Über den Sinn und Unsinn des Wassersparens in Deutschland

Über den Sinn und Unsinn des Wassersparens in Deutschland

Die armen Kinder in Afrika müssen kilometerlang laufen, um an Wasser zu kommen und bei uns läuft der Hahn ununterbrochen. Mit solchen Aussagen möchten einige Menschen – nennen wir sie Mal Experten – mit dem verschwenderischen Umgang mit Wasser Schluss machen. Seit geraumer Zeit hat dieses Thema die Deutschen in zwei Gruppen geteilt: Diejenigen, die gegen Wasserverschwendung sind und diejenigen, die das Wassersparen als wenig hilfreich sehen.

Unser Planet ist etwa zu zwei Drittel mit dem kühlen Nass bedeckt. Wasser ist die Grundlage des menschlichen Lebens. Wir trinken es, benötigen es, um Speisen zuzubereiten sowie für unsere Hygiene und den Haushalt. Wasser ist aber auch ein Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen. Zur Produktion von Lebensmitteln ist es unersetzlich.

Aus diesem Grund diskutieren Experten immer wieder den sorgsamen Umgang mit Trinkwasser – insbesondere in privaten Haushalten. Leider reichen die Meldungen von Panikmache bis hin zu Verallgemeinerungen des Problems.

Was viele Experten nicht zu verstehen scheinen, ist die Tatsache, dass der sorgsame Umgang mit Trinkwasser in zahlreichen Haushalten fest etabliert ist. So sank die Nutzung von Trinkwasser in deutschen Privathaushalten von 144 Litern im Jahr 1991 auf 121 Liter. Weiterhin zeigt eine Umfrage von Forsa[1], dass 23 der Verbrauchten der Ansicht sind, ein sparsamer Umgang mit Wasser würde einen großen Beitrag zu einer nachhaltigen Lebensweise beitragen. Auf der anderen Seite stehen deutsche Wasserversorgungsunternehmen[2], die der Auffassung sind, Wasser würde bereits in ausreichenden Mengen gespart. Weitere Einsparungen wären sogar kontraproduktiv.

Die Summe der Gründe für und gegen das Wassersparen machen Einzelnen die Entscheidung schwer, sich richtig zu verhalten. Verbraucher möchten heutzutage grundsätzlich bewusst und nachhaltig konsumieren. So kaufen sie eine Waschmaschine oder Geschirrspüler nach dem benötigten Wasserbedarf.

So viel Wasser gibt es in Deutschland

In vielen Regionen der Welt kommt es häufig zu Wassermangelsituationen. Sie sind der Grund, warum man auch hierzulande das Thema so kritisch diskutiert.

Um eine Aussage über das Wasserreichtum der Bundesrepublik geben zu können, müssen viele Faktoren betrachtet werden. Das potenzielle Wasserangebot besteht aus folgenden Elementen:

  • Grund- und Oberflächenwasser
  • Niederschlag
  • Verdunstungen
  • Zuflüsse und Abflüsse

Deutschland besitzt demnach ein verfügbares Wasserdargebot von 188 Milliarden Kubikmeter (m3) pro Jahr. Die Bundesrepublik kann folglich als ein wasserreiches Land bezeichnet werden. Deutschland liegt mit seinem Wasserdargebot vor Schweden (179 m3). Zum Vergleich: In südosteuropäischen Ländern wie Rumänien liegt das Wasserdargebot bei nur 42,3 Milliarden m3 pro Jahr. Dennoch muss man mehr Daten als nur das Wasserdargebot ansehen. Die nachfolgende Tabelle[3] zeigt warum:

Land Fläche in km2 Wasserdargebot in Mrd. m3 Wasserdargebot in Liter pro m2 Fläche Wasserdargebot pro Einwohner und Jahr in m3
Deutschland 357.021 188 527 2.330
Schweden 449.964 179 398 18.814
Rumänien 238.391 42,3 177 2.221

Die Tabelle zeigt, dass das Wasserdargebot pro Einwohner zwischen Deutschland und Rumänien vergleichbar ist. Probleme hat das osteuropäische Land beim Wasserdargebot pro Fläche, was einen Nachteil für die Agrarwirtschaft bedeutet. Deutschland hat ein dreimal größeres Wasserdargebot pro Quadratmeter Fläche als Rumänien.

Ist Wassersparen in Deutschlands Privathaushalten möglich und sinnvoll?

Nachdem die Frage geklärt wurde, ob Deutschland ein wasserreiches Land ist, kommt nun die alles entscheidende Frage: Ist Wassersparen möglich und wenn ja, wie sinnvoll ist es?

Aufschluss darüber kann eine Studie aus dem Jahr 2007 geben, die von der EU-Kommission aufgegeben wurde. Laut der Studie[4] wurden Wasser-Einsparmöglichkeiten von bis zu 90 Prozent erkannt.

2010 lag die Wassernutzung in Deutschland bei 18 Prozent des Wasserdargebots. Diese verteilten sich auf folgende Bereiche:

  1. Energieversorgung (11 %)
  2. Bergbau und verarbeitendes Gewerbe (3,6 %)
  3. öffentliche Wasserversorgung (2,7 %)
  4. übrige Wirtschaftsbereiche (< 1 %)

Da der Anteil der öffentlichen Wasserversorgung insgesamt sehr gering ist, besteht hier auch nur ein geringfügiges Einsparpotenzial. Würde die Trinkwassernutzung pro Kopf von aktuell 121 Litern auf 100 Liter sinken, wäre das eine Einsparung von 17 Prozent. Dies entspricht aber nur 620 Millionen Kubikmetern Wasser. Dieser Einsparung würde 0,33 Prozent von der gesamten zur Verfügung stehenden Wassermenge (11 Milliarden m3) ausmachen.

Warum Wassersparen in Deutschland anderen Ländern nicht hilft

Das geringe Einsparpotenzial macht deutlich, dass Wassereinsparungen nicht die Erfolge bringen, die sich einige Menschen erhoffen. Laut Hans-Jürgen Leist vom Hannoveraner Umwelt-Institut Ecolog hat Deutschland den niedrigsten Wasserverbrauch pro Kopf aller Industrieländer. Dabei hilft es anderen Ländern in keinster Weise, wenn die Deutschen den Wasserhahn weniger laufen lassen. Das deutsche Wasser steht schließlich nicht in einem riesigen Behälter zur Verfügung, an dem sich jeder bedienen kann.

Was aber Verbraucher tun können – und das machen sie bereits – ist der Kauf wassersparender Geräte sowie der Einbau wassersparender Maßnahmen. Im Handel gibt es zum Beispiel Badewannen, Toilettenspülungen, Duschköpfe und andere Produkte. Sie helfen letztendlich, die Rechnung zu reduzieren – und das kommt dem Verbraucher zugute.


  1. Umfrage für das Wissenschaftsjahr „Zukunftsprojekt Erde“, 2012  ↩
  2. Positionierung des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) (PDF; 2,2 MB) zu Art. 9 WRRL zur Kostendeckung von Wasser-
    dienstleistungen  ↩
  3. Eurostat: Wasserdargebot in der EU und in den Beitrittsländern  ↩
  4. Ecologic Institut gemeinnützige GmbH: EU Potenzial Wassereinsparung  ↩

Artikelbild: © Andrey_Kuzmin / Shutterstock

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