Schrank streichen ohne Schleifen

Schrank streichen ohne Schleifen

Wenn man einem alten Schrank neues Leben verleihen will, ist ein neuer Anstrich oft die erste Wahl. Viele schrecken allerdings vor der mühsamen Arbeit des Abschleifens zurück. Doch das muss man nicht, denn es gibt verschiedene Möglichkeiten einen Schrank auch ohne Schleifen zu streichen. Mit Spezialfarben, wie Kreidefarbe oder Kalkfarbe, müssen Oberflächen nicht mehr geschliffen werden.

Aber auch wenn man das Holz von Möbeln nicht mehr abschleifen muss, sind andere Vorbereitungen, wie beispielsweise das Reinigen oder Entfernen von anderen Stoffen, wie Wachs oder Politur, oft unerlässlich. Diese Vorbereitungen können unter Umständen recht viel Zeit in Anspruch nehmen, aber wenn man einen Schrank abschleifen muss, entsteht viel Staub und das entfällt in diesem Fall. Einen Schrank streichen ohne Schleifen ist vor allem eine gute Möglichkeit, wenn der Schrank sehr groß und schwer ist, denn man kann ihn dann direkt vor Ort verschönern und muss ihn nicht komplett abbauen, um ihn an einer geeigneten Stelle zu schleifen.

Wer allerdings einen wirklich deckenden Anstrich haben möchte, wird nicht ohne abschleifen auskommen. Besonders mit Kalk- bzw. Kreidefarbe wird an einigen Stellen immer etwas von dem ursprünglichen Untergrund der alten Farbe zu sehen sein.

Wann muss man doch schleifen?

  • bei sehr rauer Oberfläche, z.B. verwittertem Holz (die Farbe würde sonst zu leicht absplittern)
  • sehr glatter Oberfläche (sonst hat die Farbe keine Chance zu haften)
  • bei sehr harzigem Holz (die Farbe kann auf dem Harz nicht haften)
  • bei sehr auffälligen Flecken
  • wenn man 100%ig deckend streichen will
  • Die vorhandene Oberfläche des Schrankes bestimmen

    In den seltensten Fällen möchte man einen Schrank streichen, der aus Rohholz besteht, denn meistens sind die Möbel bereits lackiert oder behandelt. Um die Arbeit des Streichens zu erleichtern und für das beste Ergebnis ist es sinnvoll, daß man möglichst herausfindet, mit welcher Oberfläche man es zu tun hat, allerdings ist es oft nicht ganz einfach herauszufinden.

    Hier ein paar Tipps dazu:

    Lackierter Schrank

    Bei einem lackierten Schrank ist die Oberfläche meist glänzend und es fühlt sich glatt an. Zu unterscheiden sind Lacke auf Wasserbasis oder auf Terpentinbasis. Beide Lackarten sind gut ohne viel Vorbehandlung mit Kreidefarbe zu überstreichen. Handelt es sich um Farbe auf Wasserbasis reagiert diese mit Alkohol, sie wird klebrig und weich. Das ist bei Farbe auf Terpentinbasis nicht der Fall, sie ist unempfindlich gegen Alkohol.

    Gewachster Schrank

    Ist der Schrank mit einer Wachsschicht versehen, kann man das relativ einfach herausfinden, indem man mit dem Fingernagel über die Oberfläche kratzt. So löst sich der Wachs und bleibt unter den Nägeln hängen. Benutzt man Schleifpapier, setzen sich die Poren schnell zu. Auf Wachs kann man nur schlecht streichen, hier ist es sinnvoll, die Wachsschicht mit einem Reiniger (beispielsweise mit einem starken Fettlösungsmittel) zu entfernen.

    Geölter Schrank

    Ist die Oberfläche des Schrankes geölt, ist sie meistens sehr glänzend. Hat man bereits ausgeschlossen, daß es sich um Wachs handelt, kann man die Oberfläche mit Wasser besprühen, das abperlt, wenn es sich um Öl handelt. Ähnlich wie bei gewachsten Schränken verhält es sich bei geölten Schränken. Auch hier sollte die Oberfläche vor dem Streichen gereinigt werden.

    Polierter Schrank

    Ist der Schrank poliert, ist die Oberfläche glänzend, wie lackiert. Auch hier sollte die Politur vor dem Streichen entfernt werden. Am besten geht das mit Alkohol.

    Kreidefarbe – beliebt und modern

    Zu den Vorteilen der Kreidefarbe zählt, daß man sie direkt ohne Schleifen auf Holz und andere Materialien auftragen kann. Es wird auch keine Grundierung benötigt. Kreidefarbe ist eng verwandt mit der Kalkfarbe. Ähnlich wie Kalkfarbe, die im Prinzip nur aus gelöschtem Kalk und Wasser besteht, sind die Bestandteile von Kreidefarbe nur Schlammkreide und Wasser. Allerdings sind in modernen Farben viele weitere Zusatzstoffe enthalten, die die Farben haltbarer, streichfähiger, deckender und ergiebiger machen. So entstand auch eine größere Farbenvielfalt.

    Kreidefarbe ist besonders beliebt um Möbeln ein Shabby-Chic Aussehen zu geben. Shabby Chic bezeichnet einen modernen Einrichtungsstil, bei dem Gegenstände und Möbel bewusst „schäbig“ und alt aussehen, Gebrauchsspuren aller Art gehören dazu. Verblichen wirkende Farben, oft in Pastelltönen, sind bei diesem Stil sehr beliebt und Kreidefarbe liefert entsprechende Ergebnisse. Es ist bei diesem Stil auch durchaus gewollte, daß man die Striche des Pinsels erkennen kann. Wer also Kreidefarbe mit einem Pinsel aufträgt, wird keine glatte Oberfläche erhalten.

    Kreidefarbe ist zwar sehr deckend, aber nach dem Trocknen entsteht eine matte, offenporige Oberfläche, die recht empfindlich gegenüber Schmutz ist. Wer lieber eine unempfindlichere Oberfläche möchte, sollte den Schrank nach dem Streichen mit Kreidefarbe zusätzlich mit einem transparenten Lack oder einer Schicht Wachs versiegeln.

    Wenn Kreidefarbe noch feucht ist, wirkt sie oft wesentlich dunkler. Nach dem Trocknen nimmt sie dann den (helleren) ausgesuchten Ton an.

    Schrank streichen ohne Schleifen – benötigte Materialien

    • Reinigungsmittel (z.B. Essigreiniger, Alkohol)
    • Schraubendreher (zum Entfernen von Griffen etc.)
    • ggf. Spachtel, wenn Risse ausgebessert werden sollen
    • ggf. Abklebeband, wenn Stellen nicht gestrichen werden sollen
    • Farbe (z.B. Kalkfarbe, Kreidefarbe, Lack)
    • Pinsel (zum Auftragen der Farbe)
    • Zeitungspapier/Folie (zum Schutz des Bodens)

    Vorbereitende Arbeiten

    Man muss zwar das Holz des Schrankes nicht schleifen, aber trotzdem sind einige Vorbereitungen nötig. Um die Arbeit zu erleichtern und ein best möglichstes Ergebnis zu bekommen, sollten Schubladen entfernt und ggf. Türen und Griffe demontiert werden. Ganz wichtig ist natürlich, daß die Oberflächen des Schrankes sauber, trocken und staubfrei sind, bevor man mit dem Auftragen der Farbe beginnt. Gut geeignet ist dazu ein Essigreiniger.

    Bevor man loslegt, sollte man sich auch überlegen, ob man die Griffe der Schubladen und Türen erneuern möchte. Sehr wahrscheinlich werden nämliche neue Griffe andere Bohrungen haben als die alten. Dann gehört es ebenfalls zu den Vorbereitungen, daß man die alten Löcher vor dem Anstreichen zuspachtelt. Für die neuen Bohrungen ist es oft hilfreich eine Schablone zu erstellen.

  • Türen/Schubladen entfernen
  • ggf. Griffe demontieren
  • Oberflächen reinigen (besonders Fett und Staub entfernen)
  • Boden mit Zeitungspapier oder Folie auslegen
  • Bei einem Schrank kann man sehr gut die Rückseite nutzen, um einen „Probeanstrich“ zu machen, so kann man eine gute Vorstellung vom Ergebnis bekommen.

    Der „neue“ Schrank

    Hat man nun den Schrank der entsprechenden Oberfläche nach gereinigt und vorbehandelt, kann das eigentliche Streichen beginnen. Am besten streicht man von oben nach unten, bzw. mit der Maserung. Die Farbe sollte grundsätzlich nicht zu dick aufgetragen werden, da sie sonst nicht gut haftet. Besser ist es die Farbe nur dünn mit dem Pinsel aufzutragen und ggf. mehrmals zu streichen. Nach dem 1. Anstrich muss man die Farbe gut durchtrocknen lassen, hierzu sollte man die Herstellerangaben beachten.

    Meistens braucht es etwa 12 Stunden bis der Anstrich wirklich getrocknet ist. Besonders Kreidefarbe sieht beim Streichen, wenn die Farbe noch richtig feucht ist, wesentlich dunkler aus. Das kann aber auch bei anderen Farben und Lacken passieren. Erst wenn der Anstrich komplett durchgetrocknet ist, hat man das eigentliche Ergebnis. Möchte man die Farbe sehr deckend, sind zwei oder mehr Anstriche nötig. Wichtig dabei ist, daß man nach jedem Streichen die Trocknungszeiten einhält, da man sonst die untere Schicht beschädigen könnte.

    Um einen wirklich deckenden Anstrich zu erhalten, wird ein mehrmaliges Streichen notwendig sein.

    Zusammenfassung

    Einen Schrank streichen ohne Schleifen ist eine gute Möglichkeit alten Möbeln wieder neuen Charme zu verleihen. Je nach Oberfläche sind zwar mehr oder weniger aufwendige Vorarbeiten nötig, aber besonders bei großen Schränken, die man nicht komplett abbauen möchte, ist es eine wundervolle Alternative.

    Artikelbild: pasiphae / Bigstock.com

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