Was kostet ein Tiny House? Preise & Beispiele
Kurzantwort: Was kostet ein Tiny House aktuell?
Ein Tiny House kostet je nach Größe, Bauweise und Ausstattung zwischen 30.000 und 80.000 Euro. Die Spanne reicht von etwa 15.000 Euro für einen minimalen Selbstbau bis zu 150.000 Euro für ein hochwertiges, schlüsselfertiges Modell mit Autarkie-Ausstattung. Bei schlüsselfertigen Modellen liegen die Quadratmeterpreise zwischen 2.000 und 3.800 Euro, beim Selbstbau bei 1.200 bis 2.200 Euro pro Quadratmeter. Damit sind Tiny Houses pro Quadratmeter oft teurer als klassische Häuser, aber die absolute Summe bleibt dank der kleinen Wohnfläche überschaubar.
Die größten Kostentreiber: Größe, Ausbaustandard (Materialien und Technik), die Entscheidung zwischen mobilem und stationärem Bau sowie der Grad der Autarkie (Solar, Batterie, Komposttoilette). Auch das passende Grundstück oder der Stellplatz beeinflusst die Gesamtrechnung, ebenso wie Transport, Aufbau und Erschließung. Für ein realistisches Budget solltest Du neben dem Kaufpreis auch Nebenkosten (5.000 bis 35.000 Euro) und laufende Kosten (150 bis 450 Euro monatlich ohne Stellplatz) einplanen.
Auf einen Blick:
– Minimaler Selbstbau: ab ca. 15.000 Euro
– Bausatz: 5.000 bis 20.000 Euro plus Ausbau
– Mobile Modelle: 20.000 bis 60.000 Euro
– Stationäre Modulhäuser: 60.000 bis 120.000 Euro
– Autarke Premium-Tiny Houses: 80.000 bis 150.000 Euro
Die großen Kostenfaktoren
Die Kosten verändern sich stark mit Deinen Entscheidungen. Je klarer Du Dein Nutzungsprofil (Ganzjahreswohnen oder Feriennutzung), Deine Standortbedingungen (Kälte, Wind, Sonne) und Deinen Komfortanspruch definierst, desto verlässlicher kannst Du kalkulieren.
Größe und Durchschnittspreis pro Quadratmeter
Je kleiner die Fläche, desto stärker wirken fixe Kosten pro Quadratmeter. Ein 18-Quadratmeter-Haus benötigt fast genauso viele Anschlüsse, Fenster und Technik wie ein 28-Quadratmeter-Haus. Deshalb liegt der Durchschnittspreis pro Quadratmeter bei sehr kleinen Modellen höher. Schlüsselfertige Häuser kosten zwischen 2.000 und 3.800 Euro pro Quadratmeter, bei High-End-Ausstattung oder Sonderlösungen auch 4.000 Euro pro Quadratmeter. Im Selbstbau sind mit viel Eigenleistung 1.200 bis 2.200 Euro pro Quadratmeter realistisch, wenn Du Materialpreise optimierst und Werkzeuge bereitstehen.
Mehr Fläche bedeutet nicht nur mehr Material, sondern oft auch statisch anspruchsvollere Konstruktionen (besonders bei mobilen Häusern wegen Achslast und Höhe). Wer knapp kalkuliert, setzt deshalb lieber auf kompakte Grundrisse mit cleveren Stauraumlösungen, statt die Wohnfläche weiter zu vergrößern.
Bauweise: mobil vs. stationär
Mobile Tiny Houses (THOW, Tiny House on Wheels) unterliegen Maß- und Gewichtsgrenzen, was Struktur, Dämmung und Innenausbau beeinflusst. Leichte Materialien sind teurer und verlangen präzise Ausführung, damit das Gesamtgewicht passt. Stationäre Tiny Houses können massiver bauen, profitieren von besserer Wärmespeicherfähigkeit und benötigen meist eine Baugenehmigung wie ein kleines Wohnhaus.
Mobil heißt oft niedrigere Erschließungskosten, dafür aber Transport, Sonderausstattung (Trailer, Kupplung) und Straßenverkehrsrecht. Stationär heißt Fundament, Anschlüsse und strengere Bauordnungen, was die Kosten verschiebt. Bei gleichem Komfortniveau sind stationäre Lösungen in Summe oft teurer, bieten aber langfristig höhere Substanz und bessere Wärmeeffizienz.
Ausbaustandard und Materialien
Die Wahl zwischen IKEA-Küche und Manufaktur-Einbau, zwischen Kiefer-Furnier und Eiche massiv, zwischen Standard-Fenstern und Dreifachverglasung entscheidet über fünfstellige Summen. Auch Dämmstoffe variieren: Mineralwolle ist preiswert, Holzfaser und Schafwolle sind ökologischer und verbessern den Sommerhitzeschutz, kosten aber mehr. Feuchte- und Luftdichtheit sind im Tiny House noch kritischer, deshalb sparen viele beim Finish, nicht bei der Bauphysik.
Technik ist ebenfalls ein Hebel: Eine Luft-Luft-Wärmepumpe oder ein hochwertiger Infrarot-Heizplan kostet mehr als ein simpler Heizlüfter, senkt aber laufende Kosten und verbessert den Komfort. Plane Budget für Lüftung mit Wärmerückgewinnung ein, wenn Du das Haus ganzjährig nutzt. Sonst steigt das Schimmelrisiko und damit der spätere Sanierungsaufwand.
Autarkie-Systeme und Technik
Autarkie klingt romantisch, kostet aber. Eine solide PV-Anlage mit 1,5 bis 3 kWp und Lithium-Speicher liegt schnell bei 5.000 bis 12.000 Euro, je nach Montage und Wechselrichter. Eine Trockentrenntoilette spart Abwasseranschluss, erfordert aber Nutzungsdisziplin und regelmäßige Entsorgung. Ein Frischwassertank mit Filter, Pumpe und Frostschutz addiert 800 bis 2.500 Euro. Wer Wintertauglichkeit möchte, investiert in bessere Dämmung, Kältebrückenfreiheit und effiziente Heizung, statt nur auf PV zu setzen.
Voll-Autarkie (Solar, großer Batteriespeicher, Regenwasseraufbereitung, Gas- oder Pelletheizung) kann 10.000 bis 30.000 Euro zusätzlich kosten. Teilautarkie (Stromnetz, aber Komposttoilette und Regenwassernutzung) ist günstiger und oft alltagstauglicher.
Transport, Aufbau und Erschließung
Transport per Tieflader über längere Distanzen kostet oft 1.000 bis 3.500 Euro, bei Sondergenehmigungen oder schwer zugänglichem Gelände mehr. Der Kran für die Aufstellung schlägt je nach Tonnage mit 500 bis 2.000 Euro zu Buche. Stationär brauchst Du zusätzlich ein Fundament (Punkt- oder Streifenfundament: 1.500 bis 6.000 Euro), Anschlusskosten (Strom, Wasser, Abwasser: 2.000 bis 12.000 Euro) und eventuell Gutachten (Statik, Bodengutachten) im Bereich 500 bis 2.500 Euro. Je früher Du die Erschließung klärst, desto seltener gibt es böse Überraschungen.
Preise im Vergleich: 5 konkrete Beispiele
Realistische Beispiele helfen Dir, zwischen Wunsch und Budget die richtige Balance zu finden. Die Spannen berücksichtigen Materialpreise 2024/25, übliche Eigenleistungen und typische Nebenkosten ohne Grundstück.
Beispiel 1: Minimaler Selbstbau (18 bis 22 m²)
Du kaufst einen Trailer (3.500 bis 6.500 Euro), Holzrahmen, einfache Dämmung (z.B. Mineralwolle), OSB/Profilholz, Second-Hand-Fenster, eine gebrauchte Küche und eine Trockentrenntoilette. Die Heizung löst Du mit Infrarotpanelen oder einem kleinen Ofen, Warmwasser mit Durchlauferhitzer. Du machst Holzbau, Dämmung und Innenausbau selbst, holst Dir Hilfe bei Elektrik und Gas.
- Gesamt: etwa 18.000 bis 35.000 Euro
- Charakter: puristisch, funktional, für Sommerbetrieb top, im Winter mit Komforteinbußen
- Risiken: Gewicht, Feuchteschutz, Luftdichtheit (sorgfältige Planung ist entscheidend)
Beispiel 2: Bausatz + Eigenleistung (20 bis 28 m²)
Du bestellst einen Fertigbausatz (Rohbau, Dämmung, Fenster, Türen) ab 8.000 bis 20.000 Euro. Innenausbau (Boden, Küche, Bad, Elektrikverkabelung) machst Du selbst, Sanitär von Profis. Du investierst in bessere Dämmung, ordentliche Fenster und eine kleine PV-Insel ohne große Batterie.
- Gesamt: etwa 35.000 bis 60.000 Euro
- Charakter: gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, solide Ganzjahrestauglichkeit mit durchdachter Heizung
- Risiken: Bauzeit, Werkzeugkosten, eventuell Nachkäufe wegen Planänderungen
Beispiel 3: Mobiles Tiny House auf Anhänger, schlüsselfertig (18 bis 24 m²)
Ein professioneller Hersteller liefert ein THOW mit leichter Bauweise, Dreifachverglasung, elektrischer Heizung (oder kleiner Luft-Luft-Wärmepumpe), Duschbad, Küche und möbliertem Loft. Optional Solarmodul am Dach, Trockentrenntoilette oder Ablauf für Campingplatz.
- Gesamt: etwa 55.000 bis 85.000 Euro
- Charakter: sofort bezugsfertig, gute Verarbeitung, Gewährleistung
- Risiken: Lieferzeiten, Gewicht an der 3,5-Tonnen-Grenze, Ausstattungseinbußen zugunsten der Zulassung
Beispiel 4: Stationäres Modul-Tiny-House, schlüsselfertig (28 bis 40 m²)
Du entscheidest Dich für ein Modulhaus mit Holzrahmen oder CLT, sehr guter Dämmung, richtiger Dusche und normaler Haus-Elektrik. Aufstellung auf Punktfundamenten, Anschlüsse an Strom/Wasser/Abwasser, vollwertige Küche. Optional Fußbodenheizung mit Wärmepumpe.
- Hauspreis: 70.000 bis 110.000 Euro (je nach Größe und Ausstattung)
- Nebenkosten: 8.000 bis 25.000 Euro (Fundament, Anschlüsse, Transport/Kran, Genehmigung)
- Gesamt: etwa 85.000 bis 135.000 Euro
- Charakter: sehr wohnlich, top Energieeffizienz, wenig Kompromisse im Alltag
Beispiel 5: Autarkes Premium-Tiny-House (22 bis 30 m²)
Du setzt auf hochwertige Materialien (Holzfassade, Echtholz, maßgefertigte Möbel), umfangreiche Autarkie (PV 3 kWp, 5 bis 10 kWh Speicher, Regenwasserfilter, Trockentrenntoilette), smarte Steuerung und Wintertauglichkeit bis minus 15 Grad Celsius.
- Gesamt: etwa 95.000 bis 150.000 Euro
- Charakter: maximal unabhängig, langfristig niedrige Betriebskosten, hoher Anfangspreis
- Risiken: Komplexität der Technik, Wartung, Ersatzteilkosten nach 5 bis 10 Jahren
Nebenkosten: Grundstück, Genehmigung, Erschließung, Transport
Die Nebenkosten sind der blinde Fleck vieler Kalkulationen. Sie entscheiden oft darüber, ob Dein Projekt tragfähig bleibt. Stationär fallen mehr Posten an als bei mobilen Varianten, dafür sind Betrieb und Werthaltigkeit anders zu bewerten.
Grundstück: Kaufpreise variieren regional stark. Für Tiny Houses sind auch Pacht oder Stellplätze in Tiny-House-Dörfern verbreitet. Rechne beim Kauf zusätzlich mit Grunderwerbsteuer, Notar und Vermessung. Bei Pacht sind Indexklauseln und Nebenkostenumlagen relevant. Ein einzelner Stellplatz ohne Anschlüsse kostet monatlich oft 150 bis 500 Euro, je nach Lage und Region.
Genehmigung und Auflagen: Stationäre Häuser benötigen meist eine Baugenehmigung, inklusive Bauvoranfrage, Lageplan, Statik und Brandschutz (zusammen 1.500 bis 6.000 Euro). Bauordnungen regeln Abstandsflächen, Traufhöhe und Erschließung. Mobile Tiny Houses unterliegen bei Straßenverkehr Beschränkungen (Breite, Höhe, Gewicht, Zulassung) und bei Daueraufstellung dennoch lokalen Satzungen. Eine frühzeitige Bauberatung spart später Ärger und Geld.
Transport, Aufbau und Erschließung: Der Transport kostet 1.000 bis 3.500 Euro, eventuell zuzüglich Begleitfahrzeug oder Sondergenehmigung. Der Kran für die Aufstellung fällt mit 500 bis 2.000 Euro ins Gewicht. Stationäre Varianten brauchen Fundamente (1.500 bis 6.000 Euro) und Anschlüsse an Strom/Wasser/Abwasser (2.000 bis 12.000 Euro). Eine provisorische Lösung (IBC-Tank plus Trockentrenntoilette) reduziert Anfangskosten, ändert aber Alltagsabläufe.
Typische Nebenkosten-Spannen:
– Mobil: 2.000 bis 8.000 Euro
– Stationär: 8.000 bis 25.000 Euro
– Aufwendige Genehmigungen oder schwierige Erreichbarkeit können die Obergrenze deutlich verschieben.
Laufende Kosten und Versicherungen
Die laufenden Kosten hängen von Energiebedarf, Nutzung (Ganzjahr vs. Wochenenden), Standort und Autarkiegrad ab. Für Strom reichen bei effizienter Heizung im gut gedämmten Tiny House jährlich oft 1.200 bis 2.400 kWh, was bei aktuellen Strompreisen 400 bis 900 Euro entspricht. Heizung per Strom ist komfortabel, per Gas flexibel, per Pellets nachhaltig. Die Gesamtkosten schwanken mit Energiepreisen und Nutzungsprofil.
Wasser und Abwasser bemessen sich nach Verbrauch. Realistisch sind 10 bis 25 Kubikmeter Wasser im Jahr für eine Person, je nach Duschgewohnheiten. Müll, Straßenreinigung und Grundsteuer treffen vorrangig stationäre Projekte. Bei Pachtplätzen sind diese oft inklusive oder werden umgelegt. Zusätzlich fallen Wartungskosten für Technik an (Filter, PV-Monitoring, Dichtheitsprüfungen), im Durchschnitt 100 bis 300 Euro jährlich.
Versicherung: Für mobile Tiny Houses brauchst Du eine Kfz-Haftpflicht für den Anhänger im Straßenverkehr, oft kombiniert mit Sonderlösungen (z.B. Kasko im Stand). Stationäre Häuser versicherst Du wie ein Kleinhaus: Wohngebäude- oder Gebäude-Teilversicherung gegen Sturm, Hagel, Leitungswasser und Feuer. Eine Hausratversicherung schützt Deine Einrichtung, Haftpflicht deckt Schäden an Dritten. Plane jährliche Versicherungsprämien von 150 bis 600 Euro, abhängig von Deckung und Standort.
Finanzierung und Fördermöglichkeiten
Tiny Houses sind finanzierbar, aber die Banklogik ist anders: Mobile Objekte gelten nicht als Grundpfand, ihr Wiederverkaufswert ist schwerer zu beleihen. Stationäre Modulhäuser auf eigenem Grundstück lassen sich eher wie Baufinanzierungen finanzieren, solange die Baurechtssituation klar ist.
Banken und Kredite: Ein klassischer Ratenkredit (10.000 bis 80.000 Euro) hat höhere Zinsen als eine Baufinanzierung, ist aber flexibel. Mit Sicherheiten (z.B. Grundschuld auf Grundstück) sinkt der Zinssatz. Beim Selbstbau kann die Auszahlung in Tranchen kompliziert sein. Lieferantenfinanzierung oder Zwischenkredite überbrücken Materialkäufe.
Förderprogramme: Spezifische Tiny-House-Förderungen sind selten. Es gibt jedoch Programme für Energieeffizienz, Erneuerbare (z.B. PV-Förderung) und regionale Wohnbauförderungen, die sich auf Tiny Houses übertragen lassen, wenn Standards und Baurecht erfüllt sind. Schau bei Deiner Landes- oder Kommunalbank, bei Klimaschutz-Förderstellen und eventuell bei EU-Programmen für ländliche Räume. Für Autarkie sind oft PV-Zuschüsse und Batteriespeicherförderungen relevant. Bei Sanierungen von Bestandsstandorten auch Netzanschluss-Zuschüsse.
Leasing und Abo: Einige Anbieter bieten Leasing- oder Miet-Abo-Modelle an. Das senkt Einstiegskosten, erhöht aber die monatliche Belastung und bindet Dich an Vertragsbedingungen (Restwert, Laufzeit, Schäden). Ob sich das lohnt, hängt von Nutzungsdauer und Flexibilität ab.
Spartipps und Gebrauchtkauf
Sparen ohne Reue funktioniert, wenn Du an den richtigen Stellschrauben drehst. Vermeide Fehlkäufe, investiere in Bauphysik, und spare bei Dingen, die später leicht nachrüstbar sind.
Spartipps:
– Kompakter Grundriss statt größerer Hülle
– Eigenleistung beim Innenausbau
– Standard-Formate bei Fenstern und Türen
– Gebrauchte Küche und Sanitär
– Lokale Lieferanten für Transport
– Teilautarkie statt Vollautarkie
– Energieverbrauch senken durch Dämmung und Luftdichtheit
– Timing von Käufen in Saisonlöchern
Gebrauchtkauf: Ein gebrauchtes Tiny House ist oft 20 bis 40 Prozent günstiger, wenn Zustand und Dokumentation stimmen. Prüfe die Baujahr-Unterlagen, Statik/Trailer-Papiere, Elektrik-Protokolle, Dämm- und Feuchteschutz (Endoskopkamera hilft) sowie die Gewichtsreserven. Kalkuliere Transport, eventuelle Anpassungen (Anschlüsse, Heizung) und fehlende Gewährleistung ein. Ein guter Deal entsteht, wenn Du technisch sicher beurteilen kannst, was Dich in 5 bis 10 Jahren an Wartung erwartet.
10-Jahres-Lebenszykluskosten: Rechne mit dem echten Preis
Die Anschaffung ist nur der Anfang. Für eine fundierte Entscheidung lohnt sich eine Lebenszyklusrechnung über 10 Jahre, inklusive Wartung, Ersatzinvestitionen, Nebenkosten und Wertverlust. So vergleichst Du fair: Selbstbau vs. schlüsselfertig, mobil vs. stationär, autark vs. netzgebunden.
Beispielrechnung: Du kaufst ein schlüsselfertiges mobiles Tiny House für 70.000 Euro. Nebenkosten (Transport/Anschluss) betragen 6.000 Euro. Du pachtst einen Stellplatz für 320 Euro pro Monat und zahlst 220 Euro jährlich für Versicherungen. Energie/Wasser/Abfall liegen bei 55 Euro monatlich dank guter Dämmung. Nach fünf Jahren tauscht Du die Batterie (falls vorhanden) für 2.000 bis 4.000 Euro. Nach acht Jahren fällt eventuell ein Warmwassergerät an (500 bis 1.000 Euro). Unterstellter Wiederverkaufswert nach 10 Jahren: 45 bis 55 Prozent des Kaufpreises (abhängig von Markt, Zustand und Hersteller).
Damit ergeben sich grob folgende Bausteine:
– Anschaffung/Nebenkosten: 76.000 Euro
– Laufende Kosten in 10 Jahren (Pacht, Energie, Versicherung, Wartung): ca. 46.000 bis 52.000 Euro
– Ersatzinvestitionen: 2.500 bis 5.000 Euro
– Abzüglich Wiederverkauf: 31.500 bis 38.500 Euro
Der 10-Jahres-Gesamtaufwand liegt damit bei ungefähr 86.000 bis 101.000 Euro. Auf den Monat umgelegt: etwa 720 bis 840 Euro. Ohne Stellplatz (Eigengrundstück) reduziert sich die Spanne dramatisch, dann dominieren Anschaffung und Instandhaltung.
Bei einem stationären Modulhaus für 110.000 Euro mit 20.000 Euro Nebenkosten, aber niedriger Pacht (eigener Grund) und besserer Energieeffizienz, kann der Monatswert ähnlich oder günstiger ausfallen, obwohl die Startsumme höher ist. Das zeigt: Vergleiche nie nur den Kaufpreis, sondern die Lebenszykluskosten.
Leasing und Abo-Modelle: Kaufen oder mieten?
Leasing und Abo bieten Flexibilität, wenn Du Tiny Living erst testen willst oder kurzfristig Wohnraum brauchst. Die Monatsraten liegen je nach Anschaffungspreis, Laufzeit und Restwert typischerweise bei 350 bis 900 Euro, oft plus Stellplatz. Versicherungen, Wartung und Garantie sind teils inklusive, die Nutzungsrechte aber begrenzt.
Kauf vs. Leasing: Kaufen lohnt bei längerer Nutzung, wenn Du Wertstabilität und laufende Kosten im Griff hast. Leasing lohnt, wenn Flexibilität, planbare Monatsraten und Service wichtiger sind, Du aber Restwert und Vertragsnebenkosten im Blick behältst.
Entscheidend ist Dein Zeithorizont: Unter zwei Jahren ist Leasing oft günstiger, zwischen zwei und fünf Jahren vergleichbar, darüber hinaus gewinnt meist der Kauf (spätestens, wenn ein Wiederverkauf realistisch ist). Prüfe bei Abo-Modellen Kündigungsfristen, Schadenskataloge und die Haftung bei Standortwechsel.
Checkliste: Pachtvertrag im Tiny-House-Dorf
Ein Pachtvertrag regelt nicht nur den Preis, sondern Deine Rechte am Platz. Lies genau, weil Kleingedrucktes über die nächsten Jahre Kosten und Freiheit bestimmt.
Wichtige Klauseln:
– Laufzeit und Verlängerungsoptionen
– Kündigungsfristen und Sonderkündigung
– Erlaubte Nutzung (Ganzjahreswohnen, Meldeadresse)
– Nebenkostenumlage (Strom, Wasser, Müll) und Preisänderungsklauseln
– Bau- und Gestaltungsauflagen am Stellplatz
– Regeln für Untervermietung und Besucher
– Haftung/Versicherung für Schäden, Sturm, Bäume
– Pflichten bei Rückbau/Transport am Vertragsende
Eine ausgewogene Indexierung (z.B. an den Verbraucherpreisindex) ist besser kalkulierbar als willkürliche Anpassungen. Kläre vorab, wie Anschlüsse, Wartung und Gemeinschaftsflächen organisiert und berechnet werden. Dokumentiere alles schriftlich.
Mini-Kostenrechner: In 10 Minuten zur belastbaren Zahl
Mit diesem Mini-Rechner bekommst Du schnell eine belastbare Zahl. Du brauchst nur Papier oder eine Notiz-App. Rechne jeden Schritt konservativ und notiere Annahmen.
Schritt 1: Basispreis festlegen. Wähle Dein Szenario (Selbstbau, Bausatz, schlüsselfertig, mobil/stationär) und notiere einen realistischen Preisbereich. Beispiel: schlüsselfertig mobil 70.000 Euro.
Schritt 2: Ausstattungspakete addieren. Küche, Bad, Heizung, Fensterqualität, Möbel. Reserve 10 bis 20 Prozent auf den Basispreis, wenn Du gehobenen Standard willst. Beispiel: +9.000 Euro.
Schritt 3: Autarkie-Optionen prüfen. PV, Speicher, Trockentrenntoilette, Regenwasser. Addiere nur, was Deinen Alltag wirklich verbessert. Beispiel: PV+Speicher 8.000 Euro, TT-Toilette 1.500 Euro.
Schritt 4: Nebenkosten kalkulieren. Transport, Kran, Fundament, Anschlüsse, Genehmigung. Mobil eher 2.000 bis 8.000 Euro, stationär 8.000 bis 25.000 Euro. Beispiel stationär: +14.000 Euro.
Schritt 5: Regionales Preisdelta. Ländlich vs. städtisch, Handwerkerverfügbarkeit: plus/minus 5 bis 10 Prozent Sicherheitsaufschlag. Beispiel: +5 Prozent auf bisherige Summe.
Schritt 6: Laufende Kosten monatlich. Energie, Wasser, Müll, Versicherung, Stellplatz/Pacht. Beispiel: Energie+Wasser 55 Euro, Versicherung 20 Euro, Pacht 320 Euro = 395 Euro pro Monat.
Schritt 7: Finanzierung simulieren. Grob gerechnet: 1.000 Euro Kredit kosten bei 4 Prozent Zins und 15 Jahren Laufzeit etwa 7,40 Euro pro Monat. Beispiel: 80.000 Euro = ca. 592 Euro pro Monat.
Schritt 8: Lebenszyklus berücksichtigen. Ersatzinvestitionen (Batterie, Warmwasser, Verschleiß) und Wertverlust (z.B. 45 bis 55 Prozent Restwert nach 10 Jahren bei mobil). Plane eine jährliche Rücklage von 1 bis 2 Prozent des Hauswerts.
Schritt 9: Puffer einbauen. Unvorhergesehenes mit 10 bis 15 Prozent der Bausumme abdecken. Besser jetzt einkalkulieren als später nachfinanzieren.
Schritt 10: Zwei Szenarien vergleichen. Beispiel A: stationär ohne Autarkie. Beispiel B: mobil mit Teilautarkie. Entscheide nach Monatsbelastung und Lebenszykluskosten, nicht nach dem schönsten Moodboard.
Beispielrechnung (mobil, schlüsselfertig):
– 70.000 Euro Basis + 9.000 Euro Ausstattung + 9.500 Euro Autarkie = 88.500 Euro
– Nebenkosten 5.500 Euro = Summe 94.000 Euro
– Regionaler Puffer 5 Prozent = 98.700 Euro
– Puffer 10 Prozent = ca. 108.500 Euro
– Laufende Kosten: 395 Euro pro Monat
– Finanzierung 80.000 Euro = ca. 592 Euro pro Monat
– Gesamtbelastung pro Monat: etwa 987 Euro plus Rücklage
Das ist für eine Einzelperson oft tragfähig, für Paare noch attraktiver, vorausgesetzt Stellplatzlage und Job-Mobilität passen.
Download-Checkliste
Kopiere diese Liste in Deine Notizen:
- [ ] Nutzungsprofil definieren (Ganzjahr/Teilzeit) und Klima berücksichtigen
- [ ] Baurecht/Bauvoranfrage klären
- [ ] Budgetrahmen inklusive Puffer festlegen
- [ ] Entscheidung mobil vs. stationär treffen
- [ ] Ausbaustandard und Autarkiegrad wählen
- [ ] Stellplatz/Pachtkonditionen sichern
- [ ] Verbindliche Angebote holen für Transport, Fundament, Anschlüsse
- [ ] Finanzierung und Förderanträge planen
- [ ] Zeitplan und Ressourcen erstellen (Eigenleistung, Helfer, Werkzeug)
- [ ] Entscheidungen und Abnahmen sauber dokumentieren
FAQ
Was kostet ein Tiny House durchschnittlich?
Je nach Größe und Ausbaustandard liegen typische Preise zwischen etwa 15.000 Euro (Minimalmodell mit viel Eigenleistung) und 150.000 Euro (premium, schlüsselfertig, autark). Gängige Modelle kosten meist 30.000 bis 80.000 Euro.
Wovon hängen die Kosten am meisten ab?
Von Größe, Bauweise (mobil/stationär), Ausbaustandard, Materialien, Autarkie-Systemen sowie Grundstücks-, Transport- und Erschließungskosten.
Wie viel kostet ein Tiny-House-Bausatz?
Fertigbausätze starten häufig bei 5.000 bis 20.000 Euro, der Innenausbau und die Haustechnik kommen zusätzlich dazu.
Ist Selbstbau günstiger als schlüsselfertig?
Ja, mit Eigenleistung sparst Du bis zu rund 40 Prozent, brauchst aber Zeit, Know-how und gute Planung.
Was kostet ein mobiles Tiny House auf Anhänger?
Mobile Modelle liegen meist zwischen 20.000 und 60.000 Euro, je nach Ausstattung, Größe, Gewicht und Trailer-Qualität.
Welche Nebenkosten muss ich einrechnen?
Grundstück oder Stellplatz, Genehmigung, Transport, Aufbau (Kran), Erschließung/Anschlüsse und Versicherung. Stationär oft 8.000 bis 25.000 Euro, mobil 2.000 bis 8.000 Euro.
Gibt es Förderungen?
Direkte Tiny-House-Förderungen sind selten, aber Energie- und Effizienzprogramme (z.B. PV, Dämmung) sowie regionale Wohnbauförderungen sind möglich.
Wie hoch sind die laufenden Kosten?
Abhängig von Energiebedarf und Nutzung: Strom, Wasser, Heizung, Müll, Versicherung und eventuell Stellplatzmiete. Gute Dämmung reduziert die laufenden Kosten deutlich.
Brauche ich immer eine Baugenehmigung?
Stationär meistens ja. Mobile Modelle gelten als Anhänger/Wohnwagen und unterliegen StVO-Vorgaben, benötigen aber bei Daueraufstellung oft dennoch lokale Genehmigungen.
Lohnt sich ein gebrauchtes Tiny House?
Ja, wenn Zustand, Dokumentation, Gewährleistung und Transport geklärt sind. Der Gebrauchtkauf kann die Einstiegskosten deutlich senken.
