Silikonkautschuk – Ideale Materialeigenschaften im Formenbau

Silikonkautschuk – Ideale Materialeigenschaften im Formenbau

In vielen Bereichen des Hausbaus, wo es um langlebige Materialien und deren Kompatibilität mit anderen Gewerken geht, erreichen klassische Elastomere ihre Grenzen. Sie basieren auf organischen Verbindungen, die mit einer weit eingeschränkten Verfügbarkeit auf kleinem Raum oder in speziellen Formen einhergehen. Silikonkautschuk hingegen ist anorganisch, vollkommen synthetisch und erhält durch seine Materialeigenschaften eine deutlich höhere Belastbarkeit.

Was hinter diesem Werkstoff steht und für welche Zwecke dieser sich eignet, wird im folgenden Beitrag erläutert.

Witterungsunabhängig und langlebig

Wenn es darum geht, spezifische und genaue Formen einzusetzen, kommt es zunächst auf die Wahl der passenden Gießmasse an. Fehler lassen sich nicht ohne Weiteres beheben, die Materialien an sich sind mit einem hohen Kostenfaktor verbunden. Unabhängig davon, ob es um ansprechende Dekorplatten oder Wandelemente geht, um die Verarbeitung von Epoxidharz oder Kernamin – Silikonkautschuk überzeugt durch eine äußerst niedrige Viskosität und einer ausreichenden Elastizität. Je kleiner die Hinterschneidungen der Formen sind, desto besser fügt sich dieser Werkstoff darin ein.

Aufgrund der chemischen Struktur ist ein derartiges Silikon überaus hitzebeständig, zugleich zeigt es aufgrund der Trennwirkung eine sehr gute Kälteflexibilität. Da bedeutet, dass die ganze Spanne der Witterung abgedeckt wird und sich diese nicht negativ auf weitere Materialeigenschaften auswirkt. Unabhängige Untersuchungen haben zudem belegt, dass der Gebrauch von bestimmten Arten des Silikonkautschuks aus physiologischer Sicht unbedenklich sei.

Erste Wahl beim Isolieren und Abdichten

Seit über 100 Jahren übernehmen Kunststoffe einen immer größeren Anteil in der Verarbeitung von Baustoffen. Die modernen Anforderungen, die sich etwa aus Autoreifen oder speziellen Dichtungen im Hausbau ergeben, werden durch Kautschuk, also „Gummi“, erfüllt. In Abhängigkeit zum Einsatzgebiet kommt es darauf an, die richtige Mischung anzuwenden. Eine wesentliche Eigenschaft liegt darin, dass Kautschuk eine hohe Haftfähigkeit besitzt, ohne dabei zu kleben. Ein Beispiel aus dem Alltag wäre hier das Radiergummi.

Natürlich vorkommende Silikone sind dabei die Ausnahme. Lediglich Silicate, Kieselsäure und Siliciumdioxid sind anorganische Verbindungen. Beim Rest basiert die Struktur des Produktes stets auf synthetischen Verbindungen. Synthetisch sollten Sie hier jedoch nicht gleichbedeutend mit „unnatürlich“ oder „künstlich“ verstehen. Es gibt im Grunde eine wesentliche Unterscheidung, wonach Silikonkautschuke im Formenbau ihre Verwendung finden.

Unterscheidung zwischen notwendigen Vernetzungstemperaturen

Das Grundprinzip von Kautschuk, speziell auf Basis von Silikonen, liegt in der Verwendung von Füllstoffen und anderen, die Elastizität verstärkenden Stoffen. Einerseits lassen sich hierdurch verschiedene Pigmente färben, sodass Formen individuell gestalten werden können. Andererseits ergeben sich verschiedene, auf mechanische und chemische Werte sich auswirkende Veränderungen, die bei der Auswahl derartiger Werkstoffe zu beachten sind.

Grob wird zwischen kalt- beziehungsweise heißvernetzten Silikonkautschuke unterschieden. Im Handel ist dann entweder von RTV-Silikonkautschuken, die Raumtemperatur vernetzend, oder von HTV-Silikonkautschuken, die Hochtemperatur vernetzend, die Rede. Bei den letztgenannten Produkten ergibt sich eine außerordentlich hohe Wärmebeständigkeit, die zwischen -40 und +250 Grad Celsius beträgt. Idealerweise eingesetzt als Modul zur Abdichtung, der Dämpfung von mechanischen Kräften oder klassisch als Isoliermodul für Elektrobauteile.

Das Material kann auch zur Erreichung einer Luftundurchlässigkeit und höheren UV-Beständigkeit bei Nylonstoffen eingesetzt werden.

Ein- oder Zweikomponentensysteme bei RTV-Silikonkautschuken

Bei den RTV-Silikonkautschuken, als den die Raumtemperatur vernetzenden Modulen, gibt es zwei grundlegende Unterschiede zu beachten. Sogenannte RTV-1-Silikonkautschuke erreichen die Vernetzung unter Zugabe von Luftfeuchtigkeit, infolge einer Kondensation. Die RTV-2-Silikonkautschuke sind hingegen als Modul zur Vernetzung geeignet, wie etwa aus Ethylsilicat oder anderen, zinnorganischen Verbindungen. Hier läuft die Reaktion der Vernetzung aufgrund einer Alkoholabspaltung ab.

Nicht allein als Dichtstoff im Baugewerbe, sondern auch als Vergussmasse in anderen Bereichen kommen Silikonkautschuke zum Einsatz.

Die besonderen Eigenschaften des Dichtstoffs

RTV-Silikonkautschuk können Sie als NV-Kautschuk verwenden, welcher eine hohe Fließfähigkeit bei gleichzeitig niedriger Viskosität aufweist. Einfach lassen sich auf diese Weise Wachsgießformen, spezielle Applikationen an strukturierten Wandelementen oder verwandten Bereichen herstellen. Zudem gibt es diesen Silikontyp auch als HE-Ausführung, die im Gegenteil zum NV-Kautschuk eine sehr hohe Elastizität aufweist. Dadurch lassen sich selbst ausgeprägte Hinterschneidungen umsetzen, wie es sie bei Reliefs, Verbundsteinen oder etwa dem Ausgießen von Wachs und Zement gibt.

Für diejenigen Handwerker, die eine preisgünstige Variante der Formenherstellung suchen, empfiehlt sich Silikonkautschuk auf Basis von RTV/HV. Dieser Kautschuk ist, anders als die vorgenannten Typen, nicht fließend und deshalb besonders streichfähig. Die Elastizität ist jederzeit gegeben, zugleich ermöglicht eine hohe Viskosität eine schnelle Vulkanisierung. Geht es nun darum, senkrechte Flächen schneller abzuformen oder mittels Zweischichttechnik zu arbeiten, sind RTV/HV-Silikonkautschuke die erste Wahl.

Besondere Hinweise zur Anwendung

Eine Eigenschaft von RTV-Silikonkautschuken ist es, durch die Vulkanisation ein sehr hohes Trennvermögen aufzuweisen. Das heißt für die Praxis, dass Sie auf die Zusage von separaten Trennmitteln verzichten sollten. Denn die antiadhäsiven Eigenschaften, also die Haftung vermindernde Elemente, erreicht das Material zugleich in Verbindung mit einer sehr weiträumigen Wasserabstoßung (Hydrophobie). Wichtig ist es außerdem, bestimmte Arbeitsschritte mit einer Vorbehandlung zu unterstützen.

Gerade bei porösen Elementen, wie etwa Holz oder groben Oberflächen, muss vor der Abformung mittels separatem Trennmittel vorbehandelt werden. Für die meisten Fälle eignet sich dazu spezielles Formentrennwachs. Je nachdem, ob eine Verfärbung von Holzelementen gewünscht ist, sollte zur Erhaltung der natürlichen Struktur zudem mit Formentrennmittelspray der wichtigste Bereich geschützt werden.

Fazit

Silikonkautschuk eignet sich als synthetisches Mittel ideal im Formenbau. Hierbei überzeugt das Material durch eine hohe Temperaturbeständigkeit, eine langanhaltende Witterungsbeständigkeit und die gute Verbindung mit klassischen, anderen Werkstoffen. Aufgrund der Vulkanisation ist es unablässig, dass Sie schrittweise und präzise arbeiten. Denn selbst solche Reste, die nicht vulkanisiert wurden, sind nur mit größtem Aufwand wieder zu entfernen.

Zusammenfassung

Im präzisen Formenbau übernimmt Silikonkautschuk eine wichtige Funktion. Aufgrund der verschiedenen Mischverhältnisse und Viskositäten kann aus einem Fundus an speziell für die Anwendung ausgerichteten Produkten gewählt werden. Vorherige Trockenübungen empfehlen sich beim erstmaligen Gebrauch.

Artikelbild: © nayladen / Shutterstock

1 Kommentar

  1. Fine 27.09.2017 15:20 Uhr

    Ich kenne Silikonkautschuk bisher nur aus der Zahntechnik. Ich wusste gar nicht, dass man es so vielseitig einsetzen kann. Vielen Dank also für den super Artikel!

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