Satteldach berechnen – So gehen Sie vor

Satteldach berechnen – So gehen Sie vor

Wenn Sie ein neues Haus bauen möchten, werden Sie sich früher oder später für eine Dachform entscheiden müssen. In diesem Zusammenhang sind verschiedene Berechnungen erforderlich, um das Dach auf die gegebenen Voraussetzungen und die eigenen Ansprüche abzustimmen. Es gibt aber noch weitere Situationen, in denen eine Berechnung des Dachs erfolgen muss. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Arbeiten an einem bestehenden Dach anstehen, also etwa Sparren oder Pfetten ausgetauscht werden müssen. Dasselbe gilt bei einer Neueindeckung: Wenn Sie ein Dach wieder so eindecken möchten wie zuvor, reicht es, die Dachfläche zu berechnen. Sollen hingegen andere Materialien verwendet werden, so gestaltet sich die Kalkulation schon komplexer, weil viele wichtige Aspekte wie die Schnee- und Windlast berücksichtigt werden müssen.

Doch egal ob Pultdach, Walmdach, Krüppelwalmdach, Mansarddach, Flachdach oder Satteldach: Für jede dieser Dachformen gibt es Formeln, die die Berechnungen der Dächer erleichtern. In diesem Ratgeber von Heimhelden.de erläutern wir Ihnen, worauf Sie achten müssen, wenn Sie Berechnungen an Satteldächern durchführen möchten. Das Satteldach ist in Deutschland sehr beliebt, weil es viele Vorteile bietet, sich die Kosten aber gleichzeitig im Rahmen halten. So können Sie sich für ein praktisches Dach entscheiden, das Ihre Finanzen schont.

Das Satteldach als geometrische Figur betrachten

Für alle Berechnungen am Satteldach kommen die Grundlagen der Geometrie zum Einsatz, da es sich bei der Dachform um eine geometrische Figur handelt. Welche Angaben Sie über das Dach benötigen, hängt davon ab, was genau Sie berechnen möchten. Um das Verständnis zu erleichtern, sollten Sie daher die folgenden Begriffe kennen:

  • First – Der Punkt, an dem sich die Sparren treffen
  • Traufe – Der unterste und äußerste Punkt des Daches
  • Dachüberhang – Maß von der Traufe zur Fassade
  • Ortgang oder Dachüberstand – Überhang an den Firsten
  • Länge der Sparren und Pfetten
  • Dachneigungswinkel
  • Länge des Dachs
  • Breite des Dachs
  • Abmessungen der Hausaußenmauern

Wenn Sie diese Maße kennen, haben Sie die Möglichkeit, mithilfe der gängigen geometrischen Formeln alle erforderlichen Berechnungen durchzuführen. Gerade am Satteldach sollten Sie aber noch ein paar weitere Besonderheiten berücksichtigen.

Satteldächer gibt es in unterschiedlichen Ausführungen

In Mitteleuropa ist das Satteldach die am weitesten verbreitete Dachform. Es setzt sich aus zwei Dachflächen zusammen, die sich in der Mitte treffen. Der Winkel, in dem die Dachflächen abfallen, ist dabei individuell bestimmbar. An den Längsenden erfolgt der Anschluss des Dachs an die Fassade.

Verschiedene Dachneigungswinkel sind möglich

Die einzelnen Satteldächer unterscheiden sich durch ihren Dachneigungswinkel. Je nachdem, wie groß der Dachneigungswinkel ist, erhält die Dachform eine andere Bezeichnung.

Zudem unterscheidet man zwischen asymmetrischen und symmetrischen Satteldächern.

Sofern die Dachneigung bei bis zu 30 Grad liegt, spricht man von einem Flachsatteldach. Bei einer Dachneigung von 62 Grad ist von einem gotischen oder altdeutschen Dach die Rede. Darüber hinaus gibt es noch das sogenannte Winkel- oder norddeutsche Dach, bei dem die Dachneigung 45 Grad beträgt. Bildet das Dach in der Queransicht ein gleichseitiges Dreieck, so spricht man von einem altfränkischen oder altfranzösischen Dach.

Asymmetrische Satteldächer

Zusätzlich gibt es eine Vielzahl an asymmetrischen Satteldächern, weil die Höhe der Traufen sehr unterschiedlich ausfallen kann. Es kann auch vorkommen, dass der Dachneigungswinkel auf der einen Dachhälfte größer ist als auf der anderen. Das gilt sowohl bei unterschiedlichen als auch bei gleichhohen Traufhöhen.

Bedeutsame Berechnungen am Satteldach

Eine wichtige Berechnung, die am Satteldach häufig durchgeführt werden muss, ist die Kalkulation der Tragkraft. Sie bestimmt beispielsweise, ob Ziegel- oder Zementpfannen für die Dacheindeckung verwendet werden müssen. Auch in dieser Hinsicht ist es wichtig, verschiedene Aspekte in die Berechnung mit einzubeziehen, wie etwa:

  • Schneelast
  • Windlast
  • Materialien für die Dacheindeckung
  • Vorbereitung für Solartherme oder Photovoltaik

Während einige dieser Punkte zwingend berücksichtigt werden müssen, sind andere freiwillig und hängen von der individuellen Planung des Hauses ab.

Mögliche Schnee- und Windlast berechnen

In jeder Region in Deutschland herrschen andere Witterungsverhältnisse. In Norddeutschland etwa ist es eher unwahrscheinlich, dass große Schneemengen auftreten, sodass die Schneelast eine untergeordnete Rolle spielt. Dafür gibt es hier häufig starke Winde, wodurch die Windlast wichtiger ist. Anders sieht es zum Beispiel im Allgäu aus: Hier kann das Dach durchaus mit mehreren Metern Schnee belastet werden. In einer windreichen Region kann ein steiles Dach wie ein Segel wirken. In einem Gebiet mit viel Schnee hingegen sorgt das steile Dach dafür, dass sich keine großen Schneemassen ansammeln können, die das Dach belasten. Diese Überlegungen sollten daher zwingend in die Berechnung des Satteldachs einfließen. Je nach Region gibt es sogar Mindest- und Maximaldachneigungswinkel, die gesetzlich vorgeschrieben sind und demnach berücksichtigt werden müssen.

Solartherme, Bedachung und Photovoltaik

Wichtig für die Tragkraft sind auch die Stärke der Stützpfeiler, Pfetten und Sparren. Das gilt insbesondere dann, wenn Solaranlagen auf das Dach gebaut werden sollen.

In den 80er-Jahren und zu Beginn der 90er-Jahre wurden noch viele Häuser errichtet, die nicht für Solaranlagen wie Photovoltaik oder Solarthermen vorgesehen waren. Als es ab 2000 dann massive Förderungen für den Bau solcher Anlagen gab, waren viele Dächer für diesen Zweck gar nicht ausgelegt.

Wenn Sie eine Solaranlage auf Ihr Dach bauen möchten, muss die Tragkraft also entsprechend groß sein. Das setzt voraus, dass die Stützpfeiler, Sparren und Pfetten stark genug und aus einem robusten Material gefertigt sind.

Wann Sie einen Statiker zurate ziehen sollten

Prinzipiell können Sie zahlreiche Dachberechnungen selbstständig oder mit einem Rechner aus dem Internet durchführen. Das gilt zum Beispiel, wenn Sie nur eine einfache Berechnung der Flächen benötigen, um die alten Dachpfannen mit gleichwertigen Ziegeln zu ersetzen. Allerdings gibt es auch zahlreiche Berechnungen am Satteldach, die nur durchführbar sind, wenn Sie über fundierte Kenntnisse im Bereich der Baustatik verfügen. Sie können Veränderungen am Dach daher nicht ohne fachmännische Hilfe planen. Fragen Sie einen Statiker oder Architekten um Rat, wenn es um komplexe Berechnungen geht.

Erledigen Sie die Berechnungen zunächst selbst und besprechen Sie die Ergebnisse dann mit dem Statiker Ihres Vertrauens. Das spart unter Umständen viel Zeit, weil der Statiker Ihre Berechnungen im besten Fall nur verifizieren muss. Gesparte Zeit bedeutet wiederum, dass Sie auch Geld sparen.

Bei vielen Umbau- und Änderungsarbeiten am Dach führt am Profi ohnehin kein Weg vorbei. Sie können Ihr Satteldach zwar grob berechnen, allerdings muss die ausschlaggebende Kalkulation vom Fachmann übernommen werden. Er hat auch die Aufgabe, den Bauplan zu unterzeichnen und ihn dem Amt zur Genehmigung vorzulegen.

Zusammenfassung

Die Berechnung eines Satteldachs ist in erster Linie notwendig, wenn ein Neubau mit dieser Dachform versehen werden soll oder wenn bauliche Veränderungen an einem bestehenden Satteldach geplant sind, wie etwa eine Neueindeckung oder der Austausch von Pfetten und Sparren. Die meisten Berechnungen am Satteldach lassen sich mit einfachen geometrischen Formeln oder Rechnern aus dem Internet erledigen, sofern man wichtige Angaben wie Traufe, Dachneigungswinkel, First, Ortgang, Dachüberhang und die Abmessungen des Dachs kennt. Sofern man bauliche Veränderungen oder Neuerungen am Satteldach plant, kommt man aber nicht daran vorbei, einen Statiker zu beauftragen, sodass die eigenen Berechnungen stets nur dazu dienen, sich einen ersten Überblick zu verschaffen.

Artikelbild: © Rido81 / Bigstock.com

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