Rollputz auf Kunstharz- oder Mineralbasis – Was ist besser?

Rollputz auf Kunstharz- oder Mineralbasis – Was ist besser?

Rollputz erfreut sich im Innen- und Außenbereich einer großen Beliebtheit. Das ist auch wenig verwunderlich, denn das Material bietet eine Vielzahl an Vorteilen: Es lässt sich einfach auftragen und kann auch von Laien verarbeitet werden. Zudem bietet es Ihnen viele kreative Gestaltungsmöglichkeiten an, da Sie nach dem Auftragen individuell nachgestalten können. Rollputz ermöglicht es Ihnen, Ihre eigenen vier Wände in einer Art und Weise zu gestalten, wie es mit einem reinen Überstreichen mit Farbe gar nicht umsetzbar wäre. Daher können Sie problemlos dreidimensionale Strukturen erzeugen und mit einer beliebigen Farbe in Szene setzen.

Trotz der einfachen Verarbeitung gibt es in puncto Rollputz ein paar Dinge zu beachten. Wie auf ausbaupraxis.de beschrieben ist, kommt es bei der Verarbeitung von Rollputz insbesondere auf die sorgfältige Vorbereitung des Untergrunds an. Außerdem müssen Sie darauf achten, dass Sie den Rollputz für innen korrekt verarbeiten. Doch auch die Auswahl des richtigen Putzes spielt schon eine wichtige Rolle. So werden neben Kunstharzputzen auch mineralische Rollputze angeboten, die sich hinsichtlich ihrer Eigenschaften unterscheiden. Welche Variante für Sie am besten geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Besondere Eigenschaften von Kunstharzputzen

Kunstharzputze haben den Vorteil, dass sie sehr widerstandsfähig sind. Deshalb eignen sie sich nicht nur für den Innenbereich, sondern kommen auch bei Außenfassaden häufig zum Einsatz. Ihren Namen haben diese Putze dem Bindemittel Kunstharz zu verdanken: Es handelt sich dabei um einen Kunststoff, der im Rollputz als Dispersion vorkommt, also fein in Wasser verteilt ist. Kunstharz ist ein organisches Bindemittel, das sich – wie alle Kunststoffe – aus Kohlenstoffverbindungen zusammensetzt.

Oft wird Kunstharzputz auch als Dispersionsputz oder organischer Putz bezeichnet.

Ein wesentlicher Vorteil von Kunstharzputz besteht darin, dass das Material eine hohe Elastizität aufweist. Aus diesem Grund kann sich der Putz an Verformungen des Untergrunds, die beispielsweise durch Feuchtigkeits- oder Hitzeeinwirkungen entstehen, anpassen. Dadurch wird das Risiko für Putzrisse minimiert. Darüber hinaus ist Kunstharzputz dank seiner hohen Elastizität auch unempfindlich für mechanische Belastungen.

Doch der Putz hat noch weitere positive Eigenschaften:

  • Rollputz auf Kunstharzbasis haftet auf nahezu allen Untergründen gut
  • Der Putz härtet schnell aus
  • Er kann dünner aufgetragen werden als Produkte auf mineralischer Basis
  • Kunstharzputz ist wasserabweisend und nimmt daher kaum Wasserdampf aus der Luft auf

Insbesondere der letzte Punkt ist von Vorteil, wenn der Rollputz an einer Außenfassade eingesetzt werden soll, die starken Witterungseinflüssen ausgesetzt ist. Allerdings hat diese Eigenschaft auch Nachteile. Die Feuchtigkeit ist nicht in der Lage, in das Material einzudringen, weshalb die Oberfläche lange braucht, um vollständig abzutrocknen. Deshalb sind Kunstharzputze auch anfällig für einen Pilz- und Algenbefall. Einige Hersteller reichern Kunstharzrollputze daher von vornherein mit Algiziden und Fungiziden an, um die Algen und Pilzsporen abzutöten.

Vorteile von mineralischen Putzen

Mineralische Rollputze werden hergestellt, indem anorganische Bindemittel zum Einsatz kommen. Aufgrund ihrer stofflichen Zusammensetzung haben sie einen mineralischen Ursprung. Als Minerale werden alle kristallinen Stoffe bezeichnet, die natürlich vorkommend sind und die Gesteine der Erde bilden. Am häufigsten kommen Kalk und Zement als Bindemittel für mineralische Rollputze zum Einsatz. Zement enthält wiederum mehrere verschiedene Minerale wie Quarzit, Tonerde, Roteisenherz und Kalk.

Bei mineralischen Rollputzen besteht der größte Vorteil darin, dass sie diffusionsoffen sind. Sie sind in der Lage, die Feuchtigkeit aus der Luft aufzunehmen und später schadlos wieder abzugeben. Des Weiteren sind sie nicht sauer, sondern alkalisch, weshalb sie von Natur aus unempfindlich für Schimmelsporen sind.

Aber auch mineralische Rollputze haben Nachteile. So sind sie etwa anfälliger dafür, dass sich Risse bilden. Das gilt speziell für Zementputz. Er bildet zwar eine belastbare und harte Struktur aus, kann dafür aber Spannungen und Verformungen im Putzuntergrund nicht ausreichend gut abfedern. Deshalb werden im Außenbereich meist Kalkzementputze verwendet. Der beigemischte Kalk soll dazu dienen, dass der Putz nicht mehr so spröde ist.

Wenn Sie im Außenbereich einen reinen Kalkputz verarbeiten möchten, sollten Sie auf die genaue Zusammensetzung achten. Nicht jeder Kalkputz kommt für den Außenbereich in Frage.

Luftkalkputze oder hydraulische Kalkputze etwa sind nicht geeignet für Außenfassaden, die einer starken Witterung ausgesetzt sind. Andernfalls könnten Bindemittelauswaschungen die Folge sein. Hochhydraulischer Kalkputz hingegen ist wasserunlöslich und darf daher im Außenbereich zum Einsatz kommen. Grundsätzlich gilt aber – unabhängig davon, ob der Kalkputz innen oder außen Verwendung finden soll –, dass er eine längere Trocknungszeit benötigt als Zementputz.

Moderne Kompromisslösungen vereinen die Vorteile beider Varianten

Mittlerweile gibt es auf dem Markt auch noch weitere Putzvarianten. Diese Kompromisslösungen sollen die Nachteile der beiden Hauptputzarten ausgleichen und die Vorteile vereinen. Deshalb kommen für diese Putze Mischungen aus Kunstharz- und mineralischen Materialien zum Einsatz. Ein Beispiel hierfür ist der Silikatputz. Sein Bindemittel setzt sich aus einer Kunstharzdispersion und Kali-Wasserglas zusammen. Deshalb verfügt er im Wesentlichen über die Eigenschaften eines normalen Kunstharzputzes, ist aber durchlässig für Wasserdampf.

Die innovativste Entwicklung im Bereich der Rollputze sind die sogenannten Siliconharzputze. Sie eignen sich speziell für den Außenbereich.

Siliconharzputze verfügen über ein Bindemittel, das aus einer Polymerdispersion und einer Siliconharzemulsion besteht. Deshalb sind diese Putze in der Lage, Wasserdampf von innen nach außen zu diffundieren. Trotzdem haben Regen und Schnee eine Chance, von außen in den Putz einzudringen.

Fazit

Rollputz ist eine der beliebtesten Alternativen zur Tapete, weil er viele Vorteile hat: Er lässt sich leicht verarbeiten und bietet unzählige Gestaltungsmöglichkeiten. Sogar im Außenbereich erfreut er sich einer großen Beliebtheit. Allerdings sollten Sie darauf achten, dass Sie passend zum jeweiligen Einsatzbereich die richtige Rollputz-Art wählen. Sowohl Kunstharzputze als auch mineralische Rollputze haben individuelle Vor- und Nachteile, die Sie abwägen sollten.

Zusammenfassung

Wer Rollputz verarbeiten möchte, muss vorher überlegen, ob er mit einem Produkt auf Kunstharz- oder Mineralbasis besser beraten ist. Beide Varianten haben Vorteile und Nachteile, sodass sie jeweils für andere Einsatzbereiche geeignet sind. Immer beliebter werden auch Silikat- oder Siliconharzputze.

Artikelbild: © wittybear / Bigstock.com

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