Wespennest: Wie man mit Wespen leben kann

Wespennest: Wie man mit Wespen leben kann

Wen man von Wespen spricht, denken die meisten Menschen an die auffällig gelb-schwarzen Insekten, die als ungebetene Gäste zwischen Juli und Oktober am Kuchen, beim Grillen und anderen Bereichen im Garten auf sich aufmerksam machen. Dabei sticht nicht jedes gelb-schwarze Insekt, Schwebfliegen zum Beispiel tun es nicht. Ihre Färbung dient lediglich dazu, Fressfeinden vorzutäuschen, dass sie gefährlich sind. Auch Wespen sind im Grunde ganz harmlose Tierchen, die keine Lust haben, Menschen anzugreifen. Kommt man ihnen zu nahe, oder man sucht sie zu verscheuchen, werden sie aktiv.

In Deutschland leben viele verschiedene Wespenarten, dazu gehören auch solitär und parasitär lebende Wespenarten wie Schlupfwespen, Pflanzenwespen, Grabwespen und Gallwespen. All diese Arten sind nicht nur schützenswert, sie sind zum Teil schutzbedürftig. Deshalb sollten alle Hausbesitzer und Mieter davon absehen, ein Wespennest einfach zu entfernen. Wespen fliegen und stören nämlich nur im Sommer – anschließend sterben alle bis auf die Königin.

Wespennest nicht auf eigene Faust entfernen

Viele Menschen sind von Wespen so sehr gestört, dass sie kurzerhand überlegen, das Nest eigenhändig zu entfernen. Diese Arbeit ist nicht nur sehr gefährlich, sondern in den meisten Fällen auch gesetzlich verboten. Grundsätzlich gilt: Ein Wespennest darf niemand ohne Weiteres entfernen, da die Tiere durch das Landesnaturschutz-Gesetz geschützt sind. Die Zerstörung eines Wespennestes kann gemäß §10, Abs. 2, Ziffer 10c BNatSchG i.V. §1 Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) mit Geldstrafen von bis zu 50.000 Euro bestraft werden. Stellt das Nest eine Bedrohung dar, muss ein Experte entscheiden, wie weiter vorzugehen ist. Betroffene müssen dazu einen Antrag bei der Stadt oder Gemeinde stellen.

Warum sind Wespennester eigentlich so wichtig? Einerseits sind sie ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems, andererseits lässt es sich in den häufigsten Fällen problemlos mit den Insekten leben. Sie sind hervorragende Schädlingsbekämpfer und sollten deshalb nicht ohne Weiteres verscheucht werden.

Wespen verstehen und sie beobachten lernen

Die acht in Deutschland heimischen, sozialen Wespenarten gehören zur Familie der Faltenwespen. Lediglich zwei davon schwirren um menschliche Lebensmittel umher: Die Vespula germanica (Deutsche Wespe) und Vespula vulgaris (Gemeine Wespe). Andere Wespenarten, sowie die Hornisse, zeigen sich von unserem Essen unbeeindruckt.

Soziale Wespen leben in Staaten, die lediglich einen Sommer lang überdauern können. Im Frühjahr beginnt die Königin mit dem Bau ihres Nestes. Je nach Wespenart nisten die Insekten in Baumhöhlen, Hohlräumen, Erdlöchern oder in Sträuchern und Bäumen. Das Nest besteht aus Fasern, welches ein Gemisch aus totem Holz und Wespenspeichel besteht, das die Tierchen zu einer Art Papierbrei vermischen. Nach etwa vier Wochen schlüpfen unfruchtbare Arbeiterinnen. Sie setzen den Bau des Nestes fort und kümmern sich gleichzeitig um die Brut. Während dieser Zeit ist die Arbeit der Königin einzig und alleine die Eiablage.

Erst im Spätsommer erreicht das Wespenvolk seine volle Stärke. Nun legt die Königin die Eier im Wespennest und es entstehen Geschlechtstiere. Aus unbefruchteten Eiern schlüpfen Männchen, zukünftige Königinnen dagegen aus befruchteten Eiern. Die Königinnen-Larven werden mit spezieller Nahrung gefüttert, sodass diese Wespen-Exemplare funktionsfähige Eierstöcke besitzen. Nach der Paarung suchen die jungen Königinnen ein Quartier in dem sie geschützt überwintern können. Im Herbst wird der Wespenstaat aufgelöst und das Wespennest bleibt als Überwinterungsquartier für andere Insekten zurück. Alle Männchen, die Arbeiterinnen sowie die Altkönigin sterben.

Wie lange leben Wespen?

Wespen werden kein Jahr alt. Alle Wespen die nicht durch Unfälle oder andere Insekten gestorben sind, sterben spätestens im Herbst. Denn da stirbt die alte Königin und ihr Wespenstaat löst sich auf. Bei Kälteeinbruch sterben auch die letzten heimatlos gewordenen Arbeiterinnen des alten Staates. Nur die begatteten Jungköniginnen suchen sich ein Versteck, was sie gegen die Kälte schützt und gründet im Frühjahr ein neues Volk.

Mit den Insekten leben

Die meisten Menschen bemerken ein Wespennest erst im Spätsommer, wenn das Wespenvolk bereits seine volle Stärke erlangt hat. Das bedeutet, dass Betroffene seit dem Frühjahr mit den Insekten zusammenleben, ohne es zu wissen. Das weitere Miteinanderleben ist problemlos möglich, wenn die nachfolgenden Tipps eingehalten werden.

In Innenräumen

  • Den Insekten den Zugang zur Wohnung mithilfe von Fliegengittern versperren.
  • Verirrte Tiere durch das Öffnen zweier Fenster (Zugluft) nach draußen leiten oder in einem Glas fangen und freilassen.
  • Problematische Stellen wie Zwischendecken oder Einschlupflöcher in Rollladenkästen vorbeugend abdichten.
  • Unproblematische Stellen offen lassen, damit sich die Tiere einnisten können.

Im Freien

  • Wer sich von den Insekten belästigt fühlt, sollte immer ruhig bleiben. Das Tierchen ist neugierig und verschwindet von alleine.
  • Getränke und Essen im Freien abdecken. Essensreste wenn möglich direkt abräumen oder abdecken.
  • Nicht direkt aus Flaschen oder Dosen trinken, lieber Strohhalme benutzen.
  • Auf Streuobst- oder Blumenwiesen nicht barfuß laufen.
  • Fallobst sollte man täglich aufsammeln.
  • Mülleimer geschlossen halten.
  • Flaschen vor dem Entsorgen gründlich ausspülen.

Verhalten im Nestbereich

  • Abstand zum Wespennest halten.
  • Flugbahn der Wespen nicht behindern.
  • Heftige Bewegungen vermeiden.
  • Den Wasserschlauch nicht auf das Nest richten.
  • Tiere nicht wegpusten, das Kohlendioxid der menschlichen Atemluft ist ein Warnsignal für Wespen.
  • Keine Insektenbekämpfungsmittel nutzen, sie lösen meist Abwehrreaktionen bei den Tierchen aus.

Wenn Wespennester den Lebensbereich stören

Häufig ist es unumgänglich: Das Wespennest befindet sich in unmittelbarer Nähe des Lebensbereiches und wird nicht nur zum Störungsfaktor, sondern auch gefährlich, da sich Kinder und Allergiker im Haus befinden. In diesem Fall gilt:

  • Im Bereich öffentlicher Flächen und Bauten kann bei akuter Gefährdung die Feuerwehr zur Hilfe gerufen werden.
  • Im privaten Bereich hilft die Feuerwehr dagegen nur in sehr dringenden Fällen, wenn etwa ein Allergiker oder Kleinkinder bedroht sind und eine Schädlingsbekämpfungsfirma nicht schnell genug handeln kann.

Grundsätzlich sollte die Beauftragung eines Schädlingsbekämpfers immer die letzte Option sein. Ist die Entfernung von dem Wespennest unumgänglich, sollten Verbraucher zumindest ein Unternehmen wählen, das ökologisch arbeitet. Eine Liste dieser Unternehmen ist Mitglied des Vereins zur Förderung ökologischer Schädlingsbekämpfung e. V.

Artikelbild: © McCarthy's PhotoWorks / Shutterstock

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