Zu wenig Rente für die Miete: 40 Prozent der deutschen Mieter fürchten, im Alter umziehen zu müssen

Zu wenig Rente für die Miete: 40 Prozent der deutschen Mieter fürchten, im Alter umziehen zu müssen

Deutschland zählt klassischerweise zu den Mieternationen, die Eigentumsquote bewegt sich nur langsam nach oben. Und das, obwohl die Niedrigzinsphase seit einigen Jahren vorherrscht und eigentlich den Anreiz bietet, in Wohneigentum zu investieren. Diese Aufgabe übernehmen immer mehr Investoren, viele Mietshäuser sind für die Altersvorsorge gedacht. Entsprechend müssen sie dem Vermieter eine Rendite einbringen, die Instandhaltung und dergleichen abdeckt. Immer neue Umwelt- und Bauvorschriften machen Neubauten, ebenso wie Modernisierungen und Sanierungen teuer.

Wie jüngst eine repräsentative Studie von immowelt.de darlegte, fürchten 40 Prozent aller Mieter, die eigene Wohnung im Alter wechseln zu müssen. Bundesweit wurden 1.210 Personen befragt, die mindestens 18 Jahre alt sind und diese Angaben online gemacht haben. Etwa 2/3 der Befragten gaben an, zur Miete zu wohnen. Wege, mit denen sie diese Entwicklung umgehen wollen, werden genannt. So sagen 54 Prozent der Befragten, dass sie auf andere Weise versuchen würden, den höheren Mietpreis auszugleichen. Entweder durch die Beantragung von Wohngeld oder über die zusätzliche Einkommensquelle des Minijobs.

Alternativoption: In günstigere Wohnviertel ausweichen

Das steigende Mietpreise dazu führen können, angestammte Wohnviertel langfristig zu verändern, bejahen 38 Prozent der Befragten. Für sie stellt es kein Problem dar, die Wohngegend im Zweifelsfall zu wechseln. Die Option, hierbei in den ländlichen Raum zu ziehen, ziehen 20 Prozent der Befragten in Betracht. Nur für jeden Achten wäre es eine Option, in das Ausland zu ziehen. Vor dem Hintergrund, dass deutsche Renten- und Pensionsansprüche problemlos im EU-Ausland ausgezahlt werden können, ein deutliches Signal. Denn die Quote liegt über dem Querschnitt der Bevölkerung, der eine Auswanderung überhaupt in Betracht zieht. Das mangelnde Angebot führt offenbar dazu, dass die Menschen im Alter flexibler werden und eine gewisse Mobilität sichtbar wird.

In diesem Kontext muss beachtet werden, dass lediglich zwei Prozent der Befragten angeben, in den Osten Deutschlands zu ziehen. Hier nämlich liegt das allgemeine Mietpreisniveau wesentlich niedriger. Selbst modernisierte Stadtquartiere, höhere Infrastrukturausgaben und eine bessere Nahversorgung haben daran etwas ändern können. Denn konstante Mietpreisanstiege, die nicht nur die zentralen Stadtgebiete umfassen, sind selten. Gleichzeitig steigen auch in den wenigsten westdeutschen Städten die Mieten flächendeckend. Nur wenige, ausgesuchte Viertel stehen im Fokus der Mietinteressenten. Umliegende Bereiche profitieren nicht zwangsläufig davon, vielfach führt hohe Leerstand auch zu stagnierenden Mietpreisen.

Zusätzliches Einkommen versus Wohngeld beantragen

Dass steigende Mieten nicht nur ein Problem der Gering- und Durchschnittsverdiener sind, zeigt sich an den Zukunftsprognosen der Befragten und ihrer wirtschaftlichen Situation. Während von den Geringverdienern annähernd 46 Prozent damit rechnen, dass ihre Rente zur Miete nicht ausreicht, fühlen sich ebenso 40 Prozent der Besserverdiener davon betroffen. Es kommt hierbei also stets auf den richtigen Standpunkt an. Gering- oder Durchschnittsverdiener, die selten alternative Einnahmequellen im Alter haben, sind relativ gesehen viel eher von leichten, dafür aber konstanten Mietpreisanstiegen betroffen. Dass Besserverdiener eine ähnliche Quote aufweisen, kann damit zusammenhängen, dass diese mit höherer Wahrscheinlichkeit in Wohngegenden leben, die bereits seit Längerem von steigenden Mietpreisen betroffen sind.

Die Lösung besteht für mehr als ein Drittel der befragten Geringverdiener darin, Wohngeld bei der zuständigen Stelle zu beantragen. Eine Option, die hingegen nur sieben Prozent der Besserverdienenden in Betracht ziehen würden. An diese Stelle tritt mit hohem Abstand die weitergehende Beschäftigung. Diese kommt jedoch nur für jeden Fünften der Geringverdienenden in Frage.

Menschen, die flexibler bei der Wohnungssuche sind, versuchen Mehrbelastungen bei der Miete durch Arbeit auszugleichen (Besserverdiener). Jene hingegen, die relativ gesehen viel stärker von steigenden Mieten betroffen sind, würden eher staatliche Leistungen in Anspruch nehmen.

Drei von Fünf glauben, die Rente sei ausreichend

Analog zu den möglichen Optionen, die bei steigenden Mietpreisen gewählt werden können, betrachten 60 Prozent der Befragten ihre Rente als ausreichend. Praktisch jeder Dritte geht sogar so weit und sagt, bis zum Renteneintrittsalter selbst eine Immobilie als Altersvorsorge zu erwerben. Oder über staatliche Riester-Förderung, Betriebsrenten oder eine Lebensversicherung derart abgesichert zu sein, dass steigende Mieten nichts an der grundsätzlichen Situation ändern würden. Alternative Wohnformen, wie etwa das Leben und Arbeiten im Mehrgenerationenhaus, kommt nur für eine Minderheit (3 Prozent) infrage.

Einfamilienhäuser können durch altersgerechte Sanierung leicht zu einem Mehrgenerationenhaus umgerüstet werden. Der Staat fördert dies sogar mit dem Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser II, welches zuletzt bis Ende 2015 verlängert wurde.

Fazit

Es zeigt sich, dass immer mehr Menschen die finanziellen Grundlagen ihrer Altersversorgung hinterfragen und nach Alternativen suchen. Jene, die außer einer staatlichen Rente praktisch keinerlei andere Versorgung im Alter genießen, sind weitaus häufiger dazu bereit, staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Transferleistungen würden an der grundsätzlichen Entwicklung, in welcher immer weniger Wohnraum für Gering- und Durchschnittsverdienende entsteht, nur wenig ändern. Zudem fehlen deutliche Anreize aus ländlichen Gebieten, die seit Jahren unter Einwohnerschwund leiden und als günstige Wohnlage in Betracht kämen. Vor allem die ostdeutschen Länder sind praktisch derart uninteressant, dass selbst der Umzug ins Ausland eine wesentlich höhere Zustimmungsrate erhält.

Die Menschen zeigen eine erhöhte Mobilität im Alter, wenn Berufsleben und Kindererziehung praktisch kein Thema mehr abbilden. Für viele rückt dieses Thema bereits vor Erreichen des Renteneintrittsalters in den Mittelpunkt.

Artikelbild: © Ron Ellis / Shutterstock

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