Bungalow aufstocken: So gelingt das Plus an Wohnraum

Bungalow aufstocken: So gelingt das Plus an Wohnraum

Auch wenn der lateinische Begriff „Immobilie“ auf Deutsch „das Feste, Unbewegliche“ bedeutet, so erfährt der Immobilien-Markt doch immer wieder Schwankungen und Veränderungen und ist weit entfernt davon, „unbeweglich“ zu sein. Der beliebte Hausbau-Typ Bungalow ist ein Beispiel dafür, wie ein Trend in der Baubranche unverhofft zum Marktführer wird und lange Zeit anhält. Bungalows gehören seit den 1960er Jahren zu den Traum-Immobilien in den USA und in Europa: zuerst waren die Flachbauten mit oft repräsentativer Ausstattung eine Mode für Hollywood-Stars, dann wurden sie zur Breitenerscheinung auch für die Allgemeinbevölkerung, denn das Wohnen auf einer Ebene hat viele klar ersichtliche Vorzüge, die Haus-Eigentümer schnell erfassten.

Heute gibt es jedoch viele Bungalow-Bewohner, die mit der Wohnfläche im Haus nicht zufrieden sind, da unsere Ansprüche an Raum gewachsen sind. Hinzu kommt, dass wir in Deutschland in einer Generation von Erben leben und derzeit überdurchschnittlich oft Wohneigentum vererbt wird, das zum Zeitpunkt des Bauens topaktuell war, aber vielleicht nicht mehr den heutigen Standards an Komfort entspricht und Renovieren erforderlich macht. Was tun, wenn man Großvaters charmanten Bungalow geerbt hat, aber mit Kind und Kegel einziehen möchte? Oder wenn man einen neuen Bungalow gekauft hat, aber seine künstlerische Ader entdeckt und feststellt, dass man ein Atelier auf dem Dach einrichten will?

Dann genügt die oft kompakte, ebenerdige Fläche im Wohnraum oft nicht und man steht vor dem Dilemma, dass man das Haus zwar durchaus behalten möchte, aber ein oder zwei Zimmer mehr braucht. So gern hätte man einen Anbau oder Aufbau am Haus, ohne zusätzliche Grundstückskosten, damit der Bungalow „mitwächst“ mit der Familie oder dem eigenen Bedarf. Die Lösung lautet: man muss das Dach aufstocken, um zusätzlichen Wohnraum zu kreieren und den Bungalow komplett umzustrukturieren, damit er den Platz bietet, den ein klassisches Einfamilienhaus hat, und auch aussieht wie ein Einfamilienhaus. Doch wie gelingt dieser Aufbau, der den Charakter vom Haus verändert?

Im Folgenden stellen wir die Schritte vor, die zum Aufstocken eines Dachs erforderlich sind, sowie einige Tipps, damit das Projekt „Bungalow aufstocken“ zu einem vollen Erfolg wird, und Ihre Wohnfläche sich um wertvolle Quadratmeter erweitern kann.

Bungalow-Dach aufstocken: Zuerst darf die Baubehörde mitsprechen

Das Aufstocken vom eigenen Bungalow ist eine in der Durchführung zwar einfache Angelegenheit, die aber sorgfältige und genaue Planung im Vorfeld erfordert. Zuerst geht es, wie so oft beim Bauen, um Rechtliches: der neue Baubedarf muss ermittelt und ein Antrag (eine Baugenehmigung) bei der Baubehörde gestellt werden. Denn oft überschreitet das Plus an Wohnraum am Bungalow die zulässigen Höhen und Ausmaße, die von der Baubehörde vorgegeben sind.

Beim Bauen auf einem fünf Ar großen Grundstück (500 m²) darf zum Beispiel eine akkumulierte Geschossfläche von 300 Quadratmetern erstellt werden. Das bedeutet, dass Ihr Bungalow, sofern er 150 Quadratmeter aufweist, eine Aufstockung um eine zweite Etage bekommen kann, die ebenfalls 150 Quadratmeter hat, so dass der akkumulierte Wert von 300 Quadratmetern erreicht wird. Analog gilt: ist die Wohnfläche in Ihrem Bungalow größer und Sie besitzen 200 Quadratmeter ebenerdig bebauter Wohnfläche auf 5 Ar Grundstück, so darf der Aufbau beim Aufstocken nur noch 100 Quadratmeter Wohnfläche umfassen, und nicht mehr.

Dies ist jedoch nur ein allgemeines Beispiel, das unverbindlich ist, denn je nach Besiedelungsdichte Ihrer Region können recht unterschiedliche Richtwerte gelten. Entscheidend ist beim Renovieren generell die sogenannte GFZ-Zahl, die für den Bebauungsplan Ihrer Region gilt, und nach der sich beim Bauen gerichtet werden muss. Durch eine rechtzeitige Abstimmung nach der jeweiligen Landesbauordnung können Sie Kosten vermeiden und die Bungalow-Dach-Aufstockung entspannt angehen.

Das Wichtigste beim Dach-Aufstocken von einem Bungalow ist die Planung im Vorfeld: Informieren Sie sich bei der zuständigen Baubehörde, bei der Sie den Bauantrag stellen, welche Wohnfläche im oberen Geschoss erlaubt ist. Viele Gemeinden bieten heute schon Beratung per mail im Vorfeld, so dass es kein Argument gibt, weshalb Sie und Ihre Familie nicht rundum sicher in die Bauphase gehen sollten.

Das eigentliche Bauen der „neuen Etage“: Verschiedene Bauweisen im Vergleich

Der Traum, aus dem Bungalow ein Einfamilienhaus-Wohngefühl zu machen und einfach eine Treppe hochzugehen um zusätzlichen Wohnraum vorzufinden, kann nach der Genehmigung des Bauantrags für die Dach-Aufstockung schnell verwirklicht werden. Wer nun fortschreiten und sein Bungalow-Dach aufstocken will, kann zwischen verschiedenen Bauweisen wählen: es gibt die Ständerbauweise, die Holztafelbauweise und Massivbauweise.

Diese Bauweisen erklären wir im Folgenden noch genauer. Zunächst kommt es bei der Wahl der Methode zum Bauen aber darauf an, wie der Bungalow ursprünglich gebaut wurde – ein Massivbau sollte im Massivbauweise aufgestockt werden, jedoch ist hier auch ein leichtes Bauen in Holzständerbauweise möglich, da das tragende Fundament des massiv gemauerten Bungalows in der Regel stabil genug ist. Allgemein gilt beim Dach-Aufstocken am Bungalow: leicht über schwer ist möglich, schwer über leicht nicht. Diese einfache Formel bezeichnet das Verhältnis von Erdgeschoss und neuem Obergeschoss oder erster Etage: ein „schweres“ Erdgeschoss in Massivbauweise kann eine „leichte“ Aufstockung aus Holzständern vertragen, jedoch nicht umgekehrt.

Die Relation von Material und Gebäudehöhe und Gesamtbild versteht sich vielleicht von selbst, dennoch ist der Hinweis zielführend, denn manche Bauherren kalkulieren die Möglichkeiten und statischen nicht richtig ein. Tipp: Fachmann fragen, ob die Statik mit der gewünschten Bauweise bei der Dach-Erweiterung zu erzielen ist.

Bei der Wahl der richtigen Bauweise zur Dach-Aufstockung lohnt es sich, die Preise zu vergleichen, insbesondere, wenn man eine größere Aufstockung plant und aus dem „zusätzlichen Zimmer“ eine ganze neue Wohnung werden soll. Die Preisunterschiede bei den einzelnen Bauweisen zum Aufstocken eines Bungalows können erheblich sein.

Die einzelnen Bauweisen beim Dach-Aufstocken vom Bungalow sind folgende:

  • Ständerbauweise mit Konstruktion aus Holz oder/und Stahl
  • Holztafelbauweise
  • Massivbauweise

Die Ständerbauweise ist vielen schon vom Fertighaus her bekannt: hier werden Standardelemente aus Holz gefertigt, die beim Bauen einfach auf das Fundament montiert werden. Diese Lösung ist bei vielen Bauherren beliebt, denn sie hilft, Kosten zu sparen, ist zudem sehr zeiteffektiv, denn schon in wenigen Wochen kann der ersehnte Dach-Ausbau gestaltet werden. Üblicherweise arbeitet man hier mit Holzständer-Elementen – diese können jedoch noch mit Stahl verstärkt werden, was zwar die Kosten erhöht, aber auch die Stabilität der gesamten Statik verbessert.

Die Holztafelbauweise ist noch zeiteffektiver als die Holzständerbauweise und eignet sich somit für die Ungeduldigsten unter den Bauherren, denn sie lässt die zusätzliche Wohnfläche oberhalb des Bungalows in wenigen Tagen entstehen. Hier werden vormontierte Elemente auf das Dach aufgesetzt, die bereits eine Installationsebene aufweisen und innen mit Gipskarton beplankt sind, so dass der Ausbau erheblich verkürzt und erleichtert wird.

Zuletzt gibt es die Massivbauweise am Dach, bei der die höhere Etage am Bungalow gemauert wird. Diese traditionelle Bauweise ist stabil, erfordert aber am meisten Zeit. Die konkreten Kosten variieren je nach Eigenleistung und geplanter Ausstattung.

Zusammenfassung

Wer einen Bungalow aufstocken will, erfährt dadurch zusätzlichen Wohnraum, der zudem von den Kosten her überschaubar bleiben kann. Zunächst muss man hierzu das Dach anheben, und sich zwischen den Bauweisen zur Aufstockung entscheiden. Ratgeber helfen hier, die Relation von Stabilität und Kosten zu treffen. Wichtig ist auch, dass keine „Wärmebrücken“ zwischen dem alten Bau und dem Aufbau entstehen. Hierbei hilft jedoch ein Fach-Unternehmen, und auch die Bauherren, die in Eigenregie vorgehen, können bei guter Planung dafür sorgen, dass die Wärme im Haus gespeichert bleibt.

Artikelbild: elenathewise / Bigstock.com

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