Vorsicht bei Vertragsabschluss: Internettarif ohne Drosselung wählen

Vorsicht bei Vertragsabschluss: Internettarif ohne Drosselung wählen

Während die Bundesregierung darüber nachdenkt, wie sie den Breitbandausbau zügig und kostengünstig realisieren kann, haben vor einigen Jahren Internetanbieter in Deutschland damit begonnen, den Anschluss zu limitieren. Gemeint ist die sogenannte Drosselung: Sobald eine bestimmte Bandbreite, meist mehrere Gigabyte, genutzt wurde, limitiert der Internetanbieter die Geschwindigkeit. Glücklicherweise gibt es Internet-Service-Provider (ISP), die diese Limitierung nicht praktizieren.

Surfen im Internet wie vor der Jahrtausendwende

Wir schreiben das Jahr 1999: Die Deutsche Telekom schaltete Mitte des Jahres Deutschlands erste DSL-Anschlüsse für Privatpersonen frei. Kunden in Deutschlands größten Städten[1] kamen als Erste in den Genuss des World-Wide-Web. An Flatrates dachten die damaligen Kunden nicht. Die ersten DSL-Anschlüsse waren teuer. Um sie nutzen zu können, mussten die Kunden einen ISDN-Telefonanschluss buchen. Für rund 200 Mark erhielten sie 50 Stunden Zugang ins Internet.

Ein Jahr später folgte die erste DSL-Flatrate für 50 Mark. Es handelte sich um einen Preis, der für Otto-Normalverbraucher bezahlbar war. Rund 250.000 Kunden besaß die Telekom damals, ein Jahr später waren es zwei Millionen. Mit steigenden Kundenzahlen sanken die Preise. Gleichzeitig wuchs die Geschwindigkeit der DSL-Anschlüsse. 2003 gab es immerhin drei Megabyte pro Sekunde (3 Mbit/s). Drei Jahre später baute die Telekom ihr Netz aus und bot erstmals VDSL an. Diese neue Technologie erlaubt Geschwindigkeiten von bis zu 50 Mbit/s. Steigende Geschwindigkeiten bedeutet gleichzeitig eine größere Belastung für das Netzwerk. Um Kosten zu sparen, begannen einige Anbieter, die Leitungen ihrer Kunden zu drosseln.

Drosselung von den Mobilfunktarifen abgeschaut

Anfang 2013 (März) gab es die ersten Gerüchte, dass die Deutsche Telekom beabsichtige, den Breitbandanschluss ihrer Kunden zu drosseln. Der Webseite fanboys.fm wurden angeblich Dokumente eines Telekom-Mitarbeiters zugespielt, demnach die Geschwindigkeit des DSL-Tarifs auf 384 kbit/s reduziert werden sollte. Die Drosselung sollte je nach Tarif ab einem verbrauchten Datenvolumen von 75 bis 400 Gigabyte (GB) aktiv werden.

Gut einen Monat später bestätigte sich das Gerücht der Festnetzdrosselung. Laut der Telekom verbrauchte ein durchschnittlicher Kunde zum damaligen Zeitpunkt zwischen 15 und 20 Gigabyte pro Monat. Eine Drosselung sollte erst ab 75 GB aktiv werden. Dass die Kunden von den Plänen nicht entzückt waren, leuchtet ein. Kurz nach der Bekanntgabe starteten sie eine Petition auf change.org. Als immer mehr Medien über die Pläne der Telekom berichteten, ließ sich Wirtschaftsminister Philipp Rösler zum Thema aus. Auf seine Aussagen reagierte die Telekom mit einem offenen Brief (PDF).

Die Drosselung wurde im Dezember 2013 aus den Festnetztarifen entfernt.

Dass die Telekom eine Bewegung in Gang setzte, realisierten viele Internetkunden zum damaligen Zeitpunkt. Es dauerte nicht lange bis andere Anbieter Drosselungen ankündigten. Bei o2 heißt sie Fair-Use-Mechanik und greift bei der Überschreitung eines bestimmten Datenverbrauchs. In diesem Fall wird die Leitung auf 2 Mbit/s limitiert. Kunden, die einen großen Datenverbrauch haben, können Zusatzvolumen bestellen oder jeden Monat für eine echte Flatrate zahlen.

Die gesamte Drosselung erinnert an die Tarife aus dem Mobilfunkbereich. Hier wird sie seit Jahren praktiziert. Die Ursachen sind dort jedoch begründet, denn der Traffic in mobilen Netzen ist aktuell sehr teuer. Zudem surfen die meisten Menschen nicht so viel unterwegs wie zu Hause. In den eigenen vier Wänden entsteht ein weiteres Problem: Ein Haushalt besteht in der Regel nicht aus nur einer Person, sondern mehreren Menschen. Teilen sie sich die Leitung, sind sie alle von einer Drosselung betroffen.

Beim Umzug einen Tarif ohne Drosselung wählen

In Deutschland wechseln jährlich rund fünf Millionen Haushalte den Wohnort. Dabei entstehen verschiedene Aufwendungen im Bereich Einrichtung, Energie, aber auch Telekommunikation. Viele Kunden kündigen ihrem Internetanbieter und entscheiden sich für einen neuen Tarif.

Bei der Tarifwahl haben Kunden die Möglichkeit, sich vorab zu informieren. Stromkunden wissen, dass sie mit einem Wechsel steigenden Kosten entkommen können. Dieser Vorteil bietet sich nicht nur bei Stromtarifen, sondern jeder Dienstleistung, die Verbraucher beziehen, dazu gehört auch der Internetanschluss.

Bei der Tarifwahl für den Internetanschluss kann das unabhängige Vergleichsportal schlaubi.de behilflich sein. Hier können Kunden, die umziehen, einen Tarif finden, der nicht gedrosselt wird. Um ein passendes Angebot zu finden, müssen Verbraucher lediglich ihre Postleitzahl angeben. Anschließend werden die Tarife verschiedener Internetanbieter abgefragt, die in dem Ort verfügbar sind.

Die Nutzung eines Vergleichsportals rentiert sich nicht nur beim Umzug, sondern regelmäßig. Internetkunden sollten Angebote jährlich prüfen und zu einem anderen ISP wechseln, wenn er bessere Tarife offeriert.

Verbraucher sollten beim Abschluss eines Vertrags für einen Internetanschluss auf die Vertragslaufzeit achten. Diese beträgt bei einigen Tarifen 24 Monate. Es gibt aber auch Anschlüsse ohne Vertragslaufzeit. Ein Wechsel ist bei diesen Tarifen jederzeit möglich.

Drosselung betrifft große Haushalte besonders stark

Die Wahl eines Internetangebots ohne Drosselung ist insbesondere für große Haushalte von Wichtigkeit. Laut dem Statistischen Bundesamt gibt es in Deutschland rund acht Millionen Familien mit minderjährigen Kindern. Angesichts der wachsenden Verbreitung von Multimediageräten besitzen diese Haushalte viele Produkte, die mit dem Internet verbunden werden können:

  • Smart-TVs
  • Spielekonsolen
  • Computer
  • Smartphones & Tablets

Je mehr Geräte in einem Haushalt zu finden sind, desto größer ist der Bedarf nach Bandbreite. Viele Verbraucher verzichten auf einen Fernsehanschluss und streamen stattdessen Filme und TV-Serien über Dienste wie Netflix. Diese Dienste verbrauchen Bandbreite. Eine Drosselung würde bedeuten, dass Familien ihre Serien und Filme nicht oder in schlechterer Qualität anschauen müssen.

Internetanbieter geben dem Druck der Verbraucher nach

Aus Sicht der Verbraucher sind die Diskussionen rund um das Thema Drosselung eindeutig. Für sie kann ein Tarif nicht als Flatrate beworben werden, wenn er nicht den unbegrenzten Zugang ins Internet offeriert.

Während die Telekom ihre Drosselung schnell einstellte, gibt es Anbieter, die die Limitierung weiterhin praktizieren. Dazu gehört auch Vodafone: Das Unternehmen begann im November 2015, Leitungen zu drosseln. Nachdem die Nutzer ihre Empörung kundtaten, gab ein Sprecher des Unternehmens gegenüber SPIEGEL ONLINE bekannt, sämtliche Limitierungen aufheben zu wollen.

Zusammenfassung

Nun bleibt abzuwarten, ob Internetanbieter erneut versuchen werden, eine Drosselung durchzusetzen. Mit dem versprochenen Breitbandausbau kommen bald immer mehr Menschen in den Genuss des schnellen Internets. Dadurch steigt die Belastung auf das deutsche Netz. Verbraucher können wie immer entscheiden, ob sie die Drosselung akzeptieren oder nicht. Mit einem Anbieterwechsel stimmen sie gegen die Drosselung.


  1. Berlin, Bonn, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln und München

Artikelbild: © Lisa S. / Shutterstock

1 Kommentar

  1. #78rez 13.03.2019 23:42 Uhr

    Es geht natürlich darum, die Kunden maximal auszupressen. Das gibt der Kapitalismus so vor. Deswegen gehören m.M.n. gewissen Dinge einfach nicht in Privathand sondern in Staatsobhut. Bei dieser Steuerlast, und gleichzeitigen Steuergelderverschwendung, insebesondere an Leute die unsere Gesellschaft dann noch 1000% belasten, während die eigenen Leute im Alter sich kaum noch Strom leisten können unfassbar, sollte das normalerweise selbstverständlich sein, um wenigstens im minnimalistischen Siel Schadensbegrenzung zu betreiben bei dem, was unsere „Politik“ insofern man diese Seuche so nennen darf verzapft. Dazu zählen Bspw. Grundervsorgung, Strom, Datennetz, Schulen, Öffentliche, Medizin, Verteidigung, damit wenigstens überhaupt noch IRGENDWAS für den Menschen und nicht für ein paar abgewichste psychopaten-Milliardaären die NIE genug bekommen und gleichzeitig nicht wissen wohin mit den Geld, die dann auch keine Absprachen mehr brauchen da den ohnehin alle Unternehmen gehören, während der Rest 99,9%? ein riesen Problem hat da Heutzutage Alles für die Mülltonne gebaut wird, der Planet drunter leidet und die Leute das Zeug finanziell gar nicht mehr ersetzen können so schnell wie es kapput geht. Alle Ländern schützen sich nur das deutschlandfeindliche Deutschland nicht, siehe „Investoren“ sachlich, wo die her kommen. -> Grundstücks und Mietpreise sind nur ein Anderes Beispiel für die selbe Scheiße und Polik, wobei es keine Rolle spielt wer führt guck zu. Dann soll man einen Kommentar dazu hinterlassen und sich nicht aufrgen… fast schon amysannt.

    direkt antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.