Verschärfte Vorschriften machen den Hausbau 2016 teurer

Verschärfte Vorschriften machen den Hausbau 2016 teurer

Jedes Jahr wollen sich tausende Menschen den Traum vom Eigenheim erfüllen. Seit einigen Jahren wird dieses Unterfangen kostspieliger. Neue Regeln treiben die Kosten in die Höhe – zum Ärgernis der Bauherren.

Laut der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen müssen Verbraucher seit 2016 „strengere Vorgaben zur Einsparung von Energie beachten“, wenn sie ein Haus bauen wollen. Die KfW-Bank hat auf die neuen Vorgaben bereits reagiert und gewährt höhere Förderkredite – diese kann aber nicht jeder Bundesbürger nutzen; ein höherer Kredit bedeutet schließlich größere Tilgungsraten.

Die Forderungen der EnEV 2016 im Überblick

Seit 2016 müssen Häuslebauer die verschärften Anforderungen der EnEV berücksichtigen, wenn sie eine Immobilie errichten wollen. EnEV 2016 ist die zweite Stufe der Energieeinsparverordnung aus dem Jahr 2014. Die energetischen Anforderungen setzen nun voraus, dass der Primärenergiebedarf 25 Prozent niedriger ist. Im selben Zeitraum muss die Dämmung etwa 20 Prozent besser sein.

Ein Einfamilienhaus muss folgende Anforderungen erfüllen:

  • Primärenergiebedarf: ≤ 51 kWh/(m²·a)
  • Spezifischer Transmissionswärmeverlust: ≤ 0,368 W/(m²·k)

Die neuen Anforderungen gelten für Bauherren, die ihren Bauantrag ab dem 1. Januar 2016 eingereicht haben.

Dichten und dämmen

Die Deutschen entwickeln sich zu Profis beim Dichten und Dämmen ihrer Immobilie. Seit 2016 gelten strengere Regeln für Neubauten; diese müssen noch sparsamer sein. Die Kriterien können Bauherren auf zwei Weisen erfüllen:

  1. sie nutzen mehr Fernwärme oder erneuerbare Energien
  2. sie stocken die Dämmschicht der Außenwand auf

Die zweite Variante ist im Regelfall günstiger. Trotzdem steigen die Kosten insgesamt, um den neuen Standard zu erreichen. Der Präsident des Branchenverbands ZIA, Andreas Mattner, geht von Mehrkosten in Höhe von bis zu acht Prozent aus; die Bundesregierung erwartet hingegen eine Erhöhung von nur zwei Prozent.

Den Mehrkosten stehen geringe Ersparnisse durch einen niedrigeren Energieverbrauch gegenüber: Mattner hat eine durchschnittliche CO2-Ersparnis von jährlich 0,02 Prozent pro Haushalt ausgerechnet.

Schlechte Chancen ohne erneuerbare Energien

Neben der Dämmschicht müssen Häuslebauer wohl oder übel in erneuerbare Energien investieren. Das Hauptaugenmerk liegt auf einer energieeffizienten Heiztechnik. Doch selbst mit einer Öl- oder Gasheizung mit Brennwertkessel wird es schwer, die EnEV-Vorgaben zu erfüllen.

Zusätzlich zu den Heizungen mit fossilen Brennstoffen benötigen Häuslebauer eine Solarthermieanlage, die die Heizung unterstützt und Warmwasser aufbereitet. Oder: Sie entscheiden sich für eine Pelletheizung (mit/ohne Solarthermie) sowie eine Wärmepumpe.

Zur Wärmepumpe kann sich eine Photovoltaikanlage gesellen: Verbrauchen sollte man den produzierten Solarstrom selbst – so sinkt der primäre Energiebedarf um ein Vielfaches.

Höhere Grundstückspreise

Neben den wachsenden Anforderungen an den energetischen Standard einer Immobilie wachsen in vielen Ballungsgebieten auch die Grundstückspreise. Daten des Maklerverbandes IVD zeigen, dass in München die Grundstückspreise um 17 Prozent gestiegen sind; 1.350 Euro kostet ein Quadratmeter im Schnitt – doppelt so viel wie im nahe gelegenen Stuttgart.

München steht mit der Preisentwicklung nicht alleine dar: Das Magazin Der Spiegel ermittelte im Sommer 2016 die Preissteigerungen anderer deutscher Großstädte. In Frankfurt stiegen die Kosten für eine Wohnbaufläche in zwei Jahren um 27 Prozent, in Hamburg in einem Jahr um 13 Prozent.

Verwendung von Förderungen wichtiger denn je

Bisher kamen viele Häuslebauer ohne die Inanspruchnahme von Förderungen aus – ab 2016 sollten sie sich diese genauer anschauen. Das Angebot an Fördermitteln ist groß. Die wichtigsten Förderungen sind und bleiben aktuell die zinsgünstigen Kredite der KfW-Bank, zum Beispiel KfW-Effizienzhaus 55.

Neben den KfW-Fördermitteln lohnt sich ein Blick auf lokale oder regionale Förderungen.

Zusammenfassung

Die neuen Anforderungen der EnEV treiben die Kosten für den Wohnungsbau nach oben. Häuslebauer müssen die Verwendung erneuerbarer Energien in Erwägung ziehen, um die strengen Vorgaben zu erfüllen. Auch Fördermittel sollten sie sich anschauen, um die Kosten teilweise zu reduzieren.

Artikelbild: © dolgachov / Bigstock.com

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