Mit welchen Kosten muss man beim Außenputz rechnen?

Mit welchen Kosten muss man beim Außenputz rechnen?

Ob man nun neu baut oder ein bestehendes Haus saniert, kann es leicht zu Kosten kommen, die man im Vorfeld vollkommen falsch eingeschätzt hat. Ein sehr wichtiger Kostenfaktor ist hierbei der Außenputz der Fassade.

Welche Kosten sind für den Außenputz der Fassadenfläche zu beachten?

In diesem Punkt kann kein pauschaler Preis genannt werden, denn es müssen eine Reihe von Faktoren berücksichtigt werden. Im Schnitt kann man jedoch Kosten von 25 bis 55 Euro pro Quadratmeter einplanen. Wenn es um einen Oberputz in Standardausführung(PDF) geht und es nicht zu besonderen Zusatzaufgaben auf der Baustelle kommt.

Kostenfaktor Preis
Gerüst inkl. einer Gerüstmiete für ca. 3 Wochen und Lieferung auf die Baustelle 780 Euro
Putzmaterial sowie komplette Putzschienen 1.140 Euro
Arbeitskosten 4.700 Euro
Gesamtkosten 6.620 Euro
Kosten pro Quadratmeter Außenfassade 66,20 Euro

Muss eine Wärmedämmung angebracht werden, dann muss man mit zusätzlichen Kosten von 45 bis 60 Euro pro Quadratmeter rechnen. Die Kosten für die Dämmung sind abhängig von der Stärke des Dämmmaterials und wie die Dämmung angebracht wird. Gesamtkosten von 120 bis 140 Euro pro Quadratmeter sind so schnell erreicht.

Ein Beispiel zur besseren Verständlichkeit. Die Außenfassade hat eine Fläche von 100 Quadratmeter. Die Fassade soll komplett neu verputzt werden, wobei mit einer Fassadenhöhe von rund 8 Metern zu rechnen ist. Die Fassade ist glatt, also ohne Mauervorsprünge und sonstige Kanten. Verputzt wird mit einem einfarbigen Putz im Standard-Verfahren ohne Struktur des Oberputzes.

Wird jedoch ein anderes Putzsystem verwendet und denkt man an eventuelle örtliche Gegebenheiten, kann es zu großen Preisunterschieden beim Außenputz kommen. Im Beispiel kann man deutlich erkennen, dass die Arbeitskosten deutlich über den Materialkosten liegen. Meist liegen die Materialkosten bei rund 20 % der gesamten Baukosten für das Verputzen einer Außenfassade.

Warum verschätzt man sich oft bei den Kosten für den Außenputz?

Diese Frage lässt sich leicht beantworten, denn man sieht meist nur die relativ günstigen Materialkosten für das Putzmaterial und vergisst dabei den Aufwand, der dahinter steckt. Gerade beim Verputzen sind viele Nebenarbeiten, die man nicht unterschätzen sollte, zu erledigen. Diese reichen in der Regel vom Aufbau des Gerüstes über das mehrschichtige Verputzen der Außenfassade bis hin zum Anstrich der Außenwand.

Hinzu kommen eine eventuelle Dämmung nach den Vorgaben des WDVS sowie die Preisunterschiede der verschiedenen Handwerker. Unter Umständen kann man die Arbeitskosten reduzieren, wenn man den Außenputz in Eigenleistung aufträgt. Muss tatsächlich eine Wärmedämmung angebracht werden, dann bedeutet dies auch eine Mehrleistung.

Genau wie beim Fassadenputz sind auch hier die Materialkosten relativ günstig. Beim Anbringen der Wärmedämmung sollte man jedoch auf eine Fachfirma zurückgreifen und dies kann die Gesamtkosten in die Höhe treiben.

Preisunterschiede durch Kostenfaktoren beim Außenputz

Viele Kostenfaktoren sind für die endgültigen Baukosten beim Außenputz zu berücksichtigen.

  • Höhe und Abmessungen der Fassade = Gesamtfläche der Außenfassade
  • Ausführung der Fassade
  • Vorhandener Untergrund auf der Fassadenfläche
  • Beschaffenheit des Untergrundes
  • Wird eine Wärmedämmung benötigt oder nicht

Um einen annähernd richtigen Preis für die Außenputz Arbeiten zu bekommen, sollte man einen Fachfirma mit einer Besichtigung vor Ort beauftragen.

Bei Pauschalpreisen, die ohne Besichtigung genannt werden, kann es zu großen Überraschungen kommen.

Welche Rolle spielt die Größe der Fassade bei den Kosten?

Die Abmessung der Fassade hat gleich mehrere wichtige Bedeutungen für die Kosten beim Außenputz.

  • Menge des Materials = Materialkosten
  • Arbeitskosten
  • Kosten für das Gerüst

Die meisten Fachbetriebe kalkulieren die Kosten für den Außenputz anhand der Abmessungen der Außenfassade. Versierte Handwerker können auf diese Weise den ungefähren Materialbedarf für den Putz abschätzen. Wird jedoch eine größere Fläche verputzt, dann kann es durchaus sein, dass der Quadratmeterpreis günstiger ausfällt, denn der Gesamtaufwand relativiert sich durch die größere Fläche.

Auch bei den Kosten für das Gerüst wird nach Quadratmetern gerechnet. Für die meisten Putzarbeiten kommen Gerüste der Klasse 4 bis 6 zum Einsatz. Je nach Region betragen die preise für das Gerüst inklusive der Gerüstmiete zwischen 6 und 12 Euro pro Quadratmeter Fassadenfläche. Des Weiteren sind die Preise für das Gerüst sehr stark von der Höhe der Fassade abhängig.

Soll eine Fassade mit mehr als 10 Meter Höhe mit Außenputz versehen werden, kann der Preis für das Gerüst höher ausfallen.

Was hat die Beschaffenheit der Fassade mit den Kosten für den Oberputz zu tun?

Hierbei handelt es sich um einen sehr wichtigen Kostenfaktor. Einige Punkte sind unbedingt zu beachten.

  • Wie ist der Untergrund beschaffen?
  • Hat die Fassade Kanten, Ornamente und Reliefs oder Vorsprünge?
  • Gibt es Erker oder Ähnliches an der Fassade?

Eine Außenfassade mit Vorsprüngen und dergleichen lässt sich deutlich schwerer mit Putz versehen als eine glatte Fassadenfläche. Es kommt zu einem großen Aufwand, weil viele der Nacharbeiten nur per Hand ausgeführt werden können. Genauso sieht es bei Erkern und anderen Gegebenheiten an der Fassade aus, da die Arbeiten deutlich erschwert werden. Der ausführende Fachbetrieb muss extra Zeit einplanen, sodass sich dies deutlich auf die Kosten für den Außenputz auswirkt.

Ist der Untergrund der Fassade uneben oder hat eine schlechte Haftung, muss dieser ebenfalls aufwendig vorbereitet werden. Es muss eine zusätzliche Grundierung aufgetragen werden, ein Unterputz muss auf die Fassade aufgetragen werden, weshalb meist teurere Putzsysteme zum Einsatz kommen. Fachbetriebe sprechen in diesem Zusammenhang auch von einem Putzträger. Der Putzträger kommt immer zum Einsatz, wenn sich Putzgrund nicht eignet.

Was ist ein Putzsystem?

In den meisten Fällen ist der Putz an der Außenfassade mehrlagig. Damit alle Putzschichten gut haften, müssen erst eine Grundierung und ein Spritzbewurf aufgetragen werden. Dies sind bereits die ersten beiden Schichten beim Außenputz. Sind diese beiden Schichten trocken, wird der Unterputz auf das Mauerwerk aufgetragen, bevor die oberste Putzschicht zum Einsatz kommt. Die oberste Putzschicht kann farbig oder auf eine besondere Art und Weise strukturiert sein.

Alle Schichten und Putzarten, die zum Einsatz kommen, nennt der Handwerker das Putzsystem. Bei einem Standard-Putzsystem werden für die Kalkulation die Baupreise in den meisten Fällen zusammengefasst, selbst dann, wenn die verschiedenen Materialien unterschiedliche Preise haben. Baupreise nach einzelnen Schichten können nur genannt werden, wenn die Fassade einen entsprechenden Untergrund hat.

Wie wird ein Richtwert ermittelt?

Damit man die Kostenschätzungen für den Außenputz einigermaßen nachvollziehen kann, werden die Baupreise von einem durchschnittlichen Einfamilienhaus in Standard-Bauweise umgerechnet und auf die Wohnfläche bezogen. Die Kosten steigen bei vergleichbaren Häusern proportional zur Wohnfläche, sodass man hier einen guten Richtwert bekommt, ohne mühsam alle Einzelkosten zu addieren.

Selbstverständlich spielt die Region eine wichtige Rolle, aber auch die Preisgestaltung des Handwerkers. An Materialkosten muss man mit Putz für den Sockel, Material für den Unterputz sowie für den Oberputz rechnen. Für den Richtwert wird meist ein herkömmlicher Buntsteinputz für den Sockel und ein Polystyrol Reibeputz mit einer Körnung von 15 Millimeter für die Außenwände genommen. Dazu müssen Kosten für Sockelabschlussleisten, Putzleisten, Putzabschlussprofil und Kleinmaterial wie Kantenschutz addiert werden.

Entscheidet man sich aber für andere Putzarten wie zum Beispiel Kalkzementputz, Reibeputz, Lehmputz, Strukturputz oder Kalkputz muss man den Baupreis nach oben oder unten korrigieren. Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass der Richtwert eine gute Ausgangsbasis bietet, um die Kosten für Außenputz einzuschätzen. Materialkosten und Arbeitskosten entsprechen bei dieser Kalkulation den Baupreisen von Fachbetrieben.

Außenputz günstiger durch Eigenleistung

Möchte man seine Fassade in Eigenleistung verputzen, sollte man auf die üblichen Materialkosten rund 15 % aufschlagen, da man als Privatmann selten von so günstigen Preisen wie ein Handwerker profitieren kann. Im Schnitt kann man pro Quadratmeter Außenputz mit Materialkosten von etwa 37 Euro rechnen. Jedoch sollte man bei den Putzarbeiten über das nötige handwerkliche Können verfügen. Bei der Kalkulation für die Kosten des Außenputzes darf man selbst bei Eigenleistung die Kosten für das Gerüst nicht vergessen.

Ist die Wärmedämmung zwingend vorgeschrieben?

Nur Gebäude, die vor 1983 gebaut wurden, müssen mit einer Wärmedämmung nachgerüstet werden. Laut EnEV ist für solche Häuser die Fassadendämmung zwingend vorgeschrieben, wenn die Fassade einen neuen Außenputz erhält. Muss eine Dämmung angebracht werden, muss man auch mit deutlich höheren Kosten für den Außenputz rechnen. Bei einem Haus mit einer Fassadenfläche von rund 100 Quadratmeter wären das etwa 5.000 Euro an Mehrkosten beim Anbringen der Dämmung.

Somit sind Gesamtkosten von 11.500 bis 13.500 Euro nicht unwahrscheinlich. Der gesetzliche Zwang zur Dämmung ist für jeden bindend. Man kann sich davon nur befreien, wenn das Gebäude denkmalgeschützt ist und die Fassade erhalten bleiben muss. Die Dämmung kann auch verweigert werden, wenn die Kosten für die Wärmedämmung wirtschaftlich nicht vertretbar sind.

Wann ist eine Dämmung wirtschaftlich?

Experten sagen, dass eine Dämmung dann unwirtschaftlich ist, wenn sich die Kosten für die Wärmedämmung nicht innerhalb eines überschaubaren Zeitraumes amortisieren. Schaut man sich das Beispiel aus dem Text an, dann wäre die Dämmung nur wirtschaftlich, wenn pro Jahr zwischen 300 und 400 Euro an Energiekosten eingespart werden könnten.

Die Wirtschaftlichkeit der Dämmung muss immer durch einen Gutachter festgestellt werden. Die Kosten für ein solches Gutachten betragen im Schnitt 1.000 Euro. Das ist aber immer noch billiger als eine unwirtschaftliche Dämmung.

Viele der hoch modernen Ziegel erfüllen wärmedämmende Eigenschaften. Sind solche Ziegel am Haus verbaut, kann man diese durchaus mit Putz überziehen. Zwingend notwendig wird hier jedoch ein Leichtputz als Fassadenputz.

Gleicher Putz für Innenwände und Außenfassade?

Möchte man zeitlich mit dem Außenputz auch die Innenwände im Haus verputzen, ist es ratsam, dass man eine Putzart wählt, die für beide Bereiche verwendet werden kann. Eine gute Wahl in einem solchen Fall ist der Kalkzementputz. Kalkzement hat eine höhere Druckfestigkeit als der übliche Kalkputz.

Gleichzeitig ist Kalk als Putz diffusionsoffen und unempfindlich gegen Feuchte. Somit kann man mit einer Putzart den Innenputz und den Außenputz durchführen. Für den Innenputz sowie für den Außenputz kann man auch sehr gut Modellierputz einsetzen. Dieser wird per Hand oder mit einer Maschine gefilzt bzw. modelliert.

Was versteht man unter Putzgrund?

Putzgrund wird immer unter dem Dekorputz verwendet. Durch Putzgrund bekommt die Wand eine gleichmäßige Struktur und kann später farblich angepasst werden.

Zusammenfassung

Sicherlich kann man ein Haus auch in Eigenleistung mit Fassadenputz versehen. Jedoch sollte man über ausreichend handwerkliches Geschick und das benötigte Werkzeug verfügen. Muss eine zusätzliche Wärmedämmung angebracht werden, ist zwingend ein Fachbetrieb zu beauftragen.

Artikelbild: bildlove / Bigstock.com

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