Wohnortwechsel mit Kindern: Die psychische Belastung gering halten

Wohnortwechsel mit Kindern: Die psychische Belastung gering halten

Laut der Umzugsstudie Deutschland aus dem Jahr 2014 wechseln jedes Jahr rund 9,39 Millionen Personen den Wohnort. Gründe für Umzüge gibt es viele: Scheidung, ein Job in einer anderen Stadt, der Kauf einer Eigentumswohnung oder es wird eine günstigere Wohnung gesucht. In vielen Fällen sind Kinder am Wohnortwechsel beteiligt. Da ein Umzug für sie schwerer zu verkraften ist als für Eltern, brauchen die Kinder besonders viel Aufmerksamkeit.

Umzüge häufen sich

Im Zuge der Globalisierung der Arbeitswelt müssen Familien zunehmend mobil und flexibel sein. Ein Orts- und Wohnungswechsel ist deshalb keine Seltenheit. Was in den USA an der Tagesordnung steht, gewinnt in Europa verstärkt an Bedeutung. Der durchschnittliche Amerikaner wechselt laut dem Census Bureau rund 11,7 Mal den Wohnort. Die Deutschen ziehen einer Immonet-Studie aus dem Jahr 2014 zufolge 4,5 Mal im Leben um. In den kommenden Jahren könnte diese Ziffer steigen.

Infografik: Umzugshäufigkeit im Laufe des Lebens

Sozialen Veränderungen durch den Ortswechsel

Wenn eine Familie umziehen muss, handelt es sich um ein großes Ereignis für alle Beteiligten. Ein Wohnortwechsel verändert nicht nur das räumliche Umfeld, sondern auch die sozialen Kontakte. Erwachsene kommen mit diesen Veränderungen meist besser klar als junge Menschen. Aus diesem Grund sollten sie auf den Nachwuchs Rücksicht nehmen und Lösungen für die Sorgen und Ängste ihrer Kinder finden.

Um mit den Konsequenzen eines Umzugs zurechtzukommen, benötigen Kinder die Nähe ihrer Bezugspersonen. Besonders, wenn die Familie weiter weg zieht und das Kind seine Freunde nicht mehr täglich treffen kann. Zumindest hat ein Umzug mit der gesamten Familie den Vorteil, dass die familiäre Sicherheit bestehen bleibt.

Anders sieht es aus, wenn sich die Eltern trennen und ein Elternteil mit dem Kind wegzieht. Dann verliert das Kind mit dem Umzug die unmittelbare Nähe zu einer Bezugsperson und zu seinen Freunden. Dies kann ebenfalls zu einer großen Verunsicherung führen.

Eltern, die aufgrund einer Scheidung die Wohnung wechseln, sollten den Ratgeber Elternschaft nach der Trennung – Eltern und Kinder im Trennungs- und Scheidungsverlauf (PDF) lesen.

Einen Umzug kindgerecht planen

Der Psychologe Shigehiro Oishi hat im Rahmen einer Studie ermittelt, dass Menschen, die in ihrer Kindheit mehrmals umziehen mussten, später häufiger unter Neurosen leiden als Menschen, die in ihrer Kindheit kaum umgezogen sind. Im Erwachsenenalter sind diese Menschen mit ihrem Leben seltener zufrieden und sie besitzen weniger Freunde als ihre Mitmenschen. Dies ist unter anderem damit zu begründen, dass sie aufgrund des häufigen Umziehens keine engen Beziehungen mit Gleichgesinnten aufbauen konnten[1].

Um dieses Risiko zu minimieren, haben Eltern zwei Aufgaben zu meistern: Sie müssen den Umzug kindgerecht planen und das Kind nach dem Ortswechsel eingewöhnen.

Worauf bei einem Umzug mit Kindern zu achten ist, erfahren Eltern im Ratgeber „Den Umzug mit Kindern richtig planen“ von immowelt.de. Er fasst alles Wissenswerte zusammen und beinhaltet Expertentipps einer Familiencoachin.

Die wichtigsten Checkpunkte für den Umzug mit Kindern:

  • einen geeigneten Zeitpunkt zum Umziehen finden
  • den Umzug mit dem Nachwuchs besprechen
  • das Kind auf den Wohnortwechsel vorbereiten

Damit ist die Angelegenheit jedoch noch nicht erledigt. Nach dem Ortswechsel sollten Eltern ihren Kindern helfen, sich in der neuen Umgebung einzuleben. Das schließt unter anderem folgende Aufgaben mit ein:

  • Viel Zeit mit dem Kind in der neuen Wohnung verbringen
  • Gemeinsam die Nachbarschaft erkunden
  • Nachbarn besuchen und sich vorstellen
  • Anmeldung in Sportvereinen oder Jugendgruppen
  • Das Kind ermuntern, alte und neue Freunde nach Hause einzuladen

Eltern sollten ihren Kindern in der Eingewöhnungsphase Zeit lassen. Jedes Kind braucht unterschiedlich lange, um sich an das neue Umfeld zu gewöhnen.

Wenn sich das Kind nicht an die Wohnung gewöhnt

Es kann durchaus vorkommen, dass sich Kinder am neuen Wohnort unwohl fühlen, obwohl die Eltern alles getan haben, um ihnen den Umzug zu erleichtern. Die Sprösslinge vermissen ihre ehemaligen Freunde, die Leistung in der Schule lässt nach und die Kinder verbringen viel Zeit grübelnd alleine zu Hause. Wird das zu einem Dauerzustand, sollten Eltern den Rat eines Psychologen einholen, der den Kindern hilft, die Situation zu bewältigen.

Zusammenfassung

Eltern sind beraten, die psychologische Belastung eines Umzugs nicht zu vernachlässigen. Mit unseren Hinweisen können sie einen Umzug auf eine Weise planen, die für Kinder schonend ist.

Artikelbild: © LuckyImages / Shutterstock


  1. Quelle: 1. Journal of Personality and Social Psychology, 2010, Band 98, Nummer 6, Seite 985–986

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