Alarmanlagen-Test

Immer mehr Wohnungseinbrüche in Deutschland verunsichern zahlreiche Hausbesitzer. Allein im Jahr 2015 wurden 167.136 Fälle in der Kriminalstatistik erfasst. Das waren fast zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Experten bestätigen: Die Täter gehen immer strukturierter und organisierter vor. Daher ist auch der Ansturm auf Sicherheitstechnik nicht verwunderlich. Immer mehr Hausbesitzer legen sich eine Alarmanlage zu. Doch hier gilt Obacht beim Kauf. Es gibt unterschiedliche Modelle, Funktionen und Handhabungen. Tests weisen den Weg. Worauf dabei geachtet werden sollte, zeigen die folgenden Zeilen.

Gut abgesichert: Darum sollte eine Alarmanlage ins Haus

Wer sein Heim vor ungebetenen Gästen schützen will, kann dies zum einen mit mechanischen Sicherungen tun. Schlösser, Gitter und Co schrecken Einbrecher ab – jedoch manchmal nicht genug. Eine Alarmanlage bietet zusätzlichen Schutz. Experten der Polizei schätzen, dass bei sichtbar installierten Geräten die Wahrscheinlichkeit eines Einbruches um rund 85 Prozent sinkt. Hinweisschilder verstärken den Effekt. Hier wird das deutliche Zeichen gesetzt: Ein Einbruch lohnt sich nicht, der Alarm verständigt die Polizei und das Risiko, geschnappt zu werden, ist enorm groß. Aber auch die psychologische Wirkung auf den Besitzer bringt Vorteile. Das eigene Sicherheitsempfinden ist meist unbezahlbar – eine Alarmanlage kann die Lebensqualität immens steigern. Sollte es trotz aller Widrigkeiten zum Einbruch kommen, hilft der Alarm, den Schaden zu minimieren und eine gekoppelte Videoüberwachung bei der Aufklärung.

Besonders abschreckend wirkt eine Alarmanlage, wenn sie mit Videoüberwachung kombiniert ist. Kameras an den Außenwänden lassen so manchen Einbrecher von seinem Vorhaben abrücken.

Aufbau von Alarmanlagen

Das Grundprinzip ist bei allen Anlagen gleich – sie bestehen in der Regel aus vier Bestandteilen:

  • Zentraleinheit
  • Melder
  • Signalgeber
  • Bedienelement

Die Zentraleinheit ist das Herzstück der Alarmanlage, in der alle Fäden zusammenlaufen. In ihr werden die Signale von den unterschiedlichen Meldern verarbeitet und entsprechend an die Signalgeber weitergereicht. Hier sind feste Programme verankert, die bei Gefahr Alarm auslösen und zusätzliche Verschließungsmechanismen starten.

Hinter dem Melder verbergen sich Sensoren, die bei Gefahr ein Signal an die Zentraleinheit schicken. Das können Glasbruchsensoren, Ultraschalldetektoren oder auch Infrarot-Signale sein. Hier gibt es unterschiedliche Meldevarianten.

Der Signalgeber ist der eigentliche Alarmgeber. Wird von der Zentraleinheit der Befehl „Gefahr“ gegeben, löst er den Alarm aus: akustisch, optisch oder sogar still. Aber auch Meldungen an angeschlossene Dienste wie Polizei oder Security sowie integrierte Geräte wie das Handy werden hier ausgelöst. Bei einem Einbruch erfolgt nicht selten eine Textnachricht auf das Smartphone.

Das Bedienelement dient dazu, die Anlage zu aktivieren und deaktivieren. Hier gibt es ebenfalls unterschiedliche Varianten – zum Beispiel mit Eingabecode oder RFID-Lesegerät.

Funk-, Draht-, IP oder Hybridanlage: Die unterschiedlichen Typen

Wer sich eine Alarmanlage für mehr Sicherheit zulegen möchte, hat auf dem Markt die Qual der Wahl. Grundsätzlich muss der Käufer entscheiden, welche Art des Empfangs er bevorzugt. Denn die Modelle unterschieden sich vor allem darin, wie die Signale von Melder zu Zentraleinheit und Signalgeber gesendet werden. Hier gibt es vier gängige Prinzipien:

  1. Funkalarmanlage
  2. Kabelgebundene Anlage
  3. IP-Alarmanlage
  4. Hybridformen (Funk + IP oder Funk + Kabel)

Jedes Prinzip bringt Vor- und Nachteile mit sich.

Vor- und Nachteile von Funkalarmanlagen

Funkalarmsysteme eignen sich vor allem für kleinere Objekte, die keine große Reichweite haben. Sie können einfach nachgerüstet werden, da sie nicht in die bestehende Bausubstanz integriert werden müssen. Der Einbau erfolgt oft schnell, unkompliziert und ohne Schmutz. Oft ist diese Variante auch billiger als andere Anlagen. Durch die Funkübertragung können zudem Bereiche geschützt werden, die mit einer Kabelvariante nur schwer zu erreichen wäre. Zudem kann die Anlage einfach um weitere Komponenten erweitert werden. Das macht sie sehr flexibel. Steht ein Umzug an, kann sie einfach mitgenommen werden. Aber auch Nachteile bringt die Funkvariante mit sich. Die Funkübertragung ist nicht selten störanfällig. Profis können mit Störsendern hier schnell eine Anlage außer Gefecht setzen. Sie bietet eine niedrigere Zuverlässigkeit als kabelgebundene Systeme. Ebenso müssen Batterien und Co regelmäßig überprüft werden.

Vorteile

  • nachrüstbar
  • erreicht auch schwer zugängliche Orte
  • unkomplizierter Einbau
  • kostengünstig
  • hohe Flexibilität
  • Zusatzkomponenten leicht kombinierbar

Nachteile

  • eher kleine Reichweiten
  • anfällig für Störungen
  • weniger zuverlässig
  • wartungsaufwendig

Vor- und Nachteile von Kabelalarmanlagen

Sie ist der Klassiker unter den Alarmanlagen und in zahlreichen mittleren und großen Objekten zu finden, da sie weite Distanzen überbrücken kann. Jedoch sollte die Installation schon bei Planung und Bau des Hauses integriert werden, denn ein nachträglicher Einbau kann aufwendig werden. Auch kostet dieses Modell häufig mehr als die Funkvariante. Durch die Kabelverbindung bietet diese Anlage jedoch eine höhere Sicherheit, da sie weniger störanfällig ist. Auch muss nicht immer auf die Batterieversorgung geachtet werden, denn Strom fließ ebenfalls über die Verbindungen. Dennoch kann auch diese Form mit Funkkomponenten erweitert werden – dahinter verbergen sich Hybrid-Anlagen.

Vorteile

  • für größere Distanzen geeignet
  • störresistent
  • geringer Wartungsaufwand
  • hohe Wirtschaftlichkeit

Nachteile

  • schwer nachrüstbar
  • aufwendiger Einbau
  • teurer

Vor- und Nachteile von IP-Anlagen

Die dritte Variante wird über einen Router im Haus betrieben und ins Netzwerk gespeist. Die Übertragung der Signale erfolgt über das WLAN. So können wie auch bei der Funkanlage die Melder und Signalgeber flexibler im Haus verteilt werden. Die Reichweite ist hier jedoch begrenzt. Ein entscheidender Vorteil liegt jedoch in der Bedienung über das Internet – die Alarmanlage kann vom Besitzer von überallher gesteuert werden. Haus verlassen und vergessen, die Anlage scharf zu schalten? Kein Problem. Der Besitzer kann sie von unterwegs über Tablet, Handy und Co aktivieren. Auch der aktuelle Status kann so leicht von unterwegs abgerufen werden. Ist jedoch keine Internetverbindung vorhanden, gibt es keinen Zugriff und auch keine Alarmierung auf die angeschlossenen Geräte.

Vorteile

  • unkomplizierter Aufbau
  • flexibel aufbaubar
  • nachrüstbar
  • Bedienung von überall (Internet)

Nachteile

  • geringe Reichweiten
  • Internetverbindung notwendig

Die verschiedenen Systeme können jedoch auch kombiniert werden. So gibt es Drahtlosanlagen, die mit IP-Komponenten verbunden werden können. Aber auch Kabelsystem können Funkteile integrieren. Diese Anlagen werden Hybrid-Formen genannt und vereinen vorrangig die Vorteile der einzelnen Modelle.

Der Melder: Unterschiedliche Sensorensysteme

Es gibt verschiedene Sensoren, die bei einer Alarmanlage mit der Zentraleinheit verbunden werden können. Dazu gehören unter anderem:

  • Öffnungsmelder
  • Erschütterungsmelder
  • Glasbruchmelder
  • Hitzeund Rauchmelder
  • Bewegungsmelder

Öffnungsmelder sind an Türen und Fenster angebracht. Sie arbeiten häufig mit Magnetkontakten, die mittig installiert werden sollten. Wird der Abstand zwischen Melder und Magnet unterbrochen, wird ein Signal an die Zentraleinheit geschickt.

Erschütterungsmelder eignen sich für den Einsatz im Inneren des Hauses. Häufig werden sie an begehrten Trophäen wie Bilder oder den Tresor angebracht. Sie reagieren auf Erschütterungen und Vibrationen. An Türen und Fenstern sind sie eher ungeeignet, da sie meist zu empfindlich auf normale Einflüsse aus der Umwelt reagieren.

Glasbruchmelder sind in den Fenstern eingebaut und schlagen Alarm, sobald sich jemand am Glas zu schaffen macht. Sie arbeiten nach unterschiedlichen Prinzipien. Der akustische Melder funktioniert über Schallwellen – er hört, wenn das Glas zerbricht. Dieser Melder wird in der Nähe des Fensters angebracht. Der passive Glasbruchmelder ist direkt an der Scheibe installiert und reagiert auf Schwingungen. Der aktive Glasbruchmelder erzeugt hingegen Schwingungen, deren Unterbrechung zum Alarm führt. Aber auch eine sogenannte Alarmspinne kann ein Fensterglas sichern – unterschiedliche Komponenten sind mit Strom verbunden, deren Unterbrechung durch Glasbruch den Alarm auslöst.

Hitze- und Rauchmelder sind Erweiterungskomponenten einer Alarmanlage zum Brandmeldesystem. Hier können optische Rauchmelder, die auf Lichtstärke reagieren oder Ionisationsrauchmelder, die auf Rauchpartikel regieren, integriert werden. Bewegungsmelder sind klassische Signalgeber im Inneren des Hauses. Infrarotstrahlung kann hier Wärmequelle ausmachen, aber auch mit elektromagnetischen Wellen und Ultraschall werden ungebetene Bewegungen registriert und der Alarm ausgelöst.

Gute Alarmsysteme für die eigenen vier Wände kombinieren verschiedene Melder. So sind Öffnungsmelder und Bewegungsmelder eine lohnenswerte Kombination. Manche Sets bieten diese Variationen, andere nicht.

Der Signalgeber: Außen-, Innensirene oder stiller Alarm?

Auch der Alarm ist bei verschiedenen Anlagen unterschiedlich. Er kann zum einen optisch und akustisch ausgelöst werden. Zudem besteht hier die Frage, ob er außen, innen oder still ausgelöst werden soll.

Außensirenen haben meist ein optisches und akustisches Signal, die einerseits die Einbrecher vertreiben, aber andererseits die Nachbarschaft alarmieren sollten. Wichtig ist hier, dass die Außensirene schwer zugänglich an Haus und Wohnung angebracht ist – damit der Einbrecher sie nicht so leicht außer Gefecht setzen kann.

Innensirenen können den Einbrecher ebenso verschrecken, hier ist das akustische Signal ausschlaggebend: Der Alarmton macht es dem Einbrecher so unangenehm wie möglich, sich länger in den Räumen aufzuhalten. Stiller Alarm informiert sowohl den Besitzer als auch Sicherheitsdienste und Polizei über den Einbruch, ohne dass der Verbrecher davon etwas bemerkt. Dieses Alarmsystem dient vor allem dazu, den Einbrecher auf frischer Tat zu ertappen. Sinnvoll ist es in vielen Fällen auch hier, verschiedene Alarme miteinander zu kombinieren.

Beim Kauf beachten: Die wichtigsten Vergleichskriterien

Sind einige Alarmanlagen in der engeren Auswahl, können weitere Vergleichskriterien zurate gezogen werden. Zu ihnen gehören unter anderem:

  • Funkreichweite
  • Alarmlautstärke
  • verschiedene Bedienelemente
  • Akku/Netzbetrieb
  • Notstrom-Laufzeit
  • Preis
  • Installation

Funkreichweite

Dieses Kriterium ist eins der wichtigen bei der Auswahl der Funk-Alarmanlage. Diese Reichweite gibt die maximale Entfernung zwischen zentraler Einheit und dem Bewegungsmelder an. Gerade bei großen Häusern darf diese nicht zu gering sein. Je größer die Distanz, desto störanfälliger kann das Signal werden.

Alarmlautstärke

Ist der Alarm zu leise, bringt die beste Alarmanlage nichts. Denn ein ruhiger Außenmelder, der nicht mal zum nahe gelegenen Nachbarhaus dröhnt, vertreibt keinen Einbrecher. So manche Alarmanlage hat einen Signalton mit 90 Dezibel, andere bieten eine Lautstärke bis 130 Dezibel. Gängig sind bei den meisten Modellen jedoch 110 Dezibel.

Verschiedene Bedienelemente

Ein weiteres Kriterium bei der Auswahl der Alarmanlage ist die Bedienung. Diese kann je nach Modell direkt an der Alarmanlage, per Fernbedienung, mittels Smartphone-App oder durch einen Online-Zugang realisiert werden. Die Bedienung an der Anlage selbst ist ein Muss, eine Fernbedienung erleichtert dies jedoch deutlich. Mit einer Smartphone-App kann von unterwegs schnell mal nach dem Rechten zu Hause geschaut werden. Ist eine visuelle Überwachung kombiniert, können auch Bilder der Überwachungskamera auf das Handy gesendet werden. Auch ein Online-Zugang kann von überall hilfreich sein.

Akku-/Netzbetrieb

Die Stromversorgung der Alarmanlage ist ebenso essenziell. Ohne Strom nichts los. Vor allem bei Akku-Anlagen (Funkbetrieb) sollten die Batterien langlebig und hochwertig sein, wie beispielsweise Lithium-Batterien. Ebenso ist es hier von Vorteil, wenn das Display eine schwache Versorgung rechtzeitig vor Ablauf der Lebensdauer angezeigt wird. Ebenso sollte das Wechseln der Batterien einfach sein.

Notstrom-Laufzeit

Ist die Kabelalarmanlage über das Stromnetz verbunden, sollte dennoch ein Notfall-Akku vorhanden sein, damit die Anlage auch bei einem Stromausfall weiter funktionieren kann. Hier ist die Laufzeit wichtig. Manche Modelle bieten nur sechs Stunden Betrieb – andere bis zu 18 Stunden. Je länger, desto besser.

Der Preis von Alarmanlagen

Wie bei vielen Geräten ist auch die Preisspanne bei Alarmanlagen enorm. Geräte, die der Hausbesitzer selbst einbauen kann, sind schon ab wenigen Hundert Euro erhältlich. Modelle vom Fachmann können auch gern zwischen 1500 und 2000 Euro kosten. Ebenso sind monatliche Laufkosten beim Sicherheitsdienst zu beachten, die nicht mit der Anschaffung gedeckt sind.

Einfache Handhabung und Installation

Auch dieses Kriterium ist bei der Auswahl der richtigen Alarmanlage nicht außer Acht zu lassen. So manches Modell ist komplex und die Installation sehr zeitaufwendig. Bei anderen Varianten sind auch Fachkenntnisse notwendig. Gerade kabelgebundene Systeme lassen sich nicht so einfach in einem Haus nachrüsten und verlangen nach dem Experten. Funkanlagen können auch von Laien angebracht werden. Hier sollte beim Kauf darauf geachtet werden, dass dem System eine ausführliche Bedienungsanleitung mit detaillieren Abbildungen, Codes und Befehlen sowie bestenfalls auch eine DVD beiliegen. Auch Testberichte aus dem Internet können hier oft helfen – Verbraucherzentralen wie die Stiftung Warentest zeigen auf, welche Systeme einfach zu installieren sind. Rezessionen von Nutzern sind ebenfalls sehr aufschlussreich.

Marke oder Noname? Die bekanntesten Hersteller

Auch bei Alarmanlagen kommt es nicht selten vor, dass Supermärkte und andere Billigketten Schnäppchen anbieten und mit niedrigen Preisen locken. Doch hier sollte Vorsicht gelten. Denn im Punkt Sicherheit ist es sträflich, zugunsten des Preises auf Kosten der Qualität zu sparen. Daher ist es ratsamer, sich eine Alarmanlage der bekannten Hersteller zu kaufen. Zu ihnen gehören:

  • ABB
  • ABUS
  • Blaupunkt
  • Conrad
  • edén
  • Elro
  • Friedland
  • Gira
  • GSM
  • Indexa
  • Jablotron
  • KH-security
  • Lupus
  • Monacor
  • Novar
  • Olympia
  • Pentatech
  • Schabus
  • Smanos