Fliesen bohren: Tipps und Tricks für ein perfektes Gelingen

Fliesen bohren: Tipps und Tricks für ein perfektes Gelingen

Fliesen sind aus dem Badezimmer praktisch nicht mehr wegzudenken. Das Material ist inzwischen aber auch als Bodenbelag in Fluren, Küchen und anderen Räumen des Hauses angesagt. Neben der leichten Pflege spricht das relativ einfache Verlegen für die Fliese. Das einzige Problem, auf das Heimwerker nach dem Verlegen stoßen, ist das Bohren von Fliesen. Wer hier nicht vorsichtig ist, wird beim Verlegen viele Fliesen zerbrechen.

Seifenspender, ein Halter für Handtücher oder die WC-Papierrolle – dieses Zubehör wird in einem Badezimmer an der Wand befestigt. Dort befinden sich meist die selbst verlegten Fliesen. Heimwerker, die ihr Bad in Eigenregie gefliest haben, wissen, wie viel Mühe sie sich dabei gegeben haben. Bei der Befestigung des notwendigen Zubehörs müssen sie die Fliesen wohl oder übel bohren. Ein kleiner Fehler und die schönen Fliesen zerspringen.

In diesem Artikel erklären wir Heimwerkern, wie sie jedes denkbare Accessoire im Badezimmer anbringen, ohne die Fliesen zu beschädigen.

Dürfen Mieter Fließen überhaupt durchbohren?

Mieter sind grundsätzlich dazu verpflichtet mit allen ihnen überlassenen Dingen der Wohnung pfleglich umgehen. Eine normale Abnutzung durch die Verwendung der Wohnung ist gegeben. Vermieter können jedoch verlangen, dass der Mieter von ihm verursachte Schäden beseitigt. Das Bohren von Dübellöchern in Fliesen gehört nicht dazu.

Wenn der Vermieter ein Bad stellt, welches lediglich Sanitärgegenstände (Toilette, Waschbecken, Badewanne) besitzt, ist es nicht vertragswidrig, wenn der Vermieter Dübellöcher bohrt, um Halter für Spiegel, Handtücher und Co. anzubringen (Quelle: LG Hamburg, 17.05.2001 – 307 S 50/01).

In dem genannten Fall hat der Mieter insgesamt 32 Dübellöcher gebohrt. Zwar handelt es sich dabei um eine hohe Anzahl, laut dem Gerichtsurteil dürfen Vermieter aber nicht festlegen, wie viele Löcher ihr Mieter bohren darf. Diese Frage benötigt eine individuelle Lösung.

Wir empfehlen Mietern, vor dem Bohren mit dem Mieter zu sprechen und ihn über das eigene Vorhaben zu informieren. Eine friedliche Problemlösung ist in den meisten Fällen möglich.

Wand zunächst mit einem Leitungssuchgerät prüfen

Nachdem das Vorhaben mit dem Vermieter abgesprochen wurde, müssen sich Mieter um ein weiteres Problem kümmern, bevor die eigentliche Arbeit beginnen kann.

Jedes Haus besitzt sogenannte Installationszonen, die nach einem bestimmten Schema verlegt wurden. Je nachdem, ob der Heimwerker dabei war, als sie verlegt wurden, weiß er, wo sich diese befinden. Bei einem Altbau hingegen kann man die Installationszonen nur mit einem sogenannten Leitungssuchgerät finden.

Die Installationszonen in einem korrekt ausgeführten Badezimmer sollten gewisse Standards berücksichtigen. Schutzbereiche befinden sich meist dort, wo Spritzwasser mit elektrischen Installationen in Kontakt kommen könnte. Diese Zonen sind zum Beispiel die Wände rund um eine Dusche oder Badewanne.

Bei Altbauten können sich Heimwerker jedoch nicht darauf verlassen, dass Unterputzleitungen diese Anforderungen erfüllen. Ein Leitungssuchgerät hilft Heimwerkern, zu ermitteln, wo Stromleitungen tatsächlich verlaufen. Dieses Gerät ist übrigens nicht nur zum Fliesenbohren geeignet, sondern grundsätzlich vor jedem Bohren oder Nageln.

Vorbereitungen und Werkzeug

Sobald Heimwerker Strom- und Wasserleitungen ausfindig gemacht und markiert haben, können sie bald mit der eigentlichen Arbeit beginnen. Zuvor müssen sie jedoch einige Vorbereitungen treffen.

Eine der Vorbereitungen ist die Wahl der Werkzeuge. Zu den unverzichtbaren Werkzeugen gehören:

  • Schlagbohrmaschine, Bohrhammer oder Bohrmaschine: Die Wichtigkeit der Geräte ist an der Reihenfolge erkennbar. Eine Schlagbohrmaschine ist das beste Gerät für diesen Job, gefolgt vom Bohrhammer. Eine Bohrmaschine ist wirklich nur dann geeignet, wenn Heimwerker die anderen beiden Werkzeuge nicht beschaffen können.
  • Behälter / Eimer mit Wasser: Der Bohrer kann bei dieser Arbeit heiß werden. Heimwerker müssen ihn dann schnellstmöglich abkühlen.
  • Fliesen-, Glas- oder Steinbohrer: Dieses Zubehör wird benötigt, um das Loch in die Fliese zu bohren.
  • Stift zum Markieren: Heimwerker müssen auf den Fliesen die Stelle markieren, wo sie bohren möchten. Diese Markierung können sie mit einem Bleistift, Marker oder Filzstift realisieren.
  • Kreppband / transparentes Klebeband: Dieses Hilfsmittel sollte in jedem Haushalt zu finden sein. Ideal ist es in einer Breite von drei bis vier Zentimetern.
  • Hammer und Anreißnadel: Heimwerker schlagen mit dem Hammer beim Ankörnen leicht auf die Anreißnadel.

Allgemeine Tipps zum Löcher bohren in Fliesen

  • Loch in die Fugen bohren: Wer nur kleine Löcher im Badezimmer benötigt, kann sich viel Arbeit ersparen, wenn er in die Fugen zwischen den Fliesen bohrt. Vorsicht ist aber auch hier angesagt. Bei einem kleinen Fehler kann man bis zu vier Fliesen beschädigen.
  • Bohrmaschine richtig einstellen: Fliesen sind sprödes, leicht brechendes Material. Beim Umgang mit ihnen ist somit große Vorsicht geboten. Heimwerker müssen den Bohrschrauber so einstellen, dass dessen Schlagfunktion ausgeschaltet ist. Weiterhin sollten sie die Drehzahl auf ein Minimum reduzieren.

Fliesen mit einem Steinbohrer in 5 Schritten bohren

Der gesamte Bohrvorgang ist im Grunde simpel, wenn man Vorsicht walten lässt. Nachfolgend erklären wir in fünf Schritten, wie Heimwerker Fliesen mit einem Steinbohrer bohren:

  1. Markieren: Als Erstes die gewünschte Stelle mit einem Bleistift markieren. Nach vollendeter Arbeit können Heimwerker den markierten Punkt mit einem feuchten Tuch entfernen.
  2. Ankörnen: Nun wird die Fliese angekörnt. Durch diese kleine Vertiefung fällt es leichter, den Bohrer zu zentrieren. Beim Ankörnen setzt man die Spitze der Anreißnadel auf die markierte Stelle und gibt ihr mit einem Hammer leichte Schläge.
  3. Abkleben: In diesem Schritt kommt das Klebeband ins Spiel. Heimwerker kleben dieses über die Markierung. Es verhindert im Grunde, dass der Bohrer verrutscht und die Fliese beschädigt.
  4. Bohren: Jetzt beginnt die Bohrung. Der Steinbohrer wird in die Schlagbohrmaschine gespannt. Beim Bohren ist darauf zu achten, vorsichtig vorzugehen. Eine zu hohe Drehzahl oder ein zu hoher Anpressdruck können die Fliese springen lassen.
  5. Fertig: Sobald die gewünschte Tiefe erreicht ist, können Heimwerker das Klebeband und die Markierung entfernen. Im Bohrloch vorhandenen Staub können sie mit einem Staubsauger entfernen.

Damit beim Bohren in eine Wand kein Staub auf den Boden fällt, kann ein Helfer den Staubsauger unter die Bohrstelle halten.

Fliesen mit Fliesenbohrer und Glasbohrer bearbeiten

Der Arbeitsvorgang bei der Verwendung eines Fliesen- oder Glasbohrers ist derselbe. Der Fliesenbohrer ist dem Steinbohrer aus dem Grund überlegen, weil er spitzer ist und eine geschärfte Schneide besitzt. Heimwerker können mit ihm die Glasur einer Fliese leichter durchbohren. Weiterhin minimiert ein Fliesenbohrer das Risiko, dass eine Fliese zerbricht.

Der Fliesenbohrer ist nur geeignet, um die Fliese selbst zu durchbohren. Für das Mauerwerk müssen Heimwerker zum Steinbohrer wechseln.

Der Glasbohrer ist sowohl dem Fliesen- als auch Steinbohrer überlegen. Die speerartige Schneide hat eine besonders scharfe Spitze. Ansonsten gilt auch bei diesem Zubehörteil derselbe Hinweis wie beim Fliesenbohrer: Die Fliese durchbohren und dann zum Steinbohrer wechseln.

Zusammenfassung

Fliesen bohren ist keine große Hürde, wenn Heimwerker die richtige Ausrüstung und ein wenig Feingefühl besitzen. Wichtig ist der Einsatz eines Fliesen- oder Glasbohrers, welche Fliesen leichter durchbohren. Die restliche Bohrung wird mit einem Steinbohrer ausgeführt.

Artikelbild: © inxti / Shutterstock

1 Kommentar

  1. Chris 18.01.2017 16:46 Uhr

    Gute Anleitung, kann ich im wesentlichen bestätigen. Meine Fliesenbohrungen habe ich alle mit normalem Steinbohrer gemacht. Die wichtigen Punkte:
    -Kein Schlag- oder Hammerbohrwerk!
    -Vorsichtig anbohren, bis der Bohrer „gegriffen“ hat.
    -Dann mit hoher Drehzahl bei geringem Anpressdruck weiter bohren. Auf Kühlung achten.
    -Sobald die Fliese durchbohrt ist, kann das Schlagwerk oder der Hammer eingeschaltet werden.
    -Löcher mit großem Durchmesser zunächst mit kleinerem Bohrer vorbohren.

    direkt antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.