Pultdach-Neigung – Ein wichtiger Aspekt, der nicht unterschätzt werden sollte

Pultdach-Neigung – Ein wichtiger Aspekt, der nicht unterschätzt werden sollte

Das Pultdach ist eine der spezielleren Dachformen, die hierzulande noch nicht allzu weit verbreitet sind. Die Konstruktion hat ihren Namen von dem Pult erhalten, das ebenso wie das nach ihm benannte Dach eine Oberfläche aufweist, die einseitig geneigt ist. Pultdächer sind in Europa vor allem bei Gebäuden oder Gebäudeteilen verbreitet, die an ein anderes Objekt angegliedert sind, wie beispielsweise Anbauten, Seitenschiffe von Basiliken oder Erker. Immer häufiger finden sie im Hausbau aber auch als Hauptdächer Verwendung. Für die steigende Nachfrage nach Pultdächern gibt es mehrere Gründe: Zum einen liegt es daran, dass ein Pultdach weniger kostet als ein Satteldach. Zum anderen hat die besondere Dachform aber noch weitere Vorteile, wie etwa den verhältnismäßig einfachen Aufbau und die gute Eignung zur Gewinnung von Solarenergie. In diesem Ratgeber erläutern wir Ihnen, was es in Bezug auf die Dachneigung zu beachten gibt, wenn Sie sich für ein Pultdach entscheiden.

Welche Vorteile hat das Pultdach?

Das Pultdach sieht aus wie ein sehr schräges Flachdach oder ein halbiertes Satteldach. Dadurch bietet es einen modernen und geradlinigen Anblick. Ein Pultdach auf ein Haus zu bauen, gestaltet sich noch einfacher als beim Flachdach. Im Grunde ist es schwer nachvollziehbar, warum sich nicht die Mehrheit der Bauherren für ein Pultdach entscheidet, denn es bietet zahlreiche Vorteile:

  • Einfache Konstruktion – Dadurch schnellerer Aufbau und geringere Kosten
  • Mehr Platz zum Wohnen – Es gibt nur eine Dachschräge im Obergeschoss
  • Stärker geneigt als das Flachdach – Niederschläge laufen gut ab
  • Normale Fenster lassen sich ins Obergeschoss integrieren – Helle, lichtdurchflutete Räume entstehen
  • Lässt sich gut nach Süden ausrichten – Perfekt zur Gewinnung von Energie durch Photovoltaik

Insbesondere der letzte Punkt ist für viele Bauherren ein entscheidendes Argument für das Pultdach, denn angesichts der steigenden Preise für Energiekosten wünschen sich immer mehr Menschen eine eigene Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Viele Nachteile hat das Pultdach nicht, lediglich auf eine gute Dämmung des Daches muss geachtet werden.

Beim Pultdach ist es äußerst wichtig, dass es in die richtige Himmelsrichtung ausgerichtet wird. Es empfiehlt sich eine Ausrichtung nach Norden, damit das Haus wettergeschützt ist und an der Südseite mit großen Fensterfronten geöffnet werden kann. Wer Solarenergie gewinnen will, muss das Dach aber nach Süden ausrichten.

Neben der Ausrichtung ist die Dachneigung beim Pultdach von hoher Bedeutung.

Mögliche Dachneigungen beim Pultdach

Die hohe Flexibilität des Pultdaches zeigt sich auch bei dem großen Spielraum, den Sie bei der Gestaltung der Dachneigung genießen. Prinzipiell sind Dachneigungen zwischen 11 und 60 Prozent möglich. Die meisten Pultdächer sind mit Neigungen von 20 Prozent aber recht flach gestaltet. Wie viel Grad die Dachneigung beim Pultdach betragen sollte, ist von verschiedenen technischen und optischen Faktoren abhängig. So bestimmt der Neigungsgrad unter anderem, für welche Art der Dacheindeckung das Pultdach überhaupt geeignet ist. Zudem hängt von dem Gefälle ab, wie gut sich die Dachfläche selbst reinigt. Bei zu flachen Dächern besteht die Gefahr dafür, dass sich Flechten und Moose auf dem Dach festsetzen, wodurch sich die Haltbarkeit reduziert.

Die Dachneigung bestimmt die Art der Eindeckung

Sie sollten sich schon bei der Planung überlegen, wie stark Ihr Pultdach geneigt sein soll, denn damit bestimmen Sie, welche Art der Dacheindeckung in Frage kommt. Viele handelsübliche Dachziegel eignen sich nur für Neigungen ab 20 Prozent. Bei einer geringeren Dachneigung könnte der Niederschlag zurücklaufen und in die Dachhaut eindringen. Im Falle einer sehr geringen Neigung ist es daher empfehlenswert, unter der Ziegeleindeckung ein zweites, wasserdichtes Unterdach einzubauen. Dadurch steigen jedoch die Kosten und die Gefahr für eine fehlerhafte Ausführung.

Mittlerweile haben viele Hersteller spezielle Ziegel für leicht geneigte Pultdächer im Angebot, die als Flachdachziegel entwickelt werden. Sie eignen sich für Dachneigungen ab 7 bis 20 Grad.

Steilere Pultdächer mit Neigungen zwischen 45 und 60 Grad sind für nahezu alle Dachziegel aus Beton oder Ton geeignet. Die einzelnen Hersteller stellen zu jedem Dachziegel ein Datenblatt zur Verfügung. Daraus geht hervor, wie groß die Mindestneigung für den jeweiligen Ziegel sein muss. Die folgenden Varianten kommen für besonders flache Pultdächer in Frage:

  • 7-Grad-Dachstein von Braas – geeignet für 7 bis 12 Grad Dachneigung
  • Rapido Falzziegel von Creaton AG – geeignet ab 16 Grad Dachneigung
  • Terra Optima von Creaton AG – geeignet ab 18 Grad Dachneigung
  • Ergoldsbacher E58 SL von Erlus AG – geeignet ab 20 Grad Dachneigung

Dachziegel aus Beton, Kunststoff und Ton eignen sich je nach Art also immer nur für eine konkrete Neigung, weshalb sie passend gekauft werden müssen. Anders ist das beim Trapezblech: Hier müssen Sie auf eine bestimmte Überlappung der einzelnen Bleche achten, damit das Dach vollkommen dicht wird. Bei einem Gefälle von drei bis fünf Grad sollte die Überlappung mindestens 20 Zentimeter betragen, während es bei einem Gefälle von fünf bis 20 Grad wenigstens 15 Zentimeter sein sollten. Ab einem 20-Grad-Gefälle reicht es aus, die einzelnen Trapezbleche zehn Zentimeter überlappen zu lassen.

Zu schwache Dachneigung beim Pultdach vermeiden

Obwohl es mittlerweile geeignete Dachziegel für flache Pultdächer gibt, sollten Sie schon aus Eigennutz auf eine zu geringe Neigung verzichten.

Erst ab einer gewissen Dachneigung setzt der Selbstreinigungseffekt des Dachs ein, weswegen flache Dächer zweimal im Jahr gesäubert werden müssen, denn das Wasser fließt zu langsam, sodass sich Moose und Flechte absetzen können.

Ob die Selbstreinigung funktioniert oder nicht, richtet sich aber auch nach dem Wellenmuster des Trapezbleches oder der Dachziegel, weshalb sich hierbei keine allgemeingültigen Empfehlungen aussprechen lassen. Bei eng gearbeiteten Wellen oder Tälern reicht schon eine leichte Menge Wasser aus, um Vogelkot, Blätter und Moos zu beseitigen. Wenn sich das Wasser jedoch auf einer breiten Rinne verteilt, hat es bei einer zu leichten Neigung nicht ausreichend Kraft, um den Schmutz mit sich fortzutragen.

Dachneigung am Pultdach berechnen – So gehen Sie vor

Die Berechnung der Dachneigung erfolgt mithilfe des Tangens. Zunächst müssen Sie sich überlegen, wie viel höher das Dach am steilen Ende im Vergleich zum niedrigen Ende sein soll. Außerdem müssen Sie die Länge des Dachs kennen. Die folgende Formel wird für die Ermittlung der Dachneigung verwendet:

Dachneigung = Höhe (in Zentimetern) geteilt durch die Länge des Dachs (in Zentimetern)

Die Höhe in der Formel bezieht sich dabei nicht auf die Gesamthöhe, sondern auf die Differenz zwischen der Höhe am steilen Ende und der Höhe am niedrigen Ende. Zur Veranschaulichung zeigen wir Ihnen nachfolgend am Beispiel eines Carports für den Garten, wie Sie die Dachneigung berechnen:

  • Pultdach-Länge: 600 Zentimeter
  • Höhe der Front: 300 Zentimeter
  • Höhe der Rückwand: 250 Zentimeter
  • Höhen-Differenz: 50 Zentimeter
  • 50 Zentimeter geteilt durch 600 Zentimeter ist gleich 0,08
  • Die 0,08 werden mit 100 multipliziert, um die Dachneigung in Prozent zu ermitteln

Somit kommen Sie also auf eine Dachneigung von 8 Prozent.

Zusammenfassung

Grundsätzlich ist es bei Pultdächern ratsam, die Dachneigung nicht zu gering zu wählen. Bei einem flachen Pultdach müssen spezielle Flachdachziegel für die Eindeckung verwendet werden und auch der Selbstreinigungseffekt lässt nach. Besser sind Pultdächer mit einer Neigung von mindestens 25 Grad geeignet.

Artikelbild: Guenter Menzl / Bigstock.com

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