Ökostrom: Die Energiewende selbst in die Hand nehmen

Ökostrom: Die Energiewende selbst in die Hand nehmen

Spätestens seit dem Unglück im japanischen Atomkraftwerk in Fukushima hat sich die Denkweise der Verbraucher geändert. Die Menschen leben selbstbewusster und überlegen vor dem Kauf von Produkten oder Dienstleistungen, ob diese auch umweltfreundlich sind. Das geschieht insbesondere beim Thema Strom: Bis zum Super-GAU in Fukushima war Ökostrom die teure Alternative zum konventionellen Strom. Diese Sichtweise hat sich längst geändert.

Der Kampf für die Energiewende

Deutschland hat sich für den Atomausstieg entscheiden – noch ist dieser aber nicht vollzogen. Nach wie vor sind neun Atomkraftwerke in der Bundesrepublik weiterhin am Netz. Nebenbei geht jedoch die Energiewende wie geplant voran. Rund ein Viertel des deutschen Stroms wird bereits von erneuerbaren Energien produziert. Jede zweite Wind-, Biomasse- und Solaranlage sowie Wasserkraftwerke gehören einer Privatperson. Da nur ein Bruchteil den vier großen Energiekonzernen gehört, ist ihr Widerstand gegen die geplante Energiewende entsprechend groß. Kunden können den Konzernen mit dem Wechsel zu einem Ökostromanbieter zeigen, dass sie sich die Energiewende wünschen.

Kunden eines Ökostromanbieters…

  • zahlen für Strom aus erneuerbaren Energien
  • tragen maßgebend zum Klimaschutz bei
  • fördern den Ausbau erneuerbarer Energiequellen
  • legen den Baustein für eine dezentrale Versorgung mithilfe erneuerbarer Energien

Ökostrom ist in zahlreichen Regionen der Bundesrepublik bereits günstiger als „Egalstrom“. Die großen Energiekonzerne erhöhen seit Jahren ihre Preise und viele Kunden zahlen, ohne mit der Wimper zu zucken, auch wenn der Strompreis in ihrer Hand liegt. Glücklicherweise ist ein Stromanbieter-Wechsel so einfach wie nie zuvor: Über das Internet können Stromkunden nicht nur Tarife vergleichen, sondern direkt wechseln. Viele Stromanbieter übernehmen auch gleich die Formalitäten.

Was genau ist Ökostrom?

Ökostrom ist elektrische Energie, die von erneuerbaren Energiequellen hergestellt wird. Zu den wichtigsten erneuerbaren Energiequellen gehören: Wind, Wasser, Sonne und Biomasse. Im Gegensatz zu konventionellen Energiequellen wie Erdöl, Kohle und Kernkraft schädigen die erneuerbaren Quellen nicht die Umwelt, da ihre Ressourcen unendlich sind.

Die Windenergie nimmt in Deutschland den größten Prozentsatz unter den erneuerbaren Energien ein. Große Windräder stehen in der ganzen Bundesrepublik, insbesondere im norddeutschen Raum. Als Nächstes folgt die Wasserkraft: Aus dem Fluss des Wassers wird auf unterschiedliche Weise Energie gewonnen, die Speicherkraftwerke als Strom speichern. Ebenfalls wichtig ist die Nutzung der Sonnenenergie: Photovoltaikanlagen wandeln mit ihren Solarzellen Lichtenergie in elektrischen Strom um. Als Alternative gibt es Sonnenkollektoren, die Sonnenlicht als Wärme speichern.

Neben diesen drei Hauptformen hat in den vergangenen Jahren das Biogas kräftig aufgeholt. Zwar kommt die Energiequelle nicht direkt in der Natur vor, dennoch steht das Grundmaterial fast endlos verfügbar. Die Abfälle aus Gartenbau und Landwirtschaft werden in Behältern aufbewahrt, sodass ein Fäulnisprozess entsteht, der Biogas erzeugt. Dieses wird zur Erzeugung von Wärme und Strom verwendet.

Ökostrom in der nahen Zukunft

Die deutsche Bundesregierung nimmt das Thema Ökostrom sehr ernst. Allein im Jahr 2013 investierte das Bundesforschungsministerium 750 Millionen Euro für den Bereich Klimaschutz und Energie. Im Zuge des Klimaschutzes durch Ökostrom soll der Strom aus erneuerbaren Energien fossile Energie bald ersetzen. Insbesondere die Investitionen in fossile Energieträge wie Kohle sollen drastisch reduziert werden.

Auch wenn das Engagement lobenswert ist, gibt es viele Herausforderungen bei der Energiewende:

  • Der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung betrag im Jahr 2013 rund 23 Prozent, noch sind sie aber nicht versorgungssicher – nicht immer scheint die Sonne, nicht immer weht der Wind.
  • Ein Backup-System bestehend aus konventionellen Kraftwerken, Stromnetzen und Speicherwerken ist nötig. Die erneuerbaren Energien stehen vor den konventionellen Erzeugern – die Einsatzzeiten Letzterer geht deutlich zurück, wodurch ihr Betrieb nicht rentabel ist.
  • Für die Verwendung erneuerbarer Energien muss das Übertragungs- und Verteilnetz ausgebaut werden. Der überwiegend im Norden produzierte Windstrom muss in die industriellen Bundesländer im Süden transportiert werden.
  • Die Kosten für die Energiewende werden über das EEG, welches sich aktuell in einer Reform befindet, auf den Stromkunden übergeben.
  • Nicht ausreichend informierte Bundesbürger stellen sich gegen Ökostrom. Mit Infos zum Thema Ökostrom müssen diese über die Vorteile der erneuerbaren Energien informiert werden.

Wie dieser Artikel zeigt, hat Ökostrom viele Vorteile. Noch ist eine Welt, die ihren Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energien bezieht, reine Zukunftsmusik. Die ersten Bausteine wurden jedoch bereits platziert, nun muss die Energiewende in den kommenden Jahren langsam aber sicher ihren Lauf nehmen.

Artikelbild: © 29october / Shutterstock

 

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