Was kostet eigentlich ein Architekt?

Was kostet eigentlich ein Architekt?

Viele Menschen haben Angst vor den Architektenkosten, wenn Sie ein Eigenheim planen und entscheiden sich daher zunehmend für Fertighäuser oder Häuser vom Bauträger. Dass ein Architektenhaus aber gar nicht unbedingt teurer sein muss, das wissen die wenigsten.

Architekten unterliegen in Deutschland der sogenannten „Honorarordnung für Architekten und Ingenieure“, kurz: HOAI. Dieses Regelwerk gibt recht genau vor, was und in welcher Höhe der Architekt abrechnen darf.

Zwar lässt die HOAI einen gewissen Spielraum, sodass es durchaus teurere und günstigere Architekten gibt, jedoch ist der Spielraum nicht all zu groß. Wer sich im vorhinein mit den zu erbringenden Leistungen befasst und versteht, wie der Architekt diese abrechnet, der ist vor Überraschungen relativ sicher.

Was kostet ein Architekt?

Die Leistungen des Architekten sind in neun sogenannte „Leistungsphasen“ unterteilt. Nicht jeder Bauherr wird aber alle Leistungsphasen in Anspruch nehmen müssen. Man sollte genau schauen, welche dieser Phasen man beauftragt und nicht den Fehler begehen, alle Phasen gleich zu Beginn zu beauftragen. Tut man dies, lässt sich bei Problemen dem Architekten nur noch schwerlich kündigen.

Die ersten vier Leistungsphasen unterteilen sich in eine erste Beratung, einen Vorentwurf, einen detaillierteren Entwurf, sowie der Erstellung und Beantragung der Baugenehmigung. Es reicht völlig, den Architekten zu Beginn bis zum Erlangen der Baugenehmigung zu beauftragen.

Im Anschluss daran kommen die Phasen, in welchen die Baustellenpläne (Werkplanung) erstellt werden, sowie die Vorbereitung und Mitwirkung bei der Vergabe der Bauleistungen. Falls keine Vergabe stattfindet und Sie mit Ihnen bekannten Firmen arbeiten möchten oder viel selbst machen, dann können diese Phasen natürlich gar nicht oder nur teilweise vom Architekten berechnet werden.

Die letzten zwei Phasen sind die Überwachung der Baustelle, sowie die Nachbetreuung (nach Fertigstellung des Hauses). Auch hier sollten Sie prüfen, inwiefern der Architekt eingebunden ist. Es empfiehlt sich aber dringend, die Bauüberwachung in die Hände des Architekten zu legen.

Falls Ihr Architekt eher der kreative Typ ist und wenig Erfahrung auf der Baustelle hat, kann man diese Aufgabe auch an einen anderen Architekten oder Bau-Experten abgeben.

Zwingend erforderlich ist die Zusammenarbeit mit dem Architekten vor allem bei der Erlangung der Baugenehmigung. Jedoch wird kein Architekt gern die Pläne unterzeichnen, die er nicht selbst gezeichnet hat.

Nun noch einmal zur Honorarordnung:

Der Architekt wird zu Beginn der Zusammenarbeit die zu erwartenden Baukosten berechnen. Anfänglich ist dies eher eine Schätzung, als eine feststehende Summe, diese wird aber über den Bauprozess hinaus immer weiter konkretisiert und somit genauer.

Auf Basis dieser Summe, sowie je nach Art des Hauses (z.B. Wohnhaus), schaut der Architekt in eine Kostentabelle. In dieser Tabelle steht ein „von-bis“-Wert, in dessen Rahmen sich sein Gesamthonorar bewegen sollte. Dieser wird ganz grob ca. 10% der Bausumme betragen, kann aber auch etwas höher oder niedriger sein. (Gesamthonorar bedeutet: Das Honorar, welches er abrechnen darf, wenn er alle Leistungsphasen betreut.)

Jeder Leistungsphase ist ein gewisser Prozentsatz zugeordnet. Der Anteil des Gesamthonorars für die Leistungshase 4 (Baugenehmigung) beträgt beispielsweise 6 Prozent.

Hier ein Berechnungsbeispiel (für den seltenen Fall, dass ein Architekt nur die Baugenehmigung übernimmt, und der Rest nicht von ihm bearbeitet wird):

Anrechenbare Baukosten: 200.000 Gesamthonorar (grob): 20.000 Leistungsphase 4 (Baugenehmigung): 6% x 20.000 = 1.200 In diesem Fall kann der Architekt in etwa 1.200 Euro (netto) abrechnen.

Im Internet gibt es Honorarrechner, mit dessen Hilfe Sie die Summe noch etwas genauer berechnen können. Natürlich gibt es noch einige andere Faktoren, die den Endbetrag beeinflussen. In etwa kann man die Kosten auf diese Weise aber abschätzen.

2009 ist die aktuell gültige Fassung der HOAI veröffentlicht worden. Die HOAI ist verbindlich für alle Planungsleistungen im Bauwesen. Abweichungen sind nur in extrem seltenen Ausnahmefällen erlaubt und müssen mit der Architektenkammer abgesprochen werden.

Die Verbindlichkeit der HOAI ergibt sich aus einem Gesetz (Gesetz zur Regelung von Ingenieur- und Architektenleistungen) und somit hat die HOAI auch annähernd Gesetzescharakter. Dies hat zur Folge, dass Architekten keine Wucherpreise verlangen können, sie im Gegenzug aber auch die festgelegten Honorare einklagen können. Daher sollten Bauherren den Architekten Schritt für Schritt beauftragen und nicht gleich für alle Phasen (z.B. erst Leistungsphase 1-4, und erst anschließend weitere Phasen).

Alles in allem ist man gut beraten, die HOAI ein wenig zu kennen. Insgesamt muss man sich aber keine Sorgen machen, dass die Kosten des Architekten aus dem Ruder laufen, solange es während des Planungsvorganges nicht ständige Änderungswünsche gibt oder andere Probleme auftreten, die nicht abzusehen waren.

Artikelbild: © Monkey Business Images / Shutterstock

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