Rigipsplatten streichen: Tipps zur Farbwahl & Ausführung

Rigipsplatten streichen: Tipps zur Farbwahl & Ausführung

Gipskartonplatten (auch Rigipsplatten genannt) erfreuen sich in Europa wachsender Beliebtheit. In den USA sind sie seit mehr als einem Jahrhundert im Einsatz. Nun kommen auch die Europäer auf den Geschmack der Wände aus Gips. Nach der Montage müssen diese noch gestrichen werden. Tipps zum Streichen von Rigipsplatten gibt es im Anschluss.

Rigips hat sich auch in Deutschland zum Standard beim Innenausbau entwickelt. Bei Heimwerkern ist das Material beliebt, weil es leicht montiert werden kann. Innerhalb kürzester Zeit können sie Räume komplett ausbauen. Nach der Montage der Platten folgt das Streichen – dieser Arbeitsschritt erfordert einige Vorbereitungen.

Vorbereitungen

Bevor man Rigipsplatten oder einen anderen Untergrund streicht, müssen Heimwerker einige Vorbereitungen treffen. Dieser Arbeitsschritt ist von großer Wichtigkeit, da er einen großen Einfluss auf das Endergebnis hat.

  1. Untergrundprüfung: Gipskartonplatten saugen Farbe auf und benötigen deshalb eine Grundierung.
  2. Reinigung: Bevor die Grundierung angebracht wird, erfolgt eine Reinigung. Rigipsplatten müssen frei von Staub und anderem Schmutz sein.
  3. Abdeckung: Der Raum sollte möglichst leer geräumt sein. Falls das nicht möglich ist, deckt man alle Gegenstände mit Folien ab. Steckdosen, Lichtschalter und Co. werden abgeklebt, um sie nicht versehentlich zu überstreichen.

Den Tiefengrund auftragen

Gipskarton benötigt einen Anstrich mit Tiefengrund, damit auf ihm Tapete oder Farbe haftet. Da die Grundierung ein simpler Arbeitsschritt ist, kann ihn jeder Heimwerker unabhängig von seiner Erfahrung ausführen.

Im Handel sind spezielle Tiefengründe für Gipskarton erhältlich. Wer tapezieren möchte, sollte einen passenden Tiefengrund kaufen. Die dritte Variante ist der Kauf von Untergründen, die universell und lösemittelfrei sind. Sie garantieren eine hohe Saugfähigkeit des Untergrundes.

Zum Auftragen der Grundierung nutzen Heimwerker die Utensilien aus unserer Werkzeugliste. Sie sollten sich bei diesem Arbeitsschritt ausreichend Zeit nehmen und die Grundierung unverdünnt und gleichmäßig verteilen. Anschließend warten sie die Trockenzeit des Produkts ab, die bis zu zwölf Stunden betragen kann.

Farbbedarf ermitteln

Nach der Grundierung folgt der Farbaufstrich (oder das Tapezieren). Heimwerker müssen zunächst einmal Farbe kaufen und den Farbbedarf ermitteln.

Beim Kauf der Farbe gilt die Regel: Lieber zu viel als zu wenig. Wenn die Farbe beim Streichen ausgeht, muss man die Arbeiten später fortsetzen – und das wird das Endergebnis negativ beeinflussen. Die Wand bekommt unschöne Streifen.

Für die Ermittlung des Farbbedarfs gibt es folgende Formel: Farbbedarf= Wände × Höhe + Decke.

Rechenbeispiel:

Farbbedarf mit Skizze ermitteln

Farbbedarf mit Skizze ermitteln

Der Raum ist 4 × 7 Meter groß und 2,7 Meter hoch. Es sollen alle vier Wände und die Decke gestrichen werden.

  • Wände (4+4+7+7) × Höhe (2,7) = 22 × 2,7 = 59,4 m2
  • Decke = Länge × Breite = 7 × 4 = 28 m2

Der Farbbedarf beträgt 87,4 m2.

Nachdem die Gesamtfläche ermittelt wurde, muss nur noch der Verbrauch der gewünschten Farbe berücksichtigt werden. Angenommen der Farbverbrauch liegt bei 140 Milliliter (ml) pro Quadratmeter. Dann wird für die berechnete Fläche von 87,4 Quadratmeter 12,24 Liter Farbe benötigt (Rechnung: 0,14 l × 87,4 m2). Ein 10-Liter-Eimer wird nicht ausreichen; Heimwerker sollten zusätzlich einen 5-Liter-Eimer kaufen.

Rigipswände und -decke spachteln

Nach der Grundierung werden die Rigipswände und die Decke gespachtelt. Für diesen Arbeitsschritt ist eine spezielle Spachtelmasse erhältlich, die in Wasser aufgelöst und zu einer dickflüssigen Masse verrührt wird. Bei großen Mengen benötigen Heimwerker eine Bohrmaschine mit Rührstab, um die Spachtelmasse anzurühren.

Da die Rigipsplatten mit Schrauben befestigt werden, sind die Wände und Decken von Unebenheiten geprägt. Mit einem Kellenspachtel kann man die kleinen Löcher ausgleichen. Anschließend lässt man die Masse trocknen und spachtelt die Schrauben erneut ab.

Übergänge mit Acryl versiegeln

Heimwerker können die Fugen zwischen der Decke und Wand mit ihrer Kartuschenpistole und Acryl verschließen.

Bitte kein Silikon verwenden, da es sich nicht überstreichen lässt! Wir haben den Unterschied zwischen Silikon und Acryl in diesem Artikel erklärt.

Mit der Kartuschenpistole wird das Acryl großzügig in die Fugen gespritzt. Anschließend glättet man die Masse mit dem Fugenspachtel – und zwar möglichst gleichmäßig und zügig. Das Glätten erfordert etwas Übung, wer aber Fliesen gelegt hat, wird diesen Arbeitsschritt bereits gemeistert haben.

Farbwahl für Rigipsplatten

Gips ist ein sehr saugendes Material, weshalb nur bestimmte Farben zum Anstreichen der Rigipsplatten infrage kommen. Die Platten haben zudem die Eigenschaften, einer trockenen Umgebungen Feuchtigkeit zu spenden. Die Farbe darf diese Funktion nicht unterbinden, indem sie die Rigipsplatten versiegelt.

Wir empfehlen, im Handel nach Dispersionssilikatfarbe Ausschau zu halten. Diese sollte nicht mit Dispersions- oder Silikatfarbe verwechselt werden – sie sind für Gipskarton nicht geeignet.

Kanten & Ecken vorstreichen

Die Farbwahl steht fest – nun kann die eigentliche Arbeit beginnen. Zunächst beginnt man damit, mit einem Pinsel sowie kleinen Farbroller die Kanten und Ecken der Decke vorzustreichen. Dabei trägt man die Farbe großzügig auf und arbeitet flott, damit nichts antrocknet. Die Farbrolle sollte die Pinselstriche überdecken, damit eine einheitliche Farbfläche entsteht.

Die Rigipsdecke streichen

Nach dem Vorstreichen müssen Heimwerker die Decke genauso zügig mit Farbe eindecken. Für diesen Arbeitsschritt benötigen sie einen Farbroller und eine Teleskopstange. Beim Einsatz von Dispersionsfarbe empfehlen wir zwei Anstriche, die immer über Kreuz erfolgen (siehe Grafik).

Rigipsdecke über Kreuz streichen

Rigipsdecke über Kreuz streichen

Bei jedem Anstrich muss immer in eine Richtung gearbeitet werden. Ansonsten kommt es zu Flecken und einer unschönen Schattenbildung. Grundsätzlich wird als Erstes parallel zur Fensterreihe gestrichen. Der zweite Anstrich erfolgt vom Fenster aus zur Wand.

Die Rigipswände streichen

Beim Anstreichen der Wände gelten dieselben Regeln: Zunächst die Ecken und Kanten vorstreichen, dann mit einer großen Rolle die Farbe auftragen.

Heimwerker sollten mit dem Lichteinfall arbeiten, damit sie keine Schatten werfen.

Für optimale Ergebnisse wird die Malerrolle in einen Eimer mit Farbe getaucht und anschließend auf einem Abstreifgitter abgerollt. Schnelligkeit ist weiterhin wichtig, da die Farbe an den Rändern nicht trocken sein darf. Ansonsten bleiben am Ende unschöne Flecken übrig.

Zusammenfassung

Wer Rigipsplatten streichen möchte, muss einige Hinweise beachten und Vorbereitungen treffen. Die eigentliche Arbeit ist keine große Herausforderung und kann selbst von Laien ausgeführt werden.

Artikelbild: © sss615 / Bigstock.com

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