Immobilienkauf: Nicht von Preisentwicklung abschrecken lassen

Immobilienkauf: Nicht von Preisentwicklung abschrecken lassen

Ein ungewöhnlicher Vorschlag: Aktuell steigen die Preise für Immobilien in die Höhe. Dennoch sollten Interessierte jetzt zuschlagen. Warum? Es gibt genau zwei Gründe: Die Preise werden in absehbarer Zeit nicht sinken und die historisch niedrigen Zinsen müssen einfach genutzt werden. Laut den Landesbausparkassen (LBS) könnten die Preise für Immobilien im laufenden Jahr um zwei bis 3,5 Prozent ansteigen. Auch die Nachfrage wird in absehbarer Zeit nicht stagnieren, wodurch die Preise weiter in die Höhe getrieben werden. Besonders in Großstädten und ihren Ballungsgebieten wie Berlin, München und Hamburg werden die Preise noch stärker steigen. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) könnten die Preissteigerungen hier bis zu neun Prozent betragen.

Hohe Preise, dennoch kaufen

Angesichts solcher Steigerungsraten sollten Interessenten doch lieber warten, oder nicht? Falsch: Wer auf der Suche nach einer Immobilie ist, sollte nicht auf die Preissprünge innerhalb eines Jahres schauen, sondern langfristig denken. Die Preisentwicklung sollte immer über mehrere Jahre verfolgt werden. Kleine Ausreißer in einem Jahr fallen dann nicht so stark ins Gewicht. Zwar können die Steigerungsraten der vergangenen Jahre nicht in die Zukunft übernommen werden. Dass allerdings kleine Städte nicht plötzlich einen Bevölkerungszustrom erleben, sollte klar sein. Viel mehr sollte angenommen werden, dass der Wert einer Immobilie in Metropolen steigt. Denn hier wächst die Bevölkerung permanent, der Wohnungsbau kann oftmals nicht mithalten. In Berlin werden jedes Jahr 10.000 neue Wohnungen benötigt, gebaut werden allerdings nur 3.000.

Keine Preisblase in Deutschland

Die Experten sind sich in einer Hinsicht sicher: In Deutschland baut sich keine Preisblase wie in den USA, Irland oder Spanien auf. Wer also heute eine Immobilie kauft, der muss nicht damit rechnen, dass der Wert des Hauses innerhalb weniger Jahre um ein Drittel schrumpft. Ein Argument, warum die sich auch in den Städten keine Blasengefahr bildet, ist Folgendes: Die Preise der Immobilien steigen parallel zu den Mieten. Somit bleibt die Rendite stabil. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Zahl der Beschäftigten zunimmt, dementsprechend steigt auch die Einkommenssumme sowie die Nachfrage nach Wohnraum.

Sogenannte Preisblasen werden in der Regel durch günstige Kredite angeheizt. Zwar sind die Zinsen derzeit auf einem niedrigen Niveau, dennoch werden in Deutschland nur geringfügig mehre Kredite vergeben, als vor wenigen Jahren. Von Januar 2003 bis April 2012 wurden nur sieben Prozent mehr Kredite für Wohnungskäufe vergeben. Im gleichen Zeitraum kelterte die Kreditvergabe in den Blasen-Ländern Irland und Spanien auf über 150 Prozent.

Nicht über beide Ohren verschulden

Der Kauf einer Immobilie ist ein großer Schritt für jede Familie, egal ob sie besonders gut oder nur durchschnittlich verdient. Die Gefahr vor Arbeitslosigkeit oder Krankheit ist immer gegeben. Wer nicht passend vorgesorgt oder sich versichert hat, der steht schnell vor einem finanziellen Ruin. Die Gefahr vor einer Verschuldung besteht besonders bei sogenannten Schwellenhaushalten. Gemeint sind damit Familien, die sich aufgrund aktuell niedriger Zinsen eine monatliche Belastung mit Tilgung und Zinsen gerade so leisten können. Um besonders wenig Zinsen zahlen zu müssen, wird häufig sogar noch eine Zinsbindung von fünf Jahren gewählt. Hier ist das Risiko hoch, dass die Familie die Folgeraten anschließend nicht mehr zahlen kann, weil nach fünf Jahren die Zinsen zu hoch sind. Knapp kalkulierende Familien sollten auf einen Hauskauf verzichten, wenn sie einen Kredit nicht über 20 Jahre tilgen können.

Beispiel: Eine Familie möchte ein Haus im Wert von 300.000 Euro kaufen und benötigt dafür einen Kredit über 200.000 Euro. Die Familie erhält günstige Angebote mit zwei Prozent Tilgung, einem Effektivzins von 2,1 Prozent und einer Zinsbindung von fünf Jahren. Monatlich werden 680 Euro an die Bank überwiesen. Das 20-jährige Darlehen gibt es für 3,2 Prozent Effektivzins, wodurch 867 Euro fällig werden. Wer 260 Euro mehr pro Monat überweist (1.127 Euro), besitzt nach 20 Jahren schon ein schuldenfreies Haus.

Artikelbild: © kozirsky / Shutterstock

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