Vegane Lebensweise: Von der Ernährung bis zu den Möbeln

Vegane Lebensweise: Von der Ernährung bis zu den Möbeln

Schätzungen zufolge gibt es bis zu eine Million Menschen, die sich vegan ernähren. Das Stichwort ist die Ernährung, denn sie sind keine echten Veganer. Veganismus ist ein Lebensstil, nicht nur eine Weise, sich zu ernähren.

Das Menü des Veganers sieht für Außenstehende wenig schmackhaft aus: Sojaschnitzel, reichlich Nüsse und gerne auch Mal Rohkost. Nur selten wird davon berichtet, dass Veganismus nicht nur mit einer Ernährungsumstellung verbunden ist, sondern der gesamte Lebensstil verändert werden muss.

Die Definition des Veganismus

Veganismus wird immer wieder auf den Verzicht von tierischen Produkten reduziert. In Realität steckt mehr hinter dem Begriff Veganismus. Die weltweit erste vegane Organisation Vegan Society definiert Veganismus folgendermaßen (Quelle: Bund für Vegane Lebensweise BVL):

[…] soweit wie möglich und praktisch durchführbar, alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an Tieren für Essen, Kleidung oder andere Zwecke zu vermeiden und darüber hinaus die Entwicklung tierfreier Alternativen zu fördern, was dem Nutzen der Tiere, Menschen und der Umwelt dienen soll.

Vegan Society

Der Verzicht von Tierprodukten – meist Nahrung – ist somit nur einer von vielen Schritten dieser Lebensweise. Wer ein echter Veganer werden möchte, muss langfristig aber seinen Lebensstil ändern. Die persönliche Veränderung soll der Umwelt, den Menschen und Tieren zugutekommen.

5 Materialien und Stoffe, auf die Veganer im Haus verzichten müssen

Seien wir ehrlich: Wer hat sich beim Kauf seiner häuslichen Einrichtung Gedanken darüber gemacht, ob es tierische Produkte beinhaltet? Nur wenige Menschen. Tatsächlich ist das Haus des Otto-Normalverbrauchers voll von tierischen Produkten. Wer vegan leben möchte, muss laut der Veganen Gesellschaft Deutschland auf diese Materialien verzichten:

  1. Leder: Leder war vor geraumer Zeit ein Produkt, welches bei der Fleischproduktion als Abfall entstand. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Inzwischen werden Tiere getötet, um Lederprodukte herzustellen. Im Haushalt ist Leder zum Beispiel bei den Bezügen von Stühlen oder der Couch zu finden.
  2. Borsten: Beim Kauf von Bürsten und Pinseln, die man für Heimwerker-Arbeiten verwendet, ist ebenfalls auf die Herkunft zu achten. Die Materialien sollten so hergestellt worden sein, dass kein Tier gelitten hat.
  3. Wolle: Für Wolle muss kein Schaf leiden, oder? In Realität sind Schafe wie Hühner und Milchkühe zu betrachten. Nicht alle genießen ein schönes Leben, so wie man es sich vorstellt.
  4. Knochenleim: Dieser natürliche Klebstoff, auch Glutinleim genannt, wird häufig bei der Holzverleimung verwendet. Um den Leim zu erhalten, müssen die Tiere, ähnliche wie Schafe, leiden.
  5. Farbstoff: Aus der weiblichen Cochenilleschildlaus wird Karminsäure gewonnen, indem die Insektenart gekocht wird. Mithilfe der Säure wird der Farbstoff Karmin hergestellt. Karmin wird heute noch als Pigment in der Malerei verwendet.

In welchen Produkten stecken tierische Inhaltsstoffe

Zuvor haben wir erklärt, welche Materialien für Veganer nicht infrage kommen. Wie findet man aber Produkte zur Einrichtung der eigenen vier Wände, in denen keine tierischen Produkte stecken? Zwei Möglichkeiten:

  1. Man liest die Produktbeschreibung beziehungsweise die Herstellerangaben und
  2. man fragt sicherheitshalber beim Händler oder Hersteller nach.

Moderne Sofas zum Beispiel werden häufig aus Polyester oder Acryl hergestellt. Ein solches Sofa kann als vegan bezeichnet werden. Wer sich Naturmaterialien wünscht, die aber nicht tierischer Herkunft sind, kann Sofas kaufen, die Naturlatex oder Kokosfaser beinhalten.

Wie sieht es bei den Kissen aus, die als Accessoire auf das Sofa gelegt werden? Wenn wir uns für hochwertige Kissen entscheiden, die aus Sari- und Tuchstoffen genäht sind, dann handelt es sich nicht um ein veganes Produkt. In einem solchen Kissen steckt mit großer Wahrscheinlichkeit Seide. Für jedes 250 Gramm Seidengarn werden 3.000 Seidenspinnerlarven verbrüht, bevor sie sich aus ihrem Kokon in einen Schmetterling verwandeln können (die Entwicklungsstadien sind hier zu sehen).

Tierische Bestandteile häufig in billigen Möbeln

In Holzmöbeln sollten theoretisch keine tierischen Bestandteile enthalten sein. In der Praxis gibt es immer wieder Hersteller, die Möbelstücke aus Pressspan mit Leim verkleben, welcher aus Tierblutbestandteilen besteht (siehe Knochenleim). Inzwischen steigen viele Hersteller auf synthetische Bindemittel und Leime um. Wer jedoch günstige Möbel kauft, sollte genau prüfen, ob die Bindemittel und Leime tatsächlich synthetischer Natur sind.

Bei Möbeln ist allerdings nicht nur auf tierische Bestandteile zu achten. Wie bei der Definition des Veganismus bereits gesagt, sollten Veganer auch auf die Umwelt achten. Ein veganes Möbelstück muss folglich keine tierischen Bestandteile enthalten und sollte zusätzlich ökologisch hergestellt sein. Ein Beispiel für ein solches Möbelstück sind die veganen Esstische auf allnatura.de: Es handelt sich um Esszimmer-Möbelstücke aus Massivholz, die Holzkaltleim anstelle von Knochenleim enthalten. Zudem wird für die Oberflächenbehandlung kein Schellack, Bienenwachs oder ein anderes tierisches Produkt verwendet.

Vegan produzierte Energie

Neben den direkt im Haus zu findenden Produkten, gibt es ein weiteres Element, ohne dass eine Immobilie nicht auskommt: Energie. Auch sie wird in den meisten Haushalten nicht vegan produziert. Gemeint ist nicht herkömmlicher Ökostrom – dieser schützt lediglich die Natur. Greenpeace engagiert sich mit einem eigenen Unternehmen (Greenpeace Energy) für vegane Energie. Der Hintergrund: Die Verwendung von Öko-Kraftwerken raubt Tieren einen Teil ihres Lebensraumes. Ziel ist es, diesen Eingriff in die Natur möglichst gering zu halten.

Eine Alternative wäre es, eine Solarstromanlage auf das Eigenheim zu montieren und seinen Energiebedarf selbst abzudecken. Veganer greifen mit einer Solarstromanlage nicht in den Lebensraum von Tieren ein und erhalten als netten Bonus die Unabhängigkeit von Energieversorgern gratis dazu.

Zusammenfassung

Das vegane Leben ist praktikabel, auch wenn nicht zu einhundert Prozent. Schuld daran sind nicht die Menschen, die vegan leben möchten, sondern eine Gesellschaft, die sich auf die Tiernutzung fokussiert hat und Menschen, die anders leben, nicht ausreichende Alternativen zur Verfügung stellt. Nichtsdestotrotz sollten Veganer weiterhin versuchen, in allen Lebenslagen auf Produkte zu verzichten, die tierische Bestandteile enthalten oder die Umwelt schädigen. Je mehr Menschen auf den veganen Lebensstil umsteigen, desto stärker wird die Industrie gezwungen, passende Produkte anzubieten.

Artikelbild: © AlexRoz / Shutterstock

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