Tipps und Tricks: Lavendel richtig schneiden

Tipps und Tricks: Lavendel richtig schneiden

Wer selbst schon einmal in Südfrankreich war, kennt sicher auch die wunderschönen violetten Lavendelfelder, die nicht nur herrlich anzusehen sind, sondern auch einen betörenden Duft verströmen. Nicht umsonst wird Lavendel (lateinisch „Lavandula angustifolia“) in Frankreich sowohl als Zier- als auch als Heilpflanze in großen Mengen angebaut, denn die Pflanze ist in weiten Teilen der Welt beliebt und geschätzt. Auch hierzulande findet man Lavendel im Garten vieler Menschen, was unter anderem daran liegt, dass Lavendel lediglich geringe Ansprüche hat. Der Boden darf nährstoffarm sein, es wird nur wenig Wasser benötigt und auf Dünger kann man sogar vollständig verzichten. Nur zwei Bedingungen sollten erfüllt werden, um Lavendel erfolgreich zu kultivieren: Die Pflanze muss an einem sonnigen Ort geplfanzt und regelmäßig zurückgeschnitten werden. Doch auch das gestaltet sich in der Regel recht einfach, wenn man die folgenden Tipps beherzigt.

Warum benötigt Lavendel einen jährlichen Schnitt?

Der Lavendel wünscht sich einen regelmäßigen Schnitt, damit er gesund und vor allem ansehnlich wachsen kann. Zudem hilft ein einmal im Jahr ausgeführter Schnitt dabei, möglichst viele Lavendelblüten zu ernten, welche dann in der Kosmetik, im Haushalt, als Naturmedizin oder in der Küche verwendet werden können. Bei einer guten Pflege können einzelne Lavendelpflanzen durchaus ein stolzes Alter von 30 Jahren erreichen. Schneidet man die Pflanze jedoch nicht regelmäßig zurück, merkt man mit der Zeit, dass die unteren Äste verholzen, sodass der Lavendel regelrecht kahl wirkt. Im schlimmsten Fall kommt es sogar soweit, dass die Pflanze auseinanderfällt, im oberen Bereich aber in alle Richtungen wild durcheinander wuchert.

Ohne einen Rückschnitt können die älteren verholzten Äste nicht mehr austreiben. Manchmal reicht dann nicht einmal mehr ein Radikalschnitt aus, um die alten Äste noch einmal zum Austreiben zu bewegen. Aus diesem Grund sollte der Schnitt regelmäßig und am besten einmal im Jahr durchgeführt werden, um von vornherein zu verhindern, dass die unteren Äste verholzen. So erzielt man, dass der Lavendel seine kompakte Wuchsform behält und besonders prächtig blüht.

Das benötigte Schneidewerkzeug

Um den Lavendel in Form zu bringen, sollte man nicht nur über die richtige Vorgehensweise Bescheid wissen, sondern auch die folgenden Werkzeuge zur Hand haben:

  • Heckenschere
  • Buchsbaumschere
  • Formschnittschere

Es versteht sich von selbst, dass man nur Scheren für den Rückschnitt verwendet, die scharf und sauber sind.

Der optimale Zeitpunkt und die richtige Schnitthäufigkeit

Wie bereits erwähnt, sollte der Lavendel mindestens einmal im Jahr beschnitten werden. Es kann jedoch unter Umständen sogar notwendig sein, die Pflanze zweimal im Jahr moderat nach der „Ein-Drittel-Zwei-Drittel“-Methode zurückzuschneiden. Das gilt insbesondere dann, wenn der Lavendel einen kräftigen Wuchs besitzt. Über das Jahr verteilt gibt es drei Zeitpunkte, die geeignet sind, um den Rückschnitt anzugehen. Der früheste Zeitpunkt ist im Frühjahr, sobald man sicher ist, dass es keinen Frost mehr geben wird. Wichtig ist dabei, dass die Pflanze noch nicht ausgetrieben hat, sonst ist es bereits zu spät. Zu diesem Zeitpunkt kann man die Lavendelpflanzen um etwa zwei Drittel zurückschneiden. So fördert man die kompakte Wuchsform.

Darüber hinaus ist beim Lavendel auch ein Sommerschnitt möglich, der dann stattfindet, wenn die Pflanze in voller Blüte steht. Dieser sollte jedoch nicht zu spät durchgeführt werden, denn wenn es kurz nach dem Schnitt plötzlich kalt wird, bildet der Lavendel unter Umständen keine Blüten mehr aus. Mit einem Rückschnitt im Sommer erzielt man, dass die Pflanze keine Samen bildet, sondern ihre Kraft stattdessen zur Ausbildung neuer Triebe verwendet. Schon vier bis fünf Wochen nach dem Rückschnitt wird der Lavendel daher wieder kräftige Blüten zeigen. Ein Sommerrückschnitt ist ideal, wenn man die Blüten der Pflanze abernten möchte, denn so ist eine größtmögliche Ernte garantiert. Schließlich hat man im frühen Herbst noch einmal die Möglichkeit, den Lavendel zu schneiden.

Der Rückschnitt findet dann aber erst statt, nachdem die Blütezeit beendet ist. Dabei werden alle Triebe um ein Drittel gekürzt, sodass man gleichzeitig sämtliche welke Blüten entfernt. Mit dem Herbstschnitt signalisiert man seiner Pflanze, dass der Winter naht, sodass sie sich schon einmal darauf einstellen kann. Aber Vorsicht: Gerade in nördlichen Gebieten oder an ungeschützten Standorten sollte der Herbstrückschnitt nach dem August nicht mehr durchgeführt werden. Sollte der Winter nämlich zu früh einsetzen, wären die neuen Triebe des Lavendels noch nicht ausreichend vor der Kälte geschützt.

Besonderheiten beim Schneiden von jungem Lavendel

Die einjährigen Triebe eines jungen Lavendels wirken zunächst ziemlich krautig. Trotz der Tatsache, dass es noch keine Verholzungen gibt und die Stängel noch grün sind, sollte man die Pflanze um etwa die Hälfte kürzen. Jüngere Pflanzen werden generell etwas kräftiger zurückgeschnitten, als das bei älteren Pflanzen üblich ist. So gelingt es am ehesten, eine kugelförmige Wuchsform zu erzielen. Gleichzeitig verhindert man so, dass die Äste zu schnell verholzen.

Tipps für das Schneiden von älteren Lavendelpflanzen

Lavendelsträucher, die schon etwas älter sind, zeigen meistens schon einige holzige Zweige. In diesem Fall sollte man den Formschnitt, der nach der Blüte stattfindet, ein wenig zurückhaltender angehen. Hier sollten vor allem die welken Blüten entfernt werden. Gleichzeitig dient der Formschnitt dazu, den Lavendel eine buschige und kugelige Form zu verleihen. Der Rückschnitt sollte maximal zehn Zentimeter tief gehen. Wichtig ist, dass man die Triebe aus dem Vorjahr nicht vollständig entfernt, sondern immer ein kurzer Abschnitt zurückgelassen wird.

Hinweise zum richtigen Schnitt bei verholztem Lavendel

Liegt eine sehr alte und stark verholzte Lavendelpflanze vor, hilft meistens nur noch ein Radikalschnitt. Doch selbst dann ist ein Erfolg nicht garantiert, der Versuch lohnt sich aber allemal. Hier kommt es besonders auf den richtigen Zeitpunkt an. Am besten eignen sich die Monate Juni und Juli, denn so hat der Lavendel noch die Möglichkeit, die verbleibenden Sommermonate zu nutzen, um sich zu regenerieren. Wenn im Holz durch den Schnitt größere Wunden entstehen, sollte man sie mit Birkenpech oder Holzteer überstreichen, um eine schnelle Heilung zu fördern. Wenn der Lavendel noch im selben Jahr austreibt und im folgenden Jahr kräftig blüht, war der Radikalschnitt erfolgreich.

Im Topf kultivierten Lavendel beschneiden

Nicht selten werden einige Lavendelsorten wie „Peter Pan“ oder „Nana Alba“ gern im Topf oder Kübel kultiviert. Auch diese Sorten sind mehrjährig und breiten sich meistens sehr schnell aus, weshalb sich auch bei Topfpflanzen ein regelmäßiger Schnitt anbietet, um einem Verholzen der Zweige vorzubeugen und für eine kräftige Blüte zu sorgen. Dazu wird der komplette Schopf der Pflanze zusammen gehalten, woraufhin die Stängel etwa in der Mitte abgeschnitten werden sollten.

Die Verwendung von Lavendelblüten

Die Blüten der Pflanze können vielseitig verwendet werden, beispielsweise in der Naturmedizin, für Kosmetik oder als natürlicher Duft im Raum. So kann man sich zum Beispiel aus getrockneten Lavendelblüten einen Tee aufbrühen, der die Funktionen von Leber und Gallenblase unterstützt, die Konzentration steigert und sogar gegen starkes Schwitzen hilft. Eine Mundspülung mit Lavendelzusätzen wirkt antibakteriell. Selbst bei kleinen Hautverletzungen hilft eine Lavendellösung, die Hautregeneration anzuregen. Lavendelblüten werden auch zu Lavendelöl verarbeitet, welches unterstützend eingesetzt wird, um rheumatische Beschwerden zu lindern. Bei Asthma oder erkältungsbedingtem Husten hilft ein Ausguss mit Lavendelessenzen.

Fazit

Der Lavendelstrauch ist nicht nur in Frankreich, sondern auch hierzulande sehr beliebt. Dabei ist Lavendel sehr anspruchslos was die Wasser- und Düngerzufuhr oder das Pflanzsubstrat betrifft. Allerdings benötigt die Pflanze einen regelmäßigen und korrekt ausgeführten Rückschnitt, um eine ansehnliche Wuchsform zu erreichen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass der Strauch möglichst viele Blüten zeigt. Wenn man den richtigen Zeitpunkt abwartet, gutes Werkzeug besitzt und einige Tipps beim Rückschnitt der Pflanze beachtet, kann dabei aber nichts schief gehen.

Artikelbild: © Subbotina Anna / Shutterstock

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