Wirtschaftlichkeit: Warum sich Photovoltaik weiterhin lohnt

Wirtschaftlichkeit: Warum sich Photovoltaik weiterhin lohnt

Bis vor wenigen Jahren, als die Photovoltaik (PV) boomte, installierten viele Deutsche Solaranlagen auf ihrem Haus, weil der Staat eine hohe Einspeisevergütung offerierte. Diese Vergütung sinkt seit Jahren und ist längst nicht mehr auf dem Niveau von damals. Dennoch ist das kein Grund für Verbraucher, nicht auf Solarenergie umzusteigen.

Das Fraunhofer Institut für Solare Energiesystem ISE gibt mit seiner Studie „Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland“ einen Einblick in die Zukunft der deutschen Energieentwicklung und welche Rolle die Photovoltaik spielen wird. Mit einer Stromerzeugung von 35,2 Terrawattstunden (TWh), wie das BDEW vorläufig schätzt, deckte die Photovoltaik 2014 rund 6,9 Prozent des deutschen Netto-Stromverbrauchs ab. Alle erneuerbaren Energien zusammen haben einen Anteil von 31 Prozent. In puncto Leistung (38,5 Gigawatt (GW)) übertrifft die Photovoltaik alle anderen Kraftwerkstypen.

Statistik zum Thema

Anteil der Photovoltaik an der Bruttostromerzeugung in Deutschland


Quelle: BDEW, AGEB, Statistisches Bundesamt (2002 bis 2014)

Photovoltaik hat sich seit 2004 stark weiterentwickelt. Als Newcomer im Bereich Erneuerbare Energien überholte Photovoltaik die Wasserkraft im Jahr 2011. Inzwischen liegt sie knapp hinter der Biomasse und Windenergie.

Die Entstehung der Stromkosten im Bereich Photovoltaik

Die Kosten zur Produktion von Strom durch ein PV-Kraftwerk setzen sich aus einem Verhältnis zweier Elemente zusammen:

  1. Gesamtkosten (in €)
  2. elektrische Energieproduktion (in kWh)

Dabei darf man natürlich die wirtschaftliche Nutzungsdauer nicht außen vor lassen.

Weiterhin beeinflussen folgende Faktoren die Stromentstehungskosten:

  • Investition zur Anschaffung und Montage der Anlage
  • Finanzierungsbedingungen
  • Betriebskosten
  • Einstrahlungsgebot
  • Lebensdauer der Anlage

Für private Verbraucher war der größte Kostenfaktor die Investition in eine PV-Anlage. Die Preise fielen in diesem Bereich dank des technologischen Fortschrittes um rund 13 Prozent jährlich seit 2006.

Laut dem Frauenhofer Institut lag der Systempreis (€/Wp) im Jahr 2007 knapp unter 5, inzwischen ist er auf rund 1,75 gesunken. Dies ist aus dem Grund wichtig, weil die PV-Module rund die Hälfte aller Kosten für ein PV-Kraftwerk ausmachen.

Direktvermarktung und Einspeisevergütung

Betreiber von PV-Kraftwerken erhalten eine Einspeisevergütung, die an bestimmte Bedingungen geknüpft sind. Eine dieser Bedingungen ist die zeitlich festgelegte Periode von 20 Jahren, während der die Vergütung ausgezahlt wird. Beginnend mit der Amortisationszeit kann Strom aus Photovoltaik-Anlagen aufgrund der niedrigen Betriebskosten und fehlenden Brennstoffkosten günstiger produziert werden als andere Produktionsverfahren.

Die Höhe der Vergütung für Solarstrom sowie der Vorrang der Stromeinspeisung sind über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt. Für mindestens 90 Prozent der Anlagen, die im Juni 2015 in Betrieb gegangen sind, erhalten je nach Größe und Bauart der Anlage zwischen 8,59 und 12,40 Cent je Kilowattstunde (ct/kWh) für die nächsten 20 Jahre. Im Gegensatz zu anderen regenerativen Stromquellen sinkt die Einspeisevergütung für Photovoltaik-Strom schneller.

Ab 2020 werden die ältesten Anlagen aus der EEG-Vergütung ausgeschlossen, weil ihre Bindungsfrist ausläuft. Dennoch werden diese Anlagen weiterhin Strom liefern. Nicht nur das, ihre Entstehungskosten sind niedriger als die anderer fossiler oder erneuerbarer Quellen.

Solarstrom lohnt sich für den eigenen Verbrauch

Abseits der finanziellen Vorteile durch die Einspeisevergütung lohnt sich der Umstieg auf Solarenergie mithilfe einer eigenen PV-Anlage auch für Verbraucher, die den Strom selbst benutzen möchten.

Grundsätzlich ist der Umstieg auf Solarenergie mithilfe einer Photovoltaik-Anlage mit einer anfänglichen, aber letztendlich langfristigen Investition verbunden. Wie hoch diese aussieht und wie sie strukturiert ist, erklären nur wenige Menschen. Der Grund ist simpel: Die Berechnung der Investition und Rentabilität muss für jeden einzelnen Fall individuell erfolgen. Der Ertrag hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Dachausrichtung und -neigung
  • Strombedarf
  • Standort
  • Einspeisevergütung
  • Globalstrahlung
  • Art des Solarmoduls

Das nachfolgende Rechenbeispiel (inspiriert von diesem Beispiel aus dem Energie-Atlas Bayern) verdeutlicht die monetären Erträge und Wirtschaftlichkeit:

Für die Berechnung des Beispiels wurden folgende Bedingungen gesetzt:

  • Standort: München
  • südliche Ausrichtung
  • Neigungswinkel: 30°
  • jährlicher Stromertrag: 900 kWh pro kWp
  • Anlage mit 5-kWp Leistung
  • die Anlage produziert 4.500 kWh (900 kWh ⨯ 5)
  • 2010 lag die Einspeisevergütung bei 0,3914 €/kWh

Weitere Informationen zur Berechnung:

  • Kilowatt-Peak (kWp) gibt die installierte Leistung an
  • eine 1-kWp-Anlage erzeugt rund 700 bis 1.000 kWh Strom pro Jahr
  • eine solche Anlage benötigt eine Modulfläche von etwa 8 m2
  • ein 3-Personen-Haushalt verbraucht etwa 4.000 kWh Strom

Rechnung: 4.500 kWh ⨯ 0,3914 €/kWh = 1.761,3 € pro Jahr

Diesem Wert stehen die Investitions- und Betriebskosten gegenüber. Angenommen 1 kWp kosten 3.600 Euro, dann liegt die Investitionssumme der Anlage bei 18.000 Euro. Die jährlichen Betriebskosten sind 1,5 Prozent der Investitionskosten und belaufen sich folglich auf 270 Euro.

Nach 15 Jahren liegt der Ertrag bei 26.419,5 Euro. Die Summe aller Kosten berechnet sich wie folgt:

18.000 € + 15 ⨯ 270 = 22.050 €

Der Gewinn liegt nach 15 Jahren bei 4369,5 Euro, ohne Abschreibungen sowie steuerliche Aspekte berücksichtigt zu haben.

Fördermöglichkeiten für Photovoltaik nutzen

Da der Kauf und die Installation der PV-Anlage die größte Hürde für viele Verbraucher darstellt, gibt es eine Reihe von Fördermöglichkeiten, die diese Akquisition vereinfachen.

  • Die EthikBank finanziert große und kleine Photovoltaik-Anlagen zwischen 40.000 und 500.000 Euro. Das Unternehmen fördert den Bau von PV-Anlagen mithilfe von günstigen Zinsen. Damit Interessierte die Finanzierung in Anspruch nehmen können, muss ihre Anlage neu gebaut werden und einen Vergütungsanspruch gemäß dem EEG besitzen.
  • Die deutsche Kreditbank für Wiederaufbau (KfW) fördert mit dem Programm Erneuerbare Energien – Standard – Photovoltaik (Nummer 274) die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen auf Gebäuden und Freiflächen. Der Antrag für diese Förderung erfolgt über die Hausbank.

Weiterhin gibt es einige regionale Förderungen von denen Interessierte profitieren können:

Zusammenfassung

Photovoltaik lohnt sich für Verbraucher alleine aufgrund der Unabhängigkeit von Energieunternehmen. Mit unserem Rechenbeispiel zeigen wir auch, dass Besitzer einer PV-Anlage nach nur 15 Jahren einen Gewinn machen.

Artikelbild: © LUCARELLI TEMISTOCLE / Shutterstock

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