Welche Maßnahmen sind für den Standard „Energiesparhaus“ erforderlich?

Welche Maßnahmen sind für den Standard „Energiesparhaus“ erforderlich?

Das Energiesparhaus ist angesagt, weshalb sich immer mehr Eigenheimbesitzer dafür entscheiden, nicht mehr nur die Mindest-Standards in energetischer Sicht zu erfüllen, sondern noch mehr Energie und somit Kosten einsparen möchten. Es gibt aber noch einen weiteren Grund für den energiebewussten Trend im Baubereich: Wer energieeffizient baut, kann staatliche Förderungen in Anspruch nehmen. Aber wie genau kann ein normales Haus eigentlich zu einem sogenannten Energiesparhaus werden?

Begriffsdefinition: Was ist ein Energiesparhaus?

Mit 40 Prozent des Endenergiebedarfs ist der Gebäudebausektor in der EU der größte Verbrauchssektor und liegt damit noch vor Verkehr und Industrie. Die Endenergie wird zum Großteil dafür benötigt, Wasser zu erwärmen und zu heizen. Lediglich ein Anteil von 17 Prozent der benötigten Energie wird für Elektrogeräte und Beleuchtung verwendet. Demnach gibt es in diesem Bereich ein großes Einsparpotential. Aus diesem Grund werden Energiesparhäuser immer gefragter.

Als Energiesparhaus werden alle Zweckbauten und Wohnhäuser bezeichnet, die mithilfe gängiger Energiesparmaßnahmen errichtet oder saniert wurden. Allerdings kann anhand des Begriffs nicht darauf geschlossen werden, ob das Haus 20 Prozent oder 90 Prozent Heizenergie einspart. Es gibt sogar Energiesparhäuser, die eine positive Energiebilanz erreichen. Aus diesem Grund werden Energiesparhäuser in verschiedene Kategorien eingeteilt.

Die verschiedenen Energiesparhäuser im Überblick

Es werden die folgenden Energiesparhäuser unterschieden:

  • Niedrigenergiehaus
  • 3-Liter-Haus
  • Passivhaus
  • Nullenergiehaus
  • Plusenergiehaus

Für diese Unterteilungen gibt es klare Vorschriften, die hinsichtlich Konzeption und Effizienz eingehalten werden müssen. Die exakten Messwerte für den Verbrauch von Warmwasser und Heizwasser sind einzuhalten, damit das Haus das jeweilige Label erhält. Außerdem werden spezielle technische Anforderungen an die Fenster, die Dämmung, die Kühlung und die Lüftung gestellt. Je nachdem, welcher Standard durch den Bau oder die Sanierung konkret erzielt werden soll, sind demnach andere Maßnahmen erforderlich.

Niedrigenergiehaus

Um als Niedrigenergiehaus zu gelten, darf der jährliche Wärmebedarf des Gebäudes die Grenze von 70 Kilowattstunden pro Quadratmeter nicht überschreiten. Das entspricht 7 Kubikmetern Erdgas oder 7 Litern Heizöl pro Jahr und Quadratmeter. Es ist kein besonders hoher Zusatzaufwand notwendig, um den Standard „Niedrigenergiehaus“ zu erreichen. Für den Bau werden lediglich gewöhnliche Bauteile in einer verbesserten Variante eingesetzt. Aus diesem Grund liegen die Mehrkosten für ein Niedrigenergiehaus bei maximal acht Prozent. Zum Einsatz kommen zum Beispiel Wärmeschutzfenster, eine Solaranlage für die Warmwasseraufbereitung und eine energieeffiziente Heizungsanlage. Die Keller- und Geschossdecken sowie das Dach werden mit einer 20 bis 40 Zentimeter starken Dämmschicht ausgestattet. Die konkreten Maßnahmen, die für den Standard „Niedrigenergiehaus“ erforderlich sind, richten sich aber auch nach der Lage des Gebäudes.

3-Liter-Haus

Ein 3-Liter-Haus verbraucht höchstens 30 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr, was umgerechnet etwa drei Liter Heizöl sind. Dadurch leitet sich der Name dieses Energiesparhauses ab. Im Prinzip werden die gleichen Materialien und Komponenten wie beim Niedrigenergiehaus verwendet, allerdings werden einige Bauteile noch energieeffizienter umgesetzt. Das trifft zum Beispiel auf die Wärmeschutzscheiben zu. Zudem sind weitere Maßnahmen erforderlich. So werden etwa wärmedämmende Fensterrahmen verbaut und es wird eine Solaranlage installiert, welche die Zuluft aufheizt.

Passivhaus

Das Passivhaus ist noch energiesparender als das 3-Liter-Haus, denn es benötigt mit 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr nur die Hälfte der Energie. Somit zahlt man lediglich 25 Euro im Monat für Heizkosten. Das Passivhaus hat die Besonderheit, dass es ohne ein aktives Heizsystem warmgehalten werden kann. Als Energiequellen kommen das einfallende Sonnenlicht, die Wärmeverluste der elektronischen Geräte und die Körperwärme der Bewohner zum Einsatz. Bei einem Passivhaus werden Wärmeverluste konsequent vermieden. Das wird beispielsweise durch die luftdichte Außenhülle, eine Wärmeverglasung, eine ideale Dämmung und das Verhindern von Wärmebrücken erzielt. Man kann zum Beispiel mit einer Wärmebildkamera Wärmeverluste aufspüren und beseitigen. Im Winter kann mit einem beliebigen Heizsystem zugeheizt werden, wenn die Innentemperatur einmal nicht hoch genug sein sollte.

Nullenergiehaus

Nullenergiehäuser sind im Prinzip Passivhäuser, bei denen die benötigte Energie direkt am oder im Haus erzeugt wird. Das klappt zum Beispiel mit Photovoltaik-Modulen oder Solaranlagen. Allerdings sind Nullenergiehäuser derzeit noch so teuer, dass sie kaum zu finden sind. In Zukunft wird sich das wahrscheinlich ändern, denn die Preise für fossile Brennstoffe werden immer höher.

Plusenergiehaus

Das Plusenergiehaus geht im Vergleich zum Nullenergiehaus sogar noch einen Schritt weiter: Bei solchen Bauwerken wird mehr Energie erzeugt, als benötigt wird. Die überschüssige Energie wird dann als Strom in das öffentliche Netz eingespeist, sodass die Hausbesitzer eine zusätzliche Einnahmequelle haben. Auch Plusenergiehäuser sind aufgrund des hohen Preises bisher noch nicht weit verbreitet.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass „Energiesparhaus“ lediglich ein Oberbegriff für alle Zweckbauten und Wohnhäuser ist, die in energetischer Hinsicht saniert wurden. Welche Energieeffizienz sie tatsächlich bieten, hängt vom konkreten Label ab. Wenn Sie daran interessiert sind, ein Energiesparhaus zu bauen oder Ihr Eigenheim mit dem Ziel einer höheren Energieeffizienz zu sanieren, sollten Sie sich zum Beispiel bei Viebrockhaus beraten lassen. Informieren Sie sich auch über die Fördermöglichkeiten, die Ihnen vom Staat zustehen.

Artikelbild: © gopixa / Shutterstock

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