Farbwahl: Umweltfreundlich und gesund renovieren

Farbwahl: Umweltfreundlich und gesund renovieren

Die Auswahl im heimischen Baumarkt erscheint für den Heimwerker dank farbenfrohen Wandfarben, bunten Tapeten und den verschiedensten Lacken unglaublich groß. In Realität wird dieses Sortiment weitaus kleiner, wenn man die Produkte wählt, die umweltfreundlich und gesund sind. Jedes Jahr werden durch ungünstige Farben und Tapeten zehntausende Tonnen Lösemittel freigesetzt. Diese Schadstoffe verdünsten über einen längeren Zeitraum in der Raumluft und sorgen so für Müdigkeit, Kopfschmerzen und allergische Hautreaktionen. Hinzu kommen hunderte Chemikalien, die sich negativ auf Umwelt und Gesundheit auswirken. Mit diesem Ratgeber informieren wir Sie über die bestehenden Risiken und geben Tipps zur Wahl der richtigen Produkte im Sinne der Umwelt und Ihrer Gesundheit.

Der Mensch verbringt mehr Zeit in Innenräumen

Wir Menschen verbringen immer mehr unserer Zeit in Innenräumen. Ob zu Hause, in öffentlichen Gebäuden oder am Arbeitsplatz – die Gesundheit hängt immer von der Qualität der Raumluft ab. Es gibt viele Einflussfaktoren, die die Raumluft beeinflussen, einer der wichtigsten sind die Produkte und Einrichtungen, die in unserer Wohnung zum Einsatz kommen. Austretende Schadstoffe können in der Raumluft verbleiben und so zu diversen Krankheitserscheinungen wie Bronchitis, Asthma, allergische Hautreaktionen sowie Symptome der Müdigkeit führen. Das ordentliche Lüften der Räume wird eine Notwendigkeit, kann das Problem aber nicht definitiv beheben, da die Schadstoffe weiterhin aus den Produkten austreten.

Aus diesen Gründen ist es ratsam, ausschließlich emissionsarme Artikel in seinem Haus zu verwenden. Mit dem Kauf dieser Produkte können Sie nicht nur die eigene Gesundheit schützen, sondern auch die Umwelt. Für den umwelt- und gesundheitsbewussten Einkauf gibt es zahlreiche Informationsinstrumente und Gütesiegel, wie etwa der Blaue Engel, Forestry Stewardship Council und ÖkoControl. Produkte mit diesen Siegeln entsprechen strengen Anforderungen in puncto Gesundheit- und Umweltschutz und greifen Verbrauchern bei der Wahl der richtigen Farben, Lacke und Lasuren unter die Arme.

Die Unterschiede zwischen Farben, Lasuren und Lacken

Farbe ist im Grunde eine Sinnesempfindung, die dem Auge durch Licht ausgelöst wird. Im Sprachgebrauch wird der Begriff aber auch für stoffliche Farbmittel – sogenannte Dispersionswandfarben – genutzt. Farben werden bei der Renovierung zur farblichen Gestaltung der Innenräume aber auch zum Oberflächenschutz von Wänden und Decken verwendet.

Durch den Anstrich mit Lacken Innen- und Außenbereich können Heimwerker nicht nur gestalten, sondern auch die Oberflächen vor Feuchtigkeit, Witterungseinflüssen und Chemikalien schützen. Das organische Lösemittel im Lack verdunstet nach dem Auftragen und es bleibt eine Schicht zurück, die als Lackfilm bezeichnet wird.

Während Lack hauptsächlich für Oberflächen aus Holz, Metall und Kunststoff verwendet wird, kommen Lasuren hauptsächlich auf Holzoberflächen zum Einsatz. Dank dem geringeren Gehalt an Bindemitteln und Pigmenten kann die Struktur des Holzes durchscheinen. Lasuren haben zwei Eigenschaften: Sie bilden eine offenporige Schicht, die den Luftfeuchtigkeitsaustausch zwischen dem Holz und seiner Umgebung zulässt, oder es entsteht einen Film, der eine ähnliche Funktion wie der Lackfilm besitzt.

Was in Anstrichstoffen enthalten ist

Anstrichstoffe müssen viele Aufgaben gleichzeitig erfüllen, dementsprechend komplex ist das Gemisch. Trotz der vielen unterschiedlichen Rezepturen diverse Hersteller ist das Grundgerüst fast immer dasselbe. Es besteht im Grunde aus vier Komponenten:

1. Bindemittel

Das Bindemittel bildet gemeinsam mit den Pigmenten den Anstrich. Nachdem das organische Lösemittel oder Wasser entweicht, entsteht ein Schutzfilm. Das Bindemittel sorgt für die notwendige Haftung auf dem Untergrund und es verteilt die Pigmente gleichzeitig. Wandfarben und Lasuren besitzen in der Regel einen geringen Bindemittelanteil, wodurch der Schutzfilm offenporig ist.

Bindemittel werden aus Naturölen sowie Tier- oder Pflanzenharzen hergestellt. Je höher ihre Qualität, desto länger ist die Elastizität, Haltbarkeit und Härte des Anstrichstoffes. Aus Kostengründen kommen in den meisten Anstrichstoffen Kunstharze wie Polyvinylacetate, Acrylate oder modifizierte Naturharze wie Alkydharze zum Einsatz.

2. Pigmente

Pigmente sind natürlich oder künstlich und organischen oder anorganischen Ursprungs. Das bekannteste natürliche Pigment ist Kreide, welches unter anderem als Füllstoff genutzt wird. Ein unverzichtbares Weißpigment ist das künstliche Titandioxid, welches eine besonders gute Deckkraft und Witterungsbeständigkeit besitzt. Einige Pigmente besitzen positive Eigenschaften für Holzschutz, Korrosionsschutz sowie UV-Absorption.

Um individuelle Farbtöne zu erreichen, werden Basislacken oder weißen Wandfarben „Universal-Abtönpasten“ beigemischt. Diese besitzen einen hohen Pigmentgehalt und sind ideal für wasserbasierte und lösemittelhaltige Produkte.

Früher wurden Pigmente häufig aus Schwermetallverbindungen wie Chrom, Blei oder Kadmium hergestellt, diese wurden mittlerweile durch organische und anorganische Verbindungen ersetzt, die für den Körper weniger giftig sind.

3. Lösemittel

Anstrichstoffe werden mithilfe von Lösemitteln sprüh- oder streichfähig, indem sie die Pigmente und Bindemittel in Lösung halten. Beim Streichen und anschließendem Trocknen verdunsten sie komplett, sodass der Anstrich fest wird und ein Schutzfilm entsteht. Diese flüchtige organische Verbindung beeinträchtigt allerdings sowohl die Gesundheit als auch Umwelt. Konventionelle Lacke besitzen einen Lösemittelgehalt von 35 Prozent und mehr.

In Lacken, Lasuren und Wandfarben auf Wasserbasis werden organische Lösemittel größtenteils durch Wasser ersetzt. Dadurch kann die Belastung für Umwelt und uns Menschen deutlich reduziert werden. Auch Dispersionswandfarben basieren meist auf Wasser. Andere Wandfarben besitzen geringe Anteile (2,5 Prozent) von organischen Lösemitteln und anderen Verbindungen.

Innerhalb der EU wird der Gehalt von flüchtigen organischen Stoffen in Lacken und Farben gemäß der Richtlinie 2004/42/EG begrenzt. Die EU-Decopaint-Richtlinie gilt für alle Lacke, Lasuren und Farben, die als Anstrichstoffe im Haus für Türen, Heizkörper, Fenster, Treppen und so weiter, gedacht sind. Von dieser Richtlinie ausgenommen sind Möbel.

4. Additive

Additive sind Hilfsstoffe oder Zusatzstoffe, die dem Beschichtungsstoff in kleinen Mengen beigemischt werden, um bestimmte Gebrauchs- und Verarbeitungseigenschaften zu erreichen. Zu diesen Eigenschaften gehören:

  • Verhinderung einer „Hautbildung“
  • Anstrichstoff verdicken und tropffrei machen
  • das Trocknen beschleunigen
  • Anstrichfilm vor Pilzbefall schützen

Ein Teil dieser Stoffe belastet die Umwelt und die Gesundheit der Menschen. Gütesiegel prüfen die Rezepturen auf ihre negativen Effekte. Produkte mit dem Blauen Engel dürfen zum Beispiel nicht krebserzeugend sein oder die Umwelt belasten.

Worauf man bei der Produktwahl achten muss

Bei der Verschönerung des Eigenheims gibt es nichts Wichtigeres als die Verwendung von qualitativ hochwertigen Produkten. Wer zum Beispiel Farben und Lacke im Innenbereich verstreicht, die eigentlich für den Außenbereich gedacht sind, belastet unnötig seine eigene Gesundheit. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Versiegelung von Oberflächen im Haus ohnehin negative Folgen auf das Raumklima hat. Ein gesundes Raumklima ist nur dann möglich, wenn möglichst viele atmungsaktive Flächen gegeben sind. Alle verwendeten Materialien, also Türen, Bodenbeläge, Fenster, usw. müssen das Raumklima durch die Aufnahme und Abgabe von Feuchtigkeit regulieren.

Aus diesem Grund ist es wichtig, beim Kauf von Wandfarben nicht zu sparen. Der Einkaufspreis sollte somit nicht der Kaufgrund sein, sondern der „Verbrauch pro Quadratmeter“. Billigfarben haben in diesem Bereich, der Ergiebigkeit, große Nachteile. Sie decken meist nur etwa die Hälfte der Fläche ab, welche mit Qualitätsfarbe möglich wäre.

In puncto Schadstoffgehalt gibt es zwischen den einzelnen Produkten große Unterschiede, die für Laien kaum erkennbar sind. Weder selbst kreierte Umweltzeichen der Hersteller noch aufgedruckte Hinweise wie „lösemittelfrei“ sind nicht unbedingt verlässlich. Gleiches gilt für Namen wie „Bio-“ oder „Ökolack“. Diese Bezeichnungen sind nicht genormt und lediglich ein Marketinginstrument, das nichts über die Umweltbelastung aussagt.

Verbraucher sollten sich bei der Wahl der Farben, Lacke und Lasuren an Qualitätssiegeln wie dem Blauen Engel oder der EU-Blume sowie an Empfehlungen des Umweltbundesamtes orientieren. Eine weitere Anlaufstelle ist das Renovierungsmagazin: Hier gibt es praktische Tipps rund um das Renovieren der eigenen vier Wände.

Artikelbild: © Africa Studio / Shutterstock

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