Gartenhaus-Baugenehmigung: Was muss ich beachten?

Gartenhaus-Baugenehmigung: Was muss ich beachten?

Auch wenn man Besitzer eines eigenen Gartens ist, kann man nicht einfach nach Lust und Laune ein Gartenhaus darauf errichten. Deutschland hat hier strenge Gesetze, die man beachten muss. Zumeist muss eine Baugenehmigung für den Bau eines Gartenhauses im Garten eingeholt werden.

Je nach Bundesland, Art des Grundstücks und nach der Größe des geplanten Gartenhauses gibt es Einschränkungen, die beim Bau beachtet werden müssen. Für einige der Gartenhäuser benötigt man unbedingt eine Genehmigung, sonst kann es zu Ärger kommen. Nachfolgend eine Auflistung, wie es in den einzelnen Bundesländern aussieht.

Benötigt man eine Baugenehmigung?

Ob man für ein Gartenhaus eine Baugenehmigung benötigt, hängt in erster Linie von drei Faktoren ab.

  • Wie groß soll das Gartenhaus werden?
  • Wo soll das Gartenhaus stehen und wie ist das Grundstück?
  • Wie soll das Gartenhaus genutzt werden?

Je nachdem in welchem Bundesland man lebt, kann es zu Einschränkungen bei den erwähnten Punkten kommen.

Die bundeslandspezifischen Genehmigungsvorschriften

Ob man für den Bau eines Gartenhauses eine Genehmigung benötigt, kann man in den jeweiligen Landesbauordnungen nachlesen. Bei einem nicht Bau-genehmigungspflichtigen Bauvorhaben spricht man auch von einem ‚Verfahrensfreien Vorhaben‘. Ist man sich unsicher, sollte man die entsprechende Behörde aufsuchen und sich über die Genehmigungsfähigkeit informieren. Ist dieser Punkt geklärt, kann man einen Architekten oder einen Bauingenieur mit der Erarbeitung eines Bauantrages beauftragen. Dieser darf in den meisten Bundesländern nur von einer qualifizierten Person mit einer offiziellen Bauvorlageberechtigung erstellt werden.

Die Landesbauordnungen mit Stand Sommer 2018

Es gilt zu beachten, wenn für das Grundstück keine Bebauung vorgesehen ist, wie es oftmals außerhalb von Ortschaften der Fall ist, wird von einem Außenbereich gesprochen. Ist dies der Fall, dann sind die Anforderungen noch strenger und man muss für nahezu alles, einen Bauantrag stellen. In einem bebauten Ortsteil gibt es untergliederte Gebiete. Für einige gibt es einen Bebauungsplan und für andere nicht. Gibt es keinen Bebauungsplan, dann muss sich das geplante Vorhaben nach dem § 34 BauGB richten. Mit einem Bebauungsplan ist genau festgeschrieben, was erlaubt ist und was nicht. Die Bebauungspläne werden von der zuständigen Gemeinde erstellt und legen genau fest, wo was gebaut werden darf und wo der Außenbereich beginnt.

Baden-Württemberg

Landesbauordnung für Baden-Württemberg

  • § 50 Verfahrensfreie Vorhaben. Alle Gebäude ohne Toiletten, Feuerstätten und Aufenthaltsräume, die nicht dem Verkauf oder einer Ausstellung dienen. Im Innenbereich erlaubt bis zu 40 m³ und im Außenbereich bis zu 20 m³ Rauminhalt.

Bayern

Bayerische Bauordnung, Art. 57 Verfahrensfreie Bauvorhaben, Beseitigung von Anlagen

  • Verfahrensfrei sind Gebäude mit einem Rauminhalt von 75 m³. Dies gilt jedoch nicht für den Außenbereich.

Berlin

Bauordnung für Berlin

  • § 61 Verfahrensfreie Bauvorhaben, Beseitigung von Anlagen. Verfahrensfrei sind Gebäude mit einem Rauminhalt von 10 m³. Dies gilt jedoch nicht für den Außenbereich und für untergeordnete Gebäude wie Toiletten, Kioske und Verkaufswagen auf öffentlichen Verkehrsflächen.

Bremen

Bremische Landesbauordnung

  • § 61 Verfahrensfreie Bauvorhaben, Beseitigung von Anlagen. Verfahrensfrei sind Gebäude mit einem Rauminhalt von 10 m³. Dies gilt jedoch nicht für den Außenbereich.

Hamburg

Hamburgische Bauordnung

  • § 60 Verfahrensfreie Bauvorhaben. Gebäude und Überdachungen. Eingeschossige Gebäude ohne Aufenthaltsraum bis zu 30 m³. Dies gilt jedoch nicht für den Außenbereich.

Hessen

Hessische Bauordnung

  • § 55 Verfahrensfreie Bauvorhaben. Verfahrensfrei sind Gebäude mit einem Rauminhalt von 30 m³, die weder dem Verkauf noch der Ausstellung dienen. Dies gilt jedoch nicht für den Außenbereich.

Mecklenburg-Vorpommern

Landesbauordnung Mecklenburg-Vorpommern

  • § 61 Verfahrensfreie Bauvorhaben. Verfahrensfrei sind eingeschossige Gebäude mit einem Rauminhalt von 10 m³. Dies gilt jedoch nicht für den Außenbereich.

Niedersachsen

Niedersächsische Bauordnung

  • Verfahrensfreie Bauvorhaben Gebäude und Vorbauten ohne Toiletten, Feuerstätten und Aufenthaltsräume mit nicht mehr als 40 m³ Rauminhalt. Im Außenbereich nicht mehr als 20 m³. Gebäude dürfen hier nicht dem Abstellen von Fahrzeugen dienen.

Rheinland-Pfalz

Landesbauordnung Rheinland-Pfalz

  • § 62 Verfahrensfreie Bauvorhaben. Erlaubt sind Gebäude bis zu 50 m³. Im Außenbereich bis zu 10 m³. Die Gebäude dürfen weder Toiletten noch Feuerstätten und Aufenthaltsräume enthalten. Ausgenommen von dieser Regelung sind Kulturdenkmäler und Gebäude, die sich in der Nähe von Kultur- und Naturdenkmälern befinden. Ebenfalls von der Ausnahme betroffen sind Garagen, Verkaufs- und Ausstellungsräume.

Saarland

Landesbauordnung Saarland

  • § 61 Verfahrensfreie Bauvorhaben, Beseitigung von Anlagen. Verfahrensfrei sind eingeschossige Gebäude mit einem Rauminhalt von 10 m³. Dies gilt jedoch nicht für den Außenbereich.

Schleswig-Holstein

Landesbauordnung für das Land Schleswig-Holstein

  • § 63 Verfahrensfreie Bauvorhaben. Verfahrensfrei sind Gebäude ohne Toiletten, Feuerstätten und Aufenthaltsräume mit nicht mehr als 30 m³ Rauminhalt. Im Außenbereich sind dies 10 m³.

Sachsen-Anhalt

Bauordnung des Landes Sachsen-Anhalt

  • § 60 Verfahrensfreie Bauvorhaben. Verfahrensfrei sind eingeschossige Gebäude mit nicht mehr als 10 m³ Rauminhalt. Dies gilt jedoch nicht für den Außenbereich.

Thüringen

Thüringer Bauordnung

  • § 63 Verfahrensfreie Bauvorhaben. Verfahrensfrei sind eingeschossige Gebäude mit nicht mehr als 10 m³ Rauminhalt.

Die Grenzbebauung

Bei Bau kommt es nicht nur auf die Größe und die Ausstattung an, sondern auch auf den Standort. Plant man das Gartenhaus auf die Grenze des eigenen Gartens zu bauen, dann ist Vorsicht geboten. Laut der Bauverordnung sind nur Bauten mit einer maximalen Höhe von 3 Meter auf der Grenze möglich. Die Gesamtlänge darf zumeist 9 Meter nicht überschreiten.

Der Bebauungsplan

Befindet sich das eigene Haus in einem Wohngebiet, welches in den letzten 80 Jahren entstand, gibt es hier mit Sicherheit einen Bebauungsplan. Dort gibt es Regelungen zu den sogenannten Nebenanlagen, wie zum Beispiel ein Gartenhaus. Neben diesen Regelungen gibt es meist weitere Einschränkungen, die den Bau des Gartenhauses betreffen. Hier sollte man bei der Gemeinde nachfragen.

Die Nachbarn fragen

Auch wenn laut Landesbauordnung und Bebauungsplan alles geregelt ist, gibt es weitere Faktoren, die den Bau eines Gartenhauses beeinträchtigen können. Die Rede ist hier von den Nachbarn. Nicht selten kommt es gerade wegen eines Gartenhauses zu Streit.

Daher sollte man vor dem Kauf oder Bau eines Gartenhauses mit den Nachbarn sprechen. So findet sich in der Regel meist ein Kompromiss, der beide Seiten recht ist.

Das Gartenhaus in der Kleingartenkolonie

Plant man ein Gartenhaus in der Kleingartenkolonie zu bauen, dann gilt hier das Bundeskleingartengesetz mit dem § 3. Das Gartenhaus darf hier höchstens eine Grundfläche von 24 qm haben. Die überdachte Sitzfläche bzw. Terrasse ist hier mit eingerechnet. Wird diese überschritten, dann muss eine Baugenehmigung beantragt werden. Zudem darf das Gartenhäuschen nicht als Dauerwohnsitz dienen. Es dient nur dem Schutz vor schlechtem Wetter und dem Verstauen der Gartengeräte und Gartenmöbel. Pro Gartenparzelle darf nur ein Gartenhaus aus Holz errichtet werden.

Zusammenfassung

Auch wenn man Besitzer eines Grundstückes ist, darf man nicht einfach nach Lust und Laune ein Gartenhaus darauf errichten. Man muss sich hier an die Bauordnung des jeweiligen Bundeslandes halten. Daher ist es ratsam, dass man vor dem Bau eines Gartenhauses mit der Gemeinde über das Vorhaben spricht und alles Weitere abklärt. Das Baurecht sieht hier strenge Regelungen vor, die man beachten muss.

Artikelbild: aiselin / Bigstock.com

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