesium- und Eisenmangel kann für die Gelbfärbung verantwortlich sein.

Was kann man gegen Mehltau bei Petunien machen?

Die Pflanze wird häufig vom echten Mehltau befallen. In vielen Fällen helfen hier keine Behandlungen, sondern die gesamten Pflanzen müssen entfernt werden.

Systematik

Kerneudikotyledonen
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Nachtschattenartige (Solanales)
Familie: Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Gattung: Petunien

Wissenschaftlicher Name

Petunia

Zusammenfassung

Sie ist eine der beliebtesten Balkonpflanzen und hat bereits zahlreiche Ehrungen als Balkonpflanze des Jahres auf ihrem Konto: Die Petunie. Das Nachtschattengewächs stammt ursprünglich aus Südamerika. Hierzulande sind zahlreiche Hybriden erhältlich, die sich vor allem durch ihre Blütenpracht in Weiß, Gelb, Pink, Rosa, Rot, Purpur, Violett oder Blau auszeichnen. In Sachen Pflege ist die Petunie anspruchslos, braucht jedoch Wasser und verträgt keinen Frost. In vielen Fällen ist die Pflanze einjährig, kann aber unter Umständen auch überwintern.

Artikelbild: © AN NGUYEN / Shutterstock

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